Heft 
(1.1.2019) 11
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Interview

Möchte keinBesser-Wessi sein Interview mit dem Kanzler der Brandenburgischen Landeshochschule

HSN: Herr Prüß, bitte umreißen Sie kurz die Aufga­ben, die von Ihnen als Kanzler zu erfüllen sind.

J.P.: Ich bin Mitglied des Rektorates, und innerhalb dieses Gremiums habe ich die Aufgabe, die Mit­glieder und insbesondere den Herrn Rektor zu be­raten. Dafür bringe ich meine westliche Verwal­tungssachkunde mit, denn es ist ja für die östlichen Länder wahnsinnig schwierig, sich in dem Rechts­und Verwaltungssystem der alten Länder zurecht zu finden, weil es völlig entgegengesetzte Welten sind. Außerdem bin ich als Kanzler der Leiter der Wirt­schafts- und Personalverwaltung, wo ich weitge­hend selbständig arbeiten kann, allerdings gehal­ten bin, Fragen grundsätzlichen Charakters mit dem Rektorat abzustimmen. Ich fühle mich hier als Mitglied dieses Teams und bin mir auch einig mit dem Rektorat, daß wir uns gegenseitig informieren und in den mittwochs stattfindenden Rektorats­sitzungen über wesentliche Dinge berichten, so daß jeder weiß, was der andere getan hat und welche Probleme zur Lösung anstehen.

HSN: Sie kommen aus Mettmann bei Düsseldorf, Wie kam es dazu, daß Sie in Potsdam Kanzler ge­worden sind?

J.P.: Tja, aus Sympathie. Ich war im November und Dezember 1990 für insgesamt einen Monat, verteilt auf drei Dienstreisen, in Potsdam, um den damali­gen Aufbaustab- denn das Ministerium gab es noch gar nicht- bei der Aufstellung des Haushaltes für 1991 zu beraten. Die Wahl fiel auf mich, weil ich seit 20 Jahren in diesem Ressort tätig bin und sicher­lich bei aller Bescheidenheit sagen darf, daß ich ein erfahrener Haushaltsmann bin. Bei dieser Gelegen­heit habe ich auch die Brandenburgische Landes­hochschule kennengelernt, weil ich von meiner ganzen Einstellung her praxisnah arbeiten möchte. Ich bin also vor Ort gegangen, und bei diesen Gesprächen habe ich Ihren Rektor kennen- und sofort schätzengelernt. Gleiches gilt für den Prorek­tor für Finanzen, Prof. Badtke, mit dem Einzelheiten zu erörtern waren. Auch mit Herrn Pohl habe ich mich sofort verstanden, so daß ich mich eigenarti­gerweise von der ersten Minute an hier an der Hochschule heimisch gefühlt habe. Dann hat mich eines samstags, im Frühjahr dieses Jahres, Prof, Badtke angerufen und mir mitgeteilt, daß die Lan­deshochschule Universität werden soll und ob ich nicht der Kanzler werden wolle. Da habe ich spon­tan erklärt: wenn es sein muß, komme ich mit dem Fahrrad. Ich mußte nur noch die Vorbehalte meiner Ehefrau ausräumen. Diese habe ich anschließend im Urlaub mühsam zu einem*Jein bewegen kön­nen, aber ich hoffe, daß meine Frau im Verlaufe der Zeit daraus ein Ja macht.

HSN: Würden Sie bitte über Ihre letzte Tätigkeit be­richten.

J.P.: Ich sagte bereits, daß ich 20 Jahre lang im Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes NRW als Haushaltsreferent tätig war. In letz­ter Zeit habe ich in diesem Rahmen Universitäten mit Uni-Kliniken, Fachhochschulen, Mu­sikhochschulen und Kunstakademien betreut, Es waren insgesamt 30 Einrichtungen, für die ich den Haushalt aufzustellen hatte. Diese Tätigkeit hat mir zunächst Freude gemacht- als noch genügend Geld da war. Je enger die finanziellen Möglichkei­ten des Landes NRW aber wurden, desto mehr allgemeine Vorgaben wurden erlassen, SO daß ich mich nur bedingt entfalten konnte. Deswegen hat­te ich bereits vor 10 Jahren versucht, an der Univer­sität in Bochum Kanzler zu werden, was damals nicht geklappt hat. Um so mehr freue ich mich, daß ich jetzt Kanzler dieser Hochschule geworden bin.

HSN: Meinen Sie, daß es sich lohnt, an der BLH Wissen, Erfahrungen und Kraft zu investieren?

J.P.: Ich meine das nicht, ich weiß das! Davon bin ich fest überzeugt und sehe all die Zeit, die ich bisher in der Verwaltung verbracht habe, als Lehr­zeit an, um, wenn ich das so sagen darf, als krönen­den Abschluß meiner Dienstiaufbahn Ihnen meine ganze Lebens- und Berufserfahrung zur Verfügung zu stellen. Insofern komme ich mit dem besten Wil­len zu Ihnen und bin überzeugt, daß es eine segens­reiche und erfolgreiche Tätigkeit sein wird.

HSN: Welche Vorstellungen und Wünsche haben Sie hinsichtlich Ihrer Tätigkeit, und wie stellen Sie sich Ihre Arbeit mit den Dezernenten und insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Rektorat vor?

J.P.: Die Zusammenarbeit mit dem Rektorat habe ich eingangs kurz skizziert, Es ist für mich eine beson­dere Freude, im Rektorat mitarbeiten zu dürfen, weil ich mich jedem der Mitglieder menschlich verbun­den fühle und von der Art und Weise, wie anstehen­

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de Entscheidungen gemeinsam erarbeitet wer­den, stark beeindruckt bin. Ich bin mir einig mit seinen Mitgliedern, daß mein Wunsch, als Team zu arbeiten, von diesen auch so gesehen wird. Das ist erforderlich, weil wir vor der schwierigen Aufgabe stehen, aus der jetzigen Hochschule eine Universi­tät zu machen. Soweit es die Dezernenten betrifft, bin ich der Ansicht, daß ich gut beraten bin, wenn ich auch dort für Teamarbeit plädiere, d. h., jeder einzelne Dezernent muß für seinen Teilbereich selbst verantwortlich sein, unbeschadet meiner Verant­wortung für den Gesamtbereich. Das möchte ich erreichen, indem ich mich wöchentlich mit allen Dezernenten zusammensetze. Außerdem werde ich bestrebt sein, mit jedem Dezernenten, aber auch mit den einzelnen Sachbearbeitern, einen engen Kontakt aufzunehmen, damit sie meinen Arbeitsstil kennenlernen, damit ich Einfluß nehmen kann auf die Art der Bearbeitung. Ob das alles so klappen wird, weiß ich nicht, denn ich komme ja nicht mit Konzepten hierher. Jedenfalls bin ich kein *Besser-Wessi und würde mich freuen, wenn ich nach kurzer Zeit von Ihnen nicht mehr als Westler angesehen, sondern Ihr Kanzler sein würde, der zufällig aus dem Westen kommt.

HSN: Herr Prüß, könnten Sie sich kurz selbst charak­terisieren? Se

J.P.: Das ist eine schwierige Frage, denn es könnte*

ja wie Eigenlob klingen, wenn ich mich schildere, Am liebsten hätte ich, daß Sie mich beobachten und sich ein eigenes Bild von mir machen würden. Ich kann nur sagen, daß ich im Grunde als ausge­glichen und väterlich gelte, als einer, der behutsam mit Menschen umgeht, der auch am privaten Schicksal seiner Mitmenschen Anteil nimmt. Ich meine, daß die menschlichen Qualitäten, die ich in mir sehe, noch wichtiger sind, als die fachlichen Erfahrungen und Kenntnisse, die ich natürlich habe, denn ich bin Verwaltungsjurist und verfüge über ganz beachtliche Erfahrungen, die aus mehreren Bereichen stammen. Ich würde in erster Linie doch das Menschliche sehen und bin überzeugt, daß ich mit dieser Grundeinstellung ein schlagkräftiges Team an der Hochschule aufstellen kann. Aus ei­nem Klima menschlicher Wärme müssen zwangs­Iäufig gute Leistungen resultieren. Jeder kann mir mit seinen Wünschen kommen, ich werde diese auch erfragen. Es ist für mich völlig nebensächlich, welche Position mein jeweiliger Gesprächspartner innerhalb der Hochschule einnimmt.

Mit anderen Worten: es ist durchaus denkbar, daß ich mich mit einem Heizer oder Pförtner oder einer Sekretärin lieber unterhalte, wenn sie mir etwas Echtes zu sagen haben, als mit einer sogenannten

IBM-Kabinett eingeweiht

Am 14. Mai wurde in Anwesenheit des Rektors und von Vertretern des Hochtechnologie-Unterneh­mens IBM im Fachbereich Informatik ein IBM-Kabi­nett(H 171) in Betrieb genommen, welches mit modernsten Geräten, mit System-Software und Lernprogrammen ausgerüstet ist, Es dient als Aus­

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hochgestellten Persönlichkeit, wobei ich letzteren nicht zu nahe treten, sondern ausdrücken möchte, daß aus meiner Erfahrung manche*kleinen Leute mehr zu sagen haben als mancher Hochgestellte. HSN: Dürfen wir etwas aus Ihrem Privatleben er­fahren, z.B. welchen Hobbys gehen Sie nach, und was findet Ihr besonderes Interesse?

J.P.: Das Haupthobby ist sicherlich meine Frau und meine Familie. Wir haben 1966 außerhalb von Düs­seldorf ein Einfamilienhaus gekauft, in dem ich mich überaus gern aufhalte, Ich arbeite gern im Haus und im Garten, und es macht mir tatsächlich Freu­de, mit dem Handrasenmäher den Rasen zu mä­hen und dabei abzuschalten. Dies mag zunächst als Widerspruch erscheinen, denn es drängt sich ja die Frage auf, wieso denn der Prüß, wenn er so gern in seinem Hause wohnt, nun ausgerechnet nach Potsdam geht. Diesen Widerspruch sehe ich aber nicht, meine Frau sieht ihn zwar, meine drei Söhne allerdings nicht. Ich muß da unterscheiden zwi­schen meiner privaten und dienstlichen Tätigkeit, und Sie können überzeugt sein, daß ich genau so gern alle zwei Wochen mit dem Freiflug zu meiner Familie reise, wie ich dann wieder zu Ihnen nach Potsdam komme. Mit meinen drei Söhnen bin ich befreundet und treffe besonders gern mit ihnen zusammen. Sonst habe ich leider die ganzen Jahr­zehnte viel zu viel gearbeitet, so daß ich nur bedingt Zeit für ein Privatleben hatte. Allerdings habe ich mir die Zeit genommen, um Tennis zu spielen. Ich habe drei Herrendoppelrunden, die alle am Wochenen­de liegen, so daß ich mein Tennis-Hobby mit meiner Tätigkeit in Potsdam vereinbaren kann. Sonst bin ich kulturell breit interessiert, bin Musikliebhaber, mag klassische Musik, habe eine riesige Schallplattensammlung, gehe gern ins Konzert, auch ins Theater, wobei allerdings z.T. heutzutage die Stücke in einer Art aufgeführt werden, die mich nicht allzusehr anspricht. Als ein Beispiel darf ich erwähnen, daß ich an meinem Geburtstag im Mai, den ich drei Tage nach meiner Ankunft in Potsdam verbracht habe, mir nachmittags im Hans-Otto­TheaterDie lustige Witwe angesehen habe und abends in eine sehr gute Aufführung eines Stückes von Vaclav Havel gegangen bin, wo drei Einakter gespielt wurden, die mich ungewöhnlich ange­sprochen haben. Tja, das andere, meine ich, be­sprechen wir später einmal.

HSN: Herr Prüß, wir danken Ihnen für dieses Ge­spräch.

(Das etwas gekürzt wiedergegebene Interview führte

Dr. R. Rammelt.)

bildungs- und Beratungszentrum für Studenten und Mitarbeiter. Prof. Mitzner brachte in seiner kurzen Dankesrede die Gewißheit zum Ausdruck, daß in Zukunft derartige Ausstattungen zum Standard der Hochschule gehören werden, um eine Grundaus­bildung für alle Studenten ermöglichen zu können.

Foto: Rüffert