TEENS EEE
Vernunft oder blinder Wille? Die Modernität
Für enge Beziehungen
Am 15. Mai fand an der Brandenburgischen Landeshochschule, Am Park Babelsberg 14, ein Vortrag mit Professor Rosecrance von der University of California, Los Angeles, statt. Die Veranstaltung wurde vom Fachbereich Politikwissenschaft, in Zusammenarbeit mit dem Amerika Haus Berlin, gesponsort.
Auch wenn der Titel dieses Vortrages,“Die Rolle der USA im Europa des 21. Jahrhunderts”, ein wenig in die Zukunft greift, so wurde doch schnell klar, daß der Grundstein für ein prosperierendes Morgen schon heute gelegt werden muß. Und so ist auch eine der Thesen von Professor Rosecrance, daß nur in einer Beziehung der Zusammenarbeit eine sichere Zukunft für die Vereinigten Staaten und für Europa möglich ist.
Eine der Fragen, die sich für die Regierung der USA derzeit stellt, die sich allerdings auch uns stellen sollte, ist die künftige wirtschaftliche, politische und Nicht zuletzt militärische Rolle, die die Vereinigten Staaten in Zukunft spielen werden. Professor Rosecrance sieht drei Möglichkeiten einer künftigen Entwicklung.
- Vollständiger Abzug aller amerikanischen Truppen aus Europa und dem Großteil der Welt, Also eine Wiederbelebung des amerikanischen Isolationismus.
- Die Weiterführung der europäisch- amerikaNischen Politik, wie vor dem Ende des Ost-West Konflikts,
- Eine veränderte Rolle der USA, indem sie Europa als gleichberechtigten Partner anerkennt.
Sowohl aus der Geschichte Europas als auch auf Grund der wachsenden wirtschaftlichen Interdependenz der Industrienationen ist für Prof, Rosecrance nur die letzte der Optionen- also eine veränderte Rolle der USA- erstrebenswert...
Der Vortrag von Prof. Rosecrance zeigte, daß eine größere Zusammenarbeit Europas und der Vereinigten Staaten auch für die Hochschule nur von Vorteil sein kann.
M. Johnson Fachbereich Politikwissenschaft
Rendezvous a Paris
Als wir, die 10 Glücklichen, die die Ehre hatten, die Hauptstadt der Mode und der Malerei zu besuchen, nach 15 Stunden Zugfahrt in der verregneten französischen Metropole ankamen, träumten wir zunächst einmal von schönem Wetter, Die ersten beiden Tage war unser Hoffen vergeblich. Aber statt der französischen Sonne lernten wir Lehrerstudenten und Lehrkräfte der Ecole Normale d’Instituteurs sowie Kommilitonen aus Brüssel und Karlsruhe kennen. Und wenn der Regen auch dafür sorgte, daß der Fotoapparat in der Jugendherberge blieb, ließen wir uns die berühmten Sehenswürdigkeiten nicht entgehen. Der Louvre, die Katakomben, Notre Dame und Sacre Coeur sind ja auch von innen sehenswert. Als dann die Sonne vom 3. Tag an ihr Bestes gab, zeigten sich auch Straßenmusikanten, Bouquinisten und Schauspieler. Wiesen, Parks und Straßencafes präsentierten sich wie im Reiseprospekt. Bei all der Pracht wurden wir allerdings auch sehr negativ überrascht. Stadtteile nicht weit vom Zentrum entfernt, erinnern an Kreuzberg oder verfallene Altbaugebiete. Dort leben vor allem Ausländer aus den ehemaligen Kolonien. Keiner von uns hatte bisher so viel Schmutz auf den Straßen und so viel Bettler in den Metro-Zügen gesehen....
Unsere französischen Gastgeber boten uns ein umfangreiches und vielseitiges Programm. Am meisten begeisterte uns der Besuch einer Bildungseinrichtung, in der Krippe, Kindergarten und Grundschule kombiniert sind. Die offene AtmMosphäre im Unterricht, die ideenreiche Ausgestak tung der Räume und nicht zuletzt die freundliche Aufgeschlossenheit der Lehrer und Schüler ließen diesen Vormittag zu einem besonders schönen Erlebnis werden.
In Diskussionsrunden zum Bildungswesen und zur Stadtentwicklung von Paris erhielten wir trotz einiger sprachlicher Schwierigkeiten interessante Informationen. Unsere Gastgeber fragten uns besonders nach der Umgestaltung des Bildungswesens in den neuen Bundesländern.
Wir möchten an dieser Stelle Herrn Prof, Gzik und Frau Prüfer für die Organisation, Vorbereitung bzw. Betreuung unserer Reise herzlich danken.
Anke Barth MG 88.2 Dorit Hellige Goo 88
Schopenhauers.
Ein Dialog im Frankfurter*Englischen Hof” um 1840: “Sie essen ja für zehn?!”;"Ich denke auch für zehn!”,
Der so antwortete, war Arthur Schopenhauer (17.02.1788- 21.09.1860),"der alte knurrende Pudel”(F. Liszt).
Was ist aus dem oeuvre dieses absonderlichen, aber eigentlich sehr menschlichen und wohl auch sympathischen Philosophen bekannt?
Man weiß von seiner(theoretischen!) Aversion gegen die Frauen, dem*kurzbeinigen, breithüftigen Geschlecht”, als*instrumentum diaboli”, seinem Haß auf Hegel und die*Universitätsphilosophen”, dem Pudel Atma; vom Philosophen Schopenhauer den tiefen“Pessimismus” und“Irrationalismus”, bestenfalls kennt man noch die"Aphorismen zur Lebensweisheit”.
Eberhard Fromm,(ehemals) Professor der GewiAkademie beim ZK der SED, versucht, in das*Denken gegen die Zeit” des(ehemaligen)"Ideologen der Bourgeoisie” einzuführen.
Seine Biographie über den"Vordenker des PessimMismus” ist unter zwei Aspekten gerade für(ehemalige) DDR-Bürger lesenswert: 1."Tradition” offizieller Philosophiegeschichtsschreibung(= Kritik) ist noch sehr lebendig und damit wird 2. Schopenhauer in einer(uns gut)"verständlichen” Form vorgestellt,
Fromm stellt die Etappen in Schopenhauers Leben in das weltgeschichtliche Theater zwischen Französischer Revolution(hier war er, Schopenhauer, ein Jahr alt!) und die Revolution von 1848- wir können uns orientieren, weil diese Daten Eckdaten auch in jedem kleinen Heimatmuseum waren,
Arthur SCHOPENHAUER
Über den Willen in der
Natur
Aber Schopenhauer interessieren diese Geschehnisse nicht, die revolutionäre"Canaille” belästigt ihn nur. Das Hegelsche Paradigma des "Zeitgeistes” ist hier unzutreffend; ein Philosoph ist nicht nur Sprachrohr des Weltgeistes, sein Werk trägt(nach einer Sentenz Fichtes) auch den Charakter seines Schöpfers in sich.
Diese”subjektive Seite”(würden wir sagen) ist gegenüber der”Objektivität”(was immer das auch seil) in der Biographie m.E. unzulässig vernachlässigt. Die zwei, für Schopenhauers Philosophie entscheidenden Dinge, seine Persönlichkeit(die gekennzeichnet ist v.a. durch leidenschaftliches Temperament, starke Sensibilität für eigenes und fremdes Leid und der Seligkeit des Erkennens sowie des künstlerischen Genusses) und seine Bekanntschaft mit dem indischen Denken werden nur angerissen, ja der Aneignungsprozess der indischen Philosophie gar als"geborgte Weisheiten” mißverstanden; der ideengeschichtliche*Ort” Schopenhauers somit kaum beleuchtet. Ein weiteres Mißverständnis beruht auf dem Dilemma"Grundfrage der Philosophie”: ist Schopenhauer nun Idealist(wenn ja, welcher Ordnung) oder Materialist? Fromm stellt ihn(mit Hilfe Lenins, via Berkeley) zu den*subjektiven Idealisten”; ein sehr problematisches Unterfangen, weiß man doch um den*Materialismus” Schopenhauers(vgl. hierzu die Arbeiten von A. Schmidt).
Zu den Postulaten DDR-deutscher Philosophiegeschichte gehörte die Einheit von Werk- und Wirkungsgeschichte, Hat man(erinnert sei an den*Fall Nietzsche”) teilweise die Wirkungsgeschichte über (und vor) das Werk gestellt, versucht, Fromm beides ausgewogen darzustellen und knüpft hierbei z.T. an Mehring und Lukacs an. Tiefer hätte ich mir jedoch das Kapitel*Vom Krisenerlebnis bis zur Postmoderne” gewünscht- und, für eine marxistische Analyse,
zu der sich Fromm expressis verbis bekennt, den Enilog:"Schopenhauer und Marx”,
Alles in allem wurde ich das Gefühl nicht los, etwas eilig Entstandenes zu lesen- das muß kein Nachteil sein, nimmt man es als das, was es ist(Und wohl auch sein will): kurze Einführung in Leben und Werk, Nach dieser Lektüre sollte man jedoch unbedingt das zweite Buch zur Hand nehmen:“Uber den Willen in der Natur”. Es ist Fromm und dem Dietz-Verlag zu danken, daß sie dieses und nicht die(wohl eher dem"Zeitgeist” entsprechenden)"Aphorismen” herausgegeben haben. Das kurze Büchlein von 1836, sechzehn Jahre nach dem Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung” erschienen, gibt die beste Einführung in Schopenhauers Denken von ihm selbst. In Anlehnung an Schopenhauer kann diese Schrift als*Ariadnefaden”(von den Einzelwissenschaften gesponnen) gelten, der ins Labyrinth Schopenhauer führt.
Schopenhauer stand, als”einziger Kantianer”, vor dem gleichen Problem wie der Königsberger: Wie ist nach der“Kritik der reinen Vernunft” eine Ethik möglich? Kant löste das Problem mit einer Setzung, die seine bisherigen Erkenntnisse z.T. negierte. Schopenhauer erkannte diesen Antagonismus: “Kant läßt, nachdem die theoretische Vernunft am Ende ist, seinen,... kategorischen Imperativ als deus ex machina auftreten”, und meint ihn gelöst zu haben, indem er”die Realität alles Daseins und die Wurzel der gesamten Natur in den Willen” legt
(S. 163). Kants numinoses"Ding an sich” wird zum "Willen”, der die Welt ist, die Dinge selbst sind*Erscheinungen” oder, so Schopenhauer“besser: Vorstellung”. Der*Ur-Wille” objektiviert sich in 3 Stufen: 1. im Unorganischen(mechanisch wirkende Ursache), der"Grundbaß”, 2. im Organischen(als Reiz), die"Mittelstimme” und 3. im Bewußtsein(als Motiv), der führenden, bedeutungsvollen Melodie”. So ist das Gehirn nichts anderes als das Organ des”*Willens zum Erkennen”-"der blinde Wille hat sich eine Fackel angezündet”. Alles was ist, hat Willen, 1.5. eines beständigen Unbefriedigtseins, ist Knechtschaft unter den Willen.
Ziel aber ist"Verneinung des Willens”, die gänzliche Willenslosigkeit, die Abtötung aller Triebe- und damit der Eingang ins Nirvana. Die Kunst, hierbei besonders die Musik, gibt(besonderen Menschen!) die Möglichkeit“interesselos zu schauen”, man steigt über den Bereich des Individuellen und seine
Arthur Schopenhauer
S
MSCHOPENHAUER
Begierden empor und verweilt befriedigt im Genuß, "Uber den Willen in der Natur” versucht, das System Schopenhauers mit den neuesten Erkenntnissen aus den Naturwissenschaften aber auch Linguistik, Indologie und Sinologie zu untermauern und ist sicher auch unter dem Blickwinkel des an der Geschichte und Rezeption seiner Fachwissenschaft Interessierten gut zu lesen. Besonders anregend ist sein System für ästhetische, psychologische und ethische Fragestellungen, schärfte er doch den Blick für die"düsteren Seiten des Lebens” und überwand damit den flachen Optimismus der Aufklärung. Das Bemühen um eine Lebenskunst, die enttäuschungsfest macht in der"geistigen Ratlosigkeit der Zeit”(Schmidt), spricht an und hilft beim*Weiterdenken”.€
Arthur Schopenhauer: Über den Willen in der Natur; Dietz 1991
Eberhard Fromm: Arthur Schopenhauer: Vordenker des Pessimismus; Dietz 1991
K. Freyberg Institut für Philosophie
Nr. 11/91