Heft 
(1.1.2019) 11
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Kultur

TEXT- TOUR GB) Erich Fried(1921-1988)

(Am 6. Mai wäre der österreichische Dichter 70 Jahre alt geworden.)

DIE UNVOLLKOMMENEN

ich glaube nicht

an die Unvollkommenen

die glauben

daß sie das Unvollkommene vollkommen machen können für sich

und für die

deren Lehrer sie werden wollen

Aber wenn ich dann andere Unvollkommene sehe

die nicht glauben

daß man das Unvollkommene vollkommen machen kann und die deshalb glauben

daß sie sich die Mühe

sparen können

es zu versuchen

dann beginne ich wieder zu glauben an die Unvollkommenen

die glauben

daß sich die Mühe

immer noch

lohnen kann

(Erich Fried: Mißtrauen lernen. Prosa, Lyrik, Aufsätze, Reden.- Herausgegeben von Ingeborg Quass. Berlin: Verlag Volk und Welt, 1989, S. 163)

An alle Senioren

Für unsere am 3. Juni nach Oberjünne stattfin­dende Busfahrt sind noch 20 Plätze frei. In­teressenten treffen sich am Montag, dem 3. Juni um- 10.30 Uhr in der Hegelallee am Cafe Potsdam.

P. Welschinger

Mancher wird sagen, in diesen Tagen einen Aufruf zur künstlerischen Selbstbetätigung zu verfassen und auch noch eine Veranstaltung zu organisieren, in der jeder auftreten kann, ist ein sehr gewagtes Unternehmen. PODIUM91 sollte den Initiatoren des Bereiches KULTUR in ihrem Optimismus recht geben.

Am 7. und 8. Mai 1991 wurden die Ergebnisse in einer äußerst aufgeschlossenen Atmosphäre in der Oberen Mensa vorgestellt. Auch der neue Kanzler unserer Hochschule, Herr Prüß, ließ es sich nicht nehmen, an einem Abend dabeizusein.

Es war ermutigend zu spüren, zu sehen und zu hören, mit welcher Kreativität die Studenten um Selbstverständigung rangen. Jeder Beitrag strahlte Individualität aus, so wurden Gedichte und Texte von Sarah Kirsch, Günter Kunert, Heiner Müller, Kä­the Reichel und Wieland Förster vorgetragen, aber auch Selbstgeschriebenes. Die Palette der künstle­rischen Darbietungen wurde ergänzt durch Musi­

ZZ

Von Studenten für Studenten

calszenen, eine gymnastische Tanzstudie mit Text sowie mit ausgestellten Bildern und Zeichnungen. Zwei junge Potsdamer Musiker(Gerd Hannemann und Stefan Langner) begleiteten an diesem Abend die Solisten.

Am 8. Mai eröffnete die Gruppemanifest mit ihrem neuen Programm*... denn mit Tränen kann man keine Tränen stillen den zweiten Teil von PO­DIUM91. Lieder und Tänze des jüdischen Dichters Josef Burg wurden mit Auszügen aus Briefen und Texten verbunden, sehr emotional vorgetragen. Anschließend, ebenfalls sehr überzeugend dar­geboten, traten Studentinnen des Fachbereiches Musik mit einem Tucholsky-Programm(Texte und Chansons) auf,

Insgesamt bleibt festzustellen, daß es an unserer Hochschule künstlerisch interessierte und engagier­te Studentinnen gibt. Das läßt auf PODIUM92 hof­fen.

Dr. Barbara Eckardt

Foto: Eckardt

Meerjungfrauen küssen besser(Mermaids)

Mrs. Flax(Cher) verkleidet sich zum Neujahrsfest als Meerjungfrau,

Man schreibt das Jahr 1963. Mrs. Flax, allein­erziehende Mutter zweier Töchter, Charlotte, 15, und Kate, 10, ist alles andere als ein Abbild von Jackie Kennedy. Moralisch und modisch gesehen ein Freigeist, verläßt sie jede Stadt, sobald sich ihre

aktuelle Affäre als Flop erweist, Charlotte und Kate kommen auf diese Weise viel herum in der Welt. Auf achtzehn Städte hat Mrs. Flax es schon gebracht. Charlotte versucht auf ihre Weise, das sündige Le­ben ihrer Mutter wiedergutzumachen: Sie ist eine

Möchtegern-Nonne und betet ungeachtet ihrer jüdischen Herkunft eine Ansammlung von christli­chen Heiligen an. Kaum in ihrer neuen Heimatstadt Eastport, Massachusetts, angekommen, verliebt sie sich in den gutaussehenden Hausmeister des nahe­gelegenen Klosters. Um ihre brodelnden Hormone unter Kontrolle zu bringen, erwägt Charlotte den Übertritt zum Katholizismus.

Auch Mrs, Flax sieht sich mit einer neuen Liebe konfrontiert: Der ortsansässige Schuhhändler Lou Landsky schafft es, für ihren Geschmack allerdings viel zu schnell, ihr Familienleben zu stabilisieren. Als Charlotte wegläuft, weil sie glaubt, durch einen Kuß von Joe Opfer einer unbefleckten Empfängnis ge­worden zusein, ist es Lou, der sie wieder nach Hause bringt. Sollte Mrs. Flax in Lou etwa ihren. Meister gefunden haben?

MEERJUNGFRAUEN ist eine witzige, einsichtsvolle Geschichte über die Angste einer Mutter, sich fest­zulegen und ihre Angste ihrer pubertierenden Toch­ter, sich hinzulegen. Halb Komödie, halb Drama ist MEERJUNGFRAUEN ebenso in zwei Elementen zu Hause wie seine Protagonistinnen Mrs. Flax und ihre beiden Töchter, die alle drei weder Fisch noch Fleisch sind und mühsam versuchen, sich im Chaos des Lebens zurechtzufinden.

Zu sehen sind Cher als Mrs. Flax, Bob Hoskins als Lou Landsky, Winona Ryder als Charlotte, Michael Schoeffling als Joe und Christina Ricci als Kate. Kinostart ist am 30. Mai 1991.

(aus: Presseinformation)

Nr. 11/97