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Bildung
Lehramtsstudiengänge auf einem“sterbenden” Ast?
Zur selben Zeit wie die Informationstage der BLH fand in Oldenburg ein Kongreß zu Bilanz und Perspektiven der Lehrerausbildung an den Universitäten Niedersachsens statt, Viele werden sich fragen: Was ist an einem solchen Kongreß für uns in Brandenburg interessant? Die Vereinigung Deutschlands, so Kultusminister Prof, Wernstedt in seinem Vortrag zur Schulentwicklung in Niedersachsen, fordere auch im schulischen Bereich höhere finanzielle Aufwendungen durch den nach wie vor anhaltenden Bevölkerungsstrom von Ost nach West, u.a. für neu einzustellende Lehrer. Diese vor Jahren nicht absehbare Entwicklung ermögliche es dem Ministerium nicht, aktuelle Lehrerbedarfszahlen herauszugeben, was nach Auffassung des Gesprächskreises Schule-Universität(SSU) an der Universität Oldenburg zu deutlichen Diskrepanzen zwischen Studiennachfrage und Lehrerbedarf geführt hat. Dies zeigt sich z.B. in einer zu geringen Zahl von Studierenden in naturwissenschaftlichen Fächern (vor allem in den Lehramtsstudiengängen für Realschulen und für Grund- und Hauptschulen) sowie in einer zu_hohen Zahl der Studienanfänger für 4 Lehramt an nasien In zahlreichen Fächern. Im folgenden ging der Minister auf inhaltliche Veränderungen im Schulwesen Niedersachsens ein. Ein Vergleich mit Entwicklungen in Brandenburg ist M.E. interessant,
= So solle durch eine Schulgesetzänderung die Gesamtschule neben den anderen Schulformen als Regelschule anerkannt werden.
= In den Bildungsauftrag der Schulen wird ökolo
gisches Lernen sowie multikulturell MSN ST "dufgerrommTTeTT, WGS uBß auf die Aus- und
Fortbildung von Lehrern haben müsse,
= Speziell auf einzelne Schulstufen bezogen, wurde z.B. für die Grundschule von der Integration Behinderter gesprochen, was einen höheren Bedarf an Sonderschullehrern zur Folge habe,
sowie von einer frühzeitigen Einführung des Eng= Auchin ul ıtafel soll es Veränderungen
geben(alternative Stundentafel). Diese ziele darauf ab, der Schule mehr Autonomie zu Sichern. Um die hier stichpunktartig dargestellten Perspektiven im Schulwesen zu realisieren, erscheint
eine qualitativ hohe und berufsbezogene Lehrertuafion an den Univer: en Niedersachsens von Fachdidaktikern und Erziehungswissenschaftlern malen dagegen ein eher düsteres Bild. So wird
davon gesprochen, daß das Lehren s pe zogen Studienangebot an_den meisten Universitäten so stark ausgedünnt ist, daß der Nachweis eines ordni
n ums Kaum_erbrac)
cher Verzögerung erreicht werden kann. Gründe dafür werden nicht nur in steigenden Studentenzahlen, sondern auch in der Personalpolitik in Fachdidaktik- und Pädagogikbereichen gesehen. Qualitätseinbußen(Lehrerausbildung als Massenbelehrung, Studierende ohne Möglichkeiten der aktiven Beteiligung an Schul- und Unterrichtsforschung, Möglichkeiten für Praktika können nicht genutzt werden) in der Ausbildung sind die Folge. Vor diesem Hintergrund erscheinen Perspektiven in der Lehrerausbildung in Brandenburg in einem besonderen Licht. Es gibt zwar im Augenblick einen_an
heinenden Lehrerüberschuß. Dieser solfe aber nicht dazu verleiten, die Lehrerausbildung aus dem Blickfeld zu verlieren. Auch die angestrebte europäische Einigung fordert von der Lehrerausbildung prachunterricht, multi
gedacht werden müssen. Einen weiteren wer: punkt der Tagung stellten die schulpraktischen Übungen dar, ein Ausbildungsschwerpunkt, der auch bei uns in den letzten Monaten zur Disposition stand. Es wurde festgestellt, daß die Diskussion zu diesem Thema darunter leide(wohl auch bei uns), daß vornehmlich auf der Basis von persönlichen bzw. Institutioneninternen Erfahrungen argumentiert werden muß, da nur sehr unvollständige empirische Forschungsergebnisse über die Wirkung schulpraktischer Studien vorliegen. Es sei dringend erforderlich, die Diskussion um Sinn und Zweck solcher Studien durch solche Forschung zu versachlichen. Z.B. wäre an einen Vergleich verschiedener Organisationsmodelle zu denken, etwa im Rahmen von Modellversuchen zur Lehrerausbildung. Die Entscheidung über die Zweiphasigkeit der Lehrerausbildung in Brandenburg ist wohl gefallen. Ausgehend von den Erfahrungen Niedersachsens soll
te von vornherein über die Zusammenarbeit zwi
schen Hochschule und-Ausbildungs- ung Studien:_ minaren des Vorbereifungsdienstes nachge
genseitige mahme von Tekhraufträgen, könn
ten dieser m.E. notwendigen Beziehung zugute kommen. Eine Diskussionsrunde mit einem Vertreter des Kultusministeriums bildete den Abschluß des Kongresses und vermittelte ein interessantes Bild der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Ministerium.
Mein Fazit aus diesem Kongreß: Lehrerausbildung könnte ein zukünftig"blühender” Ast universitärer Ausbildung in Brandenburg sein, wenn es gelingt, dafür notwendige Bedingungen zu schaffen bzw. zu erhalten, Ein erster Schritt dazu könnte ein runder Tisch mit Vertretern beider verantwortlichen Ministerien und Lehrerbildnern sein, um die anstehenden Probleme langfristig gemeinsam In Angriff zu nehmen.
Dr. Götz Bieber
Sonderaustauschprogramm des JDZB
Das Japanisch- Deutsche Zentrum Berlin(JDZB) bietet im Rahmen des Sonderaustauschprogramms(SAP), das der Förderung des wissenschaftlichen Austausches zwischen Japan und Europa dient, 30 Stipendien für europäische Wissenschaftler/innen(Fellowship) in Japan an bzw. 40 Stipendien für Studenten/innen(Scholarship). Dieses wissenschaftliche Förderungsprogramm beruht auf einer Initiative des ehemaligen Premierministers Takeshita, der anläßlich seiner Europareise 1988 die Bedeutung einer Intensivierung der Beziehungen zwischen Japan und Europa betont hat. Das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin(JDZB) betreut in Zusammenarbeit mit dem japanischen Außenministerium die Durchführung des Programms. Für die Stipendien können sich Interessenten aus den 12 EG-Staaten, Österreich, der Schweiz, Schweden, Norwegen, Finnland, Malta und Zypern mit ständigem Wohnsitz in diesem Gebiet und der Staatsangehörigkeit eines dieser Länder bewerben.
Förderungsbedingungen
1. Fellowships:
a. Gefördert werden in der Regel Aufenthalte von mindestens drei Monaten.
b. Als wissenschaftliche Qualifikation gilt die Promotion.
c. Voraussetzung für eine Förderung ist weiterhin die Bestätigung, daß die Forschungen an einer japanischen wissenschaftlichen Institution
durchgeführt werden können, bzw. der Nachweis, daß ein japanischer Wissenschaftler das Forschungsvorhaben betreut,
d. Gute Kenntnisse des Englischen oder Japanischen.
2. Scholarships:
a. Gefördert werden in der Regel Studienaufenthalte(für alle Fachrichtungen) von mindestens sechs Monaten und von höchstens einem Jahr.
b. Voraussetzung für eine Förderung ist die Zulassung an einer japanischen Hochschule bzw. die ausdrückliche Einladung eines japanischen Hochschulprofessors, der für die Betreuung zuständig ist. Die Wahl der japanischen Universität liegt beim Bewerber, der für eine rechtzeitige Anmeldung verantwortlich ist,
c. Gute Kenntnisse des Englischen oder Japanischen.
Bewerbungsfristen: 30.09.1991, 31.03, 1992
Über die das Stipendium beinhaltenden hiungen
(für Fellowships, Scholarships) sowie notwendige Bewerbungsunterlagen erhält jeder Interessierte bei Frau Bürger(AAA, F 105) genaue Auskunft, Über die Bewerbung entscheidet eine Kommission in Zusammenarbeit mit dem japanischen Außenministerium. Die Mitteilung über die Entscheidung der Kommission erfolgt schriftlich ca. sechs Wochen nach Ende der Anmeldefrist,
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In einer Information vom 28.5.1991 bittet die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, Marianne Birthler, um die Diskussion aller mit dem Lehrertag verbundenen Fragen. Sie drückt darin ihr Interesse am Äußern von Meinungen sowie an der Möglichkeit der Kenntnisnahme dieser durch das Ministerium aus. Im folgenden veröffentlichen wir eine, unabhängig von ihrem Schreiben, eingegangene Leserzuschrift. Weitere Artikel zum genannten Thema würde die Redaktion sehr begrüßen.
Da war doch noch etwas? Der Lehrertag!
Es gibt ihn nicht mehr, den Lehrertag- na gut. Man sollte sich jedoch zu den verschiedensten Anlässen der verschiedenen Umstände früherer Lehrertage und früherer Lehrertätigkeit erinnern- wäre gut. Viele Deutsche klagen, daß die Nazizeit nicht aufgearbeitet wurde. Viele West-Deutsche klagen, daß die Lehren aus 1968 nicht gezogen sind. Wollen wir Ost-Deutschen nun auch noch eine Chance der Besinnung, Analyse, Veränderung vergeben, indem wir die Vergangenheit vergessen, tilgen, leugnen?- wäre schlecht! Wie war es denn? Wir bekamen Orden,*Oberlehrer” und Obligationen. Es gab Bankette, Sonetten und Sonaten. Unsere Schüler waren in Teilen solide gebildet, recht diszipliniert und lehrstellenversorgt. Aber sie sind uns zu brav, zu unkritisch, sehr folgsam und fügsam und nachplappernd geraten! Sie akzeptierten die abgeschottete Welt, die(morsche) rote Welt und kannten nur wenige Probleme und die oft nur aus einer*geschnittenen” Fassung. Sie schnupperten Epocheluft und hörten schon(gelegentlich),sie rieChe stark nach Schwefeldioxid und Grabesmoder. Wir als ein Faktor(Faktotum?) der Gesellschaft haben das wesentlich mit erzeugt. Die Mauer brach zusammen, das Weltbild auch. Und nun bricht mit Brachialgewalt das neue Weltbild, die softy-Marktwirtschaft über unsere Schüler(und uns) herein! Und nun? Pessimismus, weil Gehalt acht Zehntel von sechs Zehnteln? Tatenlosigkeit, weil ideologischer Katzenjammer? Verweigerung, weil Strukturwandel auch"nicht det Gelbe von‘
s Ei”? Nein!
Ganz anders! Endlich die guten Chancen nutzen! Jetzt können wir doch unsere Schüler ohne Arg auffordern: analysiert, diskutiert, streitet! Wir sollen das sogar.(War nicht früher rasch die Grenze efrreicht? Waren nicht oft eher unsere Beschwichtigungen, Abwiegelungen und Uberredungen gefragt, wenn das unverkorkste Denken der Schüler Ungereimtheiten am Modell“deutscher Sozialismus” entdeckte?) Jetzt können wir durchaus dem einen oder anderen aktuellen Stichwort nachgehen, denn es fragt keiner mehr stupide*steht das im Lehrplan?”(War nicht früher sogar weltbewegender Stoff regelrecht aus den Schulstuben ausgegrenzt? Griechische Sagen, ökologische Schäden, westeuropäische und überseeische Künstler/ Wissenschaftler/Politiker.) Jetzt können wir auch endlich unsere besondere Art des Unterrichtens suchen und entfalten, denn es klagt kein Fachberater, daß diese Methode unüblich sei und jene nicht im Handbuch steht.(War nicht früher so eine Art sozialistischer Kanon methodischer Verfahren in Kraft, in dem man Projektunterricht oder Rollenspiele in der Oberstufe vergeblich suchen würde?) Also: jede Menge Freiheiten; früher gelegentlich schon behauptet, heute wirklich gegeben. Nutzen wir sie! Sie sind einem kreativen Beruf besonders förderlich. Produzieren wir freiheitlich erzogene und denkende Staatsbürger! Probieren Sie es! Jetzt darf man Wirklich unverblümt sagen, wenn eben dieses oder jenes den Kohl auch nicht fett macht, und keiner wird einem z.B. den krausen Gedanken abwaigeln wollen, daß die Waffen der Deutschen doch noch einen recht stolzen Berg ergeben. Freiheit ist's geworden. Progression ist angesagt, Humanismus ist das große Ziel!
Es gibt viel zu tun- packen Sie’s an!
Dr. F. Schubert Institut für Medienpädagogik
Nr. 12/91