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(1.1.2019) 12
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Bildung

Lehramtsstudiengänge auf einemsterbenden Ast?

Zur selben Zeit wie die Informationstage der BLH fand in Oldenburg ein Kongreß zu Bilanz und Per­spektiven der Lehrerausbildung an den Universitä­ten Niedersachsens statt, Viele werden sich fragen: Was ist an einem solchen Kongreß für uns in Bran­denburg interessant? Die Vereinigung Deutsch­lands, so Kultusminister Prof, Wernstedt in seinem Vortrag zur Schulentwicklung in Niedersachsen, for­dere auch im schulischen Bereich höhere finanziel­le Aufwendungen durch den nach wie vor anhal­tenden Bevölkerungsstrom von Ost nach West, u.a. für neu einzustellende Lehrer. Diese vor Jahren nicht absehbare Entwicklung ermögliche es dem Mini­sterium nicht, aktuelle Lehrerbedarfszahlen heraus­zugeben, was nach Auffassung des Gesprächskrei­ses Schule-Universität(SSU) an der Universität Ol­denburg zu deutlichen Diskrepanzen zwischen Studiennachfrage und Lehrerbedarf geführt hat. Dies zeigt sich z.B. in einer zu geringen Zahl von Studierenden in naturwissenschaftlichen Fächern (vor allem in den Lehramtsstudiengängen für Real­schulen und für Grund- und Hauptschulen) sowie in einer zu_hohen Zahl der Studienanfänger für 4 Lehramt an nasien In zahlreichen Fächern. Im folgenden ging der Minister auf inhaltliche Ver­änderungen im Schulwesen Niedersachsens ein. Ein Vergleich mit Entwicklungen in Brandenburg ist M.E. interessant,

= So solle durch eine Schulgesetzänderung die Gesamtschule neben den anderen Schulfor­men als Regelschule anerkannt werden.

= In den Bildungsauftrag der Schulen wird ökolo­

gisches Lernen sowie multikulturell MSN ST "dufgerrommTTeTT, WGS uBß auf die Aus- und

Fortbildung von Lehrern haben müsse,

= Speziell auf einzelne Schulstufen bezogen, wur­de z.B. für die Grundschule von der Integration Behinderter gesprochen, was einen höheren Bedarf an Sonderschullehrern zur Folge habe,

sowie von einer frühzeitigen Einführung des Eng­= Auchin ul ıtafel soll es Veränderungen

geben(alternative Stundentafel). Diese ziele darauf ab, der Schule mehr Autonomie zu Si­chern. Um die hier stichpunktartig dargestellten Per­spektiven im Schulwesen zu realisieren, erscheint

eine qualitativ hohe und berufsbezogene Lehrer­tuafion an den Univer: en Niedersachsens von Fachdidaktikern und Erziehungswissenschaftlern malen dagegen ein eher düsteres Bild. So wird

davon gesprochen, daß das Lehren s pe zogen Studienangebot an_den meisten Universitäten so stark ausgedünnt ist, daß der Nachweis eines ord­ni

n ums Kaum_erbrac)

cher Verzögerung erreicht werden kann. Gründe dafür werden nicht nur in steigenden Studenten­zahlen, sondern auch in der Personalpolitik in Fach­didaktik- und Pädagogikbereichen gesehen. Qua­litätseinbußen(Lehrerausbildung als Massenbeleh­rung, Studierende ohne Möglichkeiten der aktiven Beteiligung an Schul- und Unterrichtsforschung, Möglichkeiten für Praktika können nicht genutzt werden) in der Ausbildung sind die Folge. Vor die­sem Hintergrund erscheinen Perspektiven in der Lehrerausbildung in Brandenburg in einem beson­deren Licht. Es gibt zwar im Augenblick einen_an­

heinenden Lehrerüberschuß. Dieser solfe aber nicht dazu verleiten, die Lehrerausbildung aus dem Blickfeld zu verlieren. Auch die angestrebte euro­päische Einigung fordert von der Lehrerausbildung prachunterricht, multi­

gedacht werden müssen. Einen weiteren wer: punkt der Tagung stellten die schulpraktischen Übungen dar, ein Ausbildungsschwerpunkt, der auch bei uns in den letzten Monaten zur Disposition stand. Es wurde festgestellt, daß die Diskussion zu diesem Thema darunter leide(wohl auch bei uns), daß vornehmlich auf der Basis von persönlichen bzw. Institutioneninternen Erfahrungen argumen­tiert werden muß, da nur sehr unvollständige empi­rische Forschungsergebnisse über die Wirkung schulpraktischer Studien vorliegen. Es sei dringend erforderlich, die Diskussion um Sinn und Zweck sol­cher Studien durch solche Forschung zu versachli­chen. Z.B. wäre an einen Vergleich verschiedener Organisationsmodelle zu denken, etwa im Rahmen von Modellversuchen zur Lehrerausbildung. Die Entscheidung über die Zweiphasigkeit der Lehrer­ausbildung in Brandenburg ist wohl gefallen. Aus­gehend von den Erfahrungen Niedersachsens soll­

te von vornherein über die Zusammenarbeit zwi­

schen Hochschule und-Ausbildungs- ung Studien:_ minaren des Vorbereifungsdienstes nachge­

genseitige mahme von Tekhraufträgen, könn­

ten dieser m.E. notwendigen Beziehung zugute kommen. Eine Diskussionsrunde mit einem Vertreter des Kultusministeriums bildete den Abschluß des Kongresses und vermittelte ein interessantes Bild der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Ministerium.

Mein Fazit aus diesem Kongreß: Lehrerausbildung könnte ein zukünftig"blühender Ast universitärer Ausbildung in Brandenburg sein, wenn es gelingt, dafür notwendige Bedingungen zu schaffen bzw. zu erhalten, Ein erster Schritt dazu könnte ein runder Tisch mit Vertretern beider verantwortlichen Mini­sterien und Lehrerbildnern sein, um die anstehen­den Probleme langfristig gemeinsam In Angriff zu nehmen.

Dr. Götz Bieber

Sonderaustauschprogramm des JDZB

Das Japanisch- Deutsche Zentrum Berlin(JDZB) bietet im Rahmen des Sonderaustauschpro­gramms(SAP), das der Förderung des wissenschaft­lichen Austausches zwischen Japan und Europa dient, 30 Stipendien für europäische Wissenschaft­ler/innen(Fellowship) in Japan an bzw. 40 Stipen­dien für Studenten/innen(Scholarship). Dieses wis­senschaftliche Förderungsprogramm beruht auf ei­ner Initiative des ehemaligen Premierministers Ta­keshita, der anläßlich seiner Europareise 1988 die Bedeutung einer Intensivierung der Beziehungen zwischen Japan und Europa betont hat. Das Japa­nisch-Deutsche Zentrum Berlin(JDZB) betreut in Zu­sammenarbeit mit dem japanischen Außenmini­sterium die Durchführung des Programms. Für die Stipendien können sich Interessenten aus den 12 EG-Staaten, Österreich, der Schweiz, Schweden, Norwegen, Finnland, Malta und Zypern mit ständi­gem Wohnsitz in diesem Gebiet und der Staatsan­gehörigkeit eines dieser Länder bewerben.

Förderungsbedingungen

1. Fellowships:

a. Gefördert werden in der Regel Aufenthalte von mindestens drei Monaten.

b. Als wissenschaftliche Qualifikation gilt die Promo­tion.

c. Voraussetzung für eine Förderung ist weiterhin die Bestätigung, daß die Forschungen an einer japanischen wissenschaftlichen Institution

durchgeführt werden können, bzw. der Nach­weis, daß ein japanischer Wissenschaftler das Forschungsvorhaben betreut,

d. Gute Kenntnisse des Englischen oder Japa­nischen.

2. Scholarships:

a. Gefördert werden in der Regel Studienaufent­halte(für alle Fachrichtungen) von mindestens sechs Monaten und von höchstens einem Jahr.

b. Voraussetzung für eine Förderung ist die Zu­lassung an einer japanischen Hochschule bzw. die ausdrückliche Einladung eines japanischen Hochschulprofessors, der für die Betreuung zu­ständig ist. Die Wahl der japanischen Universität liegt beim Bewerber, der für eine rechtzeitige Anmeldung verantwortlich ist,

c. Gute Kenntnisse des Englischen oder Japani­schen.

Bewerbungsfristen: 30.09.1991, 31.03, 1992

Über die das Stipendium beinhaltenden hiungen

(für Fellowships, Scholarships) sowie notwendige Bewerbungsunterlagen erhält jeder Interessierte bei Frau Bürger(AAA, F 105) genaue Auskunft, Über die Bewerbung entscheidet eine Kommission in Zusammenarbeit mit dem japanischen Außen­ministerium. Die Mitteilung über die Entscheidung der Kommission erfolgt schriftlich ca. sechs Wochen nach Ende der Anmeldefrist,

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In einer Information vom 28.5.1991 bittet die Mini­sterin für Bildung, Jugend und Sport, Marianne Birth­ler, um die Diskussion aller mit dem Lehrertag ver­bundenen Fragen. Sie drückt darin ihr Interesse am Äußern von Meinungen sowie an der Möglichkeit der Kenntnisnahme dieser durch das Ministerium aus. Im folgenden veröffentlichen wir eine, unab­hängig von ihrem Schreiben, eingegangene Leser­zuschrift. Weitere Artikel zum genannten Thema würde die Redaktion sehr begrüßen.

Da war doch noch etwas? Der Lehrertag!

Es gibt ihn nicht mehr, den Lehrertag- na gut. Man sollte sich jedoch zu den verschiedensten An­lässen der verschiedenen Umstände früherer Leh­rertage und früherer Lehrertätigkeit erinnern- wäre gut. Viele Deutsche klagen, daß die Nazizeit nicht aufgearbeitet wurde. Viele West-Deutsche klagen, daß die Lehren aus 1968 nicht gezogen sind. Wollen wir Ost-Deutschen nun auch noch eine Chance der Besinnung, Analyse, Veränderung vergeben, indem wir die Vergangenheit vergessen, tilgen, leugnen?- wäre schlecht! Wie war es denn? Wir bekamen Orden,*Oberlehrer und Obligationen. Es gab Bankette, Sonetten und Sonaten. Unsere Schüler waren in Teilen solide gebildet, recht diszi­pliniert und lehrstellenversorgt. Aber sie sind uns zu brav, zu unkritisch, sehr folgsam und fügsam und nachplappernd geraten! Sie akzeptierten die ab­geschottete Welt, die(morsche) rote Welt und kannten nur wenige Probleme und die oft nur aus einer*geschnittenen Fassung. Sie schnupperten Epocheluft und hörten schon(gelegentlich),sie rie­Che stark nach Schwefeldioxid und Grabesmoder. Wir als ein Faktor(Faktotum?) der Gesellschaft haben das wesentlich mit erzeugt. Die Mauer brach zusammen, das Weltbild auch. Und nun bricht mit Brachialgewalt das neue Weltbild, die softy-Marktwirtschaft über unsere Schüler(und uns) herein! Und nun? Pessimismus, weil Gehalt acht Zehntel von sechs Zehnteln? Tatenlosigkeit, weil ideologischer Katzenjammer? Verweigerung, weil Strukturwandel auch"nicht det Gelbe von

s Ei? Nein!

Ganz anders! Endlich die guten Chancen nutzen! Jetzt können wir doch unsere Schüler ohne Arg auffordern: analysiert, diskutiert, streitet! Wir sollen das sogar.(War nicht früher rasch die Grenze efr­reicht? Waren nicht oft eher unsere Beschwichti­gungen, Abwiegelungen und Uberredungen ge­fragt, wenn das unverkorkste Denken der Schüler Ungereimtheiten am Modelldeutscher Sozialis­mus entdeckte?) Jetzt können wir durchaus dem einen oder anderen aktuellen Stichwort nachge­hen, denn es fragt keiner mehr stupide*steht das im Lehrplan?(War nicht früher sogar weltbewe­gender Stoff regelrecht aus den Schulstuben ausgegrenzt? Griechische Sagen, ökologische Schäden, westeuropäische und überseeische Künstler/ Wissenschaftler/Politiker.) Jetzt können wir auch endlich unsere besondere Art des Unterrich­tens suchen und entfalten, denn es klagt kein Fach­berater, daß diese Methode unüblich sei und jene nicht im Handbuch steht.(War nicht früher so eine Art sozialistischer Kanon methodischer Verfahren in Kraft, in dem man Projektunterricht oder Rollenspie­le in der Oberstufe vergeblich suchen würde?) Also: jede Menge Freiheiten; früher gelegentlich schon behauptet, heute wirklich gegeben. Nutzen wir sie! Sie sind einem kreativen Beruf besonders förderlich. Produzieren wir freiheitlich erzogene und denken­de Staatsbürger! Probieren Sie es! Jetzt darf man Wirklich unverblümt sagen, wenn eben dieses oder jenes den Kohl auch nicht fett macht, und keiner wird einem z.B. den krausen Gedanken abwaigeln wollen, daß die Waffen der Deutschen doch noch einen recht stolzen Berg ergeben. Freiheit ist's ge­worden. Progression ist angesagt, Humanismus ist das große Ziel!

Es gibt viel zu tun- packen Sies an!

Dr. F. Schubert Institut für Medienpädagogik

Nr. 12/91