SPORT
Fachtagung setzte bundesweite Akzente
Diskussion zu Fragen des Berufsschulsportes
Am 20. und 21. Juni fand die Fachtagung „Sport in der beruflichen Bildung‘ an der BLH in Golm statt. Organisiert von der Projektgruppe ‚,Berufsschulsport‘“ des Fachbereiches Sportwissenschaft, vereinte sie ca. 150 Berufsschulsportlehrer, Auszubildende, Wissenschaftler, Politiker, Vertreter einzelner Parteien und der Industrie- und Handelskammer(IHK) in der Diskussion zu brisanten Fragen des Berufsschulsportes. Die Fachtagung fand auch in den Massenmedien(so in Berliner und Potsdamer Zeitungen, in einer DPA-Meldung und im Fernsehen) Beachtung.
Anliegen der Fachtagung
An den Berufsschulen der DDR gab es zwei Stunden Sportunterricht pro Woche. An den Berufsschulen der(ehemaligen) BRD(wurde) wird meist nur eine Sportstunde erteilt, und diese fällt nicht selten noch aus. Mit der Übernahme der dualen Ausbildungsstruktur für Lehrlinge(jetzt: Auszubildende), wie sie in den alten Bundesländern seit Jahren üblich ist, droht in den fünf neuen Bundesländern der zweiten Sportstunde vielerorts das Aus. Auch die von. der Potsdamer Projektgruppe erarbeiteten— und von vielen ost- und westdeutschen Sportwissenschaftlern für sehr gut befundenen— Rahmenrichtlinien werden in einigen der fünf neuen Bundesländer durch bildungspolitische Entscheidungsträger nicht zur Kenntnis genommen und dafür wesentliche Rahmenpläne übernommen.
Interessenvertreter und Symphatisanten des Berufsschulsports, denen dessen Bedeutung für den späteren sportlichen Lebensstil der Jugendlichen und auch für ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit zutiefst bewußt ist, wollten mit dieser Fachtagung zum einen diesen Negativtrends wehren und zum anderen neue Akzente für den Berufsschulsport setzen. Vor allem, um ersteres zu erreichen, waren zur Fachtagung nicht nur Sportlehrer
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und Wissenschaftler aus Ost und West geladen, sondern auch politische Entscheidungsträger. In einer ersten Diskussionsrunde ging es um die gesundheitlichen Werte des Sportes und den speziellen Beitrag des Berufsschulsportes dazu. Konsens herrschte bei allen Anwesenden zur Tatsache, daß Sport der Gesundheit dienlich ist und deshalb auch in der Berufsausbildung seinen Platz braucht.
Unerwartete Zusagen
Brisanz hatte das Thema der zweiten Diskussionsrunde. Hier sollten die geladenen politischen Entscheidungsträger
Blick in den Tagungsraum Foto: Tribukeit
Statements abgeben sowie zum Problem: „Zwei Stunden Berufsschulsport pro Woche auch künftig in Brandenburg— Ja oder Nein?“ Rede und Antwort stehen. Hier schieden sich in der Vergangenheit in der alten Bundesrepublik oft die Geister und erhitzten sich die Gemüter. Obwohl seitens der IHK und der Handwerkskammer die Notwendigkeit von Berufsschulsport eingesehen wurde, legten sie bei der praktischen Umsetzung aus organisatorischen und finanziellen Gründen ihr Veto ein.
Hitzige Debatten waren also zu erwarten. Doch— Brandenburg machts möglich!?— Einhelligkeit auch hier. Alle Verantwortlichen plädierten für zwei Stunden Sportunterricht pro Woche, einschließlich des Vertreters der IHK, Herrn Rose! Diese Zusagen sorgten für freudige Überraschung, insbesondere bei den aus ‚westlicher
Richtung“ angereisten Kollegen. Sollte nämlich Brandenburg tatsächlich diesen für die gesamte BRD bisher einmaligen Schritt gehen, erhoffen sie sich auch beispielgebende Wirkung für ihre Bundesländer. Durch schlechte Erfahrungen mit IHK und Regierungsvertretern betrachten sie diese Zusagen jedoch sehr skeptisch. Deshalb und aufgrund der möglichen Beispielwirkung Brandenburgs wurde am Ende der Tagung eine Resolution verabschiedet, die nachdrücklich zwei Stunden Schulsport pro Woche und weitere andere Verbesserungen des Berufsschulsports für alle Bundesländer fordert. Sie wurde auch an Presse und Fernsehen weitergeleitet.
Andere Diskussionsschwerpunkte
Nachdem der Wert des Sportes für die Gesundheit und die Häufigkeit des Sportunterrichtes in den Berufsschulen diskutiert waren, ging es am 2. Tagungstag um die inhaltliche Ausgestaltung des Berufsschulsports und um die derzeitigen Sorgen und Nöte der Berufsschulsportlehrer. In der ersten Diskussionsrunde vom Freitag kamen vor allem Praktiker und Fachdidaktiker zu Wort. Neue Unterrichtskonzepte wurden vorgestellt und/oder diskutiert, die die Orientierung des Berufsschulsportes an Freude, Spaß, Gesundheit, Ausgleich, Freizeitsport u. a. betonen. Erfahrungen in der Arbeit mit der Potsdamer Rahmenrichtlinie wurden dargelegt, viele Anregungen aufgegriffen. Während aus dieser Diskussionsrunde die deutliche Sorge der Lehrer um die ihnen anvertrauten Jugendlichen sprach, zeigte die letzte Diskussionsrunde die Sorgen und Nöte der Berufsschullehrer auf. Die bei vielen Kollegen nur vorhandene EinFach-Qualifikation(Sportlehrerstudium an der DHfK, betrifft ca. 50% der Sportlehrer) droht zum Aus für langjährig erfahrene Kollegen zu werden. Möglichkeiten zur Weiter- und Fortbildung werden von einigen Hochschulen und Universitäten zwar jetzt angeboten, doch entsprechen teilweise noch nicht den Bedürfnissen der(im Durchschnitt 45jährigen) Berufsschulsportlehrer. Insbesondere die Frauen unter ihnen sehen dabei noch große Probleme...
Christine Hoppe FB Sportwissenschaft
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