Heft 
(1.1.2019) 17
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KULTUR

Diesmal dominierte die Literatur

Läßt man die Reihe interessanter Lesun­gen im Literaturladen Wist&Ressel Re­vue passieren, so kann man ohne Zögern die Veranstaltung am 31. Oktober mit dem Berliner Autor G. de Bruyn als die gelungenste bezeichnen.

Der Schriftsteller, bekannt als Roman­cier, Erzähler und ausgezeichneter Polit­wie Literaturessayist, las Auszüge aus dem ersten Teil einer im kommenden Frühjahr bei S. Fischer erscheinenden Autobiographie. Ihr Titel:Zwischenbi­lanz. Den zeitlichen Rahmen für das Buch setzte de Bruyn zwischen 1926, seinem Geburtsjahr, und 1949.

Günter de Bruyn las in Potsdam

Was sich dem Zuhörer bot, war ein freund­lich-besinnlicher, humorvoll-ironischer Text. Nicht vordergründig ideologische Vorbehalte gegenüber der Vergangenheit überwiegen, sondern das sehr menschlich warme Empfinden für die eigene Kind­heit und Jugend. de Bruyn erweist sich als ein äußerst sensibler wie genauer Beob­achter der damaligen Vorgänge. Dazu kommt sein nicht wegzudenkender Fon­tanescher Humor, stets hintergründig, nie überzogen. In dieser Art von Humor, die permanent Toleranz und Güte, Differen­zierung und Nachsicht einfordert, ist si­cher auch die Stärke des Textes zu sehen.

Lebensmüde oder aufsässig?

Den Film hat der Regisseur nur für sich selbst gemacht,ein ausgezeichnet künstlerisch umgesetzter Beitrag zur Ver­gangenheitsbewältigung,der blinde Haß ist in fast jeder Szene zu spüren,eine meisterliche Schauspielerleistung von Rolf Ludwig. Diese sehr widersprüchlichen Äußerungen hörte ich zum DEFA-Film Stein von Egon Günther. Viele, vor al­lem Studenten, nutzten die Gelegenheit, die der Bereich Kultur bot, diesen Film zu sehen und sich selbst ein Urteil zu bilden. Der Schauspieler Ernst Stein geht 1968 in die innere Emigration aus Protest gegen die Prager Ereignisse. In seinem abgele­genen und heruntergekommenen Haus zieht nach 20 Jahren durch die Anwesenheit

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von Jugendlichen Unruhe ein. Man schreibt das Jahr 1989! Ich gebe zu, ich habe Probleme mitStein. Im Abschlußsatz der Rezension in der Jungen Welt vom 19. September ist zu lesen:Wenn Ludwigs ‚Stein am Ende lebensmüde und doch voll Aufsässigkeit in die Kamera blickt, bekommt das Mor­gen trotzig einen Namen: Hoffnung. Genau das erschließt sich mir nicht. Die vom Regisseur angewandte Form der zahlreichen künstlerischen Überhöhungen verlangt dem Zuschauer sehr viel ab. Beklemmend und fast unerträglich(nicht unrealistisch) jene Szene, in der die zuge­führten jungen Leute der Polizei gegen­überstehen. Vielleicht ist uns alles noch zu nahe, fehlt die historische Distanz zu den Umbruchzeiten.

Dr. Barbara Eckardt

Neuer Film:

Der Moloch Großstadt droht die Gerechten ebenso zu verschlingen wie die Bösen. Ein New Yorker Polizeikommissar(Joe Man­tegna) hetzt einen schwarzen Polizistenmör­der durch die Slums des City-Dschungels. Im hektisch-bedrohlichen Alltag der Mord­kommission verwickelt er sich dabei gegen seinen Willen in einen zweiten mysteriösen Mordfall, der ihn ins Milieu des reichen Jüdischen Bürgertums und finsterer Neo­Nazis führt. Der Polizist aus Überzeugung hat blind zu sein gegen Hautfarbe, Religion,

Nach der Beurteilung aktueller Vorgänge wie die Büchner-Preis-Verleihung befragt, antwortete de Bruyn äußerst zurückhal­tend und besonnen. Selbst Darmstädter Akademiemitglied und Befürworter der Preisvergabe an Biermann, unterschied er in der Lesung doch genau zwischen dem Autor und demPolitiker, wobei der Politiker Biermann nicht sehr gut abschnitt. Summa summarum: Ein höchst interes­santer, wohltuender Abend, der seine Fortsetzung in Veranstaltungen mit ande­ren Autoren finden wird. Nicht nur für Germanistikstudenten bzw. Lehrende, sondern für alle kulturell und politisch In­teressierten sind diese abendlichen Ge­sprächsrunden nur zu empfehlen. Veranstaltungshinweise hängen im Lite­raturladen aus.

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P. Görlich

a/larband

-haus Bernhard Kellermann

1. Dezember: 17.00 Uhr Chorsingen im Treppenhaus

14. Dezember: 17.00 Uhr Konzert mit Stefan Markowski, Violine

Patricia Schwab, Flöte und Gesang Kaspar Michael Schwab, Violoncello Hanna Dippner, Klavier

(Mitglieder desKlassik-Quintetts) Es werden Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn zu hören sein.

Homicide

politische Überzeugung oder soziale Her­kunft. Jetzt wird er mit seiner eigenen Jüdi­schen Herkunft konfrontiert und im ethni­schen Hexenkessel New York in Loyalitäts­konflikte gestürzt.

Autor und Regisseur David Mamet(Haus der Spiele) überrascht einmal mehr mit ei­nem schillernden und vielschichtigen Ve­xierspiel um Schuld und Moral, das sich vor dem knallharten blutroten Hintergrund ur­baner Kriminalität entfaltet.

(aus: Pressematerial)

Bob Gold(Joe Mantegna), ein Mew Yorker Polizeikommissar des Morddezernats, wird mit seiner jüdischen Herkunft konfrontiert und so in Loyalitätskonflikte

gestürzt.

Nr. 17/91