KULTUR
Diesmal dominierte die Literatur
Läßt man die Reihe interessanter Lesungen im Literaturladen Wist&Ressel Revue passieren, so kann man ohne Zögern die Veranstaltung am 31. Oktober mit dem Berliner Autor G. de Bruyn als die gelungenste bezeichnen.
Der Schriftsteller, bekannt als Romancier, Erzähler und ausgezeichneter Politwie Literaturessayist, las Auszüge aus dem ersten Teil einer im kommenden Frühjahr bei S. Fischer erscheinenden Autobiographie. Ihr Titel:„Zwischenbilanz‘‘. Den zeitlichen Rahmen für das Buch setzte de Bruyn zwischen 1926, seinem Geburtsjahr, und 1949.
Günter de Bruyn las in Potsdam
Was sich dem Zuhörer bot, war ein freundlich-besinnlicher, humorvoll-ironischer Text. Nicht vordergründig ideologische Vorbehalte gegenüber der Vergangenheit überwiegen, sondern das sehr menschlich warme Empfinden für die eigene Kindheit und Jugend. de Bruyn erweist sich als ein äußerst sensibler wie genauer Beobachter der damaligen Vorgänge. Dazu kommt sein nicht wegzudenkender Fontanescher Humor, stets hintergründig, nie überzogen. In dieser Art von Humor, die permanent Toleranz und Güte, Differenzierung und Nachsicht einfordert, ist sicher auch die Stärke des Textes zu sehen.
Lebensmüde oder aufsässig?
„Den Film hat der Regisseur nur für sich selbst gemacht‘‘,„ein ausgezeichnet künstlerisch umgesetzter Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung‘‘,„der blinde Haß ist in fast jeder Szene zu spüren‘‘,„eine meisterliche Schauspielerleistung von Rolf Ludwig‘‘. Diese sehr widersprüchlichen Äußerungen hörte ich zum DEFA-Film „Stein“ von Egon Günther. Viele, vor allem Studenten, nutzten die Gelegenheit, die der Bereich Kultur bot, diesen Film zu sehen und sich selbst ein Urteil zu bilden. Der Schauspieler Ernst Stein geht 1968 in die innere Emigration aus Protest gegen die Prager Ereignisse. In seinem abgelegenen und heruntergekommenen Haus zieht nach 20 Jahren durch die Anwesenheit
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von Jugendlichen Unruhe ein. Man schreibt das Jahr 1989! Ich gebe zu, ich habe Probleme mit„Stein‘‘. Im Abschlußsatz der Rezension in der „Jungen Welt‘‘ vom 19. September ist zu lesen:„Wenn Ludwigs ‚Stein‘ am Ende lebensmüde und doch voll Aufsässigkeit in die Kamera blickt, bekommt das Morgen trotzig einen Namen: Hoffnung.‘‘ Genau das erschließt sich mir nicht. Die vom Regisseur angewandte Form der zahlreichen künstlerischen Überhöhungen verlangt dem Zuschauer sehr viel ab. Beklemmend und fast unerträglich(nicht unrealistisch) jene Szene, in der die zugeführten jungen Leute der Polizei gegenüberstehen. Vielleicht ist uns alles noch zu nahe, fehlt die historische Distanz zu den Umbruchzeiten.
Dr. Barbara Eckardt
Neuer Film:
Der Moloch Großstadt droht die Gerechten ebenso zu verschlingen wie die Bösen. Ein New Yorker Polizeikommissar(Joe Mantegna) hetzt einen schwarzen Polizistenmörder durch die Slums des City-Dschungels. Im hektisch-bedrohlichen Alltag der Mordkommission verwickelt er sich dabei gegen seinen Willen in einen zweiten mysteriösen Mordfall, der ihn ins Milieu des reichen Jüdischen Bürgertums und finsterer NeoNazis führt. Der Polizist aus Überzeugung hat blind zu sein gegen Hautfarbe, Religion,
Nach der Beurteilung aktueller Vorgänge wie die Büchner-Preis-Verleihung befragt, antwortete de Bruyn äußerst zurückhaltend und besonnen. Selbst Darmstädter Akademiemitglied und Befürworter der Preisvergabe an Biermann, unterschied er in der Lesung doch genau zwischen dem Autor und dem„Politiker‘‘, wobei der Politiker Biermann nicht sehr gut abschnitt. Summa summarum: Ein höchst interessanter, wohltuender Abend, der seine Fortsetzung in Veranstaltungen mit anderen Autoren finden wird. Nicht nur für Germanistikstudenten bzw. Lehrende, sondern für alle kulturell und politisch Interessierten sind diese abendlichen Gesprächsrunden nur zu empfehlen. Veranstaltungshinweise hängen im Literaturladen aus.
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P. Görlich
a/larband
-haus „Bernhard Kellermann“‘
1. Dezember: 17.00 Uhr Chorsingen im Treppenhaus
14. Dezember: 17.00 Uhr Konzert mit Stefan Markowski, Violine
Patricia Schwab, Flöte und Gesang Kaspar Michael Schwab, Violoncello Hanna Dippner, Klavier
(Mitglieder des„Klassik-Quintetts‘‘) Es werden Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn zu hören sein.
„Homicide“
politische Überzeugung oder soziale Herkunft. Jetzt wird er mit seiner eigenen Jüdischen Herkunft konfrontiert und im ethnischen Hexenkessel New York in Loyalitätskonflikte gestürzt.
Autor und Regisseur David Mamet(Haus der Spiele) überrascht einmal mehr mit einem schillernden und vielschichtigen Vexierspiel um Schuld und Moral, das sich vor dem knallharten blutroten Hintergrund urbaner Kriminalität entfaltet.
(aus: Pressematerial)
Bob Gold(Joe Mantegna), ein Mew Yorker Polizeikommissar des Morddezernats, wird mit seiner jüdischen Herkunft konfrontiert und so in Loyalitätskonflikte
gestürzt.
Nr. 17/91