Heft 
(1.1.2019) 01
Einzelbild herunterladen

KULTUR

Kunst ist, was man trotzdem macht.(Prof. Roters)

Fast jeder kennt die auf dem Territorium des Frauenkonzentrationslagers Ravens­brück aufgestellte Figurengruppe. Kaum jemand kennt jedoch deren Künstler und dessen Werk.

Aus anlaß seines 100. Geburtstages wurde am 4. Januar in der Akademie der Künste zu Berlin am Robert-Koch-Platz 7 eine Will-Lammert-Ausstellung mit Plastiken und Zeichnungen eröffnet(bis zum 9. Februar, montags bis freitags von 10-18 Uhr zu besichtigen).

In der Zeit des Faschismus wurde fast alles von Will Lammert bis dahin Ge­schaffene, das sich an Bauten, im Atelier oder in öffentlichen Sammlungen befand, vernichtet. Es galt alsentartet. 1985 konnten eigentlich vom Künstler für Ravensbrück gestaltete Figuren am Alten Jüdischen Friedhof in Berlin in der Gro­ßen Hamburger Straße der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das umfang­reiche Werk des Bildhauers umfaßt außer Plastiken auch Keramik und Zeichnun­gen. Viele Arbeiten sind leider nur noch durch Fotos überliefert.

Aktstudien, Porträts(Thomas Münzer, Eduard von Winterstein, Friedrich Wolf,

Will Lammert-Ausstellung in Berlin

Karl Liebknecht u. a.), keramische Bau­plastik, Landschaftsbilder schuf Lammert. Seinem Studium an der Staatlichen Kunst­gewerbeschule in Hamburg schlossen sich Aufenthalte in Koblenz, Hagen, Mün­chen, Essen, Rom an. Im Frühjahr 1933 mußte die Familie Lammert nach Paris, später nach Moskau emigrieren.

Nach seiner Rückkehr 1951 wohnte er bis zu seinem Tode 1957 in Berlin.

Der Kunstwissenschaftler Prof. Eberhard Roters erläuterte aus persönlicher Erfah­rung bei der Ausstellungseröffnung, daß das Werk des Bildhauers völlig zu Un­recht kaum zur Kenntnis genommen wur­de.Man darf sich dieser Kunst nicht versagen. Die Schuld dafür sieht er in den deutschen Verhältnissen in unserem Jahrhundert, in der mangelnden Aufar­beitung.

Der Redner unterteilte das Werk Lam­merts in zwei voneinander getrennte Sti­le. Deutlich unterscheidet sich das Früh­werk mit seiner abgerundeten Voluminö­sität, den liegenden, sitzenden und ste­henden Figuren vom Spätwerk mit der herben, schlanken, aufrechten Strenge der Skulpturen.

Noch Interesse an den Alten Kulturen?

Wenn ja, dann werfen Sie einen Blick in das gerade erschieneneLexikon Alte Kulturen. Es ist der erste von insgesamt drei Bänden; erschienen in Meyers Lexi­konverlag. Die Herausgabe der Bände zwei und drei ist für das Frühjahr bzw. den Herbst dieses Jahres vorgesehen. Ziel der Bände ist eine umfassende Gesamtschau über alles Wissenswerte einzelner Kultu­ren. Das betrifft sowohl die kulturellen, politischen als auch geistigen Traditionen der europäischen, insbesondere aber der außereuropäischen Kulturen.

Die Berichterstattung setzt dort ein, wo erstmalig begründete Nachweise über ein Kulturschaffen des Menschen vorliegen. Und sie endet mit dem jeweiligen Unter­gang, sei es, daß dieser durch gewaltsame

12

Unterdrückung, kulturimmanente Ursa­chen oder durch Überlagerung... herbei­geführt wurde.(aus: Waschzettel) In den Übersichtsartikeln wird die zu be­trachtende Erscheinung sowohl hinsicht­lich ihrer historischen Entwicklung als auch hinsichtlich ihrer Spezifika wie Religion, Philosophie, Wissenschaft, Recht, Technik, Handwerk, Kunst, Mu­sik, Literatur, Schrift und Sprache be­schrieben.

Das alphabetische Prinzip machen sich die Autoren dort zu Nutze, wo es um eine systematische Darstellung geht. So wer­den Phänomene, die mehreren Kulturen inhärent sind, nicht isoliert, sondern unter einem gemeinsamen Stichwort behandelt. Daraus erschließen sich für den Leser

Spuren der menschlichen und künstleri­schen Erfahrungen werden sichtbar. Typische Etappen eines deutschen Lebens­laufes, mit den Bruchstellen 1914, 1918, 1933 und 1945 würden sich auch bei Lammert zeigen. Die Narben dieser Bruch­stellen würden bleiben, so wie diedeut­

sche Kunstgeschichte die Geschichte von

Narben sei, so Prof. Roters. Auf dieser Veranstaltung erhielt Rolf Biebl den(wohl letzten) von der Familie Lammert gestif­teten Will-Lammert-Gedächtnispreis verliehen.

Der 1. Preisträger, der Bildhauer und Vizepräsident der Akademie der Künste,

Prof. Werner Stötzer, würdigte das Werk_

des 1951 in Klingenthal geborenen dies­jährigen Ausgezeichneten. Er studierte an der Kunsthochschule, nach

Aspiranturen in Berlin und Budapest wurde

er Meisterschüler an der Akademie der Künste Berlin bei Ludwig Engelhardt. Seit 1986 ist Biebl freischaffend in Berlin tätig, außerdem hat er seit 1988 einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule Wei­ßensee. Die kritische Auseinandersetzung mit der Zeit durch Kunst verbindet Biebl mit dem Namensgeber seines Preises. Dr. Barbara Eckardt

eine Vielzahl von Verschiedenheiten, Überschneidungen und Vernetzungen. Optisch bereichert wird die Informations­fülle durch instruktive Bilder, Lagepläne, Übersichten und Zeichnungen.

Die in etwas kleinerer Schriftgröße den eigentlichen Texten beigefügten Litera­turangaben geben dem wißbegierigen Be­nutzer Hinweise darauf, wo er zum be­treffenden Stichwort tiefergehende Aus­führungen finden kann.

Lexikon Alte Kulturen in 3 Bänden Erster Band: A-FIR

Herausgegeben und bearbeitet von Hellmut Brunner, Klaus Flessel, Frie­drich Hiller und Meyers Lexikonre­daktion; Meyers Lexikonverlag Mann­heim/Wien/Zürich, 1990 P.G.

Nr. 1/92