KULTUR
„Kunst ist, was man trotzdem macht.“(Prof. Roters)
Fast jeder kennt die auf dem Territorium des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück aufgestellte Figurengruppe. Kaum jemand kennt jedoch deren Künstler und dessen Werk.
Aus anlaß seines 100. Geburtstages wurde am 4. Januar in der Akademie der Künste zu Berlin am Robert-Koch-Platz 7 eine Will-Lammert-Ausstellung mit Plastiken und Zeichnungen eröffnet(bis zum 9. Februar, montags bis freitags von 10-18 Uhr zu besichtigen).
In der Zeit des Faschismus wurde fast alles von Will Lammert bis dahin Geschaffene, das sich an Bauten, im Atelier oder in öffentlichen Sammlungen befand, vernichtet. Es galt als„entartet‘‘. 1985 konnten eigentlich vom Künstler für Ravensbrück gestaltete Figuren am Alten Jüdischen Friedhof in Berlin in der Großen Hamburger Straße der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das umfangreiche Werk des Bildhauers umfaßt außer Plastiken auch Keramik und Zeichnungen. Viele Arbeiten sind leider nur noch durch Fotos überliefert.
Aktstudien, Porträts(Thomas Münzer, Eduard von Winterstein, Friedrich Wolf,
Will Lammert-Ausstellung in Berlin
Karl Liebknecht u. a.), keramische Bauplastik, Landschaftsbilder schuf Lammert. Seinem Studium an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Hamburg schlossen sich Aufenthalte in Koblenz, Hagen, München, Essen, Rom an. Im Frühjahr 1933 mußte die Familie Lammert nach Paris, später nach Moskau emigrieren.
Nach seiner Rückkehr 1951 wohnte er bis zu seinem Tode 1957 in Berlin.
Der Kunstwissenschaftler Prof. Eberhard Roters erläuterte aus persönlicher Erfahrung bei der Ausstellungseröffnung, daß das Werk des Bildhauers völlig zu Unrecht kaum zur Kenntnis genommen wurde.„Man darf sich dieser Kunst nicht versagen.‘‘ Die Schuld dafür sieht er in den deutschen Verhältnissen in unserem Jahrhundert, in der mangelnden Aufarbeitung.
Der Redner unterteilte das Werk Lammerts in zwei voneinander getrennte Stile. Deutlich unterscheidet sich das Frühwerk mit seiner abgerundeten Voluminösität, den liegenden, sitzenden und stehenden Figuren vom Spätwerk mit der herben, schlanken, aufrechten Strenge der Skulpturen.
Noch Interesse an den Alten Kulturen?
Wenn ja, dann werfen Sie einen Blick in das gerade erschienene„Lexikon Alte Kulturen‘‘. Es ist der erste von insgesamt drei Bänden; erschienen in Meyers Lexikonverlag. Die Herausgabe der Bände zwei und drei ist für das Frühjahr bzw. den Herbst dieses Jahres vorgesehen. Ziel der Bände ist eine umfassende Gesamtschau über alles Wissenswerte einzelner Kulturen. Das betrifft sowohl die kulturellen, politischen als auch geistigen Traditionen der europäischen, insbesondere aber der außereuropäischen Kulturen.
„Die Berichterstattung setzt dort ein, wo erstmalig begründete Nachweise über ein Kulturschaffen des Menschen vorliegen. Und sie endet mit dem jeweiligen Untergang, sei es, daß dieser durch gewaltsame
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Unterdrückung, kulturimmanente Ursachen oder durch Überlagerung... herbeigeführt wurde.‘‘(aus: Waschzettel) In den Übersichtsartikeln wird die zu betrachtende Erscheinung sowohl hinsichtlich ihrer historischen Entwicklung als auch hinsichtlich ihrer Spezifika wie Religion, Philosophie, Wissenschaft, Recht, Technik, Handwerk, Kunst, Musik, Literatur, Schrift und Sprache beschrieben.
Das alphabetische Prinzip machen sich die Autoren dort zu Nutze, wo es um eine systematische Darstellung geht. So werden Phänomene, die mehreren Kulturen inhärent sind, nicht isoliert, sondern unter einem gemeinsamen Stichwort behandelt. Daraus erschließen sich für den Leser
„Spuren der menschlichen und künstlerischen Erfahrungen werden sichtbar.‘‘ Typische Etappen eines deutschen Lebenslaufes, mit den Bruchstellen 1914, 1918, 1933 und 1945 würden sich auch bei Lammert zeigen. Die Narben dieser Bruchstellen würden bleiben, so wie die„deut
sche Kunstgeschichte die Geschichte von
Narben sei‘‘, so Prof. Roters. Auf dieser Veranstaltung erhielt Rolf Biebl den(wohl letzten) von der Familie Lammert gestifteten Will-Lammert-Gedächtnispreis verliehen.
Der 1. Preisträger, der Bildhauer und Vizepräsident der Akademie der Künste,
Prof. Werner Stötzer, würdigte das Werk_
des 1951 in Klingenthal geborenen diesjährigen Ausgezeichneten. Er studierte an der Kunsthochschule, nach
Aspiranturen in Berlin und Budapest wurde
er Meisterschüler an der Akademie der Künste Berlin bei Ludwig Engelhardt. Seit 1986 ist Biebl freischaffend in Berlin tätig, außerdem hat er seit 1988 einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule Weißensee. Die kritische Auseinandersetzung mit der Zeit durch Kunst verbindet Biebl mit dem Namensgeber seines Preises. Dr. Barbara Eckardt
eine Vielzahl von Verschiedenheiten, Überschneidungen und Vernetzungen. Optisch bereichert wird die Informationsfülle durch instruktive Bilder, Lagepläne, Übersichten und Zeichnungen.
Die in etwas kleinerer Schriftgröße den eigentlichen Texten beigefügten Literaturangaben geben dem wißbegierigen Benutzer Hinweise darauf, wo er zum betreffenden Stichwort tiefergehende Ausführungen finden kann.
Lexikon Alte Kulturen in 3 Bänden Erster Band: A-FIR
Herausgegeben und bearbeitet von Hellmut Brunner, Klaus Flessel, Friedrich Hiller und Meyers Lexikonredaktion; Meyers Lexikonverlag Mannheim/Wien/Zürich, 1990 P.G.
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