KULTUR
Qualität ist oberster Maßstab
Sperl Galerie im Zentrum Potsdams
Wir sind uns einig darüber, daß Ausstellungseröffnungen für viele Anwesende nur„Vorzeigeveranstaltungen‘‘ sind, die Kunst an diesem Tage folglich eine untergeordnete Rolle spielt. Einige Vernissagen gab es seit der Einweihung der Galerie Sperl im April 1991. Die Potsdamer Mittelstraße 30 im Holländischen Viertel ist trotz ungünstiger äußerer Bedingungen— Rekonstruktion des Areals— bei Kunstinteressierten und-liebhabern eine gute und bekannte Adresse.
„Es ist wichtig durchzuhalten, damit die Kunst erhalten bleibt‘‘— so der Galerist und freischaffende Bildhauer Rainer Sperl. Der Wahlpotsdamer lebt seit 1976 in unserer Stadt. Er gehört zu den Mitbegründern des Potsdamer Kabaretts.
Sperl möchte sich bei der Auswahl der Genre und Künstler nicht einengen lassen, will allerdings gelegentlich auch „nein‘‘ sagen. Malerei, Grafik, Fotografie und Bildhauerei(beispielsweise„Der Putsch in Moskau‘‘ von russischen Pressefotografen begleitet, Arbeiten auf Papier von Squaw Hildegard Rose, Fotodokumentation über Südafrika) werden auch zukünftig in seiner Galerie in etwa sechswöchigen Abständen vertreten sein. Es kommt ihm auf unterschiedliche Handschriften, auf verschiedene Auffassungen, auf optische Abwechslung an. Trotz dieser Breite und Vielfalt sollen brandenburgische und holländische Künstler den Schwerpunkt bilden.
Mit einer Schau von Holländern hatte 1991 alles angefangen. Zweimal im Jahr gehören die Räume den Werken internationaler Künstler.
Als oberstes Kriterium betrachtet Sperl die Qualität der Werke, daran will er auch in Zukunft und trotz der Tatsache, daß „der Galerist wirtschaftlicher Vertreter der Künstler ist‘‘, keine Abstriche zulas
sen. Er gesteht dabei sofort zu, daß diese Maßstäbe subjektiv zu bewerten sind.
Der Entscheidung darüber, wer und was ausgestellt wird, gehen Gespräche, Ausstellungsbesuche voraus. Seine Beschäftigung mit den Werken ist intensiv. Er sucht bewußt nach jüngeren, noch unbekannten Leuten. Auch in der Galerie wird sich ein Stamm von Künstlern herausbil
den, dem auf diese Weise Förderung zuteil wird.
Heute das Wagnis einer Galerieeröffnung einzugehen, erfordert Gelassenheit und vor allem harte Arbeit. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse, Wertekrise, veränderte Kaufbedürfnisse, starke Konkurrenz... Dennoch antwortet Rainer Sperl selbstbewußt auf die Frage nach der Perspektive und den Chancen.„Wer will, der macht
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es auch, wer sich durchsetzt, schafft es!‘“ Nach einjähriger„Probephase‘‘ fängt es jetzt an zu laufen, meint er. Erfahrungen besagen, daß drei bis fünf Jahre Anlaufzeit für eine gut gehende Galerie der Normalfall ist. Daß viele Galerien im Entstehen sind, beunruhigt Sperl nicht, er glaubt auch, daß die Einheimischen durchaus im Vorteil sind.
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Foto: privat
Für die Zukunft, wenn die Eigentumsverhältnisse seines Hauses geklärt sind, sollen Lesungen u.a. Veranstaltungen stattfinden, ein Kaffee eingerichtet werden. Auf der Hand liegt natürlich auch die Frage nach der Ausstellung eigener Werke. Dies ist für 1993 geplant. Bis zum 1. März können Sie in der täglich außer montags (12-18 Uhr) geöffnteten Galerie Malerei von Imrich Tomäs anschauen.
Dr. Barbara Eckardt
Veranstaltungsreihe der URANIA
„Die Baugeschichte in Potsdam nach 1945 — Architektur zwischen Hoffnung und Wirklichkeit‘“‘
dargestellt von Thomas Wernicke, Museologe-Potsdam-Museum und Rainer
Globisch, Stadtarchitekt im Stadtentwicklungsamt Potsdam
27. Februar und 26. März 1992, jeweils um 19.30 Uhr im Haus der URANIA in der Brandenburger Straße 38.
Nr. 2/92