Heft 
(1.1.2019) 03
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Eitel Kunst e. V.

Zum zweitenmal stellte sich an unserer Universität, eingeladen vom Bereich KULTUR, einVerein UnDichter vor (21. Januar'92). Gelesen wurde wesent­lich Lyrik, ein wenig Prosa. Der Großteil der Gedichte beschrieb sogenannteBe­ziehungskisten, was hier hieß: Entfrem­dung in Partnerbeziehungen wurde kon­statiert und dabei blieb es. Wenn die Texte der ersten Lesung(vor 1989 ent­standene) denen dieser zweiten zum Teil sehr ähnlich waren, wirft das allerdings ein bezeichnendes Licht auf die Umstän­de(nämlich nicht weniger entfremdete), unter denen sie entstanden. Wenn ich mit den gesammelten Vereinsamungen und Verinnerlichungen meist nicht viel anzu­fangen wußte, mag die Schuld bei mir liegen. Fragt sich, ob über Zustände, die nur für sich selbst zu sprechen schienen, ein Dialog-wie von den Schreibern inten­diert-tatsächlich möglich ist. Nicht unterschlagen werden soll, daß einzelne Texte den Fortgang von Geschich­te spüren ließen, neues Verhalten zu neu­en Gegenständen artikulierten(wenn die­se auch die Ausnahme bildeten). Wie beim vergangenen Mal wurde die Lesung auch diesmal von Musik(zwei Gitarren) begleitet. Diese schuf jedoch weniger die notwendigen Freiräume, den Texten mit Phantasie nachzugehen, son­dern konnte im Extremfall so weit führen, daß Assoziationen provoziert werden, die dem Text entgegenstanden(z. B. die Kombination von Renaissance-Musik und einer Lyrik, die von Trauer und Isolierung spricht). So konnte dem Kontrast aus den zwei autonomen Ebenen Gedicht und Musik kaum die Funktion zugestanden wer­den, die Aufnahme der Gedichteproduk­tiv zu stimulieren. Natürlich blieb nach einmaligem Hören nicht viel vom Beschuß mit Sprachspiel und Metapher im Gedächtnis hängen(wenn auch im Anschluß an die Lesung die Möglichkeit bestand, die Texte anzuse­hen). Sicherlich ist bei genauerem Hinse­hen noch eine Vielzahl von sprachlichen Schönheiten auszumachen, doch nur Weniges prägte sich auf Anhieb ein wie: DIE BLAUE BLUME IN DEN HÄN­DEN EINER HURE. Wem freilich das kein Genuß war...

Steffen Richter

KULTUR

Flexibilität des Buchhändlers ist das Wahre am Beruf

Blättert man im Vorlesungsverzeichnis unserer Universität, findet sich auf S. 129 eine Anzeige der Spezialbuchhandlung Das Internationale Buch. Dieses Ge­schäft befindet sich im Zentrum der Stadt, in der Brandenburger Straße 41/42. Dort kann man in einer gemütlichen Ecke die neuesten Kunstbände betrachten, sich einen Überblick über originalsprachige Litera­tur verschaffen, für den nächsten Urlaub einen Reiseführer aussuchen, Videos über Potsdam anschauen oder für die bevorste­hende Sprachausbildung ein Lehr- bzw. Wörterbuch erwerben.

Frau Heide Bellin, die Inhaberin der Buchhandlung, erhielt am 29. Januar 1992 nach langem Kampf mit der Bürokratie zunächst für 12 Jahre einen Mietvertrag. Damit sind wichtige Voraussetzungen für ihre Arbeit geschaffen. Frau Bellin ist mit dem Buchhandel im allgemeinen und dem

Eine schnelle Bestellung und Lieferung ist ihr somit möglich und für sie selbstver­ständlich.

Das bereits bestehende Profil desInter­nationalen Buches* Sprachen, Reisen, Touristik, Kunst will Frau Bellin wei­terführen und mit anderen Dimensionen ausbauen. Dafür heißt es, flexibel, stän­dig über die Novitäten der rund 2300 Verlage informiert zu sein. Innerhalb des von ihr festgelegten Konzepts will die Buchhändlerin die Breite und Vielfalt der Angebote zeigen.Mich fasziniert am meisten an meinem Beruf, daß man viel­seitig informiert sein muß.

Inzwischen hat sich eine Stammkund­schaft herausgebilet. Individuelles Ein­gehen ist möglich. Man kennt sich.

Sie ist Mitglied des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e. V., eines Fach­verbandes mit allen Rechten und Pflich­

Frau Bellin, Inhaberin der BuchhandlungDas Internationale Buch

in Potsdam im besonderen schon viele Jahre vertraut. Seit 1950 in unserer Stadt lebend, arbeitet sie von 1982 an imInter­nationalen Buch, zunächst als stellver­tretende, seit 1988 als Leiterin. Es ist ihr anzumerken, daß sie in ihrem Beruf auf­geht und daß sie den in der Überschrift zitierten Satz ernst nimmt. Gemeinsam mit ihren fünf Verkäuferinnen und einem Lehrling ist es ihr Bestreben, die Wün­sche der Kunden zu erfüllen.

Um stets auskunftsfähig sein zu können, genügt ein Knopfdruck. Im Computer sind die 500 000 lieferbaren Titel gespeichert.

ten. Dort wird beispielsweise auch Wei­terbildung organisiert. Angesichts aktuel­ler Erlebnisse frage ich Frau Bellin nach ihrer Meinung zu Billigstverkäufen von DDR-Literatur aller Genre. Sie lehnt dies prinzipiell ab, wenn nicht die Verla­ge nur sie sind dazu berechtigt die Preisbindungen aufgehoben haben.

Frau Bellin ist es wichtig zu erwähnen, daß sie um die Schwierigkeiten und Pro­bleme der Kolleginnen der Buchhand­lung Am Neuen Palais weiß.

Text und Foto: Dr. Barbara Eckardt

Nr. 3/92