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KULTUR
„Wir müssen uns durchbeißen“ POTSDAM GALERIE AM STAUDENHOF MIT VIELFÄLTIGEM AUSSTELLUNGSPROGRAMM
Rund 5000 Gemälde, Grafiken, Plastiken, Fotografien und Gebrauchsgrafiken befinden sich im Besitz der einzigen kommunalen Galerie Potsdams. 1976 als„Galerie Sozialistische Kunst‘‘ entstanden, wurde die heutige Potsdam Galerie am 1. März 1990 vom Potsdam-Museum getrennt und ist
seither eine eigenständige Einrich-|
tung, die ihre Ausstellungsräume „Am Staudenhof*‘ hat.
Das Magazin der Galerie und die Arbeitsräume der Galerieleiterin Renate Bergerhoff sind in der Tieckstraße 4 untergebracht. Die
Sammlung setzt nach dem 2.|8
Weltkrieg ein. Die Ankäufe waren abhängig von den finanziellen Mitteln und teilweise auch von politisch-ideologischen Vorgaben. Einige Exponate stammen aus Nachlässen, bei anderen handelt es sich um Auftragskunst. Bekannte Potsdamer Maler wie Christian Heinze und Wolfgang Wegener sind im Fundus zu sehen. Die Verpflichtung bestand darin, eine regionale Sammlung mit dem möglichst Besten der Künstler aus dem damaligen Bezirk Potsdam aufzubauen. Außerdem wurden zum Thema:„Mensch-städtische
Umwelt‘‘ ebenso Arbeiten von Nicht-Potsdamern erworben. Aufgabe der Galerie war es, aus Mitteln des Kulturfonds Angekauftes oder im Auftrag Entstandenes zu erfassen und aufzubewahren.
Zwei Drittel der Werke sind Gra
nicht alles ist schlecht‘‘, äußert die Galerieleiterin.„So besitzen wir heute Werke sehr unterschiedlicher Qualität, darunter eine Reihe von typischen Werken des ‚sozialistischen Realismus‘. Es wäre kulturpolitisch unverantwortlich, würde die Aufarbeitung dieses Bestandes— und damit die
| Darstellung eines Teils der Kunst
entwicklung unserer Zeit— unter
‚| bleiben.‘‘(Renate Bergerhoff:
„Galerie im Herzen der Stadt‘‘, in: Postdam heute 1/91, S. 60)
| Die Potsdam Galerie ist keine
Verkaufsgalerie, vermittelt aber gelegentlich zwischen Publikum
| und Künstler. Die Entscheidung,
Die Galerie ist montags bis freitags von 10.00 bis 18.00 Uhr und sonntags von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Foto: Petra Walter-Moll
fiken, Plastiken und Skulpturen sind zahlenmäßig am schwächsten vertreten.„Ich überschätze unseren Bestand keinesfalls, aber
zu welchem Zeitpunkt welcher Künstler ausgestellt wird, hängt von vielen Faktoren ab.
Frau Bergerhoff, studierte Kunsthistorikerin, erwarb sich im Laufe der vielen Jahre ihrer Tätigkeit ein „Auge für Qualität‘‘, maßt sich aber kein absolutes Urteil an.„Ich habe eine Haltung zu einem Gemälde oder einer Grafik, die ich begründen kann oder auch nicht. Sich zu objektivieren ist sehr schwer. Ich würde nichts ausstellen, was ich selber nicht für wichtig, für richtig halte.‘‘ Die größte
Sorge von Frau Bergerhoff und ihren neun MitarbeiterInnen(davon drei in einer ABM) besteht darin, die nächsten Vorhaben„haushaltslos‘* vorbereiten zu müssen. Bisher haben es die Stadtväter auch noch nicht ermöglichen können, ein geeignetes Haus für ständige Ausstellungen, Sonderausstellungen und das Magazin zur Verfügung zu stellen. Das würde jedoch zweifellos zur Erhöhung der Attraktivität beitragen und den Besucherandrang— heute 40 bis 50 Personen pro Tag— erhöhen. Frau Bergerhoff begrüßt sehr die Initiative der Studenten und Mitarbeiter des Fachbereiches Primarstufe, die Galerieräume für künstlerische Betätigung von Kindern zu nutzen.„Es sind die Rezipienten der Zukunft.‘“ So wie in der Vergangenheit, ist die Galerieleiterin um Vielseitigkeit und Breite bemüht. Die laufende Exposition beispielsweise zeigt Kunst aus Finnisch-Lappland unter dem Thema„Jenseits des Polarkreises‘‘. Ab 25. April sind dann Malerei und Objekte der Brandenburgerin Erika Stürmer-Alex zu sehen. Dr. Barbara Eckardt
.
Nach Redaktionsschluß: In der MAZ vom 4. März wird mitgeteilt, daß der 31. Mai 1992 der letzte Tag der Potsdam Galerie sein soll.
„Es läßt sich nicht behaupten, daß das Weib an Geistestalenten unter dem Manne stehe; aber es läßt sich behaupten, daß der Geist beider von Natur einen ganz verschiedenen Charakter habe. Der Mann bringt alles, was in ihm und für ihn ist, auf deutliche Begriffe... Das Weib hat ein natürliches Unterscheidungsgefühl für
das Wahre, Schickliche, Gute... Man kann sagen, der Mann muß sich erst vernünftig machen; aber das Weib ist schon von Natur vernünftig.“
Johann Gottlieb Fichte
(1762-1814)
urban
Konzert am Heiligen See
Ort: Kulturbundhaus Kellermann‘‘ Musik:
„Wo soll ich mich hinkehren.‘
Renaissancemusik auf alten Instrumenten
Gruppe:
„Antiqua‘‘ Potsdam
„Bernhard