Heft 
(1.1.2019) 06
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FORSCHUNG

Nr. 6/92 Seite 5

Arbeitsgruppe der Max-Planck-Gesellschaft bei der Universität Potsdam:Nichtlineare Dynamik

Bisher war die Forschung vorwie­gend an den Akademien(der ehe­maligen DDR) konzentriert. Nach deren Auflösung bzw. Einschrän­kung wird nun mehr und mehr an­gestrebt, diese den Universitäten zuzuordnen.

Deshalb beschloß der Senat der Max-Planck-Gesellschaft zur För­derung der Wissenschaften e. V. im November 1991, zu den 15 da­mals bereits im Aufbau begriffe­nen Arbeitsgruppen weitere 14 befristete bei den Universitäten in den neuen Bundesländern zu grün­den.

Zu ihnen gehört die Arbeitsgrup­peNichtlinare Dynamik. Sie wird von dem Mathematiker Dr. habil. Jürgen Kurths geleitet. Er forschte bisher am Zentralinstitut für Astro­physik Potsdam(AdW). Die an­deren Wissenschaftler dieser neu­gegründeten und noch in der Kon­

stituierung befindlichen Gruppe kommen aus dem Institut für Kos­moswissenschaften und dem Zen­tralinstitut für Kybernetik und In­formationsverarbeitung.

In den kommenden fünf Jahren werden sechs wissenschaftliche Mitarbeiter und vier Doktoranden die Forschungsaufgaben erfüllen. Ab Herbst werden auch Lehrauf­gaben zu erfüllen sein. Möglich­keiten für zwei Auslandsstipen­diaten und für studentische Hilfs­kräfte sind vorhanden.

Dr. Kurths bezeichnet die zukünf­tige Ausstattung seiner rein theo­retisch und sehr rechenintensiv arbeitenden Gruppe als hervorra­gend. Zur Zeit befinde man sich in der Diskussion über die anzuschaf­fenden Computer. Angestrebt ist der Kauf eines Super-Mini-Rech­ners, der dann auch den Kollegen das Fachbereiches Physik zur

Verfügung stehe. Möglicherwei­se wird die erste CRAY im Land Brandenburg installiert.

Die Nichtlineare Dynamik, üblich auch der Begriff Chaosforschung, ist ein Teilgebiet der theoretischen Physik. Ordnungsprinzipien von komplex erscheinenden Prozessen werden untersucht. Dr. Kurths' Gruppe will einen Beitrag zur Wei­terentwicklung entsprechender Methoden und zur Erforschung spezieller Anwendungen(z. B. Feinstrukturen von Planetenringen, Konvektionsprozesse auf der Sonne, Analyse von EKG-Serien) leisten.

Auch um die Forschungen auf den Gebieten der Magneto- und Strah­lungshydrodynamik, der Turbulenz und gravitativer Systeme voran­zubringen, wurden Drittmittel eingeworben. Die angeführten Arbeitsgebiete verdeutlichen die

Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit. Jene mit den Kollegen des Fachbereiches Phy­sik ist hergestellt,Nichtlineare Optik ist ein besonders verwand­tes Gebiet. Die vielfältigen An­wendungsmöglichkeiten reichen von den Naturwissenschaften über die Medizin bis hin zu den Wirt­schafts- und Sozialwissenschaf­ten. Die Beziehungen zum Part­nerinstitut für extraterrestrische Physik in Garching ist naturge­mäß besonders eng. Kontakte be­stehen auch zu führenden Zentren in Kopenhagen, St. Andrews, Nizza und Princeton. An den traditionel­len Arbeitsbeziehungen mit Ost­europa ist den Mitgliedern der Gruppe besonders gelegen. Dr. Kurths und seine Mitarbeiter sind im Gebäude S, in den Räu­men 333, 331(Tel.: 9.71 06 11, 6 04) zu finden.

Dr. Barbara Eckardt

Institut für Familien- und Kindheitsforschung e. V.(IFK) an der Universität Potsdam

Das IFK arbeitet seit Anfang 1991 in einigen Räumen des Universi­tätskomplexes in Babelsberg. Eine Gruppe von Psychologen, Päd­agogen, Soziologen und Juristen begann damals eine Untersuchung zum ThemaElterntrennung und Familienreorganisation Konflik­te und ihre Folgen für Eltern und Kinder. Heute sind insgesamt fünf Kollegen festangestellt, dazu kommen einige auf Honorarbasis arbeitende Mitarbeiter. Möglich wurden Erstausstattung und Pro­jektarbeit durch eine Förderung des ehemaligen Ministeriums für Familie und Frauen, das sich in derWendezeit auch der vernach­lässigten Familienforschung an­nahm.Das wissenschaftliche Interesse am Gegenstand ‚Eltern­trennung hat uns bis heute nicht losgelassen, vor allem nicht die Frage, wie Vorschulkinder die Elterntrennung erleben und verar­beiten, so der Leiter des Institu­tes, Dr. Dietmar Sturzbecher. Mit Unterstützung des Bundesministe­riums für Frauen und Jugend werden gewonnene Erkenntnisse in Fort­

bildungskursen in allen neuen Bundesländern an Interessenten vermittelt. Weitere Projekte un­terstreichen die kindzentrierte For­schungsperspektive des IFK. In einem von der DFG geförderten Forschungsprojekt werden unter familiendiagnostischen Aspekten Konflikte und Unterstützung in der Eltern-Kind-Interaktion untersucht. Eine internationale, vergleichen­de Längsschnittstudie, die gemein­sam mit der Universität Münster erstellt werden soll, thematisiert die Frage nach der Entwicklung von Vorschulkindern in Abhän­gigkeit von unterschiedlichen So­zialisationsbedingungen. Im Ok­tober beginnt das Modellprojekt Oranienburger Kinderhäuser, im Rahmen dessen ein neues vorschul­pädagogisches Konzept für Kin­dertagesstätten erarbeitet und an Erzieherinnen vermittelt werden soll. So erfüllt das Institut auch Fortbildungsaufgaben, ohne jedoch eine Umschulungsfunktion zu haben. Nicht nur die Probleme der Kinder finden das Interesse des Forschungsteams. Mit den jetzt

abgeschlossenen landesrepräsen­tativen Studien zur Jugendszene und-gewalt sowie zum Freizeit­verhalten Jugendlicher und den Freizeitangeboten im Auftrag der Landeszentrale für politische Bil­dung bzw. des MBJS hat sich das IFK einen Platz in der landesbezo­genen Jugendforschung erkämpft. Jugendforschung gehörte ur­sprünglich nicht zu unseren For­schungsintentionen, so der Wis­senschaftler,aber angesichts der drängenden Probleme wollten wir uns den Wünschen nach einer empirischen Analyse der Lebens­situation Jungendlicher nicht ver­schließen. Gegenwärtig wird bereits an der Fortsetzung der Studien gearbeitet.

Zu einer facettenreichen, attrakti­ven Wissenschaftslandschaft bei­zutragen, das ist eines der selbst­gesteckten Ziele. Man möchte es mit Hilfe des interdisziplinären Forschungsansatzes sowie mit spezifischen Angeboten in Lehre und Fortbildung erreichen. Ange­strebt wird der Status eines An­Institutes mit einer Sockelfinan­

zierung durch das Land. Gegen­wärtig jedoch befindet sich das IFK in freier Trägerschaft. Die Finanzierung erfolgt ausschließ­lich über Drittmittel. Der Grün­dungssenat hat dem Abschluß eines Kooperationsvertrages mit der Universität zugestimmt. Dieser Beschluß muß nun in die Tat umgesetzt werden. Lehrveranstaltungen werden be­reits an der Freien Universität und an der Universität Potsdam durch­geführt; an der letzteren Einrich­tung bislang im Fachbereich So­zialwissenschaften, künftig soll jedoch eine Erweiterung in Rich­tung Erziehungswissenschaften erfolgen. Für das nächste Jahr ist die Aus­richtung einer KonferenzFami­lie und Kindheit im Wandel geplant. Wissenschaftler aus Ost­europa sollen hierzu eingeladen werden. Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung erhofft man sich von der Universität Potsdam und dem Münchner Staatsinstitut für Fortsetzung auf Seite 6