SPORT
Nr. 6/92— Seite 11
Erfahrungsaustausch zur Entwicklung des Schulsports in den Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland
Am 28./29. Februar 1992 trafen sich an der Universität Potsdam etwa 200 Sportlehrer, Sportwissenschaftler und Sportfunktionäre zu einem Erfahrungsaustausch über die weitere Entwicklung des Schul- und Vereinssports in der Bundesrepublik, besonders in den neuen Bundesländern. Der Einladung des Deutschen Sportlehrerverbandes, Land Brandenburg, waren Sportpädagogen von Bayern bis Schleswig-Holstein, von Sachsen bis Mecklenburg-Vorpommern gefolgt.
Besonders begrüßt wurde die Teilnahme von Herrn Hans-Jörg Kofink, Präsident des Deutschen Sportlehrerverbandes, aber auch der vielen Experten aus den Bereichen Sportwissenschaft und der Sportpraxis, sowie der Mitarbeiter des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport und des Landessportbundes des Landes Brandenburg.
Herr Kofink sprach über die Perspektive des Schulsports in der Bundesrepublik in den 90er Jahren, wies auf wichtige Zielstellungen und die sich daraus ergebende Verantwortung der Kultusminister in den einzelnen Bundesländern hin.
Nach einführenden Vorträgen im Plenum wurde besonders in den drei Arbeitskreisen eine heiße Diskussion zu Rahmenplanarbeiten, Unterrichtsgestaltung und außerunterrichtlichem Sport geführt.
Arbeitskreis I:
Rahmenpläne Sport
Mit der Neugestaltung des Schulsports im Ostteil Deutschlands ergibt sich eine kritische Einschätzung der Vergangenheit und der gegenwärtigen Situation, aber auch das Erkennen des Bewährten, was wir übernehmen und bewahren sollten.
Frau Dr. Helmke(Uni Potsdam) stellte dieses in ihren historischen Betrachtungen zur Lehr
planentwicklung und Lehrplanreform in der ehemaligen DDR und in den neuen Bundesländern heraus und rief zum Dialog und zur stärkeren Kooperation der separaten Arbeitsgruppen in den einzelnen Bundesländern bei der Erarbeitung neuer Rahmenpläne auf.
Sie kennzeichnete in ihrem Beitrag an ausgewählten Beispielen zur Primarstufe, Sekundarstufe I und II die gegenwärtige Situation der Rahmenplanarbeiten im Fach Sport in den neuen Bundesländern und legte ihre Position zur weiteren Lehrplangestaltung im Land Brandenburg dar.
Frau Nanda Fischer(TU München) berichtete in ihrem Beitrag über die Rahmenplanarbeiten des Bundeslandes Bayern. Die Zuordnung der Sportarten zu den Bezugsfeldern Gesundheit; Leisten/Gestalten/Spielen; Fairneß/Kooperation; Umwelt ist ein interessanter Strukturansatz zur Rahmenplangestaltung. Er führte vor allem bei den Schulpraktikern zu kontroversen Diskussionen. Eine Übertragung dieses Modells auf die neuen Bundesländer erscheint gegenwärtig nicht zweckmäßig.
Arbeitskreis II: Didaktisch-methodische Gestaltung des Sportunterrichts Einen vielbeachteten Vortrag hielt Herr Prof. Dr. Kurz(Uni Bielefeld) zur Mehrperspektivität des Sportunterrichts. Abgeleitet von den übergeordneten Sinnperspektiven des Sports: Gesundheit, Leistung, Spannung, Miteinander, Eindruck, Ausdruck konkretisierte er die individuelle Handlungsfähigkeit der Sporttreibenden innerhalb der einzelnen Sportarten und Disziplinen und wies auch auf Potenzen und Grenzen der unterschiedlichen Unterrichtskonzepte hin.
Herr Prof. Dr. Endert(Uni Potsdam) gab wichtige didaktisch
methodische Hinweise, auf. die besonders die Sportlehrer in den neuen Bundesländern bei ihrer Unterrichtsgestaltung achten sollen.
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Arbeitskreis III: Außerunterrichtlicher Sport Die Herren G. Arlt(Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg), D. Jende(Senftenberg) und W. Koch(Cottbus) wiesen in ihren Beiträgen auf die vielen Probleme des Erhalts und der notwendigen Förderung des außerunterrichtlichen und außerschulischen Sports der Kinder und Jugendlichen hin.
Im Zweiten Aktionsprogramm für den Schulsport(Gemeinsamer Beschluß der Kultusministerkonferenz, des Deutschen Sportbundes und der kommunalen Spitzenverbände vom 17. 04. 1985) wird betont, daß der Schulsport ein eigenständiger und unaustauschbarer Bereich von Bildung und Erziehung ist. Zum Schulsport gehören der Sportunterricht und der außerunterrichtliche Sport.
Alle Verantwortungsträger sind aufgerufen, daß Erziehung der Kinder und Jugendlichen zur Gesundheit, zu sozialem Verhalten und zur sportlichen Leistung ernst genommen werden. An zwei Tagen nutzten Sportlehrer, Sportwissenschaftler und
Sportfunktionäre aus den alten
und neuen Bundesländern die
Gelegenheit zum Erfahrungsaus
tausch.
Als Ergebnis kristallisierten sich
Schwerpunkte heraus, für die sich
der Sportlehrerverband beson
ders einsetzen will:
— Verbesserung der Aus-, Fortund Weiterbildung der Sportlehrer;
— fachgerechter Sportlehrerein
satz in allen Klassenstufen;
Entwicklung prozeßorientier
ter und praxisnaher Modelle
von Rahmenplänen im Fach
Sport;
Durchsetzung bzw. Erhalt der
dritten Sportstunde in allen
Klassenstufen;
Erhalt der zwei Sportstunden
in den berufsbildenden Ein
richtungen;
— Verbesserung der materiell
technischen Ausstattung der
Sportstätten;
Unterstützung des außerunter
richtlichen Sports und Gewin
nung der SchülerInnen für eine sportliche Betätigung in den
Vereinen.
Ralf Herrmann (Präsident des DSLV Brandenburg)
Dr. habil. Christa Helmke (Vizepräsidentin für Aus-, Fort- und Weiterbildung des DSLV Brandenburg)
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