Heft 
(1.1.2019) 06
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SPORT

Nr. 6/92 Seite 11

Erfahrungsaustausch zur Entwicklung des Schulsports in den Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland

Am 28./29. Februar 1992 trafen sich an der Universität Potsdam etwa 200 Sportlehrer, Sportwis­senschaftler und Sportfunktio­näre zu einem Erfahrungsaus­tausch über die weitere Entwick­lung des Schul- und Vereins­sports in der Bundesrepublik, besonders in den neuen Bundes­ländern. Der Einladung des Deutschen Sportlehrerverbandes, Land Brandenburg, waren Sport­pädagogen von Bayern bis Schleswig-Holstein, von Sach­sen bis Mecklenburg-Vorpom­mern gefolgt.

Besonders begrüßt wurde die Teilnahme von Herrn Hans-Jörg Kofink, Präsident des Deutschen Sportlehrerverbandes, aber auch der vielen Experten aus den Be­reichen Sportwissenschaft und der Sportpraxis, sowie der Mit­arbeiter des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport und des Landessportbundes des Landes Brandenburg.

Herr Kofink sprach über die Per­spektive des Schulsports in der Bundesrepublik in den 90er Jah­ren, wies auf wichtige Zielstel­lungen und die sich daraus erge­bende Verantwortung der Kul­tusminister in den einzelnen Bundesländern hin.

Nach einführenden Vorträgen im Plenum wurde besonders in den drei Arbeitskreisen eine heiße Diskussion zu Rahmenplanarbei­ten, Unterrichtsgestaltung und außerunterrichtlichem Sport ge­führt.

Arbeitskreis I:

Rahmenpläne Sport

Mit der Neugestaltung des Schul­sports im Ostteil Deutschlands ergibt sich eine kritische Ein­schätzung der Vergangenheit und der gegenwärtigen Situation, aber auch das Erkennen des Bewähr­ten, was wir übernehmen und bewahren sollten.

Frau Dr. Helmke(Uni Potsdam) stellte dieses in ihren histori­schen Betrachtungen zur Lehr­

planentwicklung und Lehrplan­reform in der ehemaligen DDR und in den neuen Bundeslän­dern heraus und rief zum Dialog und zur stärkeren Kooperation der separaten Arbeitsgruppen in den einzelnen Bundesländern bei der Erarbeitung neuer Rahmen­pläne auf.

Sie kennzeichnete in ihrem Bei­trag an ausgewählten Beispie­len zur Primarstufe, Sekundar­stufe I und II die gegenwärtige Situation der Rahmenplanarbei­ten im Fach Sport in den neuen Bundesländern und legte ihre Position zur weiteren Lehrplan­gestaltung im Land Brandenburg dar.

Frau Nanda Fischer(TU Mün­chen) berichtete in ihrem Bei­trag über die Rahmenplanarbei­ten des Bundeslandes Bayern. Die Zuordnung der Sportarten zu den Bezugsfeldern Gesund­heit; Leisten/Gestalten/Spielen; Fairneß/Kooperation; Umwelt ist ein interessanter Strukturansatz zur Rahmenplangestaltung. Er führte vor allem bei den Schul­praktikern zu kontroversen Dis­kussionen. Eine Übertragung dieses Modells auf die neuen Bundesländer erscheint gegen­wärtig nicht zweckmäßig.

Arbeitskreis II: Didaktisch-methodische Ge­staltung des Sportunterrichts Einen vielbeachteten Vortrag hielt Herr Prof. Dr. Kurz(Uni Bielefeld) zur Mehrperspektivi­tät des Sportunterrichts. Abge­leitet von den übergeordneten Sinnperspektiven des Sports: Gesundheit, Leistung, Spannung, Miteinander, Eindruck, Ausdruck konkretisierte er die individuel­le Handlungsfähigkeit der Sport­treibenden innerhalb der einzel­nen Sportarten und Disziplinen und wies auch auf Potenzen und Grenzen der unterschiedlichen Unterrichtskonzepte hin.

Herr Prof. Dr. Endert(Uni Pots­dam) gab wichtige didaktisch­

methodische Hinweise, auf. die besonders die Sportlehrer in den neuen Bundesländern bei ihrer Unterrichtsgestaltung achten soll­en.

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Arbeitskreis III: Außerunterrichtlicher Sport Die Herren G. Arlt(Ministe­rium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg), D. Jende(Senftenberg) und W. Koch(Cottbus) wiesen in ihren Beiträgen auf die vielen Proble­me des Erhalts und der notwen­digen Förderung des außerun­terrichtlichen und außerschuli­schen Sports der Kinder und Jugendlichen hin.

Im Zweiten Aktionsprogramm für den Schulsport(Gemeinsa­mer Beschluß der Kultusmini­sterkonferenz, des Deutschen Sportbundes und der kommuna­len Spitzenverbände vom 17. 04. 1985) wird betont, daß der Schul­sport ein eigenständiger und un­austauschbarer Bereich von Bil­dung und Erziehung ist. Zum Schulsport gehören der Sport­unterricht und der außerunter­richtliche Sport.

Alle Verantwortungsträger sind aufgerufen, daß Erziehung der Kinder und Jugendlichen zur Gesundheit, zu sozialem Ver­halten und zur sportlichen Lei­stung ernst genommen werden. An zwei Tagen nutzten Sport­lehrer, Sportwissenschaftler und

Sportfunktionäre aus den alten

und neuen Bundesländern die

Gelegenheit zum Erfahrungsaus­

tausch.

Als Ergebnis kristallisierten sich

Schwerpunkte heraus, für die sich

der Sportlehrerverband beson­

ders einsetzen will:

Verbesserung der Aus-, Fort­und Weiterbildung der Sport­lehrer;

fachgerechter Sportlehrerein­

satz in allen Klassenstufen;

Entwicklung prozeßorientier­

ter und praxisnaher Modelle

von Rahmenplänen im Fach

Sport;

Durchsetzung bzw. Erhalt der

dritten Sportstunde in allen

Klassenstufen;

Erhalt der zwei Sportstunden

in den berufsbildenden Ein­

richtungen;

Verbesserung der materiell­

technischen Ausstattung der

Sportstätten;

Unterstützung des außerunter­

richtlichen Sports und Gewin­

nung der SchülerInnen für eine sportliche Betätigung in den

Vereinen.

Ralf Herrmann (Präsident des DSLV Brandenburg)

Dr. habil. Christa Helmke (Vizepräsidentin für Aus-, Fort- und Weiterbildung des DSLV Brandenburg)

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