Heft 
(1.1.2019) 13
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FORSCHUNG

Nr. 13/92 Seite 5

Max-Planck-Gesellschaft präsentierte sich an der Universität

Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaf­ten e. V. pflegt ein Ritual, sich in solchen Städten vorzustellen, in denen es(noch) keines ihrer Institute gibt. Aus diesem Grun­de hatte sie am 15. 6. 1992 zum Abschluß ihrer diesjährigen Vor­tragsreihe in den neuen Bundes­ländern zu einer öffentlichen Vortragstagung an die Universi­tät Potsdam eingeladen, die gut besucht war. Prof. Oesterhelt sprach über die mehr als erstaun­lichen Fähigkeiten des Bakterio­

rhodopsins, ein Farbstoff salzto­leranter Halobakterien, das als optischer Informationsspeicher die Möglichkeit moderner Com­puter noch übertrifft.

Als gemeinnützige Forschungs­organisation unterhält die MPG Institute, die sich vorwiegend der Grundlagenforschung in den Natur- und Gesellschaftswis­senschaften widmen, und zwar in der Weise, daß sie herausra­genden Wissenschaftlern opti­male Arbeitsbedingungen ver­schafft. Zur Zeit gehören ihr in

den alten Ländern 65 Institute und sonstige Forschungseinrich­tungen unterschiedlicher Größe, Struktur und Aufgabenstellung an. In den neuen Ländern exi­stieren bisher erst zwei Neugrün­dungen, jedoch hofft man in München, dem Sitz der General­verwaltung, zuversichtlich auf eine Ausdehnung. Als Interims­maßnahme wurden in Ost­deutschland zunächst Max­Planck-Arbeitsgruppen gebildet, von denen vier auch an unserer Universität etabliert sind.

Der ständige Mitarbeiterkreis der Gesellschaft umfaßt mehr als 13 000 Personen, von denen mehr als 5 000 Wissenschaftler sind. 1991 war der Jahresetat mit 1,34 Milliarden DM angesetzt. Da­von waren über 90% Zuschüsse des Bundes und der Länder. 1948 als unmittelbarer Nachfolger der 1911 errichteten Kaiser-Wil­helm-Gesellschaft gegründet, stellt die MPG in mehrfacher Hinsicht ein Unikat dar; es gibt in andern Ländern nichts Ver­gleichbares. Dr. Rolf Rammelt

Einschlägige Befragungen, Sta­tistiken und soziologische Un­tersuchungen belegen es, Frauen sind von Arbeitslosigkeit beson­ders betroffen. Im Juli waren 760 000 Frauen Ostdeutschlands, das sind 64 Prozent der Arbeits­losen, ohne Arbeit(Angaben des DGB). Dieses auch für das Land Bran­denburg neue Phänomen begrün­det bei den dafür zuständigen Einrichtungen einen großen In­formationsbedarf. Es existierte dort kein aufbereitetes Datenma­terial. Seit April 1991 besteht an der Universität Potsdam das von ihr getragene ABM-ProjektFrau­enarbeitslosigkeit, dem Fach­bereich Sozialwissenschaften an­gegliedert. Dr. Barbara Gerbing, Dr. Ursula Padel, Elke Schramm und Rita Schulze-Gahlbeck bearbeiten mit Hilfe des ihnen übertragenen Projektes alle verfügbaren ein­schlägigen Daten im Arbeits­amtsbezirk Potsdam. Im Mittel­punkt der Tätigkeit der aus der Warteschleife an der ehemali­gen Akademie für Staat und Recht kommenden Wissen­

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schaftlerinnen stehen drei Schwerpunkte.

In regelmäßigen Abständen le­gen sie schriftliche Arbeitsmate­rialien vor(drei sind bereits er­stellt worden, das vierte wird im September veröffentlicht). Sie werden außer dem Arbeitsamt auch der Gleichstellungsbeauf­tragten des Magistrates, dem Arbeitslosenverband, dem Mi­nisterium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen, den Landratsämtern und anderen Interessierten zur Verfügung gestellt. Zunächst analysiert man die monatlich vom Arbeitsamt herausgegebenen statistischen Materialien. Inhaltliche Schwer­punkte sind dabei:Arbeits­marktpolitische Situation, Wir­kungsweise der arbeitsmarktpo­litischen Instrumente zur Begren­zung der Arbeitslosigkeit und Aktivitäten der Landesregierung zur Begrenzung der Arbeitslo­sigkeit.

Auswirkungen der Arbeitslosig­keit werden u. a. durch Auswer­tung von Fragebögen in Zusam­menarbeit mit Soziologen des Berliner ABM-ProjektesChan­cen, Konflikte und Potentiale des

Handelns beim wirtschaftlichen und sozialen Wandel in den ost­deutschen Bundesländern un­tersucht. Die Wissenschaftlerin­nen sind sehr bemüht, mit ihren Erkenntnissen in der Öffentlich­keit wirksam zu werden. Um verwert- und nutzbare Ergebnis­se erzielen zu können, bauten sie Kontakte beispielsweise zum Arbeitsamt, zum Wirtschaftsde­zernat, zu verschiedenen Selbst­hilfegruppen, zu Frauenstamm­tischen auf.Wenn vor Ort klei­ne Schritte gegangen werden können, hat unsere Arbeit einen Sinn, sagt Dr. Gerbing. Sie arbeiten auch deshalb an Stamm­tischen mit, um bei Arbeitgebern das Bewußtsein zu wecken, stär­ker Frauen Arbeitsplätze zu geben. Bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung konnten sie ihre Studien vorstel­len.

Die Brisanz der Thematik erfor­dert zweifellos auch in Zukunft wissenschaftliche Untersuchun­gen. Was wird aber aus dem Projekt und mit den Beteiligten nach dem Auslaufen der Arbeits­beschaffungsmaßnahme im März 1993? Nach Trägern und

Kleine Schritte vor Ort

Sponsoren wird bereits Ausschau gehalten. Noch hoffen die betei­ligten Frauen, bei einem der neu strukturierten Bereiche(z. B. Frauenforschung, Sozialwissen­schaften) der Universität Unter­stützung für die Weiterführung ihrer Arbeit zu finden. Entschei­dungen sollten diesbezüglich möglichst bald getroffen werden.

Dr. Barbara Eckardt

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