Nr. 17/92— Seite 16
Die weiße Rose
Jetzt haben sie euch zur Legende gemacht
und in Unwirklichkeiten versponnen, denn dann ist einem— und den Verlgeich gebracht—
das schlechte Gewissen genommen.
Ihr wärt heute genauso unbequem
wie alle, die zwischen den Fahnen stehn, denn die aufrecht gehn, sind in jedem System
nur historisch hochangesehn.
Ihr wärt hier so wichtig, Sophie und Hans, Alexander und all die andern,
eure Schlichtheit und euer Mut,
euer Gottvertraun— ach, tät das gut! Denn die Menschlichkeit,
man kanns verstehn,
ist hierzuland eher ungern gesehn
und beschloß deshalb, auszuwandern.
Ihr habt geschrien,
wo andre schwiegen,
obwohl ein Schrei nichts ändern kann, ihr habt gewartet,
ihr seid geblieben,
ihr habt geschrien,
wo andre schwiegen—
es ging ums Tun
und nicht ums Siegen!
Vielleicht ist das Land etwas menschlicher seitdem,
doch noch wird geduckt und getreten. Der Herbst an der Isar ist wunderschön, und in den Wäldern lagern die Raketen.
Ich würd mal mit euch für mein Leben gern ein paar Stunden zusammensitzen,
doch so nah ihr mir seid, dazu seid ihr zu=
fern, trotzdem werd ich die Ohren spitzen.
Ihr wärt hier so wichtig, Sophie und Hans, Alexander und all die andern,
eure Schlichtheit und euer Mut,
euer Gottvertraun— ach, tät das gut! Denn die Menschlichkeit,
man kanns verstehen,
ist hierzuland eher ungern gesehen
und beschloß deshalb, auszuwandern.
Ihr habt geschrien,
_ wo andre schwiegen,
obwohl ein Schrei nichts ändern kann, ihr habt gewartet,
ihr seid geblieben,
ihr habt geschrien,
wo andre schwiegen—
es geht ums Tun
und nicht ums Siegen!
Konstantin Wecker.
Das macht mir Mut.
Lieder, Gedichte, Prosa.
Hrsg. v. Fritz-Jochen Kopka. Berlin, Henschelverlag, 1989, S. 178/179
KULTUR
Studentischer Widerstand in Wort und Bild
Nach mühevoller Vorbereitung konnte am 6. November die gerade aus Santiago de Chile eingetroffene Ausstellung„Die Weiße Rose. Der Widerstand der Studenten gegen Hitler, München 1942-1943“ im Foyer des Babelsberger Universitätsgebäudes August-Bebel-Str. 89 eröffnet werden. Die Anwesenheit des Vorsitzenden der„Weiße Rose Stiftung München e. V.‘“, Franz J. Müller, sowie der Widerstandsgruppe mittelbar angehöriger Personen gab dem Ereignis ei
nen ganz besonderen Rahmen.|
Teilnehmer des kleinen Eröffnungsfestaktes waren des weiteren Minister Enderlein, Gründungsrektor Prof. Mitzner und andere Vertreter der Universität. Mit Potsdam erlebt die dreiwöchige Ausstellung ihre Premiere im Osten Deutschlands. Danach wird sie im Foyer des hessischen Landtages zu sehen sein. Die Exposition möchte kein Podest der Heldenverehrung darstellen, sondern möchte zur Besinnung auf menschliche Werte beitragen. Der Mythos„Weiße Rose“ soll revidiert werden. Vor allem junge Menschen will man ansprechen. Gerade in einer Zeit, die durch verstärkten Rechtsradikalismus, Ausländerfeindlich
keit, wachsende Intoleranz gekennzeichnet ist, ist sie auch Appell. Die Gefahr ist wieder da. Den Anfängen muß man wehren, gegen die Lethargie der Menschen ankommen— dieser aktuelle Bezug ist den Ausstellungsinitiatoren sehr wichtig.
Das Streben nach Freiheit,„Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses...“ war Anlaß für
paar Scholl, auch das zeigen die Aufsteller im Babelsberger Foyer.
Im Februar nächsten Jahres soll das gesamte Material in der Jenenser Alma mater der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ausstellungen in anderen ostdeutschen Städten sind geplant.
Die Weiße Rose Stiftung ist stark
Anneliese Knoop-Graf, Marie-Luise Schultze-Jahn, Christiane| Moll, Franz J. Müller, Karin Friedrichs(v.l.n.r.) Foto: Tribukeit|
den studentischen Widerstand. Hinzu kam die Ablehnung der Pervertierung menschlicher Werte. Sechs Mitgliedern der illegalen Gruppe kostete ihr Ringen um Humanität und Frieden im Jahr 1943 das Leben. Der Siebente, Hans Leipelt, wurde im Oktober 1944 zum Tode verurteilt. Die„Weiße Rose“ war mehr als nur das Geschwister
POTSDAMER A AM OBEUSK
Kartenvorverkauf » Im Foyer des Kabaretts Di. bis Sa. von 17.00-19.30
an Beziehungen zu Schülern, Bildungseinrichtungen, Studenten usw. interessiert. Sollte es Kontaktwünsche geben, wenden Sie sich bitte an folgende An-| schrift: Weiße Rose Stiftung München e. V. Genter Straße 13 8000 München 40
PS.
» in der Potsdam-Information Friedrich-Ebert-Straße: täglich von 9.00-18.00 Uhr Tel.: 2 11 00
- im Hof des Kabaretts(Büro) Mo. bis Fr. 8.00-16.00 Uhr Tel.:(0 37 33) 2 10 69 oder 2 17 38 Tel.: Geschäftsführung 2 17 38
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