Heft 
(1.1.2019) 17
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Nr. 17/92 Seite 16

Die weiße Rose

Jetzt haben sie euch zur Legende ge­macht

und in Unwirklichkeiten versponnen, denn dann ist einem und den Verlgeich gebracht

das schlechte Gewissen genommen.

Ihr wärt heute genauso unbequem

wie alle, die zwischen den Fahnen stehn, denn die aufrecht gehn, sind in jedem System

nur historisch hochangesehn.

Ihr wärt hier so wichtig, Sophie und Hans, Alexander und all die andern,

eure Schlichtheit und euer Mut,

euer Gottvertraun ach, tät das gut! Denn die Menschlichkeit,

man kanns verstehn,

ist hierzuland eher ungern gesehn

und beschloß deshalb, auszuwandern.

Ihr habt geschrien,

wo andre schwiegen,

obwohl ein Schrei nichts ändern kann, ihr habt gewartet,

ihr seid geblieben,

ihr habt geschrien,

wo andre schwiegen

es ging ums Tun

und nicht ums Siegen!

Vielleicht ist das Land etwas menschli­cher seitdem,

doch noch wird geduckt und getreten. Der Herbst an der Isar ist wunderschön, und in den Wäldern lagern die Raketen.

Ich würd mal mit euch für mein Leben gern ein paar Stunden zusammensitzen,

doch so nah ihr mir seid, dazu seid ihr zu=

fern, trotzdem werd ich die Ohren spitzen.

Ihr wärt hier so wichtig, Sophie und Hans, Alexander und all die andern,

eure Schlichtheit und euer Mut,

euer Gottvertraun ach, tät das gut! Denn die Menschlichkeit,

man kanns verstehen,

ist hierzuland eher ungern gesehen

und beschloß deshalb, auszuwandern.

Ihr habt geschrien,

_ wo andre schwiegen,

obwohl ein Schrei nichts ändern kann, ihr habt gewartet,

ihr seid geblieben,

ihr habt geschrien,

wo andre schwiegen

es geht ums Tun

und nicht ums Siegen!

Konstantin Wecker.

Das macht mir Mut.

Lieder, Gedichte, Prosa.

Hrsg. v. Fritz-Jochen Kopka. Berlin, Henschelverlag, 1989, S. 178/179

KULTUR

Studentischer Widerstand in Wort und Bild

Nach mühevoller Vorbereitung konnte am 6. November die ge­rade aus Santiago de Chile ein­getroffene AusstellungDie Weiße Rose. Der Widerstand der Studenten gegen Hitler, Mün­chen 1942-1943 im Foyer des Babelsberger Universitätsgebäu­des August-Bebel-Str. 89 eröff­net werden. Die Anwesenheit des Vorsitzenden derWeiße Rose Stiftung München e. V., Franz J. Müller, sowie der Widerstands­gruppe mittelbar angehöriger Personen gab dem Ereignis ei­

nen ganz besonderen Rahmen.|

Teilnehmer des kleinen Eröff­nungsfestaktes waren des wei­teren Minister Enderlein, Grün­dungsrektor Prof. Mitzner und andere Vertreter der Universität. Mit Potsdam erlebt die dreiwö­chige Ausstellung ihre Premiere im Osten Deutschlands. Danach wird sie im Foyer des hessischen Landtages zu sehen sein. Die Exposition möchte kein Podest der Heldenverehrung darstellen, sondern möchte zur Besinnung auf menschliche Werte beitra­gen. Der MythosWeiße Rose soll revidiert werden. Vor allem junge Menschen will man an­sprechen. Gerade in einer Zeit, die durch verstärkten Rechtsra­dikalismus, Ausländerfeindlich­

keit, wachsende Intoleranz ge­kennzeichnet ist, ist sie auch Appell. Die Gefahr ist wieder da. Den Anfängen muß man weh­ren, gegen die Lethargie der Menschen ankommen dieser aktuelle Bezug ist den Ausstel­lungsinitiatoren sehr wichtig.

Das Streben nach Freiheit,Frei­heit der Rede, Freiheit des Be­kenntnisses... war Anlaß für

paar Scholl, auch das zeigen die Aufsteller im Babelsberger Fo­yer.

Im Februar nächsten Jahres soll das gesamte Material in der Je­nenser Alma mater der Öffent­lichkeit zugänglich gemacht werden. Ausstellungen in ande­ren ostdeutschen Städten sind geplant.

Die Weiße Rose Stiftung ist stark

Anneliese Knoop-Graf, Marie-Luise Schultze-Jahn, Christiane| Moll, Franz J. Müller, Karin Friedrichs(v.l.n.r.) Foto: Tribukeit|

den studentischen Widerstand. Hinzu kam die Ablehnung der Pervertierung menschlicher Werte. Sechs Mitgliedern der illegalen Gruppe kostete ihr Ringen um Humanität und Frie­den im Jahr 1943 das Leben. Der Siebente, Hans Leipelt, wurde im Oktober 1944 zum Tode ver­urteilt. DieWeiße Rose war mehr als nur das Geschwister­

POTSDAMER A AM OBEUSK

Kartenvorverkauf » Im Foyer des Kabaretts Di. bis Sa. von 17.00-19.30

an Beziehungen zu Schülern, Bildungseinrichtungen, Studen­ten usw. interessiert. Sollte es Kontaktwünsche geben, wenden Sie sich bitte an folgende An-| schrift: Weiße Rose Stiftung München e. V. Genter Straße 13 8000 München 40

PS.

» in der Potsdam-Information Friedrich-Ebert-Straße: täglich von 9.00-18.00 Uhr Tel.: 2 11 00

- im Hof des Kabaretts(Büro) Mo. bis Fr. 8.00-16.00 Uhr Tel.:(0 37 33) 2 10 69 oder 2 17 38 Tel.: Geschäftsführung 2 17 38

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