| DAAD
Nr. 19/92— Seite 3
Ohne Ausländer wären wir ärmer
| Im Potsdamer Residence-Hotel
trafen sich vom 4. bis 6. Dezember rund 80 ausländische Studie
= rende der Bundesländer Berlin
und Brandenburg, die aus den Austauschprogrammen der ehemaligen DDR vom Deutschen
| Akademischen Austauschdienst |(DAAD) übernommen wurden, | zu ihrem 1. Stipendiatentreffen.
DAAD und Universität Potsdam
hatten gemeinsam eingeladen.
Im letzten Jahr förderte der zung für die Stipendiaten doku- Zeugnis zu geben, was der Gei
DAAD durch Gelder aus öffentlicher Hand über 50 000 in- und ausländische Studierende und Wissenschaftler. 23 000 Deut
sche waren durch diese Unterstützung im Ausland. 27 000 Ausländer weilten auf Einladung
des DAAD zu Studien- und For
schungszwecken in unserem*“
Land. Das Treffen solle die Unterstüt
mentieren und die Freude zum Ausdruck bringen, daß qualifizierte junge Leute nach Deutsch
Gewal
land kamen und kommen, die hoffentlich ihr Leben lang unsere Freunde bleiben, so Prof. Berchem, der Präsident des DAAD.
Von den rund 6 500 Stipendiaten, die vom DAAD 1990 in die Betreuung der Arbeitsstelle Berlin-Mitte übernommen wurden, sind gegenwärtig 3 175 zum Studienabschluß an ostdeutschen Hochschulen immatrikuliert. Betont wurde, daß trotz vielfältiger Umstrukturierungen an den Bildungseinrichtungen niemand sein Studium wegen der deutschen Einheit abbrechen mußte. Entschieden tritt der DAAD gegen Angriffe auf ausländische Zufluchtsuchende, Mitbürger und Gäste auf. ‚„„... auch im Alltag gilt es, ganz konkret davon
steshaltung eines zivilisierten Landes entspricht, nämlich Hochachtung vor der Würde
ttäter soll wissen, >mder ist fertige Fremde.“
Rainer Kunze
jedes Menschen und Toleranz gegenüber seiner persönlichen Prägung, besonders wenn sie der Geburt in einem anderen, noch fremden Land entspringt‘, formulierte Prof. Berchem in seiner Rede vor den Stipendiaten. In einem Pressegespräch stellte er, zusammen mit weiteren Verantwortlichen des DAAD, das Plakat„Ohne Ausländer wären wir ärmer“ vor, das im Dezember zum Aushang an alle deutschen Hochschulen versendet wurde. Deutsche StudentInnen werden aufgerufen, sich mit ihren ausländischen Kommilitonen zu solidarisieren.
B. E. (Weiteres zum Stipendiatentreffen in unserer nächsten Ausgabe.)
Die ersten Beratungslehrer beendeten erfolgreich ihr Studium
Die I. Matrikel Beratungslehrer hat am Fachbereich Psychologie
| der Universität Potsdam ihr Stu
dium erfolgreich beendet! Für die Beteiligten ein über 4 Seme
| Sster gehender mühsamer, aber
lohnenswerter Weg angesichts der vor uns stehenden und in der
Schule zu lösenden Probleme.
Zunehmend gewinnt die Beratungsaufgabe der Lehrer an Bedeutung.
Vor den Beratungslehrern stehen 3 Aufgabengebiete:
1. Schul- und Bildungslaufbahnberatung
Sie soll begründete Wahlentscheidungen ermöglichen durch:
|= Information über schulische
und schulanschließende Bildungsgänge,
— Ermittlung und Vermittlung individueller Schuleignungsvoraussetzungen sowie
— Abstimmung dieser beiden mit den besonderen Bildungserwartungen von Schülern und Eltern.
2. Einzelfallhilfe
Sie hat die Behebung individueller Schwierigkeiten und Störungen des Erlebens, des Sozial- und Leistungsverhaltens zum Ziel. 3. Systembezogene Beratung Durch sie sollen eine Optimierung der schulischen Lernsituation und eine bildungswirksamere Gestaltung des gesamten Schulgeschehens erreicht wer
den. Sie schließt die Vermittlung von Konzepten zur Individualisierung schulischer Lernförderung sowie zur Prävention von Lern- und Verhaltensstörungen ein.
Abgesehen davon, daß Lehren, Erziehen und Beraten eigentlich Aufgaben eines jeden Lehrers sind, schafft er es niemals allein. Schulen brauchen Beratungslehrer!
Das Land Brandenburg hat sich für die Etablierung eines Netzes von Beratungslehrern entschieden. Beratungslehrer werden an vielen Schulen des Landes in enger Zusammenarbeit mit dem noch weiter auszubauenden schulpsychologischen Dienst
wirksam sein. Beratungslehrer werden durch ihren Einsatz an der Schule viel Positives für die Kinder bewirken! Der Fachbereich Psychologie tut sein Bestes, dieses Vorhaben durch das Studienangebot„Beratungslehrer‘ zu unterstützen. Wir meinen, daß die Möglichkeiten einer Reform des Bildungswesens nur dann durchgreifend wirksam werden können, wenn sie durch ein differenziertes Beratungsangebot begleitet wird, und wünschen den ersten Absolventen viel Erfolg auf dem Weg der weiteren Ausgestaltung der Schule.
Prof. Dr. habil. Bärbel
Kirsch, FB Psychologie