Nr. 19/92— Seite 4
Einstein Forum In Potsdam gegründet
Zum Jahresende gab es noch| einen Glanzpunkt im Branden-|
burger Wissenschaftsgeschehen: Der Festakt zur Gründung der
Stiftung Einstein Forum am| 30. November im Schloßtheater|
des Neuen Palais in Potsdam.
Albert Einstein Physiker, Jude, Kosmopolit und stets an die Verantwortung des Wissenschaftlers Appellierender— ist eine Integrationsfigur par excellence. Wer sich dieser Persönlichkeit verpflichtet, tritt ein
großes Erbe an, dem über die| weitreichende Verpflichtung|
jedoch auch Ermutigung innewohnt.
Das sich in Gründung befindende Einstein Forum mit dem Gründungsbeauftragten Gary Smith, texanischer Doktor der Philosophie, an der Spitze, will im Geiste des Nobelpreisträgers wirken. Internationale und disziplinübergreifende Zusammenarbeit zwischen Natur- und
Geisteswissenschaftlern, aber zu- ku. Albert Einstein war nach eigenen Worten„hin- und hergeris
gleich mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens heißt das Programm. Die Idee, Einsteins Werk und Vermächtnis für Gegenwart und Zukunft aufzubereiten, bedeutet eine große Herausforderung an Brandenburgs Wissenschaftler und ihre Kollegen aus aller Welt. Die ersten Reaktionen sind außergewöhnlich positiv; alle zwanzig um Unterstützung gebetenen Wissenschaftler signalisierten ohne Zögern ihre Bereitschaft zur Mitarbeit. Die Namensliste des Gründungskuratoriums und des Wissenschaftlichen Beirats
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Stand Glaser Ar
sen zwischen Politik und Gleichungen“. Als ihm im Jahre 1952 die Präsidentschaft des Staates Israel angetragen wurde, lehnte er jedoch mit der Begründung ab, er sei zu naiv für Politik.
spricht für Internationalität und wissenschaftliche Breite. Die Universität Potsdam ist mit zwei Repräsentanten im Gründungskuratorium vertreten: dem Gründungsrektor und Chemiker Prof. Dr. Rolf Mitzner und dem Historiker/Politologen Prof. Dr. Julius H. Schoeps.
Obwohl bis 1991 im heutigen Land Brandenburg keine universitären Bildungsstätten existier
Foto: Stadtarchiv Münster
ten und hiesige Wissenschaftler zumeist nur ausschnittartigen Zugang zum internationalen Wissenschaftsgeschehen und zu seinen Repräsentanten hatten, steht man nicht vor einer Leere. Wissenschaftstradition gerade der reichen Potsdamer Gegend kann wiederaufgenommen oder neu begründet werden. Für die Brandenburger Wissenschaftler, auch die vom Einstein Forum
Aus der Mark Brandenburg in alle Welt.
ELPHIN
EISEN
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Studenten und Doktoranden, entstehen mit dieser Begegnungsstätte Chancen, sich als Lehrende und Lernende in die mehrmals jährlich stattfindenden Caputher Gespräche einzubringen. Das erste Caputher Gespräch ist für den Mai 1993 gedacht. Begegnungsorte sollen das Sommerhaus Einsteins in Caputh und ein altes Potsdamer Bürgerhaus am Neuen Markt werden. Begrüßungsworte an die zahlreichen in- und ausländischen Gäste von Hochschulen, Wissenschaftsorganen und des öffentlichen Lebens richteten der Brandenburgische Ministerpräsident,| Dr. Manfred Stolpe, und der| Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Hinrich Enderlein. Ansprachen hielten der langjährige Präsident der Freien| Universität Berlin und Vorsit-| zende des Gründungskuratoriums des Einstein Forums, Prof. Dr. Rolf Lämmert, und Prof. Dr. Jürgen Ehlers vom Max-PlanckInstitut für Astrophysik in Garching. Eine wissenschaftliche und amüsante Darstellung, wie integratives Denken im Einsteinschen Sinne aussehen könnte, bot der 84jährige Londoner Kunsthistoriker Prof, Dr. Sir Ernst H. Gombrich in seinem Festvortrag. Das gewählte Thema„Zeichen, Bild und Wirklichkeit. Ein Beitrag zum Bilderstreit“ enthielt Begriffe, Deutungen und vor allem Anregungen zum Nachdenken, es war ein interessanter Auftakt für die Arbeit des Forums.
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