Heft 
(1.1.2019) 19
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FORUM

Nr. 19/92 Seite 5

Worte zur Gründung des Einstein Forums

Mit Einsteins Vermächtnis |Orientierung geben

Ich möchte ganz besonders den jüdischen Gästen danken, beson­ders auch denen, die aus existen­tiellen Gründen sich über lange | Jahre aus Deutschland fernge­halten haben und die nun durch das Forum in das gegenwärtig sehr verwirrte Deutschland ge­kommen sind. Mein besonderer Dank gilt Prof. Sir Gombrich und dem Rektor der Hebräischen Universität Jerusalem, Prof. Gutfreund.

Sie alle helfen uns mit Ihrer Beteiligung in einer ganz zentra­len Frage. Unsere zweijährigen Erfahrungen mit einem Umbruch lehren uns, daß es nicht nur um ökonomische Fragen geht, daß dieser Umbruch eine zweite Sei­te hat, die ein wenig vernachläs­sigt wurde: die sozial-psycholo­/gische. Wir sind überzeugt, daß Orientierung geben genauso

wichtig ist wie Arbeitsplätze schaffen.

Mit Einsteins Vermächtnis kön­nen wir Orientierung geben, müs­sen uns aber gerade in Branden­burg, wo die deutsch-jüdische Symbiose zur Entwicklung der Region erst beigetragen hatte, an die Vernichtung von Unwieder­bringlichem durch die Nazimör­der erinnern. Für jede Branden­burgerin und jeden Brandenbur­ger ist es heute eine Pflichtauf­gabe, daß wir nie wieder Antise­mitismus, Rassismus und deut­sche Arroganz zulassen dürfen. Einsteins Vermächtnis heißt des­halb auch für uns, den neuen braunen Mordbrennern mit aller Härte zu widerstehen.

Dr. Manfred Stolpe, Minister­präsident des Landes Branden­burg und Schirmherr des Ein­stein Forums

| Exzellentes Wissenschaftszentrum

Wenn man eine Universität gründet, beschäftigt man sich zu­nächst mit Grundstudiengängen, später dann kommen Überlegun­gen zu Querstrukturen hinzu. Wir sind recht glücklich, daß die Idee eines Wissenschaftszentrums, was genau mit dieser Aufgabe an der Universität geplant ist, vom |Land eine solche Aufwertung erfuhr.

|Dieses Forum wird natürlich Folgen haben für unsere Beru­| fungspolitik, wobei die Zusam­

menarbeit nur gegenseitig sein kann. Professoren, Doktoranden und Studenten, die beim Einstein Forum arbeiten, könnten even­tuell über gemeinsame Projekte auch bei uns tätig sein. Es erfüllt mich mit Freude, daß auf diesem Weg prominente Wissenschaft­ler nach Potsdam kommen wer­den.

Prof. Dr. Rolf Mitzner, Grün­dungsrektor der Universität Pots­dam und Kuratoriumsmitglied des Einstein Forums

Stoff für Generationen

Die Konzeption des Einstein Forums als eine Einrichtung der Wissensvermittlung und der dis­Zziplinübergreifenden Zusam­Mmenarbeit scheint in idealer Weise geeignet, die Herausfor­derung, die das geistige Lebens­werk Einsteins an uns stellt, anzunehmen.

Mit dem Einstein Forum wird eine Einrichtung geschaffen, die durch den grenzüberschreitenden Austausch zwischen Natur- und Geisteswissenschaften die inter­nationale wissenschaftliche Zu­sammenarbeit fördern soll. Der Brückenschlag zwischen den Kulturen wird eine ganz wesent­

politische Aspekte der Wissen­schaft sowie Formen der Wis­stellung nach der interkulturel- sensvermittlung konstituierend len Differenz gebührend Rech- für die Arbeit des Einstein Fo­nung getragen wird. Vor dem rums werden. Jeder der Schwer­Hintergrund der Grundfragen die punkte enthält Stoff für Genera­Einstein an die Wissenschaft tionen.

stellte, sollen vier Themen­

schwerpunkte: Das Verständnis Hinrich Enderlein, Minister für von Natur; Wissenschaft und Wissenschaft, Forschung und Weltanschauung; ethische und Kultur des Landes Brandenburg

liche Voraussetzung dafür sein, daß der übergreifenden Frage­

Er könnte den Geist dieser Universität prägen

Ich glaube, daß der Name Al­bert Einstein für den Aufbau der Wissenschaftslandschaft im Land Brandenburg von großer Bedeutung ist, daß in ihm eine Vorbildfigur gesehen werden kann, an der sich bestimmte Bereiche der Natur-, aber auch der Geisteswissenschaften orien­tieren können. Mich fasziniert an Einstein insbesondere, daß er für die Verbindung von Geistes­und Naturwissenschaften steht, das, was er selbst integratives Denken genannt hat. Albert Ein­stein wird in gewisser Weise, was Potsdam angeht, auch den Geist dieser Universität prägen ich hoffe es jedenfalls. Dies wäre, wenn man so will, auch eine Form später Wiedergutmachung.

Einstein war im Grunde ab 1897 ein Weltbürger. Wahrscheinlich

kann man nur vom Verständnis eines Weltbürgers her solche großen wissenschaftlichen Lei­stungen vollbringen, hinter sich lassend alle Formen von Reli­gion, von Nationalität, von Ver­engungen des Denkens. Einstein ist eine verehrungswürdige Ge­stalt, musisch hochbegabt und gleichzeitig mit einem Blick für wesentliche Probleme ausgestat­tet, sei es im Bereich der Natur­wissenschaften, sei es im Be­reich der Politik.

Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdi­sche Studien und Professor für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Potsdam, Kura­toriumsmitglied des Einstein Fo­rums

Ihr Arbeitsplatz: Der Diplomatische Dienst

Näheres zu Berufsbild, Anforderungen, Einstellungsvoraussetzungen, Auswahlverfahren und Vorbereitungsdienst für den höheren Auswärtigen Dienst bei einer Informationsveranstaltung mit dem Auswärtigen Amt

am 13. 1. 1993, um 14.00 Uhr(s. t.), Universität Potsdam, Universitätskomplex 1Am Neuen Palais, Haus 9, Raum 1 218

Referent: Herr Dölger, Auswärtiges Amt