FORUM
Nr. 19/92— Seite 5
Worte zur Gründung des Einstein Forums
Mit Einsteins Vermächtnis |Orientierung geben
„Ich möchte ganz besonders den jüdischen Gästen danken, besonders auch denen, die aus existentiellen Gründen sich über lange | Jahre aus Deutschland ferngehalten haben und die nun durch das Forum in das gegenwärtig sehr verwirrte Deutschland gekommen sind. Mein besonderer Dank gilt Prof. Sir Gombrich und dem Rektor der Hebräischen Universität Jerusalem, Prof. Gutfreund.
Sie alle helfen uns mit Ihrer Beteiligung in einer ganz zentralen Frage. Unsere zweijährigen Erfahrungen mit einem Umbruch lehren uns, daß es nicht nur um ökonomische Fragen geht, daß dieser Umbruch eine zweite Seite hat, die ein wenig vernachlässigt wurde: die sozial-psycholo/gische. Wir sind überzeugt, daß Orientierung geben genauso
wichtig ist wie Arbeitsplätze schaffen.
Mit Einsteins Vermächtnis können wir Orientierung geben, müssen uns aber gerade in Brandenburg, wo die deutsch-jüdische Symbiose zur Entwicklung der Region erst beigetragen hatte, an die Vernichtung von Unwiederbringlichem durch die Nazimörder erinnern. Für jede Brandenburgerin und jeden Brandenburger ist es heute eine Pflichtaufgabe, daß wir nie wieder Antisemitismus, Rassismus und deutsche Arroganz zulassen dürfen. Einsteins Vermächtnis heißt deshalb auch für uns, den neuen braunen Mordbrennern mit aller Härte zu widerstehen.“
Dr. Manfred Stolpe, Ministerpräsident des Landes Brandenburg und Schirmherr des Einstein Forums
| Exzellentes Wissenschaftszentrum
„Wenn man eine Universität gründet, beschäftigt man sich zunächst mit Grundstudiengängen, später dann kommen Überlegungen zu Querstrukturen hinzu. Wir sind recht glücklich, daß die Idee eines Wissenschaftszentrums, was genau mit dieser Aufgabe an der Universität geplant ist, vom |Land eine solche Aufwertung erfuhr.
|Dieses Forum wird natürlich Folgen haben für unsere Beru| fungspolitik, wobei die Zusam
menarbeit nur gegenseitig sein kann. Professoren, Doktoranden und Studenten, die beim Einstein Forum arbeiten, könnten eventuell über gemeinsame Projekte auch bei uns tätig sein. Es erfüllt mich mit Freude, daß auf diesem Weg prominente Wissenschaftler nach Potsdam kommen werden.‘
Prof. Dr. Rolf Mitzner, Gründungsrektor der Universität Potsdam und Kuratoriumsmitglied des Einstein Forums
Stoff für Generationen
„Die Konzeption des Einstein Forums als eine Einrichtung der Wissensvermittlung und der disZziplinübergreifenden ZusamMmenarbeit scheint in idealer Weise geeignet, die Herausforderung, die das geistige Lebenswerk Einsteins an uns stellt, anzunehmen.
Mit dem Einstein Forum wird eine Einrichtung geschaffen, die durch den grenzüberschreitenden Austausch zwischen Natur- und Geisteswissenschaften die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit fördern soll. Der Brückenschlag zwischen den Kulturen wird eine ganz wesent
politische Aspekte der Wissenschaft sowie Formen der Wisstellung nach der interkulturel- sensvermittlung konstituierend len Differenz gebührend Rech- für die Arbeit des Einstein Fonung getragen wird. Vor dem rums werden. Jeder der SchwerHintergrund der Grundfragen die punkte enthält Stoff für GeneraEinstein an die Wissenschaft tionen.“
stellte, sollen vier Themen
schwerpunkte: Das Verständnis Hinrich Enderlein, Minister für von Natur; Wissenschaft und Wissenschaft, Forschung und Weltanschauung; ethische und Kultur des Landes Brandenburg
liche Voraussetzung dafür sein, daß der übergreifenden Frage
Er könnte den Geist dieser Universität prägen
„Ich glaube, daß der Name Albert Einstein für den Aufbau der Wissenschaftslandschaft im Land Brandenburg von großer Bedeutung ist, daß in ihm eine Vorbildfigur gesehen werden kann, an der sich bestimmte Bereiche der Natur-, aber auch der Geisteswissenschaften orientieren können. Mich fasziniert an Einstein insbesondere, daß er für die Verbindung von Geistesund Naturwissenschaften steht, das, was er selbst integratives Denken genannt hat. Albert Einstein wird in gewisser Weise, was Potsdam angeht, auch den Geist dieser Universität prägen— ich hoffe es jedenfalls. Dies wäre, wenn man so will, auch eine Form später Wiedergutmachung.
Einstein war im Grunde ab 1897 ein Weltbürger. Wahrscheinlich
kann man nur vom Verständnis eines Weltbürgers her solche großen wissenschaftlichen Leistungen vollbringen, hinter sich lassend alle Formen von Religion, von Nationalität, von Verengungen des Denkens. Einstein ist eine verehrungswürdige Gestalt, musisch hochbegabt und gleichzeitig mit einem Blick für wesentliche Probleme ausgestattet, sei es im Bereich der Naturwissenschaften, sei es im Bereich der Politik.“
Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien und Professor für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Potsdam, Kuratoriumsmitglied des Einstein Forums
Ihr Arbeitsplatz: Der Diplomatische Dienst
Näheres zu Berufsbild, Anforderungen, Einstellungsvoraussetzungen, Auswahlverfahren und Vorbereitungsdienst für den höheren Auswärtigen Dienst bei einer Informationsveranstaltung mit dem Auswärtigen Amt
am 13. 1. 1993, um 14.00 Uhr(s. t.), Universität Potsdam, Universitätskomplex 1„Am Neuen Palais“, Haus 9, Raum 1 218
Referent: Herr Dölger, Auswärtiges Amt