Nr. 19/92— Seite 8
MATHEMATIK
Identitäten und Hyperidentitäten— zu den Kooperationsbeziehungen der Fachbereiche Mathematik der Pädagogischen Hochschule Opole und der Universität Potsdam
Aufenthalte Potsdamer Mathematiker am Fachbereich Mathematik der Pädagogischen Hochschule Opole, Reisen polnischer Mathematiker nach Potsdam— seit vielen Jahren ist das fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Nach dem ersten Kennenlernen auf Tagungen in der Tschechoslovakei, in Polen, Ungarn und in der DDR, nach erstem Ertasten wissenschaftlicher Interessen und Leistungsfähigkeit setzte, zunächst spontan und ohne Konzept, dann planvoll organisiert, eine fruchtbare Zusammenarbeit ein.
Der gemeinsam interessierende mathematische Gegenstand ist die Theorie gleichungsdefinierter Klassen von Algebren.
Die Untersuchungen der Forschungsgruppe von K. Hatkowska in Opole zielen dabei auf die Form der in diesen Algebren gültigen Gleichungen, der Identitäten, ab. Der Begriff der P-kompatiblen Identität erfaßt die Form, die Struktur der die Identität bildenden Terme. Will man das schon in der Schulmathematik geübte Ableiten neuer Identitäten aus gegebenen auf der Basis gewisser Schlußregeln automatisieren und mit dem Rechner rationeller gestalten, so spielt dabei die Form der Identitäten eine Rolle.
Professor Hatkowska und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen bei derartigen Untersuchungen ganz in der Traditionslinie großer polnischer Logiker und Algebraiker wie A. Tarski, J. Stupezki, R. Sikorski, H. Rasiowa und W. Marcewski, J. Plonka und anderer. Der in Wrochaw lebende Algebraiker J. Plonka ist der eigentliche spiritus rector der Forschungsgruppe in Opole und hat auch großen Anteil an der Entstehung der
Zusammenarbeit zwischen Potsdamer Mathematikern und ihren Kollegen in Opole. Hyperidentitäten bilden gegenwärtig den Brennpunkt der Interessen der Potsdamer Algebraiker. Dieser Begriff trat als verallgemeinerte Identität erstmalig in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts auf. Der Amerikaner W. Taylor bewies 1981, daß Hyperidentitäten den Identitäten sogenannter Klone von Operationen entsprechen. Klone von Operationen kommen in Algebra, Logik und in der Theorie der Schaltkreise vor. Da Hyperidentitäten spezielle Identitäten sind, lag es nahe, gemeinsam den wissenschaftlichen Brückenschlag zwischen Opole und Potsdam zu wagen und P-kompatible Hyperidentitäten zu studieren. Die Resultate dieser Studien werden nun zur Publikation in einer in Wrockaw erscheinenden hoch angesehenen mathemati-> schen Zeitschrift vorbereitet. Wie im“täglichen Leben; so werfen auch in der Mathematik gelöste Probleme meist neue Fragestellungen auf und so sehen sich die Kooperationspartner in Potsdam und Opole am Beginn weiterer gemeinsamer Vorhaben. Auf den genannten Gebieten arbeitende Wissenschaftler benötigen für ihre Arbeit Material und Energie nur in bescheidenem Umfang, sie brauchen keine kostspieligen Laboratorien(was sie in den Augen mancher Naturwissenschaftler allerdings eher in Mißkredit zu bringen scheint). Experimente finden meist in ihren Köpfen statt, allenfalls genügen. Papier und Bleistift, selten wird der Computer benötigt. Was sie aber brauchen wie das tägliche Brot ist der freie Austausch von Ideen und Resultaten und die kritische Resonanz
von Fachkollegen auf die vorgestellten Resultate. So verwundert es nicht, daß der Besuch von Konferenzen, Symposien, Workshops zu den bevorzugten Tätigkeiten des forschenden Mathematikers gehört.
Durch die Kooperationsbeziehungen ermöglichen die polnischen Algebraiker ihren Potsdamer Kollegen, die jährlich in Polen organisierten Konferenzen über„Universelle Algebra und ihre Anwendungen“ zu besuchen. Umgekehrt unterstützt Potsdam die Teilnahme an den Arbeitstagungen„Allgemeine Algebra‘, die zweimal jährlich im deutschsprachigen Raum organisiert werden.
Bei diesen Gelegenheiten werden die Kontaktmöglichkeiten zur Technsichen Universität Warschau, zu den Universitäten in Torun, Wroctaw, Krakow, zur Technischen Hochschule Darmstadt, zu den Universitäten in Kaiserslautern und Wien erweitert.
Ein besonderer Höhepunkt ist die Jährlich in Potsdam organisierte Konferenz„Junger Algebraiker“‘. Diese Konferenzserie soll vor der Promotion stehenden Mathematikern, Diplomanden und Doktoranden den Start in die wissenschaftliche Welt erleichtern. Regelmäßig nehmen an diesen Konferenzen junge Kollegen aus Opole und Warschau teil. Dabei bieten sich auch Möglichkeiten über Ausbildungsfragen zu sprechen und Erfahrungen bei. der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses auszutauschen.
Die Zusammenarbeit bezieht ebenso das gegenseitige Erschließen von Publikationsmöglichkeiten in Tagungsbänden und Zeitschriften ein.
So wie der Tagungsband der
polnischen Algebratagung in Turawa 1988 mehrere Beiträge von Potsdamer Wissenschaftlern enthält, wird der demnächst erscheinende Tagungsband der 43. Arbeitstagung„Allgemeine Algebra‘“(Potsdam 1992) von den Ideen der Mathematiker aus Opole, Wroctaw und Warschau geprägt sein. In den letzten beiden Jahren wurde die Zusammenarbeit vom Deutschen Akademischen Austauschdienst finanziell gefördert. Beide Vertragspartner glauben, daß diese nicht sehr umfangreiche, für unsere Belange aber völlig ausreichende Investition der Wissenschaft, aber auch dem besseren gegenseitigen Verstehen der Menschen beider Länder dienen kann. Prof. K. Hatkowska Pädagogigsche Hochschule| Opole Fachbereich Mathematik Prof. K. Denecke Universität Potsdam Fachbereich Mathematik
TV& Computer Center Groß SOFTWARE SERVICE
Wir verschicken kostenlos:
PUBLIC DOMAIN SHAREWARE
Katalog Disketten 3,5" und 51/4"
gegen Rückporto 2,00 DM Briefmarken
Ihren Brief bitte an: BR
TV& Computer Center Groß E.-Thälmann-Str. 85 O-1590 Potsdam
ABSENDER NICHT VERGESSEN!