Nr. 19/92— Seite 10
FREMDSPRACHEN
Projektvorbereitung„Sprachkonflikte im russischen Sprachraum“
Es ist sicherlich niemandem verborgen geblieben, daß sich die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht nur im Beitrittsgebiet, sondern auch in den osteuropäischen Ländern radikal verändert haben und noch verändern. Was allerdings schon eher übersehen wird, ist, daß damit auch radikale Veränderungen in der Sprachwirklichkeit einhergehen. Diese Veränderungen erzeugen mannigfaltige Konflikte, die zu einem großen Teil den Umgang mit dem gewohnten Kommunikationsinstrument„Sprache“ betreffen.
„Sprachkonflikte‘“ im angezeigten Sinn, also solche, die durch sprachliches und interkulturelles Nichtverstehen in verschiedenen Kommunikationssituationen entstehen, werden Gegenstand eines gemeinsamen Projekts von Mitarbeitern der Pädagogischen Universität(PU) St. Petersburg, Fakultät für Russische Philologie und Kultur, und
Man hat es.
der Universität Potsdam(UP), Fachbereich Slavistik.
Dies ist das Ergebnis des Arbeitsbesuchs der Dozentinnen Dr. N. I. BatoZok und Dr. N. L. Subina aus St. Petersburg in Potsdam, der vom 15. 11. bis 22. 11. 92 stattfand, und in dessen Verlauf die Ziele, Aufgaben, Etappen und die vorläufigen Ergebnisse des Projekts diskutiert und bestimmt wurden. Innerhalb von maximal drei Jahren sollen demnach die Entstehung und der Verlauf von Sprachkonflikten in der slavischen, insbesondere russischsprachigen Kommunikation untersucht, soll ihre Klassifzierung und Typisierung vorgenommen und ein Paket von Empfehlungen erarbeitet werden, die Möglichkeiten zur Vermeidung des Nichtverstehens in verschiedenen Kommunikationsbereichen beschreiben. Die Ergebnisse sollen ausdrücklich auch im außeruniversitären Bereich Anwen
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dung finden können. An diesem Projekt ist vieles neu. Dazu ist mindestens zu zählen:
1. Die Erfassung der gegenwärtigen russischsprachigen Wirklichkeit in einem relevanten Ausschnitt und vor allen Dingen in Textform. Letzteres ist deshalb wichtig, weil damit auch linguistische Untersuchungen in anderen als der angezeigten Richtung an modernem Sprachmaterial ermöglicht wird.
2. Die maschinelle Speicherung des Textmaterials als etikettiertes Untersuchungskorpus. Für das Russische existieren im Augenblick- im Gegensatz z. B. zum Englischen, Deutschen— kaum Korpora, die sich für computerlinguistische Untersuchungen eignen. Innerhalb des Projekts wird also der Grundstock für den effektiven Zugriff auf verschiedene Textsorten unter unterschiedlichen Analysegesichtspunkten geschaffen. 3. Die Ausrichtung der Gewin
nung und der Auswertung des Materials gleichzeitig unter theoretischen Gesichtspunkten (Verstehenstheorie, Theorie der Interkulturalität, Gesprächsanalyse) und praktischen Gesichtspunkten(Verwendbarkeit in der universitären und außeruniversitären Lehre, als linguistisches Beratungspotential für die Wirtschaft, für die Technik u. a. m.). In die Arbeit des Projekts werden wissenschaftliche Konsultanten einbezogen(z. B. Frau Prof. Iljenko, PU, Herr Prof. Witt, UP) und die Möglichkeiten des Computerlaboratoriums der Russischen Akademie der Wissenschaften St. Petersburg(s. den Bericht der PUZ in der Nr. 15/ 92) genutzt. Der Leiter des Projekts, Herr Dr. Lamprecht(UP), hofft, daß er bis zum offiziellen Start des Projekts im Februar 1993 Unterstützung nicht nur durch die öffentliche Hand, sondern auch durch andere Interessenten finden wird. R.L.
Frau auch.