Heft 
(1.1.2019) 04
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Nr. 4/93 Seite 6

FORSCHUNG

In der Zielstellung sind wir uns einig

Auskünfte über die Arbeit des Agroindustriellen Instituts Großbeeren

In der PUZ 7/92 stellten wir das sich gerade im Aufbau befindende kooperative Insti­tut für Agroindustrielle For­schung e. V. Großbeeren vor. Jetzt nutzten wir die Gelegen­heit nachzufragen. Der Ge­schäftsführer der Einrichtung, Hans-Dieter Susen, gab uns umfangreiche Auskünfte. Im folgenden veröffentlichen wir Auszüge des Interviews. PUZ: Herr. Susen, im April 1992 befand sich Ihr Insitut noch in der Aufbauphase. Was hat sich seitdem verändert? Was konnten Sie bisher errei­chen?

H.-D. Susen: Unsere Projekte haben wir damals dem Land­wirtschaftsministerium als den Pflanzenbau und die Pflanzen­vermehrung betreffend vorge­legt. Die entsprechenden Mittel in Höhe von 2,5 Mill. DM erhiel­ten wir nach einer Anzahl von Einzelgesprächen.

Mit 16 Mitarbeitern haben wir angefangen. Heute sind es 20, d. h., vier neue Arbeitsplätze konnten bereits in diesem kur­zen Zeitraum geschaffen wer­den. Alle Mitarbeiter besitzen Ar­beitsverträge. Die Motivation, die Einsatzbereitschaft ist bei jedem einzelnen hoch. Das Team stimmt. In der Zielstellung sind wir uns einig. Auch 1993 wird es unsererseits ein Bemühen geben, von der EG ein neues Demon­strationsvorhaben gefördert zu bekommen.

Die Arbeitsberichte für 1992 sind fertiggestellt. Sie sind auf 150 Seiten zusammengefaßt und werden demnächst dem für uns zuständigen Ministerium zuge­leitet.

Sie wissen, wir befassen uns mit nachwachsenden Rohstoffen, V. a. mit dem China-Riesenschilf. Sinn hat das erarbeitete Pro­gramm natürlich nur, wenn die Partner, die später einmal die Produkte aus ihnen herstellen wollen, von Anfang an in die

jeweiligen Projekte miteinbe­zogen werden. Die sich im Nord­en Brandenburgs befindenden BUK-Werke zeigen sich z. B. unserem Anliegen gegenüber sehr aufgeschlossen. Mit diesem Betrieb haben wir ein gemeinsa­mes Projekt formuliert, das sich auf die Herstellung von faserge­bundenen Platten(Faserplatten) bezieht. Die EG gab hierfür ihre Zustimmung und stellte eine

Forschung e. V. Großbeeren

Million ECU für die Durchfüh­rung des Demonstrationsvorha­bens zur Verfügung. Das Zu­standekommen eines entspre­chenden Vertrages ist für uns ein schöner Erfolg.

Unabhängig von diesem EG­Projekt, das eine stoffliche Ver­wertung der nachwachsenden Rohstoffe zum Ziel hat, sind wir eingebunden in die BFFG-Stu­die. Hier leisten wir vier Zuar­beiten Machbarkeitsstudien, mit denen der Beweis erbracht werden soll, daß es möglich ist, die Biomasse aus den nachwach­senden Rohstoffen einer energe­tischen Nutzung zuzuführen. Das Problem, was wir in Bran­denburg haben, ist die Situation der Landwirtschaft. Es gibt z. Z. über 200 000 ha landwirtschaft­liche Fläche, die der Produktion von Nahrungsmitteln entzogen wurden Stillegungsflächen. Auf Grund der EG-Verordnung, die auch 93 wieder greift, müs­sen noch einmal zusätzlich 15% der bewirtschafteten Flächen stillgelegt werden. In Branden­burg existieren dann damit im

Jahr93 zwischen 250-300 000 ha, die der Nahrungsmittelpro­duktion nicht mehr zur Verfü­gung stehen. Diese Stillegung führt zu Problemen innerhalb der Agrargesellschaften. In jener Situation kommen wir mit un­serer Industriepflanze und zei­gen dem Bauern eine Perspekti­ve eine neue Einnahmequelle durch den Anbau der Pflanze. Noch sind die Pflanzpreise pro

tigkeit allein auf das C,-Chi­na- Schilf. Sind weitere For­schungs,,objekte hinzuge­kommen?

H.-D. Susen: Unser Forschungs­bereich ist über das C,-China­Schilf hinaus natürlich erweitert worden. Einbezogen in das For­schungsprogramm sind etwa 70 Klone der unterschiedlichsten C,-Großgräser, um die energeti­sche und stoffliche Nutzung zu testen.

Der Schwerpunkt lag bisher bei den C,-Gräsern. Das Spektrum ist jedoch erweitert worden. So

| denken wir heute beispielsweise

=| auch über Bitterlupinien nach...

Sortengarten für C,-Gräser des Institutes für Agroindustrielle

ha ein Problem. Sie sind relativ hoch.

Im Moment sind wir dabei, be­stimmte Voraussetzungen zu schaffen, die Wirtschaftlichkeit der nachwachsenden Rohstoffe zu verbessern. Insbesondere betrifft das die energetische Nutzung. Bei der stofflichen Nutzung sieht es etwas anders aus. Hier gibt es eine höhere Veredlungsmöglichkeit. Unsere Pflanze benötigt nach Anpflanzung drei Jahre, ehe es zur vollen Ertragsfähigkeit kommt. 1991/92 haben wir un­sere Bestände etabliert. Das bedeutet, die Pflanze muß erst ihre maximale Ertragsfähigkeit präsentieren. Somit befinden wir uns derzeit in einem Feld zwi­schen Theorie und Wahrheit. Uns fehlen Praxiserfahrungen. Hin­zu kommt, daß die Pflanzen nicht in ihrer natürlichen Heimat wach­sen. Sie stammen aus der Zucht­vermehrung oder der in-Vitro­vermehrung, d. h. aus sterilen Zellkulturen.

PUZ: In Ihrer Anfangsphase bezog sich Ihre Forschungstä­

PUZ: Wie organisieren Sie den fachbezogenen wissen­schaftlichen Austausch von Er­kenntnissen und Erfahrungen? H.-D. Susen: Wir haben uns hier nicht in dasstille Kämmerlein zurückgezogen, sondern suchen den Kontakt zu allen ähnlichen Instituten im In- und Ausland. Verbindungen gibt es z. B. zur Universität Kiel, zu Einrichtun­gen in Klein-Wanzleben, Berlin, Oldenburg. Wir arbeiten auch zusammen mit Pflanzenvermeh­rern in Dänemark.

Für jeden stehen unsere Türen offen; Projektpartner versuchen wir, an uns zu binden. Fachta­gungen, Beratungen sind orga­nisiert worden, an denen wir uns mit Beiträgen beteiligt haben. Partner sind z. B. auch in Grie­chenland zu finden. Das ergab sich durch ein EG-Vorhaben; im Bereich nachwachsende Roh­stoffe wissen wir Partner in Ir­land.

Nicht zu vergessen sind die Humboldt-Universität Berlin, genauso wie die unmittelbaren Kollegen an der Universität Pots­dam, Prof. Klopfer und Prof. Teichmann.

Herzlichen Dank für das In­terview. Die Fragen stellte Petra Görlich.