Heft 
(1.1.2019) 05
Einzelbild herunterladen

Nr. 5/93 Seite 10

SPORT

Eine wichtige pädagogische Aufgabe des Schulsports ist die Gesundheitserziehung

Perspektivwechsel

Länger als ein Jahrhundert lang begnügte man sich damit, den Sportunterricht sehr eng zu se­hen, gesundheitliche Wirkungen allein aus dem Betreiben von Sportarten heraus zu erzielen. Zudem wird dem Sportunterricht unter dem SchlagwortGesund­heitserziehung zugetraut, Hal­tungsschäden, Übergewichtig­keiten und andere körperliche Defekte bei Kindern vorzubeu­gen bzw. diese gar zu beseitigen. Es ist nicht Hauptaufgabe von Sportunterricht, haltungsschwa­che und übergewichtige Kinder zubehandeln oder ausdauer­schwache in Form zu bringen. Training von Sportarten und Therapie als Gesundheitsförde­rung und Prävention allein grei­fen zu kurz, wenn es darum geht, Sportunterricht gesundheitser­zieherisch zu gestalten.

Die bisherige Perspektive ist zu wechseln, d. h. Gesundheit und Gesundheitserziehung eindeuti­ger als Prozeß zu verstehen, in dem das individuelle Wohlbe­finden der Schüler in das Zen­trum der sportpädagogischen Überlegungen für den Sportun­terricht rückt.) Dabei ist von einem Gesundheits­verständnis auszugehen, das als ganzheitlich-dynamisch zu beschreiben ist und das die ei­genverantwortliche Einbezie­hung des Kindes voraussetzt.

Richtziele eines Gesund­heitskonzepts für den Sportunterricht

Mit dem KonzeptGesundheits­erziehung in der Schule durch Sport, das im Land Nordrhein­Westfalen entwickelt und vom Land Brandenburg übernommen wurde, liegt ein pädagogischer Ansatz zur Konkretisierung der LeitvorstellungHandlungsfä­higkeit im Sport unter einer ge­sundheitsorientierten Perspekti­ve vor.

Dem Sportunterricht ist die

Aufgabe gestellt, gesundheitlich

bedeutsame Einstellungen, Ver­

haltensweisen und Kompetenzen zu vermitteln, die den Schüler befähigen, selbstbestimmend die

Verantwortung für die eigene und

die Gesundheit anderer zu über­

nehmen. Sie sollen lernen,

die eigene körperliche, psy­

chische und soziale Befind­

lichkeit zu verändern, sportliche Situationen auch gesundheitsgerecht zu gestal­ten,

mit den Bedingungen der Bewegungsumwelt gesund­heitsbewußt umzugehen.

Das setzt voraus, daß die Schüler

die Reaktionen des eigenen

Körpers, ihre psychische Befind­

lichkeit, soziale, ökologische

Zusammenhänge und deren

Bedeutung für das Wohlbefin­

den durch Bewegung, Bewe­

gungsspiel und Sport wahrneh­men, erfahren und begreifen.

Dieses Konzept bietet die Chan­

ce, dem Schulsport ein eigen­

ständiges pädagogisches Profil zu verleihen. Das um so mehr, als insbesondere im Land Bran­denburg und den anderen neuen

Bundesländern weitreichende

Möglichkeiten für eine Neuorien­

tierung des Schulsports gesucht

und genutzt werden können.

Umsetzungspraxis Gesundheitserzieherische Ak­zentuierung des Schulsports bedeutet in der Umsetzung u. a. mit traditionellen Inhalten des

Schulsports anders umzuge­

hen(z. B. mehr Erlebnis- als

Ergebnisorientierung),

die Inhaltswahl nicht allein

am traditionellen Sportarten­

raster zu orientieren, sondern auch sportartenübergrei­fende Angebote zu machen,

auch neue Inhalte in den Sportunterricht aufzuneh­men, die für eine gezielte Befindlichkeitsverbesserung besonders wirksam sind,

alle Angebotsformen, insbe­

sondere auch außerunter­

richtliche Angebote des

Schulsports nutzen,

Lehr- und Lernverfahren auf

die Ziele der Gesundheitser­

ziehung abzustimmen(z. B.

problemorientierter Sportun­

terricht),

auch leistungsorientiertes Sporttreiben unter gesund­heitlichen Aspekten zu the­matisieren.

Als praktische Hilfe für die

Umsetzung des pädagogischen

Programms zur Förderung der

Gesundheitserziehung im Schul­

sport wurde ein Medienpaket

Bildungsminister Roland Resch beim Sport-Spiel Foto: Priesemuth

entwickelt. Es enthält folgende Materialien:

Handreichung

Audiocassette

Programmposter

Schülerposter Elterninformation

Davon ist die Handreichung das Kernstück. Es beinhaltet das oben beschriebene Konzept mit einer Fülle konkreter Anregungen und Hilfen für die im Sport unter­richtenden Lehrkräfte der Pri­marstufe.

Handlungsprogramm des Ministeriums Bildung, Ju­gend und Sport und seine Realisierungsschritte

Als Ausgangspunkt für eine Überführung in die Schulsport­praxis verabschiedete der Mini­ster für Bildung, Jugend und Sport einHandlungsprogramm zur Förderung der Gesundheits­erziehung in der Schule durch Sport für alle Grund- und För­derschulen des Landes Branden­burg.

Mit der Überlegung, daß die Eta­blierung des Programms der Ge­sundheitserziehung im Schul­sport in Brandenburg eine be­deutende Innovation darstellt und nicht ohne entsprechende Fort­bildungsmaßnahmen für die sie tragenden Sportlehrkräfte gelin­gen kann, richtete sich das Haupt­augenmerk zunächst auf das Bekanntmachen, die Ausbildung und Unterrichtung der Grund­schul- und Sportlehrer, aber auch der Schulsportkoordinatoren. Das vor allem auch aus der Er­kenntnis heraus, daß die Qualifi­kation der Lehrer für diesen Be­reich in der Regel nicht ausreicht. In 2 Großkursen mit über drei Monate verteilten Veranstaltun­gen, in zwei 3-Tageskursen im Pädagogischen Landesinstitut, in 10 Wochenendkursen und 6 Tages- bzw. Nachmittagsver­anstaltungen konnten sich inzwi­schen über 750 Kolleginnen und Kollegen, die Grundschulsport