STUDENTEN
Nr. 5/93— Seite 9
Ergebnisse der 13. Sozialerhebung des DSW und der Sonderauswertung„Studierende mit Kindern“
Das Studentenwerk Kassel an der Gesamthochschule Kassel hat am 25./26. Februar zu einer Tagung eingeladen, um Ergebnisse der 13. Sozialerhebung zu diskutieren.
Sozialerhebungen über Studierende werden seit 1951 im Abstand von 3 Jahren durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft gefördert. Der besondere Stellenwert der 13. Sozialerhebung liegt darin begründet, daß sie die erste gesamtdeutsche Erhebung war. Von 269 Hochschulen der neuen Bundesländer beteiligten sich 13 aus Umstrukturierungsgründen nicht daran. Der Befragungszeitraum lag im Mai/Juni 1991. 30 000 Studierende beteiligten sich mit verwertbaren Aussagen. Besondere Beachtung fanden die Ergebnisse von 1 600 Studierenden mit Kindern. Da zwischen der Hochschul- und Sozialpolitik eine spezielle Verknüpfung besteht, deren Schwerpunkt auch auf der Vereinbarung von Studium und Elternschaft liegt, fand-dies auch konkrete Berücksichtigung. Aus diesem Grunde lautete das Tagungsthema„Spielräume
schaffen. Probleme und Lösungsvorschläge zur Vereinbarung von Studium und Elternschaft‘.
Der Tagungsort wurde treffend ausgewählt, da die Gesamthochschule Kassel mit 17 000 Studierenden den höchsten Studentenelternanteil von 1 900 aufweist und die Probleme der Kinderbetreuung außerordentlich groß sind. Ca. 200 Tagungsteilnehmer verfolgten aufmerksam die Vorträge von Prof. Dr. Mutius, Präsident des DSW(Bonn) zu den politischen Rahmenbedingungen der sozialen Infrastruktur der Hochschulen, Frau Prof. Dr. Grossmann(Kassel) zur Studiensituation, wirtschaftlichen und sozialen Lage Studierender mit Kindern und Prof. Dr. Schwarte(Siegen)— Raum für Kinder- Gedanken zum Zusammenhang von pädagogischen Konzepten und Architektur. Aus den Berichten wurde deutlich, daß bei den gegenwärtig 1,8 Mill. Studierenden die Unterschiede von Studenten mit und ohne Kind in den alten und neuen Bundesländern ähnlich sind. Ein Studium und die Entscheidung für ein Kind schließen sich nicht aus.
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Das Alter der Studenten hat sich nach oben verschoben, und das Studium wird oft erst nach einer Berufsausbildung begonnen. Die Doppelbelastung, Studium und Elternschaft, wird vor allen Dingen von Alleinerziehenden in der Regelstudienzeit nicht bewältigt, so daß ein Teilzeitstudium in Anspruch genommen werden muß. Neben der Organisation des Studienablaufes, der Sorge um die Betreuung der Kinder(bundesweit fehlen 22 000 Betreuungsplätze für Studentenkinder), ist auch die finanzielle Absicherung für elementare Lebensbedürfnisse nicht immer gewährleistet. Warum müßten sonst 53% der Studenten insgesamt in der Vorlesungszeit Werkarbeit verrichten? Eine Tagesmutter für die Betreuung kostet ca. 700,— DM. Eine Teilzeitbetreuung von vier Stunden 5 x in der Woche erfordert 100,— DM Elternanteil. In den Mittagsstunden(Schlafenszeit für Kinder) werden Betreuungsstätten geschlossen. Mehrfach wurde von den Referenten auf die„paradiesischen Zustände‘ der Kinderbetreuung in den neuen Bundesländern hingewiesen. Die Vertreterin des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft, Frau Helga Ebeling, verband es sogar mit der Bitte, man möge die Betreuungs
Foto: Tribukeit
stätten erhalten und nicht unter dem nötigen Bedarf abbauen. Der Hinweis auf die Eigenverantwortung für die Lebensgestaltung greift im Studentenalter nur zum Teil. Die betroffenen Studenten haben sich für ihr Kind entschieden. Sie nehmen zusätzlich Belastungen und persönliche Einschränkungen auf sich, aber sie brauchen auch die Unterstützung durch ihre Bildungseinrichtung. Da die Statistik ausweist, daß bundesweit 25%(Studie der GEW vom 18. Januar 1993 sogar 31%) das Studium abbrechen und sich eine allgemeine Orientierungslosigkeit breitmacht, muß uns das ernsthaft zu denken geben, denn es geht letztendlich auch um den„Lebensraum Hochschule“ und nicht nur um eine Denk-, Lehr- und Lernfabrik. Abiturienten und Studienanfänger werden in Zukunft genau überlegen, welchen Studienort sie für sich wählen. Es geht nicht nur um das Nachteilsausgleichsgebot, sondern auch um die Konkurrenzfähigkeit der Hochschule. Nähere Aussagen und mögliche Unterstützung und Hilfe Studierender mit Kindern an unserer Universität in Potsdam in der nächsten Ausgabe. Anne Baumann Gleichstellungsrat