STIPENDIEN
Nr. 8/93— Seite 3
Stipendien auch an Potsdamer vergeben
Zum Andenken an den bedeutenden—Naturwissenschaftler und Forschungsreisenden Alexander von Humboldt wurde 1860 in Berlin die gleichnamige Stiftung gegründet. 1945 stellte die Stiftung ihre Tätigkeit ein, um 1953 von der Bundesrepublik Deutschland als rechtsfähige Stiftung des privaten Rechts wiedererrichtet zu werden. Seither wurden fast 15 000 Wissenschaftler aus über 110 Ländern gefördert. Hauptziel der Alexander von Humboldt-Stiftung besteht darin, ausländische Wissenschaftler und Doktorranden
“
Die Alexander von bei einem Studium in Deutschland zu unterstützen. Die Stiftung vergibt jährlich:
—bis zu 600 Forschungsstipendien an hochqualifizierte, promovierte ausländische Wissenschaftler im Alter bis zu 40 Jahren für einen langfristigen Forschungsaufenthalt in Deutschland;
—bis zu 200 Forschungspreise an international anerkannte ausländische Wissenschaftler;
— bis zu 200 Feodor-Lynen-Forschungsstipendien an hochqualifizierte, promovierte deutsche Wissenschaftler im
Humboldt-Stiftung
Alter bis zu 38 Jahren für einen Forschungsaufenthalt im Ausland(darunter 30 Stipendien für Japan);
—25 Max-Planck-Forschungspreise für Kooperationen deutscher und ausländischer Wissenschaftler;
— 10 Bundeskanzler-Stipendien für künftige Führungskräfte aus den USA;
— einige weitere Forschungsstipendien für besondere Zwekke.
Bis Ende 1993 bietet die Hum
boldt-Stiftung zusätzlich ein In
tegrationsprogramm. An pro
movierte Wissenschaftler der neuen Bundesländer im Alter bis zu 40 Jahren werden Forschungsstipendien für einen zunächst sechsmonatigen Forschungsaufenthalt in den alten Bundesländern vergeben. Außerdem gewährt man Hilfe in gewissem Umfang bei der Finanzierung von Geräten, Literatur und Kongreßbeihilfen. Interessenten wenden sich an: Alexander von HumboldtStiftung(AvH) Jean-Paul-Straße 12
W-5300 Bonn 2
Tel.:(02 28) 8 33-0
Forschungsstipendium für Musikwissenschaftler
Dr. Thomas Freitag, Fachbereich Musik/Abteilung Musikwissenschaft, bewarb sich um ein Forschungsstipendium bei der Humboldt-Stiftung. Der Antrag wurde genehmigt, und so konnte er sechs Monate lang (Ende 1991 bis Anfang 1992) in Köln an der Universität und der dortigen Musikhochschule zu seinem Forschungsthema arbeiten.
Im Mittelpunkt seiner Studien steht das Kinderlied als Gattung. Musik betrachtet er zuerst als Gebrauchsgegenstand, dann erst als Kunstobjekt. Dr. Freitag untersucht die Beziehungen zwischen Kind und Musik unter historischen, soziologischen, musik-theoretischen und auch didaktischen Aspekten.„Bewahrung und Erneuerung sind dabei interessante Ansatzpunkte. Die Gattung Kinderlied ist offen für aktuelle Gegenstände“, so der Wissenschaftler. Deutschen Kinderliedern wendet sich Dr. Freitag besonders zu, ohne das Kind-Musik-Verhältnis im außereuropäischen Raum völlig zu vernachlässigen. Dies fehlt derzeit in der Musikausbildung.
Hier tut sich auch ein Bezug zum Namensgeber der Stiftung auf. Das Kind sei der mobilste Musikträger und somit im Zusammenhang mit Musik der kleinste gemeinsame Nenner in der Ausbildung.
Dr. Thomas Freitag
Arbeitsergebnisse seines Studienaufenthaltes hat Dr. Freitag veröffentlicht. Dankbar ist er für die von der Stiftung zur Verfügung gestellten Sachmittel (Computer und Scanner). Jeder, der einen interessanten Forschungsgegenstand bearbeitet, sollte ermutigt sein, sich um ein Stipendium zu bemühen.
Optimale Förderung
Dr. Kristina Hübener(Fachbereich Geschichtswissenschaften/Institut für Brandenburgpreußische Landesgeschichte) beantragte im Frühjahr 1991 ein Stipendium bei der Alexander von Humboldt-Stiftung. Vorher suchte sie sich, ‚wie allgemein verlangt, einen eigenen Gastgeber, den sie im Bereich Verwaltungsgeschichte der Technischen Universität Berlin fand. Kontakte dorthin gab es bereits vorher, die zu einer intensiven Zusammenarbeit ausgebaut werden konnten.
Sie reichte das Konzept ihres landes- und verwaltungsgeschichtlich ausgeprägten Projektes„Leistungsverwaltung im deutschen Kaiserreich, untersucht am Beispiel des Fürsorgewesens in der Provinz Brandenburg“ ein. Das Stipendium wurde von der Alexander von Humboldt-Stiftung gewährt und von einer deutschen Stiftung zu gleichen Konditionen übernommen. Ergebnisse ihrer von Februar bis Juli 1992 getätigten For
schungsarbeit zu Fragen der brandenburgischen Provinzialanstalten im Kaiserreich stellte Dr. Hübener in Forschungskolloquia und Publikationen vor. Die Wissenschaftlerin befindet sich gegenwärtig im zweiten Abschnitt ihrer zweijährigen Förderung. Die gewonnenen Forschungsergebnisse fließen in ihre Habilitationsschrift ein. Text und Fotos: Eckardt
Dr. Kristina Hübener