PROFESSOREN
Nr. 8/93— Seite 5
Geb. 1947; nach dem Besuch der Grund- und Realschule kaufmännische Lehre und Tätigkeit
Prof. Dr. rer. pol. Dieter Wagner Professur für Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt Organisation und Personalwesen
als Organisationsprogrammierer; 1968-1970 Besuch des Hessenkollegs Frankfurt, Institut des Zweiten Bildungsweges zur Erlangung der Hochschulreife; 1970-1974 Studium der Wirtschaftswissenschaften und So
22 ziologie an der Universität Gie
ßen; Tätigkeit dort bis 1978 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter;
Promotion 1978 über„Institu
tionalisierte Konflikte in mehrdimensionalen Organisationsstrukturen‘‘, 1979-1985 Leitender Angestellter(Personalsysteme/Führungsorganistion) in ei
nem Hamburger Konsumgüterkonzern; 1985 Berufung zum Professor für Personalwesen an der Universität der Bundeswehr Hamburg, zunächst auf Zeit, 1987 auf Lebenszeit; Rufe an die Universitäten Konstanz und Bochum 1992; Lehraufträge an der TU Hamburg-Harburg, Freie Universität Berlin, Universität Gießen, TH Wismar, TU Cottbus und Universität Potsdam; Forschungsprojekte im DFG-Schwerpunkt Unternehmensverfassung(„Die Vertretung der Personalfunktion in der
Vom Bodensee an die Havel
Zwei Gründe nennt Stefan Brandt, neuer Referatsleiter im Wissenschaftsministerium, für seinen Wechsel von Konstanz nach Potsdam. Fast zwanzig Jahre lang hat er sich an der dortigen Universität aus der überschaubaren Position eines Beraters und Leiters interne Kenntnisse und einen umfassenden Überblick über alle Aspekte des Studienbetriebes und der Verwaltung erworben. Nach seinen Erfahrungen bewegt sich eine Universität nach ihrer Gründungsphase, ihrem Aufbau und ihrer Konsolidierung von innen her nur noch schwer weiter. Die Universität Konstanz ist eine Neugründung aus den 60er Jahren und hat nach 30 Jahren eine Phase erreicht, in der sie auf die immer neuen Anforderungen der Weiterentwicklung Nicht mehr so leicht reagiert, wie das zu Anfang der Fall war. So jedenfalls sieht es Stefan Brandt. Aus dieser Erkenntnis und aus seiner Kenntnis der Universität von innen heraus. entstand sein Wunsch, eine Universität auch einmal von außen her mitzugestalten. Die einzige Chance dazu bot sich ihm bei Neugründungen, und diese finden derzeitig nur im Lande Brandenburg statt. Das zweite Motiv war seine späte Heimkehr in den Berlin
Brandenburger Raum, denn auch er hatte noch einen„Koffer in Berlin“ zu stehen. 1943 hier geboren und zur Schule gegangen, absolvierte er nach dem Abitur(1962) eine zweijährige Lehre als Industriekaufmann bei der Firma Siemens. Von 1964 bis 1968 studierte er an der Freien Universität Rechtswissenschaft und schloß sein Referendariat 1973 am Berliner Kammergericht mit dem II. Staatsexamen ab. Nach kurzfristiger Tätigkeit als Rechtsanwalt und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin«wechselte er: 1974 als Lektor zum Luchterhand-Verlag. Von dort führte ihn ein Jahr später sein beruflicher Weg an die Universität Konstanz. Dort begann er mit dem Auf- und Ausbau der Zentralen Studienberatung, die er bis März 1993 geleitet hat.
Seit dem 1. April ist Herr Brandt als neuer Leiter des Referates II A 6 im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur tätig und ist dort dem Leiter der Abteilung II, Herrn Ministerialdirigenten Klaus Faber, unterstellt. Dieses Referat ist verantwortlich für die Universität Potsdam. Herr Brandt sieht seine vornehmliche Aufgabe darin, mit dazu beizutragen, der Uni
versität Potsdam zu einer dauerhaft arbeitsfähigen Struktur zu verhelfen, d. h. sie personell auszustatten, Forschungsstrukturen mit zu schaffen, Studiengänge aufzubauen und zu genehmigen u. a. m., und all diese Maßnahmen von seiten der Administration zu begleiten, durchsetzen und sichern zu helfen. Rein rechtlich ist in seinem Referat die Fachaufsicht über die Universität angesiedelt. Praktisch geht es darum, die Ziele und Vorstellungen der Universität, auch in Abstimmung mit den anderen Hochschulen des Landes, im Ministerium, aber auch in der Politik und Verwaltung an anderen Orten zu vertreten. Da sieht er, wie sicherlich viele andere auch, mit großer Spannung der Gründungsdenkschrift entgegen, nachdem sich die Landesstrukturkommission und der Wissenschaftsrat geäußert haben. Ein weiteres Ziel sieht er darin, viele Entwicklungen, die die Hochschulen der alten Bundesländer genommen haben, in Potsdam nicht noch einmal ablaufen zu lassen. Andererseits liegt eine große Zahl von Befunden und Erkenntnissen vor, die in die hiesige Arbeit eingebracht werden sollten, beispielsweise in die Gestaltung der Lehre.„Da kann man viele praktische Dinge machen, die man an einer Universität in den alten Bundesländern, wenn sie lange genug exi
Unternehmensleitung‘) sowie in Verbindung mit anderen Institutionen der öffentlichen Verwaltung(berufliche Integration von Aus- und Umsiedlern, organisatorische Effizienz von Sonderkommissionen) und Industrieunternehmen(z. B. Flexibilität und Individualisierung von Entgeltsystemen, Sozialleistungsmanagement); Mitglied in zwei wissenschaftlichen Beiräten; fast 100 Publikationen als Allein- und Koautor, darunter 8 Monographien und vier Sammelbände.
stiert, nur schwer mitinitiieren kann.“ Erst eine Woche in brandenburgischen Diensten stehend und darüber hinaus das erste Mal in einem Ministerium tätig, räumt Herr Brandt ein, daß er noch keinen tieferen Einblick in die hiesigen Verwaltungsverhältnisse gewinnen konnte. Die Technik des Aktenstudiums müsse er noch erlernen. Jedoch will er sich schnell kundig machen über die konkreten Zahlenhintergründe auf einer Zeitachse im Personal-, Haushalts-, Bauund Ausstattungsbereich der Universität. Wünschen wir Herrn Brandt viel Erfolg bei seiner Tätigkeit.
Dr. Rolf Rammelt
Stefan Brandt Foto: Rammelt