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(1.1.2019) 09
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WISSENSCHAFTSAUSSCHUSS

Nr. 9/93 Seite 3

Wissenschaftsausschuß tagte an der Universität

Eine turnusmäßige Sitzung des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Land­tages von Brandenburg fand am 5. Mai 1993 als öffentliche Ver­anstaltung in der Oberen Mensa der Universität Potsdam statt. Damit hatte sein Vorsitzen­der, Dr. Klaus-Dietrich Krüger (SPD), Vertretern der Hoch­schullehrer, der wissenschaftli­chen Mitarbeiter, der Studenten­schaft, der Dezernate sowie der Gleichstellungsbeauftragten und des Personalrates der Uni­versität die Möglichkeit zur Teilnahme. gegeben. Das Mini­sterium für Wissenschaft, For­schung und Kultur war durch den Minister Hinrich Enderlein, den Staatssekretär Frank E. Portz, den Abteilungsleiter Klaus Faber und weitere Mitar­beiter vertreten.

Der Haupttagesordnungspunkt befaßte sich mit Fragen des Ausbaustandes und der weiteren Entwicklung der Universität Potsdam sowie der damit ver­bundenen Probleme.

Minister Enderlein nannte zu­nächst drei Schwerpunkte. Eine entscheidende Grundlage für die Universität ist die Zusammenar­beit mit außeruniversitären For­schungseinrichtungen. Diese werden zur Profilierung der na­turwissenschaftlichen Fächer mit herangezogen. Für den Schwerpunkt Lehrerbildung wurde ein besonderes Modell konzipiert, und schließlich müs­sen die Geistes- und Sozialwis­senschaften noch stärker profi­liert werden. Im kommenden Wintersemester soll die Univer­sität aus der Phase des Grün­dungsstadiums heraustreten; dieser Schritt werde zu ihrer inneren Konsolidierung beitra­gen, sagte der Minister. Er hofft, noch im Sommersemester könne die Überleitung der Professoren und des akademischen Mittel­baus zum Abschluß kommen.

Anschließend erläuterte der

Gründungsrektor, Prof. Dr. Mitzner, den bereits erreichten Entwicklungsstand, die Ausbil­dungsziele, den Stand der Beru­fung der Hochschullehrer und die Struktur der fünf vorgesehe­nen Fakultäten. Insbesondere ging er auf die bauliche Ent­wicklungsplanung der Universi­tät an den drei Standorten ein, die nach einer vorliegenden Stu­die der Hochschul-Informa­tions-System GmbH Hannover bis zum Jahre 2008 in drei Aus­baustufen ablaufen soll. Für die fünf Jahre umfassende erste Ausbaustufe wurden Gesamtko­sten in Höhe von 321 Mill. DM errechnet. Als Probleme kamen auch der ursprünglich falsch eingeschätzte Zeitbedarf bei der Personalüberleitung, die zöger­liche Ernennung berufener Hochschullehrer und der inzwi­schen eingetretene Mangel an Arbeitsräumen zur Sprache. Prof. Mitzner verwies darauf, daß nunmehr die Denkschrift in einer sehr umfangreichen dritten Fassung vorliege.

In der sich anschließenden Diskussion wurde die über einen bestimmten Zeitraum man­gelnde Transparenz der Arbeit des Gründungssenats angespro­chen, dessen Beschlüsse für die Hochschulöffentlichkeit nicht immer überschaubar waren. Auch wurde die nicht mögliche bzw. nicht stattgefundene Kom­munikation zwischen den Fach­bereichen und dem Gründungs­senat bemängelt. Kritisiert wur­de ferner, daß die Einarbeitung der Grundordnung im wesentli­chen ohne Beteiligung der Uni­versitätsangehörigen erfolgt sei. Minister Enderlein bemerkte dazu, daß die Zeit sehr knapp gewesen sel.

Die vorläufige Grundordnung solle nur den Start ermöglichen. Sehr bald werde die Hochschul­öffentlichkeit über ihre Grund­ordnung diskutieren und dann Änderungsvorschläge einbrin­gen können.

Gefragt nach den Modalitäten der Überleitung, wurde von Vertretern des Ministeriums dargelegt, daß zwei Dinge zu unterscheiden sind: die Bedarfs­kündigung und die Überleitung nach$ 106a BHG. Es können in den Fachbereichen nur so viele Angehörige des Mittelbaus übergeleitet werden, wie Struk­turstellen vorhanden sind. Ob­wohl die Relationen insgesamt relativ günstig sind, deckt sich nicht überall der Bedarf mit der vorhandenen Personenzahl; Bedarfskündigungen sind daher unvermeidlich.

Geteilte Meinungen gab es auch zur Art der Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter in einem befri­steten oder unbefristeten Ar­beitsverhältnis. Sie reichen von der Einrichtung vorwiegend befristeter Stellen bis hin zur geforderten sozialen Absiche­rung der Mitarbeiter, die in der Mehrzahl gegenwärtig unbefri­stete Arbeitsverträge besitzen. Beide Positionen werden sich nach Ansicht der Vertreter des Wissenschaftsministeriums nicht verwirklichen lassen. Ein gangbarer Weg ist gefragt, und akzeptable Übergangsbe­dingungen werden angestrebt. Jedoch steht zu den vom Wis­senschaftsministerium ange­

strebten KW-Stellen, die sozial­verträglich wären und den Stel­lenplan der Universität nicht auf Dauer belasten würden, das Wort des Finanzministers noch aus.

Abschließend wurde noch ein­mal auf die Rolle der Naturwis­senschaften an der Universität eingegangen. Der Gründungs­rektor verwies darauf, daß für das Land Brandenburg eindeuti­ge Empfehlungen des Wissen­schaftsrates vorliegen, wonach die Mathematisch-Naturwissen­schaftliche Fakultät in Potsdam stufenweise ausgebaut werden soll. Die Anschaffung von Gerä­ten von mehr als 10 Mill. DM weist in diese Richtung. Dazu Minister Enderlein:Es gibt Leute, denen das, was in Bran­denburg umgesetzt wird, nicht gefällt. Wir haben deutlich ge­macht, daß unsere Planungen auch finanzierbar sind. Es gäbe Interessenten für Störversuche beim Aufbau der Potsdamer Universität. Aber gerade diese Hochschule wurde nach Kon­zepten des Wissenschaftsrates aufgebaut, was auch für das Modell der Lehrerbildung gilt. Auch seiner Forderung, die For­schung wieder verstärkt an die

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Prof. Dr. Mitzner erläutert die Struktur der Universität Potsdam vor den Mitgliedern des Wissenschaftsausschusses des Land­tages Brandenburg.

Foto: Rüffert