WISSENSCHAFTSAUSSCHUSS
Nr. 9/93— Seite 3
Wissenschaftsausschuß tagte an der Universität
Eine turnusmäßige Sitzung des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landtages von Brandenburg fand am 5. Mai 1993 als öffentliche Veranstaltung in der Oberen Mensa der Universität Potsdam statt. Damit hatte sein Vorsitzender, Dr. Klaus-Dietrich Krüger (SPD), Vertretern der Hochschullehrer, der wissenschaftlichen Mitarbeiter, der Studentenschaft, der Dezernate sowie der Gleichstellungsbeauftragten und des Personalrates der Universität die Möglichkeit zur Teilnahme. gegeben. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur war durch den Minister Hinrich Enderlein, den Staatssekretär Frank E. Portz, den Abteilungsleiter Klaus Faber und weitere Mitarbeiter vertreten.
Der Haupttagesordnungspunkt befaßte sich mit Fragen des Ausbaustandes und der weiteren Entwicklung der Universität Potsdam sowie der damit verbundenen Probleme.
Minister Enderlein nannte zunächst drei Schwerpunkte. Eine entscheidende Grundlage für die Universität ist die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Diese werden zur Profilierung der naturwissenschaftlichen Fächer mit herangezogen. Für den Schwerpunkt Lehrerbildung wurde ein besonderes Modell konzipiert, und schließlich müssen die Geistes- und Sozialwissenschaften noch stärker profiliert werden. Im kommenden Wintersemester soll die Universität aus der Phase des Gründungsstadiums heraustreten; dieser Schritt werde zu ihrer inneren Konsolidierung beitragen, sagte der Minister. Er hofft, noch im Sommersemester könne die Überleitung der Professoren und des akademischen Mittelbaus zum Abschluß kommen.
Anschließend erläuterte der
Gründungsrektor, Prof. Dr. Mitzner, den bereits erreichten Entwicklungsstand, die Ausbildungsziele, den Stand der Berufung der Hochschullehrer und die Struktur der fünf vorgesehenen Fakultäten. Insbesondere ging er auf die bauliche Entwicklungsplanung der Universität an den drei Standorten ein, die nach einer vorliegenden Studie der Hochschul-Informations-System GmbH Hannover bis zum Jahre 2008 in drei Ausbaustufen ablaufen soll. Für die fünf Jahre umfassende erste Ausbaustufe wurden Gesamtkosten in Höhe von 321 Mill. DM errechnet. Als Probleme kamen auch der ursprünglich falsch eingeschätzte Zeitbedarf bei der Personalüberleitung, die zögerliche Ernennung berufener Hochschullehrer und der inzwischen eingetretene Mangel an Arbeitsräumen zur Sprache. Prof. Mitzner verwies darauf, daß nunmehr die Denkschrift in einer sehr umfangreichen dritten Fassung vorliege.
In der sich anschließenden Diskussion wurde die über einen bestimmten Zeitraum mangelnde Transparenz der Arbeit des Gründungssenats angesprochen, dessen Beschlüsse für die Hochschulöffentlichkeit nicht immer überschaubar waren. Auch wurde die nicht mögliche bzw. nicht stattgefundene Kommunikation zwischen den Fachbereichen und dem Gründungssenat bemängelt. Kritisiert wurde ferner, daß die Einarbeitung der Grundordnung im wesentlichen ohne Beteiligung der Universitätsangehörigen erfolgt sei. Minister Enderlein bemerkte dazu, daß die Zeit sehr knapp gewesen sel.
Die vorläufige Grundordnung solle nur den Start ermöglichen. Sehr bald werde die Hochschulöffentlichkeit über ihre Grundordnung diskutieren und dann Änderungsvorschläge einbringen können.
Gefragt nach den Modalitäten der Überleitung, wurde von Vertretern des Ministeriums dargelegt, daß zwei Dinge zu unterscheiden sind: die Bedarfskündigung und die Überleitung nach$ 106a BHG. Es können in den Fachbereichen nur so viele Angehörige des Mittelbaus übergeleitet werden, wie Strukturstellen vorhanden sind. Obwohl die Relationen insgesamt relativ günstig sind, deckt sich nicht überall der Bedarf mit der vorhandenen Personenzahl; Bedarfskündigungen sind daher unvermeidlich.
Geteilte Meinungen gab es auch zur Art der Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter in einem befristeten oder unbefristeten Arbeitsverhältnis. Sie reichen von der Einrichtung vorwiegend befristeter Stellen bis hin zur geforderten sozialen Absicherung der Mitarbeiter, die in der Mehrzahl gegenwärtig unbefristete Arbeitsverträge besitzen. Beide Positionen werden sich nach Ansicht der Vertreter des Wissenschaftsministeriums nicht verwirklichen lassen. Ein gangbarer Weg ist gefragt, und akzeptable Übergangsbedingungen werden angestrebt. Jedoch steht zu den vom Wissenschaftsministerium ange
strebten KW-Stellen, die sozialverträglich wären und den Stellenplan der Universität nicht auf Dauer belasten würden, das Wort des Finanzministers noch aus.
Abschließend wurde noch einmal auf die Rolle der Naturwissenschaften an der Universität eingegangen. Der Gründungsrektor verwies darauf, daß für das Land Brandenburg eindeutige Empfehlungen des Wissenschaftsrates vorliegen, wonach die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät in Potsdam stufenweise ausgebaut werden soll. Die Anschaffung von Geräten von mehr als 10 Mill. DM weist in diese Richtung. Dazu Minister Enderlein:„Es gibt Leute, denen das, was in Brandenburg umgesetzt wird, nicht gefällt. Wir haben deutlich gemacht, daß unsere Planungen auch finanzierbar sind.“ Es gäbe Interessenten für Störversuche beim Aufbau der Potsdamer Universität. Aber gerade diese Hochschule wurde nach Konzepten des Wissenschaftsrates aufgebaut, was auch für das Modell der Lehrerbildung gilt. Auch seiner Forderung, die Forschung wieder verstärkt an die
Fortsetzung auf Seite 4
Prof. Dr. Mitzner erläutert die Struktur der Universität Potsdam vor den Mitgliedern des Wissenschaftsausschusses des Landtages Brandenburg.
Foto: Rüffert