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(1.1.2019) 10
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FREMDSPRACHEN

Nr. 10/93 Seite 3

Fremdsprachen erlernen wie Pädagogen und Experten plädieren für

Rechnen, Lesen und Schreiben Prof. Gundi Gompf zu Gast

Das Lehren und Lernen von Fremdsprachen darf nicht den Höheren Schulen vorbehalten sein! Fremdsprachenaneignung muß überall zur Kulturtechnik wie Lesen, Rechnen und Schrei­ben werden. Dieses Anliegen in ganz Deutschland für jedes Kind ab Klasse 3 durchzusetzen, verfolgt Prof. Dr. Gundi Gompf seit Jahren mit großem Engage­ment und Enthusiasmus. Schritt für Schritt verwirklicht sie in Zusammenarbeit mit Schülern, Lehrern, Eltern und Wissen­schaftlern ihr Konzept. Sie ist fest davon überzeugt, daß die eingeschlagene Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist.

1989 gründete sie den Förder­vereinKinder lernen europä­ische Sprachen e. V., dessen Vorsitzende sie ist. Die ausge­bildete Englischlehrerin erhielt

1969/70 ihren ersten For­schungsauftrag zum Thema Fremdsprachenlernen. Ergeb­

nisse gingen und gehen in Lehr­planwerke ein. Frau Gompf kam 1970 an die Goethe-Universi­tät Frankfurt/Main, zunächst als pädagogische Mitarbeiterin, heute hat sie den Lehrstuhl Didaktik der englischen Spra­che und Literatur. 1975/76 pro­movierte sie.

Ihre Bemühungen um den Sprachenerwerb von Kindern wurden ‚1992. mit dem. Titel

Frau für Europa(deutsche Kandidatin) anerkannt.

Erste Kontakte zwischen ihr und Dr. Bahls von der Abteilung Fachdidaktik des Fachbereiches Anglistik und Amerikanistik stellten sich bei der internationa­len Konferenz des Förderve­reins in Loccum 1990 her. In Verbindung mit dem Fachver­bandModerne Fremdspra­chen des Landes Brandenburg luden sie am 15. Mai zum Semi­narFrüher Fremdsprachener­werb ab Klasse 3 in die Univer­sität Potsdam ein(siehe auch ne­benstehender Beitrag).

Der Fremdsprachenunterricht dürfe nicht einsetzen, wenn schon vieles verschenkt wurde, wenn auf die Schüler vieles ein­stürmt. Das Lernklima in der Grundschule dagegen ist für Prof. Gompf eine Ermutigung zum Erlernen von Fremdspra­chen.

In Potsdam sieht die Wissen­schaftlerin gute und erhaltens­werte Bedingungen für die Aus­und Weiterbildung. Grund­schullehrer mit dem Fach Eng­lisch sind im Ausbildungspro­gramm integriert, das sollte unbedingt fortgeführt werden. Englisch darf kein Fremdkörper im Fächerkanon sein, sondern muß mit den anderen Fächern vernetzt werden.

Dr. Barbara Eckardt

Prof. Dr. Gundi Gompf(Frankfurt/Main) engagiert sich für den

Fremdsprachenerwerb ab Klasse 3.

Foto: Eckardt

Fremdsprachen ab Klasse 3

inen Tag nach der Ankündi­gung des brandenburgischen Bildungsministers Resch, im Rahmen eines Schulversuches ab kommendem Schuljahr in acht GrundschulenBegegnung mit Fremdsprachen ab Klasse 3 einzuführen, fand an der Univer­sität Potsdam ein Seminar zu dieser Problematik statt. Lehrer aus Brandenburg diskutierten gemeinsam mit Fachleuten von Universitäten aus den alten und neuen Bundesländern über ‚frü­hen Fremdsprachenerwerb, d. h. vor dem tradierten Beginn in Klasse 5. Alle Teilnehmer begrüßten, daß nach ‚wendebedingtem Schweigen in Brandenburg end­lich begonnen wird, Fremdspra­chenerwerb ab Klasse 3(wieder) einzuführen, wenn auch in ei­nem begrenzten Rahmen.Die Schule muß zu Mehrsprachig­keit erziehen, weil das Leben in Europa und in Deutschland mehrsprachige Bürger aller Al­tersstufen voraussetzt und braucht, die mit Fremdsprachen im Alltag umgehen können, das machte die Vorsitzende des För­dervereins, Prof. Dr. Gundi Gompf von der Goethe-Univer­sität Frankfurt/Main, deutlich. Für Kinder finden bereits im Alltag Sprachbegegnungen ver­schiedener Art in einem Umfang statt, der weit über das hinaus­geht, was mit dem Konzept des Schulversuches angedacht ist. Mehrsprachigkeit setzt voraus, sehr früh mit dem Erlernen von Fremdsprachen zu beginnen, die Begegnungen des Alltags aufzu­greifen und weiterzuführen und eine positive Haltung gegenüber dem ‚Fremden und fremden Sprachen aufzubauen. Prof. Gompf machte gleichzeitig deutlich, daß in einer Reihe eu­ropäischer Nachbarländer das Lernen einer Fremdsprache z. T. bereits seit Jahrzehnten zum festen Bestandteil des Fächerka­nons der Grundschule in den Klassen 3 und 4 gehört: Belgien, Luxemburg, Schweden, Finn­

land, Norwegen, Österreich. Ita­lien führte 1992 frühes Fremd­sprachenerlernen verbindlich ein, Frankreich und Spanien werden dies bis 1995 flächen­deckend eingerichtet haben. Zwei Bundesländer, der Frei­staat Sachsen und das Saarland, haben den Lernbereich Fremd­sprache seit Schuljahr 1992/93 ab Klasse 3 verbindlich einge­führt. Baden-Württemberg wird diesem Beispiel ab 1994/95 fol­gen; Niedersachsen, Nordrhein­Westfalen wollen bis 1995 Fremdsprachenbeginn ab Klas­se 3 landesweit realisieren. Es ist also an der Zeit, aus demDorn­röschenschlaf zu erwachen und die vielerorts im In- und Ausland im Rahmen von Schulversuchen gemachten, äußerst positiven Erfahrungen mit Fremdspra­chenbeginn ab Klasse 3 sämtli­chen Kindern in allen Bundes­ländern zu ermöglichen. Das fordert auch der Bundesel­ternrat in seiner Resolution vom September 1991. Angesichts dieser Fakten erscheint der Brandenburger Beginn sehr zögerlich. Wann kann es hier flä­chendeckenden Fremdspra­chenbeginn ab Klasse 3 geben? An die Lehrer, die mit den Kin­dern ab Klasse 3 in der Fremd­sprache arbeiten, sind hohe päd­agogische, didaktisch-methodi­sche, sprachliche und fächer­übergreifende Forderungen zu stellen, machte Dr. Bahls von der Universität Potsdam deut­lich. Und ganz besonders, wenn altersgemäße, spielerische Be­gegnungen mit der Fremdspra­che zu organisieren sind. Das wird auch in Äußerungen von Lehrern aus Nordrhein-Westfa­len deutlich, von wo das Bran­denburger Konzept der Sprach­begegnung übernommen wurde. Spielerisch mit einer Sprache umgehen, kann nur jemand, der sie beherrscht, der weiß, wovon er/sie spricht und welche Aus­wahl er/sie treffen muß und kann.

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