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(1.1.2019) 10
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STUDENTEN

Nr. 10/93 Seite 9

Praxisnahen Eindruck vermitteln

Am 6. Mai 1993 konnte der Fachbereich Sozialwissenschaf­ten die willkommene Gelegen­heit wahrnehmen, sein Lehr­und Forschungsprofil 18 US­amerikanischen StudentInnen vorzustellen. Die US-Kommili­tonInnen, die ihr Studium an der französischen Elite-Universität Ecole Polytechnique de Paris absolvieren, befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf einer poli­tischen Bildungsreise durch die neuen Bundesländer. Der Zweck dieser von der Konrad­Adenauer-Stiftung betreuten Studienreise bestand darin, den StudentInnen einen möglichst praxisnahen Eindruck von den ökonomisch-sozialen und politi­schen Problemen im vereinten Deutschland zu vermitteln. In dem Zusammenhang war es naheliegend, in einer Informa­tionsveranstaltung den gegen­wärtigen Stand und die weitere Planung für den Ausbau der Sozialwissenschaften an den ostdeutschen Hochschulen am Beispiel Potsdams zu präsentie­ren.

Nach der Begrüßung der ameri­kanischen Gäste eröffnete Dr. habil. Erhard Crome die Veran­staltung mit einigen Ausführun­gen zur institutionellen Vorge­schichte der Universität Pots­

dam und ihrer Entwicklung seit

den Umwälzungen im Jahre|

1990. Als Mitarbeiter im Fach Politikwissenschaft am Lehr­stuhl von Prof. Dr. Wilhelm Bürklin gehört Crome zum Kreis jener Wissenschaftler, die noch zu DDR-Zeiten am Institut

für Internationale Beziehungen/*

Babelsberg tätig waren und den Umbruch der Hochschulland­schaft hautnah miterlebten. Mit diesem Erfahrungshorizont war Crome imstande, auf die Fragen der AmerikanerInnen nach der strukturellen Tragweite und der persönlichen Dimension der vereinigungsbedingten Verän­derungen kompetent zu antwor­ten.

Eine rege Diskussion mit den AmerikanerInnen entwickelte sich dann in Anlehnung an die Wortbeiträge von Jörg Machatz­ke, Per Wiegand und Gerd Eck­stein, die aus studentischer Sicht ihre Erfahrungen mit dem frühe­ren und dem heutigen Gesell­schafts- und Bildungssystem schilderten. Das Interesse der AmerikanerInnen galt dabei ins­besondere der Frage, ob sich bei der jüngeren Generation frühe­rer DDR-Bürger inzwischen eine hinreichende Identifikation mit der gesamtdeutschen Demo­kratie herausgebildet habe.

Während die Studenten dieser Frage mit Skepsis begegneten, wurde von Seiten des wissen­schaftlichen Personals darauf verwiesen, daß es selbstver­ständlich Aufgabe der Politik­wissenschaft sei, der Studenten­schaft demokratische Prinzipien nahezubringen. Dies sei jedoch im Rahmen einer empirisch­analytisch ausgerichteten For­schung nicht durch eine neuerli­che Systemidealisierung zu er­reichen, sondern allein durch eine tatsachenverpflichtete Dar­stellung der Funktionsweise westlicher Demokratie mitsamt ihrer Mängel und Probleme frei nach dem Motto des kriti­schen Rationalisten Karl R. Popper:Wenn wir die Welt nicht wieder ins Unglück stür­

18 US-amerikanische StudentInnen in Potsdam zu Gast

Foto: Rüffert

zen wollen, müssen wir unsere Träume der Weltenbeglückung aufgeben. Diese Sichtweise fand sowohl bei den Potsdamer StudentInnen als auch bei den amerikanischen Gästen einhelli­ge Zustimmung.

Insgesamt erwiesen sich die amerikanischen KommilitonIn­nen als ausgesprochen kundige und interessierte Gesprächspart­ner, so daß beide Seiten von dieser Veranstaltung profitieren konnten. Der Fachbereich So­zialwissenschaften sieht sich damit in seinen Nutzenerwar­tungen bezüglich der Verständi­gung zwischen deutschen und ausländischen StudentInnen bestätigt.

Christian Welzel

Französische Sommeruniversität in Leipzig

In der Zeit vom 5. bis 18. Sep­tember 1993 wird erstmals in den neuen Bundesländern eine französische Sommeruniver­sität veranstaltet, getragen von der Universität Leipzig, dem Institut Francais in Leipzig, mit der Unterstützung der Französischen Botschaft und des Sächsischen Staatsmini­steriums für Wissenschaft und Kunst.

Teilnehmerzahl: ca. 120 Teilnehmer

Teilnehmerkreis: Abiturienten, Studenten(Min­destalter 18 Jahre); Franzö­sischlehrer; Umschüler; Berufs­tätige, die über mittelmäßige bis sehr gute Sprachkenntnisse ver­fügen

Einschreibungs­

und Kursgebühren: Einschreibungs- und Kursge­bühren von DM 150, bzw. DM 50,-(ermäßigter Tarif für Abiturienten, Lehrlinge, Stu­denten, Arbeitslose). In den

N

Kursgebühren sind enthalten der Sprachunterricht, die landes­kundlichen Veranstaltungen und das Kulturprogramm, ein­schließlich Lehrmaterial und Ausstellen des Teilnehmerzerti­fikats. Unterkunft und Verpfle­gung sind in den Kurs- und Ein­schreibungsgebühren nicht ent­halten.

Anmeldung: Füllen Sie das entsprechende Anmeldeformular vollständig

aus und schicken Sie es bis zum 15. Juni 1993 an:

Universität Leipzig Sektion TAS,

Bereich Romanistik i. G. AG Sommeruniversität Frau Dr. Richter Augustusplatz 9

O-7010 Leipzig

Nähere Informationen sind in der Redaktion der Universitätszeitung er­hältlich.