STUDENTEN
Nr. 10/93— Seite 9
Praxisnahen Eindruck vermitteln
Am 6. Mai 1993 konnte der Fachbereich Sozialwissenschaften die willkommene Gelegenheit wahrnehmen, sein Lehrund Forschungsprofil 18 USamerikanischen StudentInnen vorzustellen. Die US-KommilitonInnen, die ihr Studium an der französischen Elite-Universität „Ecole Polytechnique de Paris‘ absolvieren, befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf einer politischen Bildungsreise durch die neuen Bundesländer. Der Zweck dieser von der KonradAdenauer-Stiftung betreuten Studienreise bestand darin, den StudentInnen einen möglichst praxisnahen Eindruck von den ökonomisch-sozialen und politischen Problemen im vereinten Deutschland zu vermitteln. In dem Zusammenhang war es naheliegend, in einer Informationsveranstaltung den gegenwärtigen Stand und die weitere Planung für den Ausbau der Sozialwissenschaften an den ostdeutschen Hochschulen am Beispiel Potsdams zu präsentieren.
Nach der Begrüßung der amerikanischen Gäste eröffnete Dr. habil. Erhard Crome die Veranstaltung mit einigen Ausführungen zur institutionellen Vorgeschichte der Universität Pots
dam und ihrer Entwicklung seit
den Umwälzungen im Jahre|
1990. Als Mitarbeiter im Fach Politikwissenschaft am Lehrstuhl von Prof. Dr. Wilhelm Bürklin gehört Crome zum Kreis jener Wissenschaftler, die noch zu DDR-Zeiten am Institut
für Internationale Beziehungen/*
Babelsberg tätig waren und den Umbruch der Hochschullandschaft hautnah miterlebten. Mit diesem Erfahrungshorizont war Crome imstande, auf die Fragen der AmerikanerInnen nach der strukturellen Tragweite und der persönlichen Dimension der vereinigungsbedingten Veränderungen kompetent zu antworten.
Eine rege Diskussion mit den AmerikanerInnen entwickelte sich dann in Anlehnung an die Wortbeiträge von Jörg Machatzke, Per Wiegand und Gerd Eckstein, die aus studentischer Sicht ihre Erfahrungen mit dem früheren und dem heutigen Gesellschafts- und Bildungssystem schilderten. Das Interesse der AmerikanerInnen galt dabei insbesondere der Frage, ob sich bei der jüngeren Generation früherer DDR-Bürger inzwischen eine hinreichende Identifikation mit der gesamtdeutschen Demokratie herausgebildet habe.
Während die Studenten dieser Frage mit Skepsis begegneten, wurde von Seiten des wissenschaftlichen Personals darauf verwiesen, daß es selbstverständlich Aufgabe der Politikwissenschaft sei, der Studentenschaft demokratische Prinzipien nahezubringen. Dies sei jedoch im Rahmen einer empirischanalytisch ausgerichteten Forschung nicht durch eine neuerliche Systemidealisierung zu erreichen, sondern allein durch eine tatsachenverpflichtete Darstellung der Funktionsweise westlicher Demokratie mitsamt ihrer Mängel und Probleme— frei nach dem Motto des kritischen Rationalisten Karl R. Popper:„Wenn wir die Welt nicht wieder ins Unglück stür
18 US-amerikanische StudentInnen in Potsdam zu Gast
Foto: Rüffert
zen wollen, müssen wir unsere Träume der Weltenbeglückung aufgeben.“ Diese Sichtweise fand sowohl bei den Potsdamer StudentInnen als auch bei den amerikanischen Gästen einhellige Zustimmung.
Insgesamt erwiesen sich die amerikanischen KommilitonInnen als ausgesprochen kundige und interessierte Gesprächspartner, so daß beide Seiten von dieser Veranstaltung profitieren konnten. Der Fachbereich Sozialwissenschaften sieht sich damit in seinen Nutzenerwartungen bezüglich der Verständigung zwischen deutschen und ausländischen StudentInnen bestätigt.
Christian Welzel
Französische Sommeruniversität in Leipzig
In der Zeit vom 5. bis 18. September 1993 wird erstmals in den neuen Bundesländern eine französische Sommeruniversität veranstaltet, getragen von der Universität Leipzig, dem Institut Francais in Leipzig, mit der Unterstützung der Französischen Botschaft und des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.
Teilnehmerzahl: ca. 120 Teilnehmer
Teilnehmerkreis: Abiturienten, Studenten(Mindestalter 18 Jahre); Französischlehrer; Umschüler; Berufstätige, die über mittelmäßige bis sehr gute Sprachkenntnisse verfügen
Einschreibungs
und Kursgebühren: Einschreibungs- und Kursgebühren von DM 150,— bzw. DM 50,-(ermäßigter Tarif für Abiturienten, Lehrlinge, Studenten, Arbeitslose). In den
N
Kursgebühren sind enthalten der Sprachunterricht, die landeskundlichen Veranstaltungen und das Kulturprogramm, einschließlich Lehrmaterial und Ausstellen des Teilnehmerzertifikats. Unterkunft und Verpflegung sind in den Kurs- und Einschreibungsgebühren nicht enthalten.
Anmeldung: Füllen Sie das entsprechende Anmeldeformular vollständig
aus und schicken Sie es bis zum 15. Juni 1993 an:
Universität Leipzig Sektion TAS,
Bereich Romanistik i. G. AG Sommeruniversität— Frau Dr. Richter Augustusplatz 9
O-7010 Leipzig
Nähere Informationen sind in der Redaktion der Universitätszeitung erhältlich.