Heft 
(1.1.2019) 11
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STRUKTURKOMMISSION

Nr. 11/93 Seite 5

Landeskommission legte Abschlußbericht vor

Der Wissenschaftsrat hat im November 1990 den neuen Ländern die Bildung von Hochschulstrukturkommissio­nen empfohlen, die die Landes­regierungen bei der Neugestal­tung ihrer Hochschulen beraten sollten. Das Land Brandenburg ist dieser Empfehlung gefolgt und hat im September 1991 eine 19 Mitglieder umfassende Brandenburgische Landes­kommission für Hochschulen und Forschungseinrichtungen (LK) berufen. Ihr oblag die Aufgabe, Empfehlungen eines Gesamtkonzeptes für die Struk­tur und Gestaltung der Hoch­schul- und_Forschungsland­schaft zu erarbeiten. Mit Prof. Dr. Friedrich Buttler, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt­und Berufsforschung der Bun­desanstalt für Arbeit in Erlan­gen, Mitglied des Wissen­schaftsrates und ehemaliger Gründungsrektor der Universi­tät Paderborn, wurde ein Vorsit­zender gefunden, der für dieses Amt bestens qualifiziert war. Am 2. Juni 1993 stellten nun Wissenschaftsminister Hinrich Enderlein und Prof. Buttler gemeinsam den nach 16 Plenar­sitzungen von der LK erarbeite­ten dreiteiligen Abschlußbericht und die sich daraus ergebenden Perspektiven für Brandenburg der Öffentlichkeit vor, nachdem er bereits zuvor an Ministerprä­sident Dr. Manfred Stolpe über­geben worden war.

Die Empfehlungen und Stel­lungnahmen beziehen sich auf das Gesamtkonzept der Hoch­schulentwicklung, auf die Schwerpunktbildung an den drei Universitäten des Landes, die Struktur der Fakultäten und der Fächer sowie deren Ausstattung, auf allgemeine Fragen von Leh­re, Studium, Forschung und Nachwuchsförderung, auf die Koordination von Hochschulen und außeruniversitären For­schungseinrichtungen und auf die Notwendigkeit der Abstim­mung mit Berlin.

Die LK unterstützt die Standort­

verteilung der Hochschulen, so wie sie von der Landesregierung entschieden wurde, nachhaltig. Es sei richtig, so Prof. Buttler, daß das Land keine zentrale große Universität, sondern drei kleine mit Arbeitsteilung plane. Die Kommission sieht in der Konzeption den gelungenen Versuch, den Ausbau der neu gegründeten Hochschulen und die Entwicklung der For­schungseinrichtungen in die Gesamtentwicklung des Landes einzubinden. Dabei wird auch den Fachhochschulen eine gro­ße Bedeutung beigemessen, von denen man sich bald Impulse für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft des Landes erhofft. Bis zur Jahrtausendwende sollen in Brandenburg 34 400 Studien­plätze geschaffen werden. Da­mit befindet sich die LK in Übereinstimmung mit dem Wis­senschaftsrat, der diese Zahl in seiner Januarsitzung 1993 bestä­tigt hat. Von Beginn an wird dabei hierzulande auf einen Fachhochschulanteil von 40 Prozent(13 600 Studienplätze) orientiert, eine Zielmarke, die der Wissenschaftsrat allgemein für die Zukunft empfiehlt. Die Erreichung dieses Zieles wird in den alten Ländern mit gro­ßen Schwierigkeiten verbun­den sein, denn gegenwärtig liegt der durchschnittliche An­teil bei weniger als 12 Prozent. Einschnitte in herkömmliche undunverzichtbare Universi­tätsrechte werden dort unver­meidbar sein. In Brandenburg hingegen sieht man den Ausbau und die Errichtung weiterer Fächer und neuer Studiengänge vor und denkt sogar an die Grün­dung einer sechsten Fachhoch­schule.

Für die Universitäten komme es jetzt darauf an, daß jede für sich ihr besonderes Profil gewinnen müsse. Auch sei es notwendig, die Forschung an den außeruni­versitären Einrichtungen auf das engste mit der Universitätsfor­schung zu verzahnen und neue Formen der Kooperation zu fin­

den. In Potsdam wird die Leh­rer-ausbildung des Landes kon­zentriert. Ein zweiter Schwer­punkt ist der Ausbau der Gei­steswissenschaften. In der Lan­deshauptstadt gibt es herausra­gende Einrichtungen der For­schung für Geistes- und Sozial­wissenschaften, mit denen sich eine Zusammenarbeit geradezu anbietet. In Übereinstimmung mit dem Wissenschaftsrat emp­fiehlt die LK auch den grund­sätzlichen Ausbau der Natur­wissenschaften. Sie geht davon aus, daß die durch eine intensive Kooperation mit den Potsdamer Forschungseinrichtungen ge­prägten Naturwissenschaften zu den profilbildenden Elementen der Universität Potsdam gehö­ren werden.

An den drei Universitäten des Landes sollen 20 400 Studien­plätze entstehen. Das ist für Brandenburg keineswegs zu viel, wenn man vergleichsweise allein die 22 000 Plätze an der Universität Leipzig betrachtet. Dabei sollen auf die Universität Potsdam 10 150, auf die TU in Cottbus 6 250 und auf die Via­drina in Frankfurt(Oder) 4 000 Studienplätze entfallen. Wei­tere 400 sind für die Hochschule für Film und Fernsehen vorge­sehen.

Die Gesamtkosten für diese Investitionen werden mit 2,7 Milliarden DM beziffert, wobei eine Milliarde für die erforderli­

chen Infrastrukturen, die Er-|

stausstattungen und Studenten­wohnheime veranschlagt wird.

Die Mittel werden zeitlich ge-. staffelt fließen. Für 1993 sind

nach dem Landeshaushalt 81

Millionen, für 1994 etwa 183| Millionen vorgesehen. Bis zum|

Jahr 1997/98 wurde ein Anstieg auf etwa 460 Millionen progno­stiziert, um danach wieder abzu­sinken. Im gleichen Zeitraum

steigen die Personal- und Sach-| kosten von 263 Millionen| (1993) auf die ab 1996 konstant|

bleibende Summe von etwa 436 Millionen DM. Diese Kosten werden bis zur Hälfte vom

Bund, der verbleibende Anteil vom Land selbst getragen. Ge­genwärtig beträgt der Anteil des Wissenschaftsetats mit 650 Millionen DM nur 3,6% vom Landeshaushalt. Das ist weniger als in Sachsen-Anhalt(6,7%) oder gar in Mecklenburg-Vor­pommern(4,3%). Jedoch läßt sich in nächster Zeit nach Vor­stellung der LK dieser Anteil auf 5 bis 7 Prozent steigern. Damit wäre das Gesamtvorhaben nach Prof. Buttlers Modellrechnung durchaus finanzierbar.

Die Empfehlungen der LK haben für Minister Enderlein einen hohenVerbindlichkeitsgrad. Damit könne er sich identifizie­ren. Durch ihre Arbeit und das vorgelegtezukunftsträchtige Werk für die Wissenschaftsland­schaft Brandenburgs wird die hiesige Wissenschaftspolitik in dem Bemühen unterstützt, ein zukunftsorientiertes und in For­schung und Lehre attraktives Angebot zu unterbreiten. Der Wissenschaftsminister ist über­zeugt, daß Brandenburg im Jahre 2000 über eines der modernsten Hochschulsysteme in Deutsch­land verfügen wird, und er be­fürchtet, daß die Hochschulen bald überlaufen werden.

Dr. Rolf Rammelt