Heft 
(1.1.2019) 11
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AUSBILDUNG

Nr. 11/93 Seite 11

Die soziale KategorieGeschlecht in der Ausbildung

Am 4. und 5. 6. 1993 fand an der Technischen Universität Berlin eine Tagung zu oben genannter Thematik statt, zu der Prof. Dr. Schaeffer-Hegel, Prof. Holz­kamp und J. Hartmann vom Fachbereich Erziehungswissen­schaften eingeladen hatten. Schwerpunkte der Tagung bil­deten die Berichte aus dem Stu­dienreformprojekt PIL am Fach­bereich Erziehungswissen­schaften der TU zur Umsetzung der Geschlechterthematik(ge­schlechtsdifferenzierende Ana­lyse von Unterrichtsgeschehen, Geschlechterverhältnis, Ge­schlecht als soziale Kategorie) in die didaktische und erziehungs­wissenschaftliche Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Die Arbeitsergebnisse der drei­jährigen engagierten Arbeit von Studentinnen, Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zei­gen Möglichkeiten der Lehr­amtsausbildung, für dieses wichtige leider immer noch vernachlässigte Thema zu sen­sibilisieren. Neben Schulbuch­analysen, die erneut unter Be­weis stellten, daß nach wie vor an herkömmlichen Rollenbil­dern und der Darstellung hierar­chischer Geschlechterbeziehun­gen festgehalten wird, wurden Unterrichtsentwürfe erarbeitet, die den Unterricht in Geschichte oder Mathematik für Mädchen und Jungen gleichermaßen in­teressant werden lassen. Es wur­den Analysen und Überlegun­gen zu Mädchen- und Jungenbil­dern in der neueren Kinder- und Jugendliteratur, zu parteilicher Mädchen- und antisexistischer Jungenarbeit, zu einem interdis­ziplinären Geschichtsprojekt über die Freundschaft von zwei Widerstandskämpferinnen, zur Problematik Geschlecht und In­teraktion vorgestellt, und es wurde das Gesprächsverhalten von Mädchen und Jungen, von Frauen und Männern kritisch referiert und demonstriert.

Daß trotz vielfältiger Ressenti­ments, Abwehr und Widerstän­de unter den Hochschullehrern, sich dieser Thematik in der Lehramtsausbildung zu öffnen, die Probleme des Geschlech­terverhältnisses und der ge­schlechtsspezifischen Sozialisa­tion hochaktuell sind, bewiesen die Erfahrungsberichte der Leh­rerinnen aus Berliner Gymna­sien, Haupt- und Grundschulen. Vor dem Hintergrund ihrer all­täglichen Erfahrungen der Be­nachteiligung, Herabsetzung und Unterdrückung von Mäd­chen, aber auch des gesellschaft­lich bedingtenZwangs der Jungen zur Dominanz, berichte­ten die Lehrerinnen über ge­schlechtsdifferenzierte Arbeit in den Schulen, den Modellver­suchSelbstbehauptung für Mädchen und Antigewaltarbeit mit Jungen und forderten, die auf dieser Tagung diskutierte

Problematik in der Lehramts-?

ausbildung stärker zu themati­sieren und die zukünftigen Leh­rer für denunheimlichen Lehrplan der Geschlechtererzie­hung zu sensibilisieren.

Im Anschluß an eine angeregte Diskussion, auch über Erfahrun­gen, die Geschlechterproblema­tik in die Schulpraktikavorberei­tung, die Erziehungswissen­schaften, Deutsch-, Englisch-, Sozialkunde- und Geschichtsdi­daktik einfließen zu lassen, gründeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Arbeits­gruppe:Die soziale Kategorie ‚Geschlecht in der Lehramts­ausbildung. Diese Arbeits­gruppe, der Vertreterinnen der Technischen Universität Berlin, der Freien Universität Berlin, der Hochschule der Künste Ber­lin, der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Pots­dam angehören, will dazu beitra­gen, daß wissenschaftliche Er­kenntnisse über geschlechtsspe­zifische Sozialisation und über historische und gesellschaftli­

der Lehrerinnen und Lehrer

che Hintergründe des: Ge­schlechterverhältnisses stärker in der Ausbildung der Lehrerin­nen und Lehrer berücksichtigt werden. Die nächste Beratung dieser Arbeitsgruppe wird im Januar an der Universität Pots­dam stattfinden und interessier­ten Besuchern eine Ausstellung

der Ergebnisse des Studienre­formprojekts der TU präsentie­ren. Für weitere Informationen steht das Potsdamer Mitglied dieser Arbeitsgruppe(Dr. Marlies Hempel) gern zur Verfügung. Dr. Marlies Hempel FB Primarstufe

BILDNACHRICHT

44 Jahre Botanischer Garten und Botanisches Institut sind der Anlaß für eine gleichnamige und bis zum Jahresende lau­fende Ausstellung im Zentralen Gewächshaus der Universität. Auf unserem Foto: Prof. Dr. Müller-Stoll(1.) und Prof. Dr. Klop­fer bei der Ausstellungseröffnung.

Foto: Tribukeit

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