AUSBILDUNG
Nr. 11/93— Seite 11
Die soziale Kategorie„Geschlecht“ in der Ausbildung
Am 4. und 5. 6. 1993 fand an der Technischen Universität Berlin eine Tagung zu oben genannter Thematik statt, zu der Prof. Dr. Schaeffer-Hegel, Prof. Holzkamp und J. Hartmann vom Fachbereich Erziehungswissenschaften eingeladen hatten. Schwerpunkte der Tagung bildeten die Berichte aus dem Studienreformprojekt PIL am Fachbereich Erziehungswissenschaften der TU zur Umsetzung der Geschlechterthematik(geschlechtsdifferenzierende Analyse von Unterrichtsgeschehen, Geschlechterverhältnis, Geschlecht als soziale Kategorie) in die didaktische und erziehungswissenschaftliche Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Die Arbeitsergebnisse der dreijährigen engagierten Arbeit von Studentinnen, Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zeigen Möglichkeiten der Lehramtsausbildung, für dieses wichtige— leider immer noch vernachlässigte— Thema zu sensibilisieren. Neben Schulbuchanalysen, die erneut unter Beweis stellten, daß nach wie vor an herkömmlichen Rollenbildern und der Darstellung hierarchischer Geschlechterbeziehungen festgehalten wird, wurden Unterrichtsentwürfe erarbeitet, die den Unterricht in Geschichte oder Mathematik für Mädchen und Jungen gleichermaßen interessant werden lassen. Es wurden Analysen und Überlegungen zu Mädchen- und Jungenbildern in der neueren Kinder- und Jugendliteratur, zu parteilicher Mädchen- und antisexistischer Jungenarbeit, zu einem interdisziplinären Geschichtsprojekt über die Freundschaft von zwei Widerstandskämpferinnen, zur Problematik Geschlecht und Interaktion vorgestellt, und es wurde das Gesprächsverhalten von Mädchen und Jungen, von Frauen und Männern kritisch referiert und demonstriert.
Daß— trotz vielfältiger Ressentiments, Abwehr und Widerstände unter den Hochschullehrern, sich dieser Thematik in der Lehramtsausbildung zu öffnen, — die Probleme des Geschlechterverhältnisses und der geschlechtsspezifischen Sozialisation hochaktuell sind, bewiesen die Erfahrungsberichte der Lehrerinnen aus Berliner Gymnasien, Haupt- und Grundschulen. Vor dem Hintergrund ihrer alltäglichen Erfahrungen der Benachteiligung, Herabsetzung und Unterdrückung von Mädchen, aber auch des gesellschaftlich bedingten„Zwangs‘“ der Jungen zur Dominanz, berichteten die Lehrerinnen über geschlechtsdifferenzierte Arbeit in den Schulen, den Modellversuch„Selbstbehauptung für Mädchen und Antigewaltarbeit mit Jungen“ und forderten, die auf dieser Tagung diskutierte
Problematik in der Lehramts-?
ausbildung stärker zu thematisieren und die zukünftigen Lehrer für den„unheimlichen“ Lehrplan der Geschlechtererziehung zu sensibilisieren.
Im Anschluß an eine angeregte Diskussion, auch über Erfahrungen, die Geschlechterproblematik in die Schulpraktikavorbereitung, die Erziehungswissenschaften, Deutsch-, Englisch-, Sozialkunde- und Geschichtsdidaktik einfließen zu lassen, gründeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Arbeitsgruppe:„Die soziale Kategorie ‚Geschlecht‘ in der Lehramtsausbildung‘“. Diese Arbeitsgruppe, der Vertreterinnen der Technischen Universität Berlin, der Freien Universität Berlin, der Hochschule der Künste Berlin, der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Potsdam angehören, will dazu beitragen, daß wissenschaftliche Erkenntnisse über geschlechtsspezifische Sozialisation und über historische und gesellschaftli
der Lehrerinnen und Lehrer
che‘ Hintergründe des: Geschlechterverhältnisses stärker in der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer berücksichtigt werden. Die nächste Beratung dieser Arbeitsgruppe wird im Januar an der Universität Potsdam stattfinden und interessierten Besuchern eine Ausstellung
der Ergebnisse des Studienreformprojekts der TU präsentieren. Für weitere Informationen steht das Potsdamer Mitglied dieser Arbeitsgruppe(Dr. Marlies Hempel) gern zur Verfügung. Dr. Marlies Hempel FB Primarstufe
BILDNACHRICHT
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