Heft 
(1.1.2019) 13
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Nr. 13/93 Seite 8

Erzieherverein beriet über künftige Aufgaben

Erlebnis, Wandel, Risiko- Er­ziehen zwischen gestern und morgen hieß das Thema einer an der Universität Potsdam aus­gerichteten internationalen Ta­gung des Deutschen Zweiges des Vereins von Erziehern ge­fährdeter Jugend. Vom 6.-9. September trafen sich ca. 60 Teilnehmer, vorwiegend aus den westlichen Bundesländern, aber auch aus der Schweiz, Österreich, Dänemark, Rußland kommend, um über die immer drastischer werdenden Proble­me in der Jugendarbeit zu bera­ten.

Frau Renate Blum-Maurice,

Vorsitzende des Deutschen

Zweiges des Vereins von Er­

ziehern gefährdeter Jugend Foto: Rüffert

Die Tagung sollte Unterstützung bieten zum theoretischen Ver­ständnis der Zusammenhänge und ermöglichte das Suchen nach Wegen des Umgangs mit der sich verschärfenden Situa­

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Die DFG fördert die wissen­schaftlichen Beziehungen deutscher Wissenschaftler zu Wissenschaftlern in Ländern Mittel- und Osteuropas sowie Ländern dervormaligen UdSSR.

tion vieler Jugendlicher. Häufig fehle die Perspektive in Gesell­schaft, Schule oder Beruf. Dazu kämen zunehmend Schwierig­keiten in der Familie, das Fehlen geeigneten Wohnraumes, sinn­voller Freizeitangebote usw. Vieles breche weg, die Jugend­hilfe stehe nicht selten vor unlös­bar scheinenden Aufgaben. Kür­zungen von Geldern seien an der Tagesordnung, was sich drama­tisch im Bereich der Population Kinder/Jugendliche auswirke. Die Kommunen wurden aufge­fordert, nicht bei ihren Aufwen­dungen für Jugendarbeit zu spa­ren. Eine gute, vorausschauende Jugendpolitik wäre immernoch billiger als die Folgekosten einer verfehlten.

Grundlage der Arbeit des Deut­schen Zweiges des Vereins von Erziehern gefährdeter Jugend, so dessen Vorsitzende Renate Blum-Maurice, sei die Verbin­dung von Forschung, Lehre und Praxis. Die Praxis müsse aufge­arbeitet, die Fort- und Weiterbil­dung der Erzieher gesichert werden. Eine Lobby für die Ju­gend müsse man schaffen. Vor­aussetzung dafür sei ein Umden­ken zunächst auf Bundesebene. Für 1994 ist die Austragung des Weltkongresses der Internatio­nalen Vereinigung von Erzie­hern gefährdeter Jugend(AIEJI) in Potsdam vorgesehen. Aus­richter soll die Universität der Landeshauptstadt sein. Man rechnet mit ca. 1000 Teilneh­mern, die ihre Erfahrungen aus der Jugendhilfe austauschen werden. P. Görlich

DFG

Hinweise zum Gegenstand, Voraussetzungen und Umfang der Förderung können im De­zernat 1, Zi. 0.11 und 1.03 ein­gesehen werden.

(Kontakte DFG, Referat WA 4, Dr. Doris Schenk)

FORSCHUNGSKOLLOGQGIUM

Problembelastung und-bewäl­tigung im Jugendalter

Der Fachbereich Psychologie stellte am 23. Juni 1993 erste Er­gebnisse einer seit 1991 an Potsda­mer Schulen durchgeführten Un­tersuchung zum ThemaProblem­belastung und-bewältigung im Jugendalter vor.

Frau Prof. Kirsch, die die aus sechs Wissenschaftlern bestehen­de Forschungsgruppe an der Pots­damer Universität leitet, eröffnete diese Veranstaltung. Sie begrün­dete die aktuelle Relevanz dieser Forschungsarbeit damit, daß bis heute umfassende Kenntnisse über die Bewältigung dieses für die Persönlichkeitsentwicklung wichtigen Übergangs von der mehr fremdbestimmten Kindheit zum stärker eigenverantwortli­chen und selbstbestimmten Er­wachsenenalter fehlen. Sie beton­te den diesbezüglichen For­schungsbedarf im besonderen in den neuen Bundesländern, wo dieser Übergangsprozeß zusätz­lich durch die vielfältigen ökologi­schen Veränderungen der gegen­wärtig stattfindenden gesell­schaftlichen Umbruchphase mit­bestimmt wird.

Frau Prof. Kirsch charakterisierte die zentralen. Ziele dieses For­schungsprojektes, welches inzwi­schen durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur gefördert wird. Sie beste­hen darin, Hauptproblembereiche Jugendlicher nach Inhalt und Umfang zu erfassen, den Problem­belastungsgrad zu bestimmen, bevorzugt genutzte Bewälti­gungsstrategien sowie ausgewähl­te personale Bedingungen(insbe­sondere das Selbstkonzept) nach­zuweisen. In Abhängigkeit dieser

Zielstellungen wurden folgende wissenschaftliche Fragestellun­gen relevant:

Wie hoch ist die Problembela­stung Schuljugendlicher?

Welche Lebensbereiche zeich­nen sich durch einen sehr hohen Belastungsgrad aus?

Wie bewältigen Potsdamer Ju­gendliche ihre Probleme?

Welche spezifischen psychi­schen Voraussetzungen gibt es, die den Umfang und die Güte der Problembelastung sowie der Effizienz der Problembewälti­gung bestimmen?

Welche alters-, geschlechts­und schulspezifischen Beson­derheiten treten im Problemer­leben auf?

Als erste Ergebnisse zeichnete sich ab, daß die untersuchten Ju­gendlichen relativ mild problem­belastet sind. Ferner wurde kon­statiert, daß in bezug auf 7 ange­sprochene Problembereiche- ab­weichend von Untersuchungen an westdeutschen Jugendlichen(vgl. Seiffge-Krenke 1984)- der Be­reichZukunft an 1. Stelle liegt, gefolgt vom BereichFreizeit. Prof. Kirsch meint, daß sich die Rangreihe der Problembelastung durch den ökologischen Kontext begründet, und weist nach, daß das Problemerleben überdies vom Alter, Geschlecht und vom be­suchten Schultyp abhängig ist. Mädchen sind allgemein problem­belasteter als Jungen. Sie haben zwar ähnliche Probleme, bewerten diese jedoch anders. Jugendliche an Gesamtschulen zeigen deutlich eine höhere Problembelastung als jene an Gymnasien.

Frau Dr. Meckelmann stellte Er­gebnisse zur Problembewältigung bei Potsdamer Jugendlichen vor. Sie konnte zeigen, daß auch Pots­damer Jugendliche sogenannte aktive Problembewältigungsstra­tegien, wie z. B. das Suchen von Gesprächen mit Eltern, mit ande­ren Erwachsenen, mit Gleichaltri­gen, gegenüber problemmeiden­dem Verhalten, z.B. ein bloßes Abreagieren, ein Ausweichen, ein Zurückziehen von dem Problem,