Heft 
(1.1.2019) 13
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| zes.

KONFERENZ

Nr. 13/93 Seite 7

Prof. Rutschke weilte in Japan

| PUZ: Herr Prof. Rutschke, Sie | haben in Japan an einer Konfe­_ renz teilgenommen. Um welche | hat es sich dabei gehandelt?

|: Rutschke: Es war die 5. Vertrags­

staatenkonferenz desÜberein­kommens über den Schutz von

| Feuchtgebieten, insbesondere als Lebensraum für Wasser­| Watvögel, die vom 9. bis 16. Juni

und

1993 in Kushiro stattfand. Das Übereinkommen(Kurzbezeich­nung RAMSAR- Konvention) wurde 1971 in Ramsar(Iran) un­terzeichnet. Die RAMSAR-Kon­vention hat sich zu einem der be­

| deutendsten Naturschutzabkom­| men entwickelt. Ihr sind 79 Staa­| ten beigetreten. Die Bundesrepu­

blik Deutschland ist bereits seit 1976 Mitglied. In Deutschland sind 29 Feuchtgebiete alsinter­national bedeutsam erklärt und

| unterstehen dadurch der RAM­

SAR-Konvention. Feuchtgebiete zeichnen sich durch eine bemer­

| kenswerte biologische Diversität aus, sie besitzen eine reiche Tier­

und Pflanzenwelt und wirken re­gulierend auf den Wasserhaus­halt. Landschaftsformen wie Moore, Sümpfe, Flußauen, Über­schwemmungsgebiete und be­stimmte Seen sind stark gefährdet und bedürfen besonderen Schut­Die Vertragsstaaten der RAMSAR-Konvention halten alle drei Jahre eine Konferenz ab. In Japan haben 77 Staaten mit ca. 1400 Delegierten daran teilge­nommen. Die Konferenz wurde auf Einladung der japanischen Regierung durchgeführt. Sie wur­de in Japan stark beachtet, was sich in der Teilnahme mehrerer Minister und des Regierungsprä­sidenten der Insel Hokkaido aus­drückte.

PUZ: Sie sind ja bereits Emeri­tus, In wessen Auftrag haben Sie an der Konferenz teilgenom­men?

Rutschke: Ich bin als Experte für Feuchtgebietsschutz nach Japan

3 gefahren, und zwar im Auftrage

des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reak­torsicherheit.

PUZ: Worin bestand Ihre kon­krete Aufgabe, und mit welchen Aktivitäten sind Sie während

der Konferenz aufgetreten? Rutschke: Es ging im wesentli­chen um drei Dinge. Zunächst ein­mal bestand meine Aufgabe darin, der deutschen Regierungsdelega­tion in Fachfragen zur Seite zu stehen.

Außerdem hatten wir, die Mitar­beiter derForschungsstelle für Ökologie der Wasservögel und Feuchtgebiete an der Universität Potsdam, gemeinsam mit zwei Einrichtungen aus Nordrhein­Westfalen in Vorbereitung auf die Konferenz vom Bundesumwelt­ministerium den Auftrag über­nommen, einen umfassenden Be­richt über den Feuchtgebietsschutz in Deutschland anzufertigen. Die­sen nationalen Bericht haben wir in Buchform auf der Konferenz vor­gestellt.

Schließlich hatte ich auch einen Vortrag im Rahmen eines Work­shops zu halten.

PUZ: Können Sie einige Schwer­punkte, die behandelt worden sind, charakterisieren? Rutschke: Die Kushiro-Konfe­renz genehmigte ein dreijähriges Arbeitsprogramm. Es geht darum, den Inhalt der Konvention zu ver­bessern und eindeutige Normen für weltweiten Feuchtgebiets­schutz festzulegen. Dazu gab es eine Reihe von Fachveranstaltun­gen. Ein Hauptanliegen bestand weiterhin darin, Wege zu finden, wie Feuchtgebiete vom Menschen sinnvoll genutzt werden können, ohne daß ihre Tier- und Pflanzen­welt beeinträchtigt wird. Diese Zielstellung ist alsWise use(er­haltende Nutzung) bekannt gewor­den. Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses waren die ökologi­schen Veränderungen, die sich in Feuchtgebieten vollziehen. Ich habe an Beispielen aus Deutsch­land gezeigt, wie wir diesesWise use praktizieren. Dabei war ich in der Lage, am Beispiel der neuen Großschutzgebiete Brandenburgs, nämlich an der Unteren Oder, an der Unteren Havel und im Teich­gebiet Peitz zu zeigen, welche Lösungsmöglichkeiten fürWise use existieren.

PUZ: Welche Schlußfolgerun­gen aus der Konferenz ergeben sich für die weiteren For­

In der Nähe der Kongreßstadt befindet sich eines der bedeu­

tendsten Feuchtgebiete Japans, die Kushiro-Marsch. Das Sumpfgebiet ist Teil eines gut betreuten ausgedehnten Na­tionalparks, der Besucher aus ganz Japan anlockt.

schungsaufgaben Ihrer Dienst­stelle an der Universität? Rutschke: Wir haben den Auf­trag, für das Bundesumweltmini­sterium ein Monitoring der Feuchtgebiete der Bundesrepu­blik durchzuführen, und zwar vor­nehmlich für die neuen Bundes­länder und für den Freistaat Bay­ern. Dabei werden wir uns auf Kriterien stützen, die in Kushiro genau definiert worden sind. Des weiteren ist der Gedanke derer­haltenden Nutzung in Zukunft an Beispielen zu konkretisieren. Ich weiß jetzt, mit welchen Mitteln und Methoden diese Zielstellung zu realisieren ist. Zukünftig wird es auch darum gehen, Feuchtge­bietsmanagement nach internatio­nal verbindlichen Prinzipien durchzuführen. Diese kennen wir nun, und das ist zweifelsohne dienlich für die Fortsetzung unse­rer Arbeiten.

PUZ: Als Ornithologe haben Sie bereits viele Länder bereist. Dies aber war Ihre erste Japan­reise. Welche besonderen Ein­drücke bringen Sie aus dem Land deraufgehenden Sonne mit nach Hause?

Rutschke: Ich habe eine ganze Menge von der Vogelwelt Ost­asiens kennengelernt. Besonders beeindruckend waren die Japan­Kraniche, die in der Nähe Kushi­ros brüten. Wir konnten schon um 5.30 Uhr morgens Tag für Tag vor Beginn der eigentlichen Beratun­gen bei Frühexkursionen unter­wegs sein. Die Gastgeber waren

sehr bemüht, uns Ihr Land näher zu bringen. So war es auch möglich, etwas von der Mentalität der Japa­ner aufzunehmen. Sie unterschei­det sich von der unseren unter anderem dadurch, daß Natur und Mensch viel stärker als Einheit begriffen werden. Zwar nutzen die Japaner die Natur sehr intensiv­wir haben das erst kürzlich bei den Vorbehalten Japans gegenüber dem Walfangverbot erfahren-, aber auf der anderen Seite haben die Japaner ein einfaches, selbst­verständliches, die Einheit von Natur und Mensch betonendes Naturverständnis. Es ist weniger romantisierend als gegenwärtig in weiten Teilen unserer Natur- und Umweltschutzbewegung. Das hat mich ganz besonders beeindruckt. Ein drittes noch: Das ungewöhnli­che öffentliche Interesse an die­sem Kongreß und die Gastlichkeit der Japaner. In Kushiro wurde überall, auch in den Geschäften, mit Plakaten, Transparenten, Po­stern und Aufklebern auf den Kongreß hingewiesen. Die Kon­greßteilnehmer wurden in japani­sche Familien eingeladen. An der Organisation waren etwa 1000 Helfer aus der Stadt Kushiro betei­ligt. Die Einwohner identifizierten sich mit dem Kongreß, seinem Anliegen und den Teilnehmern. Das ist in dieser Form bei uns undenkbar.

Prof. Rutschke, herzlichen Dank für dieses Interview. Für die PUZ fragte Dr. Rolf Ram­melt.