Heft 
(1.1.2019) 13
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Nr. 13/93 Seite 6

WISSENSCHAFT

Menschen leben auf und von der Erde

International Conference on Scientific Continental Drilling(ICCD)

235 direkt geladene ausgewiese­ne Experten auf ihren wissen­schaftlichen Gebieten aus 27 Ländern(darunter aus den USA, Japan, Kanada, Frankreich und Rußland) nahmen vom 30. Au­gust bis 1. September 1993 an der vom GeoForschungsZen­trum Potsdam mit Unterstützung der Universität Potsdam veran­staltetenInternational Confe­rence on. Scientific Continental Drilling(ICCD) teil.

Gebäude der Universität Pots­dam am Neuen Palais waren Tagungsort der Wissenschaft­ler, Vertreter verschiedener und For­

Wissenschafts­

Prof. Dr. Rolf Emmermann Foto: Eckardt

schungsförderungsorganisatio­nen, Ministerien, der EG, der UNESCO, der Bohr- und Meß­industrie. Begrüßt werden konn­ten u.a. auch die Präsidenten der International Union of Geolo­gical Sciences(Prof. Dr. W.S. Fyfe), derInternational Union of Geodesy and Geophysics (Prof. Dr. E. Moritz) und des International Lithosphere Pro­gram(Prof. Dr. K. Burke).

Prof. Dr. Rolf Emmermann (Leiter des Organisationskom­mitees ICCD, Wissenschaftli­cher Vorstand des GeoFor­schungsZentrums Potsdam, Wissenschaftlicher Direktor des Kontinentalen Tiefbohrpro­gramms der Bundesrepublik Deutschland), Hinrich Ender­lein(Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Lan­des Brandenburg) und Dr. Wer­

| ner Menden(Bundesministe­| rium für Forschung und Techno­

logie, Vorsitzender des Kurato­riums des GeoForschungsZen­

AM trums) brachten in ihren Begrü­

Bungsansprachen ihre Freude über die Anreise der zahlreichen

Experten zum Ausdruck und betonten die Notwendigkeit, in­ternationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kontinental­bohrungen als Weg zur Erfor­schung der Erdgeschichte zu befördern und geowissenschaft­liche Programme internationa­len Maßstabes zu entwickeln.

1994 läuft das nationale, vom Bundesministerium für For­schung und Technologie mit 528 Mio. DM finanzierte, Kontinen­tale Tiefbohrprogramm(KTB) in Windisch-Eschenbach/Ober­pfalz aus. Deshalb sollte mit der dreitägigen Konferenz der Start­schuß dafür gegeben werden, wissenschaftliche Grundlagen für ein internationales, alle Boh­rungsarten einschließendes und mit entsprechenden Messungen versehenes, Bohrprogramm zu initiieren. Dafür müssen die Forschungsprojekte verschiede­ner Länder gebündelt und Finan­zierungsquellen erschlossen werden, so Prof. Emmermann. Das zukünftige Projekt werde auf Grund der zu bearbeitenden wissenschaftlichen Fragestel­

lungen auch einen Sprung in der Technologieentwicklung be­deuten. Verweisend auf die enormen Anstrengungen der Menschheit in den vergangenen 20 Jahren zur Erforschung des Außenrau­mes der Erde, erläuterte Prof. Dr. Karl Fuchs(Direktor des Institu­tes für Geophysik der Universi­tät Karlsruhe), daß es jetzt darauf ankäme, adäquate Kenntnisse der Innenwelt der Erde zu erlan­gen. Die Geowissenschaft müs­se also in unbekanntes Gebiet hineinschauen. Fragen aus vielen Bereichen sollen einer Antwort zugeführt werden, so z.B.: Wie erfolgt die Bewegung von Flüssigkeiten und Gasen im Erdinnern? Wie ist der Müll in Zukunft zu de­ponieren? Wie wird die Kli­maentwicklung in Zukunft aus­sehen? Übrigens soll das organisatori­sche Herzstück des internationa­len Bohrprogramms am Geo­ForschungsZentrum Potsdam etabliert werden.

Dr. Barbara Eckardt

Neuer Zugang zur wissenschaftlichen Station Gülpe

Die wissenschaftliche Station befindet sich auf einer Insel im Naturschutzgebiet Untere Ha­vel/Gülper See, einem Feucht­gebiet von internationaler Be­deutung. Der einzige Zugang führt über eine Holzbrücke, die den Altwasserarm der Gülper Havel überbrückt. Da diese Brücke im Verlaufe der Zeit morsch und baufällig geworden ist und den Sicherheitsbestim­mungen nicht mehr genügte, wandte sich die Universität Pots­dam mit einem Hilfeersuchen an die Bundeswehr. Diese half dankenswerterweise promt.

Auf Grund eines Vertrages der Wehrbereichsverwaltung VII in Strausberg mit der Universität hat das Pionierbattailon 801,

stationiert in Storkow, im Rah­men ihres dienstlichen Ausbil­dungsauftrages den Abriß der alten Brücke und deren Neubau übernommen. Am 18.7.93 rück­te die Einheit mit schwerem Gerät an. Unter Leitung von Oberleutnant Gacon haben die Pioniere seines Zuges innerhalb von knapp zwei Wochen etwa 3300 Arbeitsstunden geleistet. Das Baumaterial wurde von der Universität und der Bundeswehr bereitgestellt. An der Finanzie­rung beteiligten sich auch das LandesumweltamtBranden­burg, weil die wissenschaftliche Station auch von den Umwelt­schützern des Kreises Rathenow genutzt wird, und die Agrarge­nossenschaft Gülpe, die bei der

landwirtschaftlichen Nutzung der Feuchtwiesen gleichfalls auf die Brücke angewiesen ist.

Am 28.7.93 wurde die neue Brücke ihrer Bestimmung über­geben. Nun ist die Station, die auch von zahlreichen Studieren­den der Biologie und der Geo­graphie genutzt wird, wieder gefahrlos erreichbar. Zu den Ehrengästen der Einweihung zählten Herr Oberst Hilde­brandt, Kommandeur der Pan­zerbrigade 80 in Storkow, Herr Oberstleutnant Ludwig, Kom­mandeur des Pionierbattailons 801, der Kanzler der Universität, Jens Prüß, der Leiter der wissen­schaftlichen Station, Prof. Dr. Joachim: Pötsch,: Herr*+Peter Haase als Leiter der Natur­

schutzstation Parey und für das Schutzgebiet Untere Havel ver­antwortlich, Vertreter des Ge­meindeverbandes Rhinow und Herr Lothar Görner, Leiter der Agrargenossenschaft KGülpe. Den ebenfalls anwesenden 30 Soldaten, denen die Universität ganz besondere Anerkennung ausspricht, wurde mit Freibier und kulinarischen Spezialitäten eines Hausschlachtefestes ge­dankt, das von der Agrargenos­senschaft Gülpe gesponsert wurde.

Dr. Rolf Rammelt