Nr. 15/93— Seite 16
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KULTUR
„Appell der Kunst an den|Gedenken an die BücherverMenschen von heute“
Gastvorlesung von Siegward Sprotte im Wintersemester'93/'94
Einen Höhepunkt im Kulturleben unserer Universität bildet die Gastvorlesung von Siegward Sprotte im Wintersemester'93/ '94. Er gehört zu den bedeutendsten Künstlern aus der Mark Brandenburg. In seinem Schaffen leben die besten Traditionen der bildenden Kunst fort.
Der achtzigjährige Künstler war Meisterschüler von Karl Hagemeister, dem„Maler der Mark“, der in Werder und in Ferch lebte und arbeitete.„Man muß immer vom Lebendigen ausgehen“, lehrte dieser seinen Schüler. So wie für Hagemeister stellt auch für Sprotte ein inniges Verhältnis zur Natur die Quelle seiner
Kunst dar. Natur ist ihm entgegenstreben der Partner, immer Subjekt, nie Objekt. Sein Werk verkörpert einerseits europäische naturlyrisch-romantische Tradition, aber auch in der Art des malerischen Vortrags die impressionistischen und expressionistischen Kunstströmungen. Andererseits verbinden sich im (Euvre des Künstlers Realismus und Abstraktion, ohne vordergründigen gewollten Modernismus. Sein bildnerisches Programm strebt, von der Natur ausgehend, zu größter Vereinfachung des Geschauten, findet Bildzeichen, die berühren.
SIEGWARD SPROTTE:
„Wer bildende Kunst—
wer bildendes Erkennen— erkennendes Bilden—
nicht mit gebildeter Kunst, nicht mit gebildetem Erkennen verwechselt und vertauscht, wohl ihm!:
Sein Erkennen begabt das Bilden,
sein Bilden begabt das Erkennen.
Da begibt und begabt sich etwas.
Diesen Begabungsprozeß heißen wir bildende Kunst.“
In: Farbige Kalligraphie Einleitung von Silvia Chicö6. Mit Beiträgen von Herbert Read, Wolfgang Stockmeier, Siegward Sprotte. München: Hirmer Verlag, 1988, S. 40.
1988 erlebte Sprottes Geburtsstadt Potsdam die erste Werkpräsentation des seit 1945 auf Sylt lebenden Künstlers. Das
öffentliche Interesse war damals außerordnetlich groß. Eine zweite Ausstellung mit Werken von S. Sprotte wurde während der Feierlichkeiten anläßlich des 1000jährigen Stadtjubiläums gezeigt, wiederum mit regem Zuspruch der Öffentlichkeit. Der Bereich Kultur und der Bereich Kunsterziehung der Primarstufe laden alle Interessierten zu den Gastvorlesungen herzlich ein(Golm, Haus 6, unterer Hörsaal).
Donnerstag, 11. 11. 1993: „Zur Simultanität von Bilden und Sprechen“
Donnerstag, 09. 12. 1993: ‚„Naturästhetik und Kunstästhetik”
Donnerstag, 20. 01. 1994: „Appell der Kunst an den Menschen von heute“
Ort: Unikomplex II, Golm, Haus 6, Hörsaal 1. Beginn: jeweils 18.00 Uhr
H. Herzel
brennung am
10. Mai 1933
Ausstellung an der Universität vom 27. 10. bis 10. 11. 1993 (Golm, Haus 5, Foyer)
Am 10. Mai 1993 trafen sich Studenten und Lehrkräfte unserer Universität in der Galerie „Am Neuen Palais‘. Im Gedenken an eines der finstersten Ereignisse deutscher Kultur- und Literaturgeschichte lasen einige von ihnen Texte der von den Nazis Verfemten und Verbannten. Angehörige des Fachbereiches Musik beteiligten sich an dieser. Lesung mit musikalischen Beitragen. Die Veranstaltung fand Zuspruch und Widerhall; viele waren gekommen, um ihre entschiedene Position gegen faschistische Progrome zu bekunden.(Die Potsdamer Universitätszeitung berichtete darüber in den Ausgaben Nr. 7/93 und Nr. 9/93.)
Unser Erinnern daran, daß damals, vor 60 Jahren, auf dem Berliner Opernplatz um Mitternacht Bücher von Marx bis Freud, von Remarque bis Tucholsky, von Heinrich Mann bis Carl von Ossietzky und von vielen anderen brannten, bleibt nicht an einen bestimmten Tag und ein bestimmtes Jahr gebunden. Wir haben deshalb gern ein Angebot angenommen, an unserer Universität eine Ausstellung von Wolfgang Vincke zu zeigen. Dieser junge Künstler lebt in Aachen; er hat eine Dokumentation zum Thema ‚,nationalsozialistische Bücherverbrennung“ gestaltet, die er unter dem Titel„Wider den deutschen Geist“ in seiner Heimatstadt und in anderen Städten(der alten Bundesländer) bisher mit Erfolg veröffentlicht hat.„Bei den Arbeiten handelt es sich im einzelnen um zehn Buchobjekte, die in Anordnung eines Kreuzweges an den Wänden befestigt werden; ferner um vier Boden
plastiken aus verbrannten Büchern, etwa in Menschengröße.‘ (So beschreibt W. Vincke sein Projekt.)
Wir werden diese Präsentation mit freundlicher Unterstützung der Landesregierung Brandenburg, des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, in Golm(Haus 5, Foyer) in der Zeit vom 27. Oktober bis 10. November 1993(09.00-17.00 Uhr, sonnabends 09.00-13.00 Uhr) vorstellen.
Zur Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch, 27. 10. 1993, 17.00 Uhr, laden wir herzlich ein.
Über eine rege Beteiligung besonders an diesem Tag würden wir uns freuen. Auch danach wünschen wir uns zahlreiche interessierte Besucher des Kunstprojekts. Bereich Kultur A. Bergstedt
abakus..
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