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(1.1.2019) 17
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KONTAKTE

Nr. 17/93 Seite 11

In den neuen deutschen Bun­desländern von der Wichtig­keit wissenschaftlicher Kon­takte nach Osteuropa zu spre­chen, hieße Eulen nach Athen tragen. In der ehemaligen DDR waren derartige Verbin­dungen tägliches Brot, wenn auch schon damals der Teufel oft im Detail steckte. Ehe der Gast begrüßt werden Konnte; waren finanzielle und büro­kratische Hindernisse jeder Schattierung zu bewältigen. Schwierigkeiten wurden oft durch persönlichen Einsatz hiesiger Wissenschaftler und Verwaltungsangestellter über­wunden, und manch über Jah­re und Jahrzehnte gewachsene menschliche Bindung hat auch der neuen Situation in Deutschland nach 1989 und den schwierigen Bedingungen des restlichen zerfallenden Ostblocks standgehalten. Vielfach existieren Kontakte auf Sparflamme oder sind nur verschüttet.

Für viele in Osteuropa mit Bil­dung und Wissenschaft Be­faßte ist Deutschland jetzt in mehrfacher Hinsicht interes­sant. So möchte man sich über den Übergang eines Landes zur Marktwirtschaft und die Folgen für Wissenschaft und Forschung ebenso informie­ren wie einen möglichst um­fangreichen Austausch von Professoren und Studenten vereinbaren. Dabei üben tech­nisch gut ausgerüstete deut­sche Hochschulen große An­Ziehung aus. Austausch ist nach wie vor an konkrete Pro­Jekte gebunden, deren wissen­schaftliche Qualität mehr denn je hohen Kriterien genü­8°n muß und beiden Partnern Nutzen bringen sollte.

In die gekennzeichnete Rich­

tung ging auch ein Gedanken­austausch zwischen dem belo­russischen Vizepremier, Mi­chail I. Demtschuk, dem Staatssekretär im Brandenbur­gischen Wissenschaftsmini­sterium, Frank E. Portz, dem Gründungsrektor und Wissen­schaftlern der Universität Potsdam am 21.10.1993 in der Universität. Wie der Staatsse­kretär ausführte, habe das Land Brandenburg großes In­teresse, die bisher bescheide­nen Kontakte zur Republik Belarus zu intensivieren. Man wünsche Kontakte in beide Richtungen und werde an

konkreten Projekten das fi-|

nanziell Machbare ausloten. Der belorussische Vizepre­mier, von Hause aus Physiker und bis 1988 in der Wissen­schaft tätig gewesen, traf an der Universität Potsdam auf traditionelle Osteuropakon­takte, auch zu seinem Land. Seit Mitte der 70er Jahre exi­stieren Verbindungen zur heu­tigen Pädagogischen Univer­sität Minsk, vor allem von sei­ten der hiesigen Fachbereiche Slavistik, Pädagogik und Geo­graphie. 1992 wurde ein Ko­operationsvertrag zwischen den beiden Hochschulen ab­geschlossen. Es besteht Inter­esse an der Weiterführung be­stehender Verbindungen, aber auch an neuen Kontakten, z. B. zur Belorussischen Uni­versität.

Der Gründungsrektor, Prof. Dr. Mitzner, betrachtete die Zusammenkunft als Rahm­men für weitere Kontakte. Das arme Land Branden­burg, so der Rektor,habe vor allem ein intellektuelles Potential anzubieten. Erfah­rungen könnten wir in erster Linie beim Übergang zu ei­

nem neuen wirtschaftlichen System und zu dabei vermeid­baren Fehlern bieten. So gebe es spezifische positive Eigen­heiten alter Strukturen, die er­haltenswert seien.

Prof. Dr. Witt, Dr. Wyschkon und Dr. Viehrig berichteten

wie in der Slavistik, allerdings ohne Studentenaustausch, konnte Dr. Viehrig in der Geo­graphie berichten. Der Fach­bereich signalisierte Interesse an gemeinsamen Projekten zur Waldschadensfeststellung mittels Geofernerkundung, denkt aber an eine Zusam­menarbeit auf universitärer

* Ebene.

Im Rahmen einer mehrtägigen Reise durch das Land Bran­denburg besuchte der Vize­premier der Republik Belarus am 23.10. auch die Universität

Potsdam. Michail I. Demt­schuk ist von Hause aus Phy­siker und war bis 1988 in der Wissenschaft tätig. Danach hat er sich drei Jahre mit Fra­gen von Bildungseinrichtun­gen befaßt.Noch immer, so Michail I. Demtschuk,freue ich mich, wenn ich Universitä­ten einen Besuch abstatten kann.

Foto: Rüffert

über bereits laufende bzw. den Minskern angebotene Projek­te. Die Pädagogische Univer­sität Minsk und der FB Slavi­stik arbeiten z. Z. an einer Ge­schichte der russischen Spra­che in mehreren Teilen und an einem Buch über die Wortbil­dung des Russischen. In bei­den Fällen sind die Adressaten Nichtrussen.

Über ähnlich gute Kontakte

Zu den Möglichkeiten, die das Lehrerbildungsnetzwerk der EG für eine Zusammenarbeit mit osteuropäischen Partnern enthält, äußerte sich der Päd­agoge Dr. Wyschkon. Im Rah­men dieses Projektes könnten Studenten Teile ihres Studi­ums in 2 Ländern absolvieren, was die Chance bietet, Spra­che und Kultur von zwei Län­dern gut zu kennen. Potsdam hat der Pädagogischen Uni­versität Minsk zur Beteiligung ein konkretes Angebot unter­breitet und wartet auf Ant­wort.

Das Treffen der belorussi­schen Staatsvertreter, von An­gehörigen der Brandenburgi­schen Landesregierung und der Universität Potsdam war trotz der Kürze der Zeit sehr arbeitsintensiv und von kon­kreten Projekten bestimmt. Alle Beteiligten benannten ihre Möglichkeiten und die er­forderlichen_Voraussetzun­gen. So ist zu hoffen, daß es bald zu weiteren gemeinsa­men Vorhaben kommen wird. Der aus Anlaß des Besuches unterzeichnete Kooperations­vertrag zwischen der Republik Belarus und dem Land Bran­denburg setzt den Rahmen da­für.

Regine Derdack