Heft 
(1.1.2019) 06
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STUDENTEN

Nr. 6/94-Seite 11

IAESTE LOKALKOMITEE POTSDAM GEGRÜNDET

IAESTE (International Associati­on for the Exchange of Students for Technical Experience) ist ein internationales Praktikantenver­mittlungsprogramm, das 1948 ge­gründet wurde und heute in ca. 60 Ländern vertreten ist.

Mit IAESTE haben Studenten der naturwissenschaftlichen Fach­richtungen die Möglichkeit, in Firmen und Forschungsinstituten des Auslandes wichtige Praxiser­fahrungen zu sammeln, die be­sonders bei der späteren Bewer­bung von Vorteil sind.

Außerdem erfordert die weltweite Verzahnung der Wirtschaftsräu­me Akademiker, die nicht nur ihr jeweiliges Fach beherrschen, son­dern Kenntnisse im Umgang mit fremden Kulturen einbringen.

Die Praktikumsdauer beträgt in aller Regel zwei bis sechs Mona­te, beginnend in den Monaten Juli/August. Der Unterhalt, den der Praktikant erhält, deckt etwa die Kosten ab, die während des Praktikums durch Miete, Essen und Kultur anfallen. Für die Reise in das Gastland werden Fahrko­stenzuschüsse gewährt.

Organisationsform von IAESTE

Eine Besonderheit von IAESTE ist die Organisationsform des Vermittlungsprogramms:

Sitz der Zentrale von IAESTE ist im Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Bonn. An den Universitäten und Fachhochschulen des Landes sind im Gegensatz zu vielen anderen Austauschprogrammen jedoch Studentengruppen - sog. Lokal­komitees - für die Organisation verantwortlich. Dies ermöglicht

- Mitarbeiter werden gesucht -

ein schnelles und unkompliziertes Arbeiten bei der Vermittlung und Betreuung von Praktikanten. Die Lokalkomitees der Universitäten sind nur dem IAESTE National­komitee in Bonn gegenüber re­chenschaftspflichtig, wodurch bei der Organisation viel Universi­tätsbürokratie erspart bleibt. Wenn engagierte Studenten feh­len, wird das IAESTE-Programm von den Akademischen Aus­landsämtern der Universitäten und Fachhochschulen mitbe­treut.

Aufgaben des Lokalkomitees

An der Universität Potsdam orga­nisierte bisher Frau Bürger vom Akademischen Auslandsamt die Praktikantenvermittlung über IAESTE. Sie war stets bemüht, interessierte Studenten für die

Ralph Stömmer

Gründung eines Lokalkomitees zu finden (siehe PUZ 4/93), doch viele Kommilitonen meiden lie­ber Arbeit und Verantwortung. Mitte Februar dieses Jahres grün­dete Ralph Stömmer, Student im Fachbereich Physik, ein IAESTE Lokalkomitee Potsdam. Aufgabe war zunächst dieInstallation des laufenden Programms an der Universität: Räumlichkeiten und Zugang zu Informationstechnolo­gie (Telefon, Fax, Computer, Ko­pierer) mußten gefunden und das offizielle Einverständnis des Na­tionalkomitees in Bonn über die Neugründung eingeholt werden.

Die Studenten der Universität Potsdam, die sich für Praktikums­plätze im Ausland beworben hat­ten, wurden vom Akademischen Auslandsamt kurzerhand in das Lokalkomitee umgeleitet.

Frank Machurig

Im März meldete sich Frank Machurig, Student im Fachbe­reich Mathematik, als weiterer Mitarbeiter von IAESTE. Haupt­aufgabe des Lokalkomitees ist ne­ben der Vermittlung von Studen­ten vor allem die Betreuung aus­ländischer Praktikanten an den Instituten der Universität. Hierfür wird ein Sommerprogramm, das Fahrten, Besichtigungen, Radtou­ren, Wanderungen bis hin zu Kino- und Kneipenabenden um­faßt, erstellt. Für diese Aktivitä­ten stehen dem Lokalkomitee ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung. Ein anderes Tätig­keitsfeld ist Öffentlichkeitsarbeit: obwohl IAESTE zu den Non-Pro- fit-Organisationen zählt, ist Mar­keting nach innen und außen un­erläßlich. Nach innen, um in Form von Informationsabenden, Diashows und Aushängen die Studenten und Fachbereiche auf IAESTE aufmerksam zu machen. Nach außen, um in Form von di­rekten Anschreiben, auf Messen und Firmenkontaktmessen Ar­beitsmöglichkeiten für Auslands­praktikanten einzuwerben. Dabei leistet das IAESTE Nationalko­mitee mit professionellem Wer­be- und Informationsmaterial ausreichend Hilfestellung. Vor­aussetzung für diese Tätigkeiten sind jedoch genügend Mitarbeiter im Lokalkomitee.

Über den Tellerrand blicken

Im Sommer94 leisten vier Stu­denten der Universität Potsdam ihre Praktika in den Ländern Eng­land, Rußland, Amerika und Ukraine ab. Insgesamt hatten sich nur zwölf Interessenten um einen Auslandsaufenthalt beworben. Dabei gilt das Prinzip: wenig Be­werber - hohe Wahrscheinlichkeit für einen Praktikumsplatz bei IAESTE nicht unbedingt! Die Zuteilung von Auslandsplätzen bei der Platztauschkonferenz in Bonn ist auch proportional der Anzahl der Bewerbungen je Uni­versität.

Die geringe Resonanz bei Potsda­mer Studenten der naturwissen­schaftlichen Fachrichtungen er­klärt sich nicht durch die fehlende Motivation, das Studium mit Pra­xiserfahrungen zu ergänzen. Ver­antwortlich für die geringen Be­werberzahlen sind vor allem das Desinteresse, über den fachlichen Tellerrand zu blicken und die Un­bequemlichkeiten, die Bewerbun­gen für Auslandsaufenthalte mit sich bringen, als da wären: Sprachzeugnisse, Nachweise für fachliche Qualifikation, inhaltli­che Vorbereitung auf die Tätig­keit im Ausland, Reisevorberei­tungen, Bewerbungsbürokratie und vieles mehr.

Ein weiteres Problem ist der träge Informationsfluß an der Universi­tät. Regelmäßige Informations­veranstaltungen des Auslandsam­tes werden von Studenten und Dozenten der naturwissenschaft­lichen Fachrichtungen spärlich besucht, offizielle Aushänge wer­den kaum beachtet. An einem Praktikum interessierte Studenten wissen vieles nur vom Hören-Sa­gen und melden sich im Lokalko­mitee erst, wenn es zu spät ist. Viele Studenten wissen nicht, daß das Berufsbild des Akademikers seit einigen Jahren einem radika­len Wandel unterliegt: Vor kur­zem waren noch Spezialisten die Bewerber mit den größten Be­rufschancen, in Zukunft werden Hochschulabgänger mit breitem Fortsetzung S. 12