ERNÄHRUNGSWISSENSCHAFT
Nr. 10/94 - Seite 7
Foto: Tribukeit
Prof. Dr. habil.
Regina Brigelius-Flohe, Professur für Vitaminstoffwechsel
Geb. 1948 in München; 1967— 1974 Studium der Biologie und Biochemie an den Universitäten Erlangen, Tübingen, München und am Max- Planck-Institut in München; 1974 Diplom in Biochemie; 1975-1977 Promotion zum Dr. rer. nat. an der Universität Münster; 1977-1980 Akademische Rätin im Pharmakologischen Institut, Fachbereich Tiermedizin, der Universität München, 1980-1984 wissenschaftliche Angestellte am Physiologisch-chemischen Institut der Universität Düsseldorf; 1983 Arbeiten am National Institut of Health, Research Triangle Park, USA; 1984-1991 Leiterin eines molekularbiologischen Labors, später der Abt. Molekularbiologie im Forschungszentrum der Firma Grünenthal, Aachen; 1987 Habilitation und Erlangung der Venia Legendi für das Fach Physiologische Chemie an der Universität Düsseldorf; 1992-1994 wissenschaftliche Angestellte im SFB „Chronische Entzündung“, Zentrum für Pharmakologie und Toxikologie, Abt. Molekularpharmakologie an der Medizinischen Hochschule Hannover; November 1992 Verleihung der Bezeichnung Außerplanmäßige Professorin; April 1994 Ernennung zur C3-Professorin an der Universität Potsdam.
Biochemikerin forscht an Zellkulturen
Bewährt haben sich die gemeinsamen Berufungen von Wissenschaftlern außeruniversitärer Forschungseinrichtungen und Hochschulen als ein wesentliches Element ihrer Zusammenarbeit. Das schätzt der Wissen- schaftsrat ein.
Einerseits wird den Forschungseinrichtungen die Möglichkeit gegeben, ihre Hochschulanbindung zu verbessern, andererseits gewinnen die Hochschulen Fachleute, die das Lehrangebot inhaltlich bereichern und für den Nachwuchs attraktiver gestalten können. Die berufenen Professoren beteiligen sich in der Regel mit zwei Semesterwochenstunden an der Lehre durch Vorlesungen, Praktika, Übungen und Seminare sowie Betreuung von Diplomanden und Doktoranden. Gemeinsame Studiengänge werden eingerichtet.
Auch die Universität Potsdam nutzt diese Form der Kooperation. Der Gründungssenat beschloß seinerzeit 22 gemeinsame Berufungen. 14 Professoren sind bisher ernannt; zwei mit den Arbeitsgruppen der Max- Planck-Gesellschaft an der Universität Potsdam, sechs mit dem GeoForschungsZentrum, eine mit dem Institut für Klimafolgenforschung, fünf mit dem Deutschen Institut für Emäh- rungsforschung Potsdam-Reh- brücke (DIfE).
Bei letzterem handelt es sich um ein Institut der Blauen Liste, welches die Aufgabe hat, den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit weiter auszuloten.
Die Arbeitsgruppe Vitaminstoffwechsel der Abteilung Ernährungsphysiologie wird von Prof. Dr. Regina Brigelius- Flohe geleitet. Sie hat den Ruf als Professorin für Vitaminstoffwechsel im Studiengang Ernährungswissenschaft an der Universität Potsdam angenommen und erhielt kürzlich von Minister Enderlein ihre Ernennungsurkunde.
Die Dipl.-Biochemikerin arbeitete sowohl in der Industrie als auch an Hochschulen in München, Düsseldorf, Aachen, zuletzt in der Abteilung Molekularpharmakologie der Medizinischen Hochschule Hannover. „Meine bisherigen Forschungsergebnisse und -erfahrungen kann ich hier in Potsdam sehr gut einbringen“, dies bezeichnet die Wissenschaftlerin als einen der Hauptgründe für ihre Bewerbung. Positiv wertet sie ebenfalls die idealen Bedingungen im Institut sowie die Nähe zu Berlin und deren Wissenschaftseinrichtungen.
Die Arbeitsgruppe Vitaminstoffwechsel hat sich zur Aufgabe gestellt, aus einer vertieften Sicht der Biochemie und Molekularbiologie von antioxidativ wirksamen Nahrungskomponenten Erkenntnisse über den Bedarf des Menschen z. B. an Vitaminen C, E und anderen redox-aktiven Nährstoffen, insbesondere des Spurenelementes Selen, abzuleiten. Dafür ist es notwendig, molekulare Mechanismen der Wirkungsweise von diesen Vitaminen und Spurenelementen sowie die Bedeutung von Redox- regulationen im zellulären Geschehen aufzudecken.
Zur Realisierung dieser, in das Gesamtprogramm des DIfE ein
gebetteten, Themen kann Regina Brigelius-Flohe ihre bisherigen Forschungen über den Re- doxstatus von Zellen mit molekular-biologischen Methoden nutzen und fortführen. Auch ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Zytokine, jenen Botenstoffen zwischen den Zellen, die deren „Verständigung“ gewährleisten, erweisen sich als unabdingbar für die Gewinnung neuer Ergebnisse.
Folgenden Aspekt wird die Wissenschaftlerin gleichfalls weiter verfolgen: Viele Erkrankungen (z. B. chronische Entzündungen, Herz-Kreislauf- Krankheiten) werden durch oxidativen Streß, d. h. eine Überflutung des Organismus mit hohen Konzentrationen an reaktiven Sauerstoffspezies, verursacht. Mittlere Konzentrationen sind beispielsweise bei der Infektabwehr lebensnotwendig und können von Abwehrmechanismen beseitigt werden. Sehr niedrige Konzentrationen haben im Stoffwechsel unter Umständen regulatorische Funktionen. Für diese Forschungen an Zellkulturen werden Prof. Brigelius-Flohe, „ihren“ beiden Wissenschaftlern und drei technischen Angestellten drei Labors zur Verfügung stehen.
Dr. Barbara Eckardt
„Gästehaus Rudolf Schoenheimer“ eröffnet
Das Deutsche Institut für Emährungsforschung eröffnete am 11. Mai 1994 nach fünfmonatiger Bauzeit sein Gästehaus. Es trägt den Namen des Biochemikers und Stoffwechselforschers Rudolf Schoenheimer. Der Wissenschaftler gehörte zu den von den Nazis aus Deutschland vertriebenen jüdischen Gelehrten. Das Institut will durch die Namensgebung und einer Gedenktafel an ihn erinnern.
Das neue Gästehaus bietet acht Appartments und zwei Wohungen. Sie stehen auswärtigen Wissenschaftlern zur Verfügung, die vorübergehend zu Vorträgen, Tagungen oder Forschungsaufenthalten in das Rehbrücker Institut kommen.