Heft 
(1.1.2019) 10
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Nr. 10/94- Seite 6

TECHNIK

Mikrosystemtechnik im Land Brandenburg

- Die Universität Potsdam befördert neue technische Entwicklungen im Land -

Gemeinsam mit dem Ministeri­um für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie (MWMT) des Landes Brandenburg führte die TIBS Technologie- und Innova­tionsberatungsstelle der Univer­sität am 21. April 1994 eine ganztägige Veranstaltung Mi­krosystemtechnik im Land Brandenburg im TZT Techno­logiezentrum Teltow durch.

In allen Industrieländern berei­tet man sich auf eine neue tech­nische Revolution vor, von der man ähnliche Auswirkungen auf alle Gebiete von Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft erwartet wie jene, die seinerzeit die Mikroelektronik ausgelöst hat: auf die Mikrosystemtech­nik.

Die Mikrosystemtechnik nutzt jene Technologien der Miniatu­risierung, die für die Mikroelek­tronik entwickelt worden sind, für die Realisierung neuer Funktionen und kombiniert sie mit anderen Mikrotechniken wie Mikromechanik, Mikroop­tik, Techniken der Sensorik, Aufbau- und Verbindungstech­niken. So ist die Realisierung sehr komplexer Funktionen möglich: Von einem Mikrosy­stem spricht man etwa, wenn beispielsweise Sensoren, Si­gnalverarbeitungssysteme und Aktoren in miniaturisierter Bau­form so zu einem Gesamtsystem kombiniert werden, daß dieses Systemempfinden (Sensor), entscheiden (elektronische Signalverarbeitung) undrea­gieren (Aktoren) kann.

Die Einsatzbreite derartiger und anderer Mikrosysteme ist sehr groß, kaum ein Bereich der mo­dernen Technik wird von dieser Entwicklung unberührt bleiben. Im Labor sind bereits Mikromo­toren (Aktoren) mit dem Durch­messer eines Menschenhaares, optische Spektrometer so klein wie ein Fingernagel Realität, für die invasive Chirurgie werden immer kleinere und leistungsfä­higere Endoskop- und Kathe­

dersysteme entwickelt, desglei­chen Medikamentendosiersy- steme mit präzisen Sensoren und Mikropumpen. Die von der Mikrosystemtechnik erwarteten Produkte werden Eingang fin­den in die Informations- und Kommunikationstechnik, die Verkehrstechnik und in den Au­tomobilbau, die Medizintechnik und die Umwelttechnik und in viele andere Bereiche bis hin zur Haustechnik.

Derzeit liegt der größte Teil der Umsätze mit Mikrosystemkom­ponenten auf dem Gebiet der systemfähigen Mikrosensoren. Hier wird sich der Markt von ei­nem weltweiten Umsatz von ca. 10 Mrd. DM im Jahre 1990 auf Werte von über 40 Mrd. DM im Jahre 2000 entwickeln. Insge­samt erwartet man im Jahre 2000 weltweit Umsätze mit Mi­krosystemen in Höhe von 65 bis über 300 Mrd. DM, an denen eine europäische Beteiligung in Höhe von etwa 25 % prognosti­ziert wird.

Das Anliegen, das Land an die­ser zukunftsträchtigen Techno­logieentwicklung möglichst umfangreich zu beteiligen, da­durch Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen und den Standort Brandenburg für neue Investoren attraktiv zu machen, führte zu der Notwendigkeit, die im Land vorhandenen Po­tentiale der Mikrosystemtech­nik zu sondieren und Projekte zur Entwicklung und Fertigung von Mikrosystemen zu initiie­ren. Die TIBS der Universität Potsdam hat sich dieser Aufga­be gestellt, Kontakte mit den einschlägigen Brandenburger Unternehmen und Forschungs­einrichtungen aufgebaut und in­tensive Beratungen zu dieser Problematik durchgeführt. An der Universität Potsdam wird auf zwei Gebieten, die für die Mikrosystemtechnik von Be­deutung sind, geforscht: Prof. Dr. Scheller, Lehrstuhl für ana­lytische Biochemie, arbeitet

langzeitig auf dem Gebiet der Biosensorik Prof. Dr. Brehmer bearbeitet das Gebiet dünner or­ganischer Schichten, deren Ein­satz als sensitive Membranen für chemische Sensoren von Bedeutung sind. Beide For­schungsgebiete waren vertreten und haben ihre Möglichkeiten dargestellt.

Die Entwicklung wie die Ferti­gung von Systemen der Mikro­systemtechnik ist so komplex, daß sie nur in Kooperation meh­rerer Unternehmen und For­schungseinrichtungen erfolgen kann. Geeignete Partner aus In­dustrie und Forschung des Lan­des Brandenburg für gemeinsa­me Projekte zu finden war An­liegen dieser Veranstaltung. In seiner Eröffnungsrede unter­strich der Staatssekretär des MWMT, Herr Dr. Hesse, die Bedeutung der Mikrosystem­technik im Technologiekonzept des Landes Brandenburg und begrüßte nachdrücklich das in dieser ersten Brandenburger Veranstaltung zur Mikrosy­stemtechnik sichtbare Bemühen um eine Stärkung der branden- burgischen technologieorien­tierten Wirtschaft. Ein anderes Anliegen war die Vermittlung von Informationen über das ge­rade angelaufene BMFT-För- derprogrammMikrosystem­technik 1994-1999 und über die Eigenkapitalhilfe des Lan­des Brandenburg, über die Herr Berger vom VDI/VDE-Techno- logiezentrum Informationstech­nik Teltow und Herr Dr. Gör- mer vom MWMT vortrugen. Die anschließende Vorstellung der brandenburgischen For- schungs- und Entwicklungsein­richtungen, die auf Gebieten der Mikrosystemtechnik arbeiten, und brandenburgischer techno­logieorientierter Unternehmen, die mikrosystemtechnikbezo­gen arbeiten oder arbeiten wol­len, zeigte, daß das Land Bran­denburg über ein Fertigungs­und Forschungspotential ver­

fügt, das auch für das Land eine wesentliche Beteiligung an die­sem wachsenden Markt erwar­ten läßt.

Die Resonanz auf diese von der TIBS organisierte und geleitete Veranstaltung war groß, alle Beteiligten sprachen sich für eine Fortsetzung dieser auf die Interessen der brandenburgi­schen Wirtschaft ausgerichteten Tätigkeit aus. Wichtige Kontak­te wurden hergestellt, Projekt­ideen geboren sowie Kooperati­onsbeziehungen zwischen In­dustrie- und Forschungspart- nem vorbereitet, von denen wichtige Impulse für die Wirt­schaft und Wissenschaft des Landes ausgehen werden.

Die TIBS der Universität Pots­dam führt diese Aktivitäten zur Beförderung der Mikrosystem­technik im Land fort.

Es werden Projektgruppen ins Leben gerufen, in denen inter­essierte Firmen und For­schungseinrichtungen gemein­sam mit der TIBS Projekte vor­bereiten. Die TIBS hat sich das Ziel gestellt, Projekte während der Laufzeit zu begleiten. Interessenten können sich je­derzeit mit der TIBS in Verbin­dung setzen:

Universität Potsdam TIBS Technologie- und Innovationsberatungsstelle Dipl.-Phys. H. Herbst Dipl.-Chem. Dr. W. Lamm Kantstraße 55 14513 Teltow Tel./Fax: (0 33 28) 4 64 12