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TECHNIK
Mikrosystemtechnik im Land Brandenburg
- Die Universität Potsdam befördert neue technische Entwicklungen im Land -
Gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie (MWMT) des Landes Brandenburg führte die TIBS Technologie- und Innovationsberatungsstelle der Universität am 21. April 1994 eine ganztägige Veranstaltung Mikrosystemtechnik im Land Brandenburg im TZT Technologiezentrum Teltow durch.
In allen Industrieländern bereitet man sich auf eine neue technische Revolution vor, von der man ähnliche Auswirkungen auf alle Gebiete von Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft erwartet wie jene, die seinerzeit die Mikroelektronik ausgelöst hat: auf die Mikrosystemtechnik.
Die Mikrosystemtechnik nutzt jene Technologien der Miniaturisierung, die für die Mikroelektronik entwickelt worden sind, für die Realisierung neuer Funktionen und kombiniert sie mit anderen Mikrotechniken wie Mikromechanik, Mikrooptik, Techniken der Sensorik, Aufbau- und Verbindungstechniken. So ist die Realisierung sehr komplexer Funktionen möglich: Von einem Mikrosystem spricht man etwa, wenn beispielsweise Sensoren, Signalverarbeitungssysteme und Aktoren in miniaturisierter Bauform so zu einem Gesamtsystem kombiniert werden, daß dieses System „empfinden“ (Sensor), „entscheiden“ (elektronische Signalverarbeitung) und „reagieren“ (Aktoren) kann.
Die Einsatzbreite derartiger und anderer Mikrosysteme ist sehr groß, kaum ein Bereich der modernen Technik wird von dieser Entwicklung unberührt bleiben. Im Labor sind bereits Mikromotoren (Aktoren) mit dem Durchmesser eines Menschenhaares, optische Spektrometer so klein wie ein Fingernagel Realität, für die invasive Chirurgie werden immer kleinere und leistungsfähigere Endoskop- und Kathe
dersysteme entwickelt, desgleichen Medikamentendosiersy- steme mit präzisen Sensoren und Mikropumpen. Die von der Mikrosystemtechnik erwarteten Produkte werden Eingang finden in die Informations- und Kommunikationstechnik, die Verkehrstechnik und in den Automobilbau, die Medizintechnik und die Umwelttechnik und in viele andere Bereiche bis hin zur Haustechnik.
Derzeit liegt der größte Teil der Umsätze mit Mikrosystemkomponenten auf dem Gebiet der systemfähigen Mikrosensoren. Hier wird sich der Markt von einem weltweiten Umsatz von ca. 10 Mrd. DM im Jahre 1990 auf Werte von über 40 Mrd. DM im Jahre 2000 entwickeln. Insgesamt erwartet man im Jahre 2000 weltweit Umsätze mit Mikrosystemen in Höhe von 65 bis über 300 Mrd. DM, an denen eine europäische Beteiligung in Höhe von etwa 25 % prognostiziert wird.
Das Anliegen, das Land an dieser zukunftsträchtigen Technologieentwicklung möglichst umfangreich zu beteiligen, dadurch Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen und den Standort Brandenburg für neue Investoren attraktiv zu machen, führte zu der Notwendigkeit, die im Land vorhandenen Potentiale der Mikrosystemtechnik zu sondieren und Projekte zur Entwicklung und Fertigung von Mikrosystemen zu initiieren. Die TIBS der Universität Potsdam hat sich dieser Aufgabe gestellt, Kontakte mit den einschlägigen Brandenburger Unternehmen und Forschungseinrichtungen aufgebaut und intensive Beratungen zu dieser Problematik durchgeführt. An der Universität Potsdam wird auf zwei Gebieten, die für die Mikrosystemtechnik von Bedeutung sind, geforscht: Prof. Dr. Scheller, Lehrstuhl für analytische Biochemie, arbeitet
langzeitig auf dem Gebiet der Biosensorik’ Prof. Dr. Brehmer bearbeitet das Gebiet dünner organischer Schichten, deren Einsatz als sensitive Membranen für chemische Sensoren von Bedeutung sind. Beide Forschungsgebiete waren vertreten und haben ihre Möglichkeiten dargestellt.
Die Entwicklung wie die Fertigung von Systemen der Mikrosystemtechnik ist so komplex, daß sie nur in Kooperation mehrerer Unternehmen und Forschungseinrichtungen erfolgen kann. Geeignete Partner aus Industrie und Forschung des Landes Brandenburg für gemeinsame Projekte zu finden war Anliegen dieser Veranstaltung. In seiner Eröffnungsrede unterstrich der Staatssekretär des MWMT, Herr Dr. Hesse, die Bedeutung der Mikrosystemtechnik im Technologiekonzept des Landes Brandenburg und begrüßte nachdrücklich das in dieser ersten Brandenburger Veranstaltung zur Mikrosystemtechnik sichtbare Bemühen um eine Stärkung der branden- burgischen technologieorientierten Wirtschaft. Ein anderes Anliegen war die Vermittlung von Informationen über das gerade angelaufene BMFT-För- derprogramm „Mikrosystemtechnik 1994-1999“ und über die Eigenkapitalhilfe des Landes Brandenburg, über die Herr Berger vom VDI/VDE-Techno- logiezentrum Informationstechnik Teltow und Herr Dr. Gör- mer vom MWMT vortrugen. Die anschließende Vorstellung der brandenburgischen For- schungs- und Entwicklungseinrichtungen, die auf Gebieten der Mikrosystemtechnik arbeiten, und brandenburgischer technologieorientierter Unternehmen, die mikrosystemtechnikbezogen arbeiten oder arbeiten wollen, zeigte, daß das Land Brandenburg über ein Fertigungsund Forschungspotential ver
fügt, das auch für das Land eine wesentliche Beteiligung an diesem wachsenden Markt erwarten läßt.
Die Resonanz auf diese von der TIBS organisierte und geleitete Veranstaltung war groß, alle Beteiligten sprachen sich für eine Fortsetzung dieser auf die Interessen der brandenburgischen Wirtschaft ausgerichteten Tätigkeit aus. Wichtige Kontakte wurden hergestellt, Projektideen geboren sowie Kooperationsbeziehungen zwischen Industrie- und Forschungspart- nem vorbereitet, von denen wichtige Impulse für die Wirtschaft und Wissenschaft des Landes ausgehen werden.
Die TIBS der Universität Potsdam führt diese Aktivitäten zur Beförderung der Mikrosystemtechnik im Land fort.
Es werden Projektgruppen ins Leben gerufen, in denen interessierte Firmen und Forschungseinrichtungen gemeinsam mit der TIBS Projekte vorbereiten. Die TIBS hat sich das Ziel gestellt, Projekte während der Laufzeit zu begleiten. Interessenten können sich jederzeit mit der TIBS in Verbindung setzen:
Universität Potsdam TIBS Technologie- und Innovationsberatungsstelle Dipl.-Phys. H. Herbst Dipl.-Chem. Dr. W. Lamm Kantstraße 55 14513 Teltow Tel./Fax: (0 33 28) 4 64 12