Heft 
(1.1.2019) 14
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PERSONALIA

NEUE GLEICHSTELLUNGSBEAUFTRAGTE

Seit ihrer Gründung gibt es an der Uni­versität Potsdam ein intensives Enga­gement für frauenpolitische Arbeit. Zu­nächst wirkte Dr. Antje Zapf als Gleich­stellungsbeauftragte gemeinsam mit Gleichgesinnten in dieser Richtung (zu ihren dabei gemachten Erfahrungen sie­he auch das Interview an anderer Stel­le dieser PUZ). Die Amtszeit der Philo­sophin endete nun im Sommer 1994. Zu ihrer Nachfolgerin wurde von der Mehr­heit der weiblichen Beschäftigten Mo­nika Stein gewählt. Schon in der letzten Legislaturperiode hatte sie sich ver­stärkt eingesetzt für eine funktionieren­de Interessenvertretung der Frauen. Jetzt kann sie auf dem in der Vergan­genheit Geleisteten aufbauen.

In dieser Reihe wären z.B. die Sonntagsvor­lesungen , acht an der Zahl, eine angekurbel­te Öffentlichkeitsarbeit und die Durchset­zung einer Frauenforschungsprofessur zu nennen. Das Wirken in verschiedenen Gre­mien wie Struktur- und Berufungskommissio­nen zeigte erste Erfolge, und das dabei an­geeignete Erfahrungswissen möchte Monika Stein künftig produktiv umsetzen.

Eher zufällig, so erzählt sie, kam der Bezug zum ProblemfeldGleichstellung":Zu Wen­dezeiten existierte an der Hochschule ein Arbeitskreis von Frauen, an dem auch ich mich beteiligte. Dort wurde meine Neugier geweckt." Heute betrachtet die studierte Deutsch/Russisch-Fachlehrerin Frauenpolitik als Herausforderung. Per Gesetz sei alles geklärt. Sowohl das Hochschulrahmengesetz als auch das Brandenburger Landeshoch­schulgesetz fordern die Gewährleistung der Chancengleichheit.Das ist aber nur das eine, erklärt die Mutter dreier erwachsener

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Die neue Gleichsteüungsbeauftragte der Uni, Monika Stein, kommt aus der Abteilung Fachdi­daktik Russisch des Institutes für Slavistik der Philosophischen Fakultät I. Foto: Tribukeit

Kinder.Die reale Umsetzung ist das ande­re. Oft fehlt es schon an den notwendigen Bedingungen. Wir brauchen u.a. die Eröff­nung neuer Arbeitsfelder, die dann auch adäquate Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen bieten.

Klar ist, daß ihr Einsatz für die Anliegen der Kolleginnen Beharrlichkeit und Konsequenz erfordert. Messen wird man sie am konkret Erreichten. Unterstützung ist vom Gleich- stellungsrat in jedem Fall gesichert. Dessen Zusammensetzung bezeichnet sie im übrigen noch nicht als optimal: Die Vertretung der Wissenschaftlerinnen sei zwar gelungen, es fehle jedoch an engagierten Mitstreiterinnen

aus dem technischen und studentischen Bereich. In Zukunft soll das verändert wer­den. Ins Auge gefaßt sind auch die Wahlen einer nebenamtlichen Gleichstellungsbe­auftragten in den Struktureinheiten.

Für die gerade begonnene Amtsperiode hat Monika Stein genaue Vorstellungen. Als un­umgänglich sieht sie die Erstellung eines Frauenförderplans auf der Grundlage einer Analyse der Beschäftigtensituation. Beson­dere Beachtung verdienten dabei die Belan­ge der Mitarbeiterinnen aus Technik und Verwaltung sowie der Studentinnen. Inten­siviert werden müsse auch die Öffentlich­keitsarbeit. Die Frauen-Info und das Frauen- Prisma sollen regelmäßig erscheinen. Und das durchaus nicht aus formalen Gründen. Nicht selten, so die Gleichstellungsbeauf­tragte,habe ich eine Art verordnete, amtli­che Akzeptanz gespürt. Wir müssen zu mehr Selbstverständlichkeit kommen. Dafür sehe ich an der Alma mater eine gute Chance." Dies scheint berechtigt: Ist doch die Univer­sität Potsdam Mitglied der Bundeskonferenz der Frauen und Gleichstellungsbeauftragten. Deren letzte Jahrestagung fand kürzlich in Berlin statt. Das Thema lautete:Frauen­förderung mit Recht und Geschick". Auch Monika Stein gehörte zu den Gästen. Teilge­nommen hat sie ferner an der entsprechen­den Landeskonferenz. Diese diente vor allem Weiterbildungszwecken. Fortbildung soll auch weiterhin groß geschrieben werden: Insbesondere juristische Kenntnisse fehlen - ob im Verwaltungsrecht, im Arbeitsrecht oder im Personalrecht. Ich muß einfach Aus­kunft geben können. Die Frauen haben einen Anspruch darauf, umfassend beraten und unterstützt zu werden. Darauf sind all mei­ne Anstrengungen in der Perspektive gerich­tet. P.G.

FÜR POTSDAM NUR DIE BESTEN!"

Interview mit der ehemaligen Gleichstellungsbeauftragten

Von März 1991 bis August dieses Jah­res wirkte die stellvertretende ZEIK- Leiterin Dr. Antje Zapf als Gleichstel­lungsbeauftragte der Universität. In Ausübung dieses Amtes saß sie unter anderem in 198 Sitzungen von Beru­fungskommissionen, in zahlreichen Personalüberleitungskommissionen und arbeitete im Gründungssenat mit. Myriam Honig fragte sie für diePUZ nach ihren während dieser drei Jahre gemachten Erfahrungen:

PUZ:Frau Dr. Zapf, mit welchen Erwartun­gen gingen Sie damals im März 1991, als die Universität noch gar nicht gegründet war, an die Arbeit einer Gleichstellungsbeauf­tragten?

Zapf:Meine Erwartungen waren eigentlich recht diffus. Das hing damit zusammen, daß dieses Amt im Osten Deutschlands nicht hi­storisch gewachsen war. So mußte ich mir erst Informationen aus Frauenförderplänen und von Kolleginnen aus Berlin zum Beispiel besorgen, um auch für mich selbst das Pro­fil des Amtes zu schärfen. Denn schließlich gab es die Problemlage, daß sich junge Frau­en aufgrund der existentiellen Rahmenbedin­gungen zwischen einer beruflichen Qualifi­kation und der Gründung einer Familie ent­scheiden müssen, an den DDR-Hochschulen nicht. Dort war z.B. für Studentenfamilien und ledige, studierende Mütter durch (Fami­lien-) Wohnheime bzw. Internate, Stipendi­en, Kinderkrippen und Krabbelstuben ge­sorgt. Dieses gewissermaßensoziale Gefü­

ge ist nun außer Kraft gesetzt, vor allem seit­dem viele Studierende seit der Einführung des BAföG 1991 zur Finanzierung ihres Lebenserwerbs arbeiten müssen."

PUZ:Inwiefern unterschied sich ihre Amts­zeit denn noch von demNormalzustand, das heißt von den Amtszeiten anderer Gleichstellungsbeauftragten an anderen Hochschulen?"

Zapf:Nun, in dieser Gründungsphase der Universität konzentrierte sich die Wahrneh­mung meines Amtes nicht auf Geschlechter­fragen; stattdessen waren diese stets verbun­den mit Fragen der sozialen Sicherheit, der deutschen Einheit, eben mit gesamt­gesellschaftlichen Fragestellungen. Dies soll in Potsdam allerdings zum guten Teil auch so bleiben. So gibt es hier eben keine reine

PUZ 14/94

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