PERSONALIA
NEUE GLEICHSTELLUNGSBEAUFTRAGTE
Seit ihrer Gründung gibt es an der Universität Potsdam ein intensives Engagement für frauenpolitische Arbeit. Zunächst wirkte Dr. Antje Zapf als Gleichstellungsbeauftragte gemeinsam mit Gleichgesinnten in dieser Richtung (zu ihren dabei gemachten Erfahrungen siehe auch das Interview an anderer Stelle dieser PUZ). Die Amtszeit der Philosophin endete nun im Sommer 1994. Zu ihrer Nachfolgerin wurde von der Mehrheit der weiblichen Beschäftigten Monika Stein gewählt. Schon in der letzten Legislaturperiode hatte sie sich verstärkt eingesetzt für eine funktionierende Interessenvertretung der Frauen. Jetzt kann sie auf dem in der Vergangenheit Geleisteten aufbauen.
In dieser Reihe wären z.B. die Sonntagsvorlesungen , acht an der Zahl, eine angekurbelte Öffentlichkeitsarbeit und die Durchsetzung einer Frauenforschungsprofessur zu nennen. Das Wirken in verschiedenen Gremien wie Struktur- und Berufungskommissionen zeigte erste Erfolge, und das dabei angeeignete Erfahrungswissen möchte Monika Stein künftig produktiv umsetzen.
Eher zufällig, so erzählt sie, kam der Bezug zum Problemfeld „Gleichstellung": „Zu Wendezeiten existierte an der Hochschule ein Arbeitskreis von Frauen, an dem auch ich mich beteiligte. Dort wurde meine Neugier geweckt." Heute betrachtet die studierte Deutsch/Russisch-Fachlehrerin Frauenpolitik als Herausforderung. Per Gesetz sei alles geklärt. Sowohl das Hochschulrahmengesetz als auch das Brandenburger Landeshochschulgesetz fordern die Gewährleistung der Chancengleichheit. „Das ist aber nur das eine“, erklärt die Mutter dreier erwachsener
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Die neue Gleichsteüungsbeauftragte der Uni, Monika Stein, kommt aus der Abteilung Fachdidaktik Russisch des Institutes für Slavistik der Philosophischen Fakultät I. Foto: Tribukeit
Kinder. „Die reale Umsetzung ist das andere. Oft fehlt es schon an den notwendigen Bedingungen. Wir brauchen u.a. die Eröffnung neuer Arbeitsfelder, die dann auch adäquate Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen bieten.“
Klar ist, daß ihr Einsatz für die Anliegen der Kolleginnen Beharrlichkeit und Konsequenz erfordert. Messen wird man sie am konkret Erreichten. Unterstützung ist vom Gleich- stellungsrat in jedem Fall gesichert. Dessen Zusammensetzung bezeichnet sie im übrigen noch nicht als optimal: Die Vertretung der Wissenschaftlerinnen sei zwar gelungen, es fehle jedoch an engagierten Mitstreiterinnen
aus dem technischen und studentischen Bereich. In Zukunft soll das verändert werden. Ins Auge gefaßt sind auch die Wahlen einer nebenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten in den Struktureinheiten.
Für die gerade begonnene Amtsperiode hat Monika Stein genaue Vorstellungen. Als unumgänglich sieht sie die Erstellung eines Frauenförderplans auf der Grundlage einer Analyse der Beschäftigtensituation. Besondere Beachtung verdienten dabei die Belange der Mitarbeiterinnen aus Technik und Verwaltung sowie der Studentinnen. Intensiviert werden müsse auch die Öffentlichkeitsarbeit. Die Frauen-Info und das Frauen- Prisma sollen regelmäßig erscheinen. Und das durchaus nicht aus formalen Gründen. „Nicht selten“, so die Gleichstellungsbeauftragte, „habe ich eine Art verordnete, amtliche Akzeptanz gespürt. Wir müssen zu mehr Selbstverständlichkeit kommen. Dafür sehe ich an der Alma mater eine gute Chance." Dies scheint berechtigt: Ist doch die Universität Potsdam Mitglied der Bundeskonferenz der Frauen und Gleichstellungsbeauftragten. Deren letzte Jahrestagung fand kürzlich in Berlin statt. Das Thema lautete: „Frauenförderung mit Recht und Geschick". Auch Monika Stein gehörte zu den Gästen. Teilgenommen hat sie ferner an der entsprechenden Landeskonferenz. Diese diente vor allem Weiterbildungszwecken. Fortbildung soll auch weiterhin groß geschrieben werden: „Insbesondere juristische Kenntnisse fehlen - ob im Verwaltungsrecht, im Arbeitsrecht oder im Personalrecht. Ich muß einfach Auskunft geben können. Die Frauen haben einen Anspruch darauf, umfassend beraten und unterstützt zu werden. Darauf sind all meine Anstrengungen in der Perspektive gerichtet.“ P.G.
„FÜR POTSDAM NUR DIE BESTEN!"
Interview mit der ehemaligen Gleichstellungsbeauftragten
Von März 1991 bis August dieses Jahres wirkte die stellvertretende ZEIK- Leiterin Dr. Antje Zapf als Gleichstellungsbeauftragte der Universität. In Ausübung dieses Amtes saß sie unter anderem in 198 Sitzungen von Berufungskommissionen, in zahlreichen Personalüberleitungskommissionen und arbeitete im Gründungssenat mit. Myriam Honig fragte sie für die „PUZ“ nach ihren während dieser drei Jahre gemachten Erfahrungen:
PUZ: „Frau Dr. Zapf, mit welchen Erwartungen gingen Sie damals im März 1991, als die Universität noch gar nicht gegründet war, an die Arbeit einer Gleichstellungsbeauftragten?“
Zapf: „Meine Erwartungen waren eigentlich recht diffus. Das hing damit zusammen, daß dieses Amt im Osten Deutschlands nicht historisch gewachsen war. So mußte ich mir erst Informationen aus Frauenförderplänen und von Kolleginnen aus Berlin zum Beispiel besorgen, um auch für mich selbst das Profil des Amtes zu schärfen. Denn schließlich gab es die Problemlage, daß sich junge Frauen aufgrund der existentiellen Rahmenbedingungen zwischen einer beruflichen Qualifikation und der Gründung einer Familie entscheiden müssen, an den DDR-Hochschulen nicht. Dort war z.B. für Studentenfamilien und ledige, studierende Mütter durch (Familien-) Wohnheime bzw. Internate, Stipendien, Kinderkrippen und Krabbelstuben gesorgt. Dieses gewissermaßen ‘soziale Gefü
ge’ ist nun außer Kraft gesetzt, vor allem seitdem viele Studierende seit der Einführung des BAföG 1991 zur Finanzierung ihres Lebenserwerbs arbeiten müssen."
PUZ: „Inwiefern unterschied sich ihre Amtszeit denn noch von dem ‘Normalzustand’, das heißt von den Amtszeiten anderer Gleichstellungsbeauftragten an anderen Hochschulen?"
Zapf: „Nun, in dieser Gründungsphase der Universität konzentrierte sich die Wahrnehmung meines Amtes nicht auf Geschlechterfragen; stattdessen waren diese stets verbunden mit Fragen der sozialen Sicherheit, der deutschen Einheit, eben mit gesamtgesellschaftlichen Fragestellungen. Dies soll in Potsdam allerdings zum guten Teil auch so bleiben. So gibt es hier eben keine reine
PUZ 14/94
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