STUDIOSI
MEHR STUDENTEN ZUR FORDERUNG VORSCHLÄGEN
Die Studienstiftung des deutschen Volkes sucht engagierte junge Leute
Die drei ersten Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes an der Universität Potsdam sind Udo Krause, Maren Bedau und Ralf Schmauder (von hnks nach rechts), hier mit ihrem Betreuer, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin (2. von rechts). Foto:Rüffert
In dem Wunsch, daß mehr Studenten in den Genuß der Förderung durch die Studienstiftung des deutschen Volkes kommen, sind sich Maren Bedau, Ralf Schmauder, Udo Krause und der Vertrauensdozent der Stiftung an der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin, einig. Die angehende Juristin, der künftige Biochemiker und der baldige Diplom-Biologe sind die ersten Studenten an der Potsdamer Hochschule, die eine Förderung über diese Stiftung erhalten. Voraussetzung ist - so ein Grundsatz der Stiftung - „Können, Initiative und Verantwortungsbewußtsein weit über dem Durchschnitt ihrer Altersgruppe“.
Im dritten Semester studiert Ralf Schmauder Biochemie, davon zwei Semester in Potsdam. Für die Anlaufschwierigkeiten dieses Studienganges an der neuen Universität bringt er Verständnis auf; „nur die Abstimmung der beteiligten Fachrichtungen ist noch nicht ganz optimal". Sein Stipendium geht auf einen Vorschlag der Schule zurück. Der Bewilligung gingen Gespräche und Diskussionsrunden mit verschiedenen Wissenschaftlern im Erzgebirge voraus. Über Fachliches hinaus waren auch allgemeine Themen gefragt, so der Komplex der Entwicklungshilfe und Probleme der Gentechnik.
Jedes Semester fertigt Ralf Schmauder nun einen zweiseitigen Bericht für die Stiftung an, in dem er über jene Dinge berichtet, die ihm in dieser Zeit wichtig waren - über Fachliches hinaus. Mit auf die Reise gehen die Scheine über Lehrveranstaltungen und Praktika.
Maren Bedau, gebürtig in Rheinland-Pfalz, hat sich gezielt eine kleine Universität fürs Studium ausgesucht, gleichwohl sie keine „richtige Vorstellung“ mit der Potsdamer Hochschule verband. Mit ihrer Wahl ist sie insgesamt zufrieden, denn „das Lehrangebot ist gut, und es gibt sehr gute Profs hier". Kummer bereitet ihr die Ausstattung der Bibliothek, die sie als unzureichend einschätzt. Da ihr politisches Leben an der Universität fehlt, arbeitet sie außerhalb in unterschiedlichen Gremien von Jungdemokraten/Junge Linke (z. B. im Bundeshauptausschuß) mit. Dort investiert sie Zeit und Kraft in die Herstellung einer Zeitung und in die Mitarbeit bei Landesarbeitskreisen, was sie jedoch als eigene Fortbildung versteht. Die Vorlesungsund Diskussionsreihe „Politik aus erster Hand“ an der Universität findet ihr Interesse. Sie würde sich wünschen, daß es neben dem Lehrangebot mehr Möglichkeiten zur Information und Diskussion über die spezielle Geschichte der Universität Potsdam gäbe
(vielleicht in einer Art „Tag der offenen Tür“). Alle Kinderkrankheiten und Erfolge des Universitätsaufbaus miterlebt hat Udo Krause in den neun Semestern seines Studiums. Als es möglich wurde, Diplombiologie zu studieren, wechselte er vom Lehrerstudium der Fächer Biologie und Chemie zur neuen Richtung. Die Gestaltung dieses Studienganges erlebte er hautnah mit. So galt es u. a., die Struktur der Ausbildung und arbeitsfähige Institute zu schaffen sowie eine Prüfungsordnung zu erarbeiten. Inzwischen stellt das Studium hohe Anforderungen.
Beispielsweise liegt der Praktikumsanteil um zwei Drittel höher als in den alten Ländern. „Riesenvorteile in Potsdam sind, daß Professoren mit einem breiten Spektrum berufen wurden, persönliche Kontakte zwischen Lehrenden und Studierenden bestehen und man überall ohne Warten einen Praktikumsplatz erhält."
Udo Krause engagiert sich stark für die Fachschaft Biologie, die er aufgebaut hat. Allerdings berichtet auch er über die mangelnde Aktivität von Kommilitonen. Sie wäre vonnöten, denn er trägt viele Ideen mit sich herum. So schwebt ihm ein Service-Katalog für Studenten vor, ferner eine Folien- und eine Klausurensammlung. Wenn sich neue Studenten einschreiben, sollte auch jemand von der Fachschaft anwesend sein. Vorstellen könnte er sich ferner Busfahrten für die Neuankömmlinge, auf denen sie die ganze Universität kennenlernen (so etwas gab es bereits). Den Fakultätsrat empfindet er - wie manch anderer Student - nicht als die Ebene für Veränderungen im Sinne der Studenten. Dafür brauche es andere Ebenen.
Alle drei Potsdamer Studenten wirken ohne Zweifel im Sinne der ursprünglich 1925 in
Dresden gegründeten Stiftung. Sie wurde 1948 in Bad Godesberg wiedererrichtet und hat seit ihrer Gründung mehr als 30 000 Studierende unterstützt. Derzeit erhalten jedes Jahr etwa 4500 Stipendiaten eine Förderung. 1300 kommen pro Jahr neu dazu. Der Haushalt beträgt 40 Millionen DM.
Die Gelder kommen vom Bund, von den Ländern, vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, von großen und kleinen Stiftungen, aus Städten und Landkreisen sowie von privaten Spendern. Mit im Kuratorium vertreten sind die Präsidenten aller großen Wissenschaftsorganisationen. An der Spitze des Vorstandes der Stiftung steht der Nobelpreisträger Prof. Dr. Manfred Eigen.
Die Stiftung sieht ihre Aufgabe darin, Spitzenleute unter den Studierenden zwischen der Reifeprüfung und dem Promotionsabschluß geistig und materiell zu fördern. Gesucht werden junge Menschen, „die durch ihre bisherigen Leistungen in selbst gewählten Arbeits- und Interessenbereichen bewiesen haben, daß sie mit persönlichem Einsatz etwas aus ihrem Können gemacht haben und daß sie dies mit wacher Verantwortung für Wissenschaft und Beruf, für den Mitmenschen, für die Allgemeinheit und für sich selbst tun“.
Die Aufnahme in die Studienstiftung erfolgt auf Vorschlag, Selbstbewerbung ist nicht möglich. Der Kreis der Vorschlagsberechtigten ist umfangreich, wobei immer die Gesamtpersönlichkeit gefragt ist. Ist eine positive Entscheidung gefallen, gibt es ein monatliches Büchergeld von 150,- DM, in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Lage der Familie ein Lebenshaltungsstipendium in Anlehnung an das BAföG, jedoch ohne Rückzahlungspflicht sowie andere materiel-
Seite 20
PUTZ 2/95