EINE „KLEINE SENSATION" IN BRANDENBURG
Universität Potsdam Sitz des ersten Australien-Zentrums der Bundesrepublik
Ein zweifellos feierlicher Moment: Der Eintrag des australischen Premierministers Paul Keating (Mitte) in das Goldene Buch. Links von ihm seine Frau Annita, rechts Manfred Stolpe. Foto: Puffert
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Als „kleine Sensation“ bezeichnete der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe die Eröffnung des interdisziplinären Zentrums für Australienforschung an der Universität Potsdam. Der offiziellen Eröffnungsfeier, die am 10. März im Schloß Cecilienhof stattfand, wohnten als Redner neben dem branden- burgischen Ministerpräsidenten auch der australische Premierminister Paul Keating und Rektor Prof. Dr. Rolf Mitzner bei. Ihre Aussagen über das Zentrum als „neues Bindeglied zwischen den Partnern Australien und der Bundesrepublik Deutschland“ wurden von über 100 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur aufmerksam verfolgt. Das Australien-Zentrum der Potsdamer Hochschule stellt das erste Institut seiner Art in der Bundesrepublik Deutschland dar. Die Schirmherrschaft für dieses Zentrum übernahmen gemeinsam die beiden Parlamentspräsidenten, Michael Beahan und Prof. Dr. Rita Süßmuth.
Wir sind sehr froh, daß wir nach jahrelanger Vorbereitung nun zur Gründung des Australien-Zentrums schreiten können“, betonte Prof. Dr. Rolf Mitzner im Zuge der Eröffnungsfeier, die er als den Abschluß einer dreijährigen Planungsphase deutscherund australischer Akademiker sowie des Senats der Potsdamer Universität bezeichnete. Dieses zehnte interdisziplinäre Zentrum der
Entspanntes Plaudern nach der offiziellen Eröffnung: der australische Premier Paul Keating, Rektor Prof. Dr. Rolf Mitzner und der deutsche Gründungsdirektor des Australien-Zentrums, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin (von rechts nach links).
Foto: Rüffert
Hochschule soll künftig Initiator, Koordinator und Träger australienbezogener Forschung und Lehre sein, als Lieferant von Informationen für die wirtschaftliche Zusammenarbeit fungieren, den kulturellen Austausch befördern und eine Begegnungsstätte für die „Australian Community“ und Australieninteressierte im Großraum Berlin- Potsdam darstellen. Bereits jetzt beteiligen sich Wirtschaftswissenschaftler, Anglisten und auch zahlreiche Naturwissenschaftler der Universität an der australienbezogenen Forschungsarbeit. Eine Ausdehnung auf weitere Wissenschaftsdisziplinen ist vorgesehen, wobei ausdrücklich auch Studierende mit einbezogen werden und von dem verstärkten Austausch profitieren sollen. Neben regelmäßigen australienbezogenen Lehrveranstaltungen in den Bereichen Sprache und Literatur, Geographie, Geschichte, Wirtschafts- und Politikwissenschaften sowie Soziologie ist darüber hinaus der schrittweise Aufbau eines interdisziplinären Graduiertenkollegs „Australian Studies“ geplant. Ferner sollen Informationsveranstaltungen zu Fragen der Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur mit australischen und deutschen Referenten angeboten werden. Doch auch Ausbil- dungsgänge für Interessenten aus der Wirtschaft sind geplant. Ihnen möchte man politische, kulturelle und sprachliche Fähigkeiten vermitteln, die für den Zugang zu pazifischen Märkten erforderlich sind.
Die Betonung dieses wirtschaftlichen Aspektes lag vor allem dem australischen Premierminister Paul Keating am Herzen. So
betonte erin seiner Rede anläßlich der Eröffnung des Zentrums: „Australien ist entschlossen, zu neuen Ufern aufzubrechen. Es legt großen Wert auf neue Entwicklungen im Bereich der Wirtschaft und hofft, daß sich das Australien-Zentrum der Potsdamer Universität zu einer Verbindungsstelle zwischen beiden Partnern entwickelt.“ Insgesamt, so Keating, verfügten die Bundesrepublik und Australien zwar bereits über harmonische politische und wirtschaftliche Beziehungen; doch wären die Kenntnisse über das moderne Australien durchaus noch verbesserungsfähig.
Dieser Einschätzung konnte Ministerpräsident Manfred Stolpe nur zustimmen. In bezug auf Brandenburg ging er dabei sogar noch einen Schritt weiter und wertete die Gründung des Australien-Zentrums als „ein Signal für den Aufbruch aus erzwungener Provinzialität“. Wir haben nun die Chance, an moderne Entwicklungen anzuschließen“ , erklärte Stolpe und bekundete die Bereitschaft der Landesregierung, bei noch zu klärenden Fragen - wie beispielsweise der der räumlichen Unterbringung des neuen Australien-Zentrums - „entschieden mitzuhelfen“.
Dies vernahm nicht nur der deutsche Gründungsdirektor des Zentrums, Prof. Dr. Wilhelm Bürklin, mit großem Interesse. Denn schließlich wurden von australischer Seite bereits einige Vorleistungen erbracht, die insgesamt eine Summe von rund 200.000 Australischen Dollars ausmachen. Ihr Kooperationsinteresse haben nach Angaben des australischen Co-Direktors Peter
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PUTZ 3/95