Heft 
(1.1.2019) 03
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UNTER GROSSER BETEILIGUNG ERÖFFNET

Kommunalwissenschaftliches Institut nach Potsdam vergeben

Unter großer Beteiligung von Wissen­schaft, Gerichtsbarkeit (darunter solch prominenter Vertreter wie der Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, Dr. Everhardt Rranßen, und sein Vorgänger, Prof. Dr. Horst Sendler) und Öffentlichkeit konnte die Universität Potsdam am 3. Fe­bruar 1995 die feierliche Eröffnung des Kommunalwissenschaftlichen Institutes (KWI) begehen. Damit hat zugleich das zehnte Interdisziplinäre Zentrum - eine Besonderheit der Hochschule - seine Ar­beit aufgenommen.

Die Idee zu einem kommunalwissenschaft­lichen Institut existiert bereits seit 1990. Im Zuge der Gründungsarbeiten für die Uni­versität Potsdam brachte der damalige Gründungssenator und heutige Ehrendok­tor der Universität Potsdam, der Bochumer Jurist Prof. Dr. Rolf Grawert, das Projekt zur Sprache und konnte erreichen, daß es als interdisziplinär arbeitende Einrichtung in der Konzeption verankert wurde. 1993 gab das Ministerium für Wissenschaft, For­schung und Kultur des Landes die Geneh­migung zur Errichtung des Institutes, das dann zunächst vom ehemaligen Dekan der Juristischen Fakultät und heutigem Prorek­tor, Prof. Dr, Wolfgang Loschelder, kommis­sarisch geführt wurde. Im Apnl letzten Jah­res ging die Leitung in die Hände von Prof. Dr. Michael Nierhaus über, der auf den Potsdamer Lehrstuhl Staatsrecht, Allgemei­nes Verwaltungsrecht und Kommunalrecht berufen wurde,

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Der Einladung zur Eröffnung des Kommunalwissenschaftlichen Institutes waren weit über zwei­hundert Gäste und Angehörige der Universität gefolgt, darunter der ehemalige Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, Prof. Dr. Horst Sendler, der Brandenburgische Verfassungsrichter Prof. Dr. Hans Herbert von Arnim (Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer) sowie der Direktor des Institutes für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre der Universität zu Köln und Verfassungsrichter des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof Dr. Dres h.c. Klaus Stern, und Prof. Gerhard Banner, Leiter der Kommunalen Gemeinschaftsstelle Köln (von links nach rechts).

Foto: Thbukeit

In seinem Grußwort ließ der Rektor, Prof Dr. Rolf Mitzner, die Geschichte des Babels­berger Universitätsgeländes, auf dem u. a. das KWI angesiedelt ist, Revue passieren. Er verwies dabei auf jene Jahrzehnte, in denen die Akademie für Staats- und Rechts­wissenschaft der DDR die Gebäude genutzt hat,eine nach Qualität und Systemnähe sehr heterogene Institution. Da sie auch Weiterbildung für Kommunalpolitiker ange- boten habe, besteheeine Art Tradition, al­lerdings eine gebrochene. Im Kommunal­wissenschaftlichen Institut, so der Rektor im weiteren, würden sich zwei Pfeiler des Gründungskonzeptes widerspiegeln: Inter- disziplinarität und Weiterbildungsauftrag der Universität Potsdam. Viele der Interdis­ziplinären Zentren gäben mit ihrer Arbeit den Hintergrund für Studiengänge ab. Eine solche Erwartungshaltung begleite auch die Arbeit des neuen Institutes. Bewegende Worte richtete der 93jähnge Nestor der deutschen Kommunalwissen­schaft, Prof. Dr. Kurt G. A. Jeserich, an das Auditorium.Mich berührt dieser Täg, da ich noch Erinnerungen an die Monarchie und die Weimarer Republik habe, in beson­derem Maße. Auch der Ort Potsdam ist mir nah, in dem ich zwölf Jahre gelebt habe. Ich bin ein alter Märker. - Jeserich berichtete dann vom ersten deutschen Institut für Kommunalwissenschaft, das 1928 an der FYiedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin ent­stand. Gemeinsam mit Prof. Walter Norden, dem Stadtkämmerer Bruno Raasch und den Brandenburgischen Mittelstädten gehörte

er zu den Gründern und Direktoren. Das In­stitut erlangte schnell nationale Bedeutung und auch internationale Reputation. 1943 zerstörten englische Bomber das Gebäude im Herzen Berlins vollständig, auch die wertvolle Fachbibliothek mit 50.000 Bü­chern verbrannte. Mit Stolz verwies der Nestor auf seine vielen Schüler, die das Gedankengut bewahrt und weitergetragen haben. Auch die heutige Kommunalverwal­tung brauche ständige wissenschaftliche Betreuung und Beratung. Für diese Aufga­be wünsche er dem neuen Institut und Herrn Prof. Nierhaus viel Erfolg:Aus dem bescheidenen Pflänzchen möge ein stattli­cher Baum wachsen.

Die Eröffnung ging dann nahtlos in den wis­senschaftlichen Ibil über, der unter dem ThemaKommunale Selbstverwaltung - eu­ropäische und nationale Aspekte" stand. Drei Vorträge und eine Podiumsdiskussion bildeten den Rahmen für Fragestellungen, die vom Problemkreis der europäischen Union und kommunalen Selbstverwaltung (Prof. Dr. Dres h.c. Klaus Stern) über die Möglichkeiten und den Stellenwert kommu­naler Dienstleistungen (Prof. Gerhard Ban­ner) bis zur Kommunalverfassung Branden­burgs (Prof Dr. Michael Nierhaus) reichten. Neuen kommunalwissenschaftlichen und - rechtlichen Konzepten im Lande Branden­burg war die Podiumsdiskussion Vorbehal­ten, die die vielen anwesenden Wissen­schaftler und Kommunalvertreter des Lan­des zusammenführte (s. auch nebenstehen­des Interview). De.

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PUTZ 3/95