UNTER GROSSER BETEILIGUNG ERÖFFNET
Kommunalwissenschaftliches Institut nach Potsdam vergeben
Unter großer Beteiligung von Wissenschaft, Gerichtsbarkeit (darunter solch prominenter Vertreter wie der Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, Dr. Everhardt Rranßen, und sein Vorgänger, Prof. Dr. Horst Sendler) und Öffentlichkeit konnte die Universität Potsdam am 3. Februar 1995 die feierliche Eröffnung des Kommunalwissenschaftlichen Institutes (KWI) begehen. Damit hat zugleich das zehnte Interdisziplinäre Zentrum - eine Besonderheit der Hochschule - seine Arbeit aufgenommen.
Die Idee zu einem kommunalwissenschaftlichen Institut existiert bereits seit 1990. Im Zuge der Gründungsarbeiten für die Universität Potsdam brachte der damalige Gründungssenator und heutige Ehrendoktor der Universität Potsdam, der Bochumer Jurist Prof. Dr. Rolf Grawert, das Projekt zur Sprache und konnte erreichen, daß es als interdisziplinär arbeitende Einrichtung in der Konzeption verankert wurde. 1993 gab das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes die Genehmigung zur Errichtung des Institutes, das dann zunächst vom ehemaligen Dekan der Juristischen Fakultät und heutigem Prorektor, Prof. Dr, Wolfgang Loschelder, kommissarisch geführt wurde. Im Apnl letzten Jahres ging die Leitung in die Hände von Prof. Dr. Michael Nierhaus über, der auf den Potsdamer Lehrstuhl Staatsrecht, Allgemeines Verwaltungsrecht und Kommunalrecht berufen wurde,
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Der Einladung zur Eröffnung des Kommunalwissenschaftlichen Institutes waren weit über zweihundert Gäste und Angehörige der Universität gefolgt, darunter der ehemalige Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, Prof. Dr. Horst Sendler, der Brandenburgische Verfassungsrichter Prof. Dr. Hans Herbert von Arnim (Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer) sowie der Direktor des Institutes für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre der Universität zu Köln und Verfassungsrichter des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof Dr. Dres h.c. Klaus Stern, und Prof. Gerhard Banner, Leiter der Kommunalen Gemeinschaftsstelle Köln (von links nach rechts).
Foto: Thbukeit
In seinem Grußwort ließ der Rektor, Prof Dr. Rolf Mitzner, die Geschichte des Babelsberger Universitätsgeländes, auf dem u. a. das KWI angesiedelt ist, Revue passieren. Er verwies dabei auf jene Jahrzehnte, in denen die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR die Gebäude genutzt hat, „eine nach Qualität und Systemnähe sehr heterogene Institution“. Da sie auch Weiterbildung für Kommunalpolitiker ange- boten habe, bestehe „eine Art Tradition, allerdings eine gebrochene“. Im Kommunalwissenschaftlichen Institut, so der Rektor im weiteren, würden sich zwei Pfeiler des Gründungskonzeptes widerspiegeln: Inter- disziplinarität und Weiterbildungsauftrag der Universität Potsdam. Viele der Interdisziplinären Zentren gäben mit ihrer Arbeit den Hintergrund für Studiengänge ab. Eine solche Erwartungshaltung begleite auch die Arbeit des neuen Institutes. Bewegende Worte richtete der 93jähnge Nestor der deutschen Kommunalwissenschaft, Prof. Dr. Kurt G. A. Jeserich, an das Auditorium. „Mich berührt dieser Täg, da ich noch Erinnerungen an die Monarchie und die Weimarer Republik habe, in besonderem Maße. Auch der Ort Potsdam ist mir nah, in dem ich zwölf Jahre gelebt habe. Ich bin ein alter Märker.“ - Jeserich berichtete dann vom ersten deutschen Institut für Kommunalwissenschaft, das 1928 an der FYiedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin entstand. Gemeinsam mit Prof. Walter Norden, dem Stadtkämmerer Bruno Raasch und den Brandenburgischen Mittelstädten gehörte
er zu den Gründern und Direktoren. Das Institut erlangte schnell nationale Bedeutung und auch internationale Reputation. 1943 zerstörten englische Bomber das Gebäude im Herzen Berlins vollständig, auch die wertvolle Fachbibliothek mit 50.000 Büchern verbrannte. Mit Stolz verwies der Nestor auf seine vielen Schüler, die das Gedankengut bewahrt und weitergetragen haben. Auch die heutige Kommunalverwaltung brauche ständige wissenschaftliche Betreuung und Beratung. Für diese Aufgabe wünsche er dem neuen Institut und Herrn Prof. Nierhaus viel Erfolg: „Aus dem bescheidenen Pflänzchen möge ein stattlicher Baum wachsen.“
Die Eröffnung ging dann nahtlos in den wissenschaftlichen Ibil über, der unter dem Thema „Kommunale Selbstverwaltung - europäische und nationale Aspekte" stand. Drei Vorträge und eine Podiumsdiskussion bildeten den Rahmen für Fragestellungen, die vom Problemkreis der europäischen Union und kommunalen Selbstverwaltung (Prof. Dr. Dres h.c. Klaus Stern) über die Möglichkeiten und den Stellenwert kommunaler Dienstleistungen (Prof. Gerhard Banner) bis zur Kommunalverfassung Brandenburgs (Prof Dr. Michael Nierhaus) reichten. Neuen kommunalwissenschaftlichen und - rechtlichen Konzepten im Lande Brandenburg war die Podiumsdiskussion Vorbehalten, die die vielen anwesenden Wissenschaftler und Kommunalvertreter des Landes zusammenführte (s. auch nebenstehendes Interview). De.
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PUTZ 3/95