PROF. DR. DAGMAR KLOSE HIELT IHRE ANTRITTSVORLESUNG
Vom Dualismus unseres Erinnerns
Neue fragen an das Erinnern stellte Prof. Dr. Dagmar Klose aus dem Historischen Institut der Philosophischen Fakultät I in ihrer Antrittsvorlesung zum Thema: .Vorn Dualismus unseres Erinnerns - Reflexionen an Geschichtsbewußtsein und Be- wußtseinsgeschichte“.Erinnem interpretierte sie dabei als Interaktion zwischen Innen- und Außenwelt und Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
So versteht Dagmar Klose in Anlehnung an Lothar Steinbach „Bewußtseinsgeschichte als etwas Individuelles, als ‘diachrones Gewahrwerden von biographischem Zeiterleben' “. Davon ausgehend beschreibt sie Bewußtsein, Geschichte und Biographie in ihrer Verflechtung als tragende Säulen dieser Problematik. Für weitere theoretischempirische Arbeiten hält die Wissenschaftlerin solche forschungsmethodischen Ansätze für sinnvoll, die ein aktives Mensch- Umwelt-Verhältnis zugrunde legen wie etwa die sowjetische kulturhistorische Schule und die konstruktivistische Entwicklungspsychologie.
In diesem Zusammenhang machte sie darauf aufmerksam, daß das Individuum Eigenwahrheiten entwickelt, sich die Vergangenheit schafft, die es braucht und damit eine innere Symmetrie zwischen Vergangenheit und Zukunft auszubalancieren versucht, um mit diesem Gleichgewicht in der Gegenwart leben zu können. Somit seien dem Bewußtsein und der Erinnerung einerseits ein Maß an wachsender Distanz eigen, mit der Neigung, Angenehmes zu verstärken und Schmerzhaftes abzuschwächen. Andererseits würden diese Eigenwahrheiten die Fähigkeit besitzen, sich ständig umzustrukturieren.
Im zweiten Iteil ihrer Vorlesung belegte Dagmar Klose anhand von textlich und bildlich gefaßten Erinnerungen, die sich auf schulisch vermittelte, historische Aneignungsgegenstände bezogen, wie Vorstellungen aus der Gegenwart der individuellen Lebenswelt in die Vergangenheit projiziert werden. Bei Erinnerungen von Erwachsenen in und nach Umbruchsituationen, wie sie die Deutschen in diesem Jahrhundert mehrmals erlebten, habe die Psyche zwei Möglichkeiten: Entweder bleibe die veränderte Innen- und Außenwelt ambivalent, was kaum zielgerichtetes Handeln ermögliche. Oder sie suche die Möglichkeit, ein neues Gleichgewicht herzustellen, indem sie Elemente der neuen Außenwelt in die bestehende Struktur einbaut, Vergangenes umschichtet und die innere Struktur dem neu anpaßt.
Der Prozeß des Erinnerns impliziert zum einen generationsspezifische Aspekte, weil nach Kloses Meinung der Zeitpunkt des erlebten Umbruchs auf der Lebensachse eines Menschen von nicht zu unterschätzender Relevanz ist. Zum anderen sei er vom Entwicklungsspielraum eines Menschen in der neuen sozialen Situation abhängig. Je größer dieser ist, so formulierte die Historikerin weiter, desto freier könne er sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, desto ehrlicher könne er sich erinnern. Und: Je souveräner das Individuum ist, desto origineller wird es mit den Veränderungen umgehen. Petra Beetz
Mit Reflexionen zu Geschichtsbewußtsein und Bewußtseinsgeschichte befaßte sich Dagmar Klose in ihrer Antrittsvorlesung. Foto: Tribukeit
Geschichte des Universitätsgeländes wird erforscht ;
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Eine studentische Projektgruppe an der Universität Potsdam ist seit kurzem damit befaßt, die Entwicklung des Präsidiums des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in den Jahren 1938- 1945 zu untersuchen. Das ehemalige Präsidialgebäude des DRK befindet sich in der Au- gust-Bebel-Straße 89, einem der heutigen Standorte der Universität Potsdam. Der Bau nahe dem S-Bahnhof Griebnitzsee, der 1928 für das Deutsche Rote Kreuz errichtet wurde, beherbergte später für mehr als drei Jahrzehnte die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften der DDR. Seit 1991 sind hier die Juristische Fakultät sowie die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Potsdamer Universität untergebracht. Ziel des vom Studentenrat geförderten Projektes ist es, Material für eine Ausstellung an der Universität zusammenzutragen. Wer Hinweise zur Geschichte des Hauses und seiner Nutzer für den genannten Zeitraum geben kann, möchte sich bitte über den Lehrstuhl Frauenforschung an den Projektleiter Markus Wicke wenden (Ttelefon: 0331/977 3235, 977-3390).
mt./Foto: Rüffert
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PUTZ 3/95