BALD IN ALTEM GLANZE
Die Communsgebäude werden saniert - zum Stand der Bau- und Umzugspläne
Diesen Anblick bot das heutige Haus 9 nach dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Archiv
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Zweimal in den letzten fünfzig Jahren hat es an den Potsdamer Communs vis ä vis vom Neuen Palais eine rege Bautätigkeit gegeben: Ende der 40er und jetzt in den 90er Jahren. Beiden Zeiten gemeinsam war eine Aufbruchstimmung - zwar unterschiedlicher Motivation und Intention, doch gekennzeichnet von dem Wunsch, Lehre und Forschung den notwendigen materiellen Rahmen zu geben. Im Jahre 1948 erhielt die Brandenburgische Landeshochschule auf diesem Gelände ihr Domizil, seit 1991 beherbergen die Communs, die zum Weltkulturerbe gehören, Teile der Universität Potsdam. Den mehr als 200 Jahre alten Gebäuden aus der Zeit FHedrichs II. hat die Zeit inzwischen tüchtig zugesetzt; ins Haus stehen längst fällige Sanierungsarbeiten großen Stils. Die nächsten Jahre werden geprägt sein von Lärm und Staub, von Umzugskisten und weithin sichtbaren Verhüllungen, von Containern und Zusammenrücken, aber auch von wiedererstrahlenden Freitreppen und Reliefs, von Geschichten erzählenden Göttinnen und Kriegern, und dem Willen der hier Ansässigen, den Genius loci näher zu ergründen.
Die hinter dem Neuen Palais gelegenen Communs-Villen (im Universitätsalltag als Haus 9 und 11 bezeichnet) dienten als Wirtschaftsgebäude und Unterkünfte für die umfangreiche Dienerschaft des nach dem Siebenjährigen Krieg errichteten Neuen Palais, das von ihnen durch einen großen Hof getrennt ist. In den Jahren 1766-1769
nach Plänen des Rranzosen Legeay entstanden, sollten die Communs „dem Blick aus den Westfenstern (des Neuen Palais - d. Verf.) das wenig reizvolle Landschaftsbild nach Dorf Eiche verbergen“. So jedenfalls schreibt Ludwig Sternaux in „Potsdam. Ein Buch der Erinnerung“. Sternaux ist es auch, der baugeschichtlich zuordnet: „Römischer Erühklassizismus und französischer Barock mengen sich reizvoll in den beiden Häusern, so wenig sie zu dem englisch-holländischen Stil des gegenüberliegenden Schlosses und seiner palladianischen Pilastergliederung passen.“ Die beiden Communs sind mit einer ehemals reich verzierten Kolonnade verbunden, die von einem Triumphbogen geteilt wird. Derzeit bietet diese Anlage, mit deren Sanierung 1981 begonnen wurde, in weiten Tbilen jedoch einen trostlosen Anblick.
Seit 1948 werden die Communs als wissenschaftliche Einrichtung genutzt, denn nach dem Zweiten Weltkrieg bereitete es große Schwierigkeiten, für eine Hochschule geeignete Räumlichkeiten zu finden. Die recht verwege
nen Pläne des brandenburgischen Volksbildungsministeriums, den ganzen Komplex - also Schloß, Communs und Marstall - zu nutzen, wurden vom damaligen Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten, dem Kunsthistoriker Prof. Dr. Willy Kurth, aus denkmalpflegerischen Gründen heftig abgelehnt. Schließlich einigte man sich darauf, daß einige Räume in der oberen Etage des Neuen Palais für Institutszwecke zur Verfügung gestellt werden (bis 1954), und Prof. Kurth stimmte nach langem Hin und Her der Nutzung der Communs und des Marstalls zu.
Relativ schnell renoviert werden konnte Haus 11, das nicht so starke Bechädigun- gen aufwies. Schlimmer stand es um das heutige Haus 9, das ausgebrannt und ohne Kuppel war. Schwierig gestaltete sich die Einrichtung naturwissenschaftlicher Institute, die ohne Laboratorien nicht exixtieren können. Es kursierten abenteuerliche Pläne, u.a. wollte man ein Physikalisches Institut in den Neuen Kammern neben Schloß Sanssouci unterbnngen. Der Marstall und Haus 9 mußten in starkem Maße erneuert werden. Im Haus 9 wohnten 50 Aussiedlerfamilien, die neue Quartiere brauchten. Praktisch lehrte und studierte man in den folgenden Jahren an fast allen Orten des Parkes Sanssouci: im Neuen Palais, in den Römischen Bädern, in der Orangerie, in der Villa Liegmtz und in der Maulbeerallee.
Im Vergleich zu jenen Jahren sind die jetzt laufenden bzw. ms Haus stehenden Außen- und Innensanierungen der Communs ohne Zweifel leichter zu ertragen, obgleich auch sie Mitarbeitern und Studenten der Universität zeitweilige Belastungen bringen werden. Derzeit finden Oberflächen- und Dachsanierungen statt, Arbeiten im Innenbe-
Christo am Werk?
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Alle Welt wartet auf Ende Juno. Am 23, ist es soweit: Für 14 läge wird der Reichstag in Stoff verschwinden. Und für Christo geht ein langer Traum in Erfüllung. Doch so ein Projekt ist ja nicht ohne. Selbst für einen gestandenen Verpackungskünstler samt mithelfender Künstler-Ehefrau. Ob Christo vielleicht heimlich übt? Nicht gleich in Stoff, nein, erst in Plaste. Wo? In Potsdam könnte es sein, am Rande Sanssoucis. Nahe Berlin und dennoch sicher vor Entdeckung. Inmitten der Sanierungen an den Communsgebäuden könnte der Meister unerkannt bleiben. Hüllen über Hüllen gibt es hier. Doch Christos Hüllen sind es nicht, die die Universität Potsdam derzeit schmücken. Sonst hatte sie ihm ja den Ehrendoktor verliehen und nicht Humboldts!
De./Foto: Tribukeit
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PUTZ 4/95