Heft 
(1.1.2019) 04
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BALD IN ALTEM GLANZE

Die Communsgebäude werden saniert - zum Stand der Bau- und Umzugspläne

Diesen Anblick bot das heutige Haus 9 nach dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Archiv

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Zweimal in den letzten fünfzig Jahren hat es an den Potsdamer Communs vis ä vis vom Neuen Palais eine rege Bautätigkeit gegeben: Ende der 40er und jetzt in den 90er Jahren. Beiden Zeiten gemeinsam war eine Aufbruchstimmung - zwar unter­schiedlicher Motivation und Intention, doch gekennzeichnet von dem Wunsch, Lehre und Forschung den notwendigen materiellen Rahmen zu geben. Im Jahre 1948 erhielt die Brandenburgische Lan­deshochschule auf diesem Gelände ihr Domizil, seit 1991 beherbergen die Com­muns, die zum Weltkulturerbe gehören, Teile der Universität Potsdam. Den mehr als 200 Jahre alten Gebäuden aus der Zeit FHedrichs II. hat die Zeit inzwischen tüch­tig zugesetzt; ins Haus stehen längst fäl­lige Sanierungsarbeiten großen Stils. Die nächsten Jahre werden geprägt sein von Lärm und Staub, von Umzugskisten und weithin sichtbaren Verhüllungen, von Containern und Zusammenrücken, aber auch von wiedererstrahlenden Freitrep­pen und Reliefs, von Geschichten erzäh­lenden Göttinnen und Kriegern, und dem Willen der hier Ansässigen, den Genius loci näher zu ergründen.

Die hinter dem Neuen Palais gelegenen Communs-Villen (im Universitätsalltag als Haus 9 und 11 bezeichnet) dienten als Wirt­schaftsgebäude und Unterkünfte für die umfangreiche Dienerschaft des nach dem Siebenjährigen Krieg errichteten Neuen Palais, das von ihnen durch einen großen Hof getrennt ist. In den Jahren 1766-1769

nach Plänen des Rranzosen Legeay entstan­den, sollten die Communsdem Blick aus den Westfenstern (des Neuen Palais - d. Verf.) das wenig reizvolle Landschaftsbild nach Dorf Eiche verbergen. So jedenfalls schreibt Ludwig Sternaux inPotsdam. Ein Buch der Erinnerung. Sternaux ist es auch, der baugeschichtlich zuordnet:Römischer Erühklassizismus und französischer Barock mengen sich reizvoll in den beiden Häu­sern, so wenig sie zu dem englisch-hollän­dischen Stil des gegenüberliegenden Schlosses und seiner palladianischen Pi­lastergliederung passen. Die beiden Com­muns sind mit einer ehemals reich verzier­ten Kolonnade verbunden, die von einem Tri­umphbogen ge­teilt wird. Derzeit bietet diese Anla­ge, mit deren Sa­nierung 1981 be­gonnen wurde, in weiten Tbilen je­doch einen trost­losen Anblick.

Seit 1948 werden die Communs als wissenschaftliche Einrichtung ge­nutzt, denn nach dem Zweiten Weltkrieg berei­tete es große Schwierigkeiten, für eine Hoch­schule geeignete Räumlichkeiten zu finden. Die recht verwege­

nen Pläne des brandenburgischen Volks­bildungsministeriums, den ganzen Kom­plex - also Schloß, Communs und Marstall - zu nutzen, wurden vom damaligen Direk­tor der Staatlichen Schlösser und Gärten, dem Kunsthistoriker Prof. Dr. Willy Kurth, aus denkmalpflegerischen Gründen heftig abgelehnt. Schließlich einigte man sich dar­auf, daß einige Räume in der oberen Etage des Neuen Palais für Institutszwecke zur Verfügung gestellt werden (bis 1954), und Prof. Kurth stimmte nach langem Hin und Her der Nutzung der Communs und des Marstalls zu.

Relativ schnell renoviert werden konnte Haus 11, das nicht so starke Bechädigun- gen aufwies. Schlimmer stand es um das heutige Haus 9, das ausgebrannt und ohne Kuppel war. Schwierig gestaltete sich die Einrichtung naturwissenschaftlicher Institu­te, die ohne Laboratorien nicht exixtieren können. Es kursierten abenteuerliche Plä­ne, u.a. wollte man ein Physikalisches Insti­tut in den Neuen Kammern neben Schloß Sanssouci unterbnngen. Der Marstall und Haus 9 mußten in starkem Maße erneuert werden. Im Haus 9 wohnten 50 Aussiedler­familien, die neue Quartiere brauchten. Praktisch lehrte und studierte man in den folgenden Jahren an fast allen Orten des Parkes Sanssouci: im Neuen Palais, in den Römischen Bädern, in der Orangerie, in der Villa Liegmtz und in der Maulbeerallee.

Im Vergleich zu jenen Jahren sind die jetzt laufenden bzw. ms Haus stehenden Außen- und Innensanierungen der Communs ohne Zweifel leichter zu ertragen, obgleich auch sie Mitarbeitern und Studenten der Univer­sität zeitweilige Belastungen bringen wer­den. Derzeit finden Oberflächen- und Dach­sanierungen statt, Arbeiten im Innenbe-

Christo am Werk?

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Alle Welt wartet auf Ende Juno. Am 23, ist es soweit: Für 14 läge wird der Reichstag in Stoff verschwinden. Und für Christo geht ein langer Traum in Erfüllung. Doch so ein Projekt ist ja nicht ohne. Selbst für einen gestandenen Verpackungskünstler samt mithelfender Künstler-Ehefrau. Ob Christo vielleicht heimlich übt? Nicht gleich in Stoff, nein, erst in Plaste. Wo? In Potsdam könnte es sein, am Rande Sanssoucis. Nahe Berlin und dennoch sicher vor Entdeckung. Inmitten der Sanierungen an den Communsgebäuden könnte der Meister unerkannt bleiben. Hüllen über Hüllen gibt es hier. Doch Christos Hüllen sind es nicht, die die Universität Potsdam derzeit schmücken. Sonst hatte sie ihm ja den Ehrendoktor verliehen und nicht Humboldts!

De./Foto: Tribukeit

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PUTZ 4/95