NICHT NUR FÜR FORMALE GLEICHBERECHTIGUNG
Frauenförderplan der Uni soll in Zukunft Konturen erhalten
An den Hochschulen der Bundesrepublik sind Professorinnen nach wie vor selten vertreten. Frauen an akademischen Einrichtungen scheinen immer noch weniger Chancen als ihre männlichen Kollegen zu haben. Das gilt nicht nur für die Lehre und Forschung. Vor allem in den Verwaltungsbereichen herrschen oft ungleiche Verhältnisse. Analysen von Stellenstrukturen lassen diesen Schluß zu.
Anlaß genug für Monika Stein, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Potsdam, hartnäckig zu bleiben. Gemeinsam mit dem ihr zur Seite gestellten Gleichstellungsrat drängt sie auf die Erstellung eines längst fälligen Frauenförderplans. Dessen Vorbereitung ist eine der Aufgaben der gerade gebildeten Ständigen Senatskommission für Rauenförderung. Ihr gehören Vertreter aller Statusgruppen an. Wir konnten unsere Vorstellung verwirklichen, das Gremium nicht ausschließlich mit Rauen zu besetzen und damit der verbreiteten Auffassung, Rauenförderung sei Aufgabe der Rauen, entgegenwirken“, erzählt sie mit einigem Stolz.
Die konkrete Arbeit begann nun mit dem Anfang des Sommersemesters. Grundlage dafür bildet eine Einschätzung der Situation aller Mitarbeiterinnen an der Uni, und das sind immerhin 49,7% aller an der Alma mater Beschäftigten. Dazu gibt es erste Vorbereitungen. So erfaßt eine vom Dezernat I erstellte Statistik beispielsweise diesbezügliche quantitative und qualitative Parameter. „Wir sollten uns Tbilziele setzen“, erklärt Stein. Den Rauenförderplan versteht sie als ein universitätsspezifisches Instrument zur Umsetzung gesetzlicher Vorgaben. Enthalten sind diese unter anderem im Grundgesetz, Artikel Zwei, Hochschulrahmengesetz oder auch Landeshochschulgesetz. „Auch an der Potsdamer Universität bestehen Fachbereiche, deren Stu- dentinnen-Anteil zu wünschen übrig läßt“, konstatiert die studierte Deutsch/Russisch- Fachlehrerin. „Das hat zur Folge, daß auch in den nachfolgenden Qualifikationsstufen das weibliche Geschlecht seltener vertreten ist. Hier müssen sich die jeweiligen Institute, wenn sie mit den gesetzlichen Bestimmungen ernst machen wollen, Neues einfallen lassen: sowohl hinsichtlich der Attraktivität für Bewerberinnen als auch hinsichtlich ihrer späteren Förderung,“
Schließlich sei ein qualifiziertes weibliches Personal kein schlechter Ausweis für die Hochschule. Letztlich entwickle sich daraus auch wiederum ein TM der Professorenschaft.
Großen Wert legt Monika Stein auf eine parallel zu den Kommissions-Sitzungen laufende öffentliche Diskussion der Themen. Dabei hofft sie auf die Unterstützung durch die Gleichstellungsbeauftragten der Fakultäten, die sich vermutlich auch mit Widerständen auseinandersetzen müssen. Natürlich weiß die Pädagogin um die Kinderkrankheiten ihres Engagements, denn „häufig stehen die Anliegen der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen zu sehr im Vordergrund. Die Probleme der nichtwissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und der Studentinnen erfordern jedoch ebensolche Aufmerksamkeit.“
Die Erarbeitung des Rauenförderplans soll bis Sommer 1996 abgeschlossen werden. Darin, in welcher Weise auch immer, zu berücksichtigende Kriterien stehen schon heute fest. So spielen sicher die strukturelle Benachteiligung von Rauen bei Stellenbesetzungen, Berufungen und beruflichem
1
Der künftige Frauenförderplan der Uni Potsdam soll auch verstärkt die Belange der nichtwissenschaftlichen Mitarbeiterinnen berücksichtigen. Auf unserem Foto: Evelyn Spur, tätig in der Be- reichsbibliothek Am Neuen Palais. Foto: Tribukeit
Aufstieg, die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Profession sowie Ragen der Weiterbildung eine wesentliche Rolle. Hinzu kommen solche Aspekte wie die Notwendigkeit der Erhöhung des Studentinnenanteils in von ihnen unterrepräsentierten Studienfächern, die Institutionalisierung von Rauenforschung oder auch die vermehrte Förderung weiblicher Bewerber bei der Vergabe der Forschungs-Fördermittel. „Noch ist das alles Zukunftsmusik“, sagt Monika Stein. Damit sie bald Wirklichkeit wird, orientiert die Gleichstellungsbeauftragte auf einen zügigen Fortgang der Kommissions-Gespräche, EG.
VON DEN OSTERINSELN ÜBER BONN NACH POTSDAM
Der Botanische Garten der Universität Potsdam ist nun um eine Attraktion reicher. Er beherbergt seit kurzem einen Toromiro-Baum (Sophora toromiro) in seinen Gemäuern. Das noch zierliche Gewächs ist ein Gastgeschenk des Botanischen Gartens der Partnerstadt Bonn. Übergeben wurde es am 15. März dieses Jahres in der ehemaligen Bundeshauptstadt an Oberbürgermeister Grämlich. Der Anlaß: Der Potsdam Klub Bonn beging den fünften Jahrestag seines Bestehens.
Das Bäumchen hat eine ungewöhnliche Geschichte. Dessen „Vorfahren“ stammen von den im Stillen Ozean liegenden Osterinseln. Hier starben sie zunächst m den 50er Jahren aus. 1956 sichtete der große norwegische Zoologe und Völkerkundler Thor Heyerdahl die letzte Pflanze. Er brachte schließlich ihren Samen nach Göteborg mit. Über diesen Umweg gelangten vermutlich auch „Nachkommen" nach Bonn.
„Wir versuchen nun hierin Potsdam, den Winzling zu vermehren“, erklärte der Tbchnische Leiterder Uni-Einrichtung, Wolfgang Pifrement. Erste Stecklinge sind bereits abgenommen. Gelingt das Unterfangen, setzt es die Reihe enormer Leistungen Botanischer Gärten zur Erhaltung gefährdeter Pflanzen fort.
Übrigens, auf den Osterinseln sollen wieder ca. 100 der selten gewordenen Exemplare ausgesetzt werden, um sie in ihrer ursprünglichen Heimat erneut anzusiedeln. PG./Foto: Rüffert
ÖFFNUNGSZEITEN
DES BOTANISCHEN GARTENS:
Gewächshäuser
Sommerhalbjahr (1. April bis 30. September), täglich 9.30-17.00 Uhr Winterhalbjahr (l.Oktober bis 31. März) täglich 9.30-16,00 Uhr
Reilandanlagen
Sommerhalbjahr (1. April bis 30. September), täglich 8.00-17.00 Uhr 1. bis 31. Oktober, täglich 8.00-16.00 Uhr
PUTZ 4/95
Seite 13