Heft 
(1.1.2019) 05
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Gauck-Überprüf ungen

Die Überprüfung der Mitarbeiter an der Universität Potsdam auf eine eventuelle frü­here Zusammenarbeit mit dem Ministenum für Staatssicherheit (MfS) durch die Gauck- Behörde geht zügig voran. Mitte Mai dieses Jahres waren 82 Prozent der Anträge bear­beitet. Insgesamt wurde die Überprüfung von 1.561 Mitarbeitern aus Ost und West beantragt, von denen in der Zwischenzeit 150 ausgeschieden sind. Sie taten das aus den unterschiedlichsten Gründen, so daß diese Zahl nichts über das Ausscheiden von Mitarbeitern aufgrund eines belasten­den Befundes der Gauck-Behörde aussagt. Interessant ist die Angabe lediglich vor dem Hintergrund, daß nach dem zwischen­zeitlichen Ausscheiden von 150 Personen noch 1.411 Anträge in der Bearbeitung blie­ben, von denen Mitte Mai 1.153 Bescheide bei der Universität Potsdam eingegangen waren. Von diesen 1.153 überprüften Perso­nen mußten die Dienstverhältnisse dreier Professoren und neun wissenschaftlicher Mitarbeiter aufgrund einer Stasi-Belastung aufgelöst werden. Zwei weitere Professo­renfälle wurden noch bearbeitet. Hg.

Klein neuer Prodekan

Der bisherige Prodekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Michael Sachs, hat zum 1. April 1995 die Universität Potsdam verlas­sen. Der Fakultätsrat wählte daraufhin am 12. April 1995 den Amtsnachfolger. Im Er­gebnis dessen übernahm mit sofortiger Wirkung Prof. Dr. Eckart Klein, Inhaber des Lehrstuhls für Staats-, Völker- und Europa­recht und gleichzeitig Direktor des Men­schenrechtszentrums, die Funktion.

Urania-Chef

Zum neuen Vorsitzenden des Urania-Ver­eins Wilhelm Foerster Potsdam wurde im März 1995 Prof. Dr. Hans Oleak gewählt. Damit tritt er die Nachfolge des Geogra­phen Prof. Dr. Klaus Bürger an. Der 1930 geborene Astrophysiker hielt kürzlich seine Antrittsvorlesung als Vorsitzender zum The­maDunkle Materie - Ist der Kosmos von unsichtbaren Massen gezeichnet?' 1 . Seit 1992 lehrt der Wissenschaftler Theoreti­sche Physik und Astrophysik an der Univer­sität Potsdam. Er ist Mitarbeiter am WIP- ProjektKompakte Galaxiengruppen.

Jubiläum

Aus Anlaß des 60. Geburtstages von Prof. Dr. Karl-Heinz Rädler ehrte das Astrophysi- kalische Institut, eine mit der Universität Potsdam kooperierende Einrichtung, sei­nen Direktor mit einem Kolloquium. Der stu­dierte Physiker nimmt eine Professur für das Gebiet Astrophysik (Kosmische Ma­gnetfelder, Sonnen- und Sternaktivität) wahr. Diese Berufung erfolgte gemeinsam von Universität und Institut.

Als Flaneur durch Potsdam

Wie kaum ein zweiter Literat läßt Ludwig Sternaux( 1885-1938) das Bild des unzerstör- ten Potsdam vor dem Auge seiner Leser entstehen. Fünf Bücher hat der bekannte Berliner Journalist in den Jahren 1924 bis 1938 über diese Stadt geschrieben. Sie alle erfreuen sich großer Gunst bei Potsdam- Liebhabern und waren nicht nur in der ehe­maligen DDR eine Rarität. Sternaux ent­stammte einer Hugenottenfamilie, studier­te und arbeitete in Berlin. Waren seine Vor­fahren einst aufgrund des Toleranzediktes nach Preußen gekommen, mußten seine Frau und Tochter - er selbst starb 1938 - in den Dreißigern emigneren. Was Sternaux' Ttexte bis heute auszeichnet und wohl so beliebt macht, sind Sachkunde, Detailtreue und die Leichtigkeit des Tons. Ausgespart bleiben weder Stimmungsbilder, noch Schwärmereien, noch Geschichte und Ge- schichtchen über die Bewohner. Als die Stadt 1989 wieder für alle einfach erreich­bar war, gehörte ein Sternaux-Band einfach dazu. Der aram-Verlag hatte sich dieser Aufgabe angenommen und eine Auswahl derheute noch gültigen und reizvollsten Potsdam-Ttexte", versehen mit einem fakten­reichen Vorwort von Georg Holmsten, be­sorgt. Seit 1990 hat das Buch jedes Jahr eine Neuauflage erlebt und wird inzwischen für wenige Mark angeboten. Zehn Aufsätze vereint der BandPotsdam. Als Flaneur durch die tausendjährige Stadt. Vörgestellt werden die drei königlichen Parkanlagen mit den dazugehörigen Schlössern: Sans­souci und das Neue Palais, der Neue Gar­

ten und das Marmorpalais und auch Ba­belsberg. Eigene Kapitel sind Charlotten­hof, der Eriedenskirche und dem Küchen­gartenMarly gewidmet. Das Eingangs­kapitel, Welt Potsdam" überschrieben, wird all jene besonders rühren, die der Stadt mit dem Herzen verbunden sind. Selbst distan­ziertere Naturen werden sich der Beschrei­bung der Silhouette dieser Stadt, die Sternaux gleich einem Fächer aufgehen läßt, wohl nicht entziehen können. Eine Chronik der Stadt schließt sich an und führt den Leser zeitlich bis zum Einmarsch des Schwedenkönigs Gustav Adolf 1631 in den damals kleinen Ort. Ein letztes Kapitel trägt den NamenPotsdamer Veduten und läßt ähnlich dem ersten noch einmal Pots­dam als Ganzes erstehen. Mit Trauer nimmt man zur Kenntnis, was an Bauten für immer verloren ist, wieviel Kostbarkeiten dringen­der Sanierung bedürfen und daß das Geld nie reichen wird... Das romantische Pots­dam tut sich vor dem Auge des aufmerksa­men Lesers auf und ist im Jahre '95 von besonderer Aktualität, begeht die Stadt doch den 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm JV - Das Büchlein ist immer gut zum Lesen, mit und ohne historischen An­laß, und auch jenen zu empfehlen, die neu nach Potsdam kommen und bleiben. De. Ludwig Sternaux, Potsdam. Als Flaneur durch die tausendjährige Stadt, heraus­gegeben und mit einem Vorwort versehen von Georg Holmsten, Zeichnungen von Paul Winkler-Leers, arani-Verlag 1990,197 Seiten.

Vereine im Umbruch?

Kultureller Wandel wird nicht unwesentlich von Jugendlichen bestimmt. Junge Leute beeinflussen auch maßgeblich die Entwick­lungsrichtungen des Sportes. Zahlen über die Zunahme von Sporttreibenden und Sportaktivitäten belegen das Wachstum dieses Bereiches in den letzten Jahrzehn­ten. Zwei Sportwissenschaftler, Jürgen Baur und Wolf-Dietrich Brettschneider, gehen in dem BuchDer Sportverein und seine Ju­gendlichen der Frage nach, ob sich Sport­vereine verändern müssen, wenn sie den Interessen der Jugendlichen heute gerecht werden wollen. Die Autoren finden Antwor­ten, indem sie einerseits die Interessenla­ge der Jugendlichen differenziert beschrei­ben und andererseits die Möglichkeiten und Grenzen einer vereinsorientierten Ju­gendarbeit bestimmen. So gelangen sie zu dem Schluß, daß sich die Jugendarbeit im Sportverein nicht in einem multifunktiona­len sportlichen Dienstleistungsangebot er­schöpfen kann. Die Aktivität und das Enga­gement der Jugendlichen selbst seien wich­tige Voraussetzungen für eine funktionieren­

de Arbeit auf diesem Gebiet. Bei der Publi­kation handelt es sich um eine Studie, mit der der zweite Tfeil des Äbschlußbenchtes zum ForschungsprojektReanalysen von Jugend- und- Sport-Untersuchungen - Päd­agogische Konsequenzen für die Jugendar­beit in Sportvereinen" vorgelegt wird. Täbel- len, Übersichten und Diagramme veran­schaulichen die Forschungsergebnisse. Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider ist Inhaber des Lehrstuhls Sportpädagogik am Institut für Sportwissenschaft der Freien Universität Berlin. Prof. Dr. Jürgen Baur lei­tet den Lehrstuhl für Sportsoziologie/Sport- anthropologie am Institut für Sportwissen­schaft der Universität Potsdam. Seine Ar­beitsschwerpunkte liegen in der Sozialisa- tions- und Lebenslaufforschung. Als Mit­glied und Flmktionsträger in verschiedenen Verbandsgremien ist er ein Kenner von Sportorganisationen. B.E.

Jürgen Baur, Wolf-Dietrich Brettschneider: Der Sportverein und seine Jugendlichen, Edition Sport & Wissenschaft, Band 19, Aachen 1994, 29,80 DM.

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