Gauck-Überprüf ungen
Die Überprüfung der Mitarbeiter an der Universität Potsdam auf eine eventuelle frühere Zusammenarbeit mit dem Ministenum für Staatssicherheit (MfS) durch die Gauck- Behörde geht zügig voran. Mitte Mai dieses Jahres waren 82 Prozent der Anträge bearbeitet. Insgesamt wurde die Überprüfung von 1.561 Mitarbeitern aus Ost und West beantragt, von denen in der Zwischenzeit 150 ausgeschieden sind. Sie taten das aus den unterschiedlichsten Gründen, so daß diese Zahl nichts über das Ausscheiden von Mitarbeitern aufgrund eines belastenden Befundes der Gauck-Behörde aussagt. Interessant ist die Angabe lediglich vor dem Hintergrund, daß nach dem zwischenzeitlichen Ausscheiden von 150 Personen noch 1.411 Anträge in der Bearbeitung blieben, von denen Mitte Mai 1.153 Bescheide bei der Universität Potsdam eingegangen waren. Von diesen 1.153 überprüften Personen mußten die Dienstverhältnisse dreier Professoren und neun wissenschaftlicher Mitarbeiter aufgrund einer Stasi-Belastung aufgelöst werden. Zwei weitere Professorenfälle wurden noch bearbeitet. Hg.
Klein neuer Prodekan
Der bisherige Prodekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Michael Sachs, hat zum 1. April 1995 die Universität Potsdam verlassen. Der Fakultätsrat wählte daraufhin am 12. April 1995 den Amtsnachfolger. Im Ergebnis dessen übernahm mit sofortiger Wirkung Prof. Dr. Eckart Klein, Inhaber des Lehrstuhls für Staats-, Völker- und Europarecht und gleichzeitig Direktor des Menschenrechtszentrums, die Funktion.
Urania-Chef
Zum neuen Vorsitzenden des Urania-Vereins Wilhelm Foerster“ Potsdam wurde im März 1995 Prof. Dr. Hans Oleak gewählt. Damit tritt er die Nachfolge des Geographen Prof. Dr. Klaus Bürger an. Der 1930 geborene Astrophysiker hielt kürzlich seine Antrittsvorlesung als Vorsitzender zum Thema „Dunkle Materie - Ist der Kosmos von unsichtbaren Massen gezeichnet?' 1 . Seit 1992 lehrt der Wissenschaftler Theoretische Physik und Astrophysik an der Universität Potsdam. Er ist Mitarbeiter am WIP- Projekt „Kompakte Galaxiengruppen“.
Jubiläum
Aus Anlaß des 60. Geburtstages von Prof. Dr. Karl-Heinz Rädler ehrte das Astrophysi- kalische Institut, eine mit der Universität Potsdam kooperierende Einrichtung, seinen Direktor mit einem Kolloquium. Der studierte Physiker nimmt eine Professur für das Gebiet Astrophysik (Kosmische Magnetfelder, Sonnen- und Sternaktivität) wahr. Diese Berufung erfolgte gemeinsam von Universität und Institut.
Als Flaneur durch Potsdam
Wie kaum ein zweiter Literat läßt Ludwig Sternaux( 1885-1938) das Bild des unzerstör- ten Potsdam vor dem Auge seiner Leser entstehen. Fünf Bücher hat der bekannte Berliner Journalist in den Jahren 1924 bis 1938 über diese Stadt geschrieben. Sie alle erfreuen sich großer Gunst bei Potsdam- Liebhabern und waren nicht nur in der ehemaligen DDR eine Rarität. Sternaux entstammte einer Hugenottenfamilie, studierte und arbeitete in Berlin. Waren seine Vorfahren einst aufgrund des Toleranzediktes nach Preußen gekommen, mußten seine Frau und Tochter - er selbst starb 1938 - in den Dreißigern emigneren. Was Sternaux' Ttexte bis heute auszeichnet und wohl so beliebt macht, sind Sachkunde, Detailtreue und die Leichtigkeit des Tons. Ausgespart bleiben weder Stimmungsbilder, noch Schwärmereien, noch Geschichte und Ge- schichtchen über die Bewohner. Als die Stadt 1989 wieder für alle einfach erreichbar war, gehörte ein Sternaux-Band einfach dazu. Der aram-Verlag hatte sich dieser Aufgabe angenommen und eine Auswahl der „heute noch gültigen und reizvollsten Potsdam-Ttexte", versehen mit einem faktenreichen Vorwort von Georg Holmsten, besorgt. Seit 1990 hat das Buch jedes Jahr eine Neuauflage erlebt und wird inzwischen für wenige Mark angeboten. Zehn Aufsätze vereint der Band „Potsdam. Als Flaneur durch die tausendjährige Stadt“. Vörgestellt werden die drei königlichen Parkanlagen mit den dazugehörigen Schlössern: Sanssouci und das Neue Palais, der Neue Gar
ten und das Marmorpalais und auch Babelsberg. Eigene Kapitel sind Charlottenhof, der Eriedenskirche und dem Küchengarten „Marly“ gewidmet. Das Eingangskapitel, Welt Potsdam" überschrieben, wird all jene besonders rühren, die der Stadt mit dem Herzen verbunden sind. Selbst distanziertere Naturen werden sich der Beschreibung der Silhouette dieser Stadt, die Sternaux gleich einem Fächer aufgehen läßt, wohl nicht entziehen können. Eine „Chronik der Stadt“ schließt sich an und führt den Leser zeitlich bis zum Einmarsch des Schwedenkönigs Gustav Adolf 1631 in den damals kleinen Ort. Ein letztes Kapitel trägt den Namen „Potsdamer Veduten“ und läßt ähnlich dem ersten noch einmal Potsdam als Ganzes erstehen. Mit Trauer nimmt man zur Kenntnis, was an Bauten für immer verloren ist, wieviel Kostbarkeiten dringender Sanierung bedürfen und daß das Geld nie reichen wird... Das romantische Potsdam tut sich vor dem Auge des aufmerksamen Lesers auf und ist im Jahre '95 von besonderer Aktualität, begeht die Stadt doch den 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm JV - Das Büchlein ist immer gut zum Lesen, mit und ohne historischen Anlaß, und auch jenen zu empfehlen, die neu nach Potsdam kommen und bleiben. De. Ludwig Sternaux, Potsdam. Als Flaneur durch die tausendjährige Stadt, herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Georg Holmsten, Zeichnungen von Paul Winkler-Leers, arani-Verlag 1990,197 Seiten.
Vereine im Umbruch?
Kultureller Wandel wird nicht unwesentlich von Jugendlichen bestimmt. Junge Leute beeinflussen auch maßgeblich die Entwicklungsrichtungen des Sportes. Zahlen über die Zunahme von Sporttreibenden und Sportaktivitäten belegen das Wachstum dieses Bereiches in den letzten Jahrzehnten. Zwei Sportwissenschaftler, Jürgen Baur und Wolf-Dietrich Brettschneider, gehen in dem Buch „Der Sportverein und seine Jugendlichen“ der Frage nach, ob sich Sportvereine verändern müssen, wenn sie den Interessen der Jugendlichen heute gerecht werden wollen. Die Autoren finden Antworten, indem sie einerseits die Interessenlage der Jugendlichen differenziert beschreiben und andererseits die Möglichkeiten und Grenzen einer vereinsorientierten Jugendarbeit bestimmen. So gelangen sie zu dem Schluß, daß sich die Jugendarbeit im Sportverein nicht in einem multifunktionalen sportlichen Dienstleistungsangebot erschöpfen kann. Die Aktivität und das Engagement der Jugendlichen selbst seien wichtige Voraussetzungen für eine funktionieren
de Arbeit auf diesem Gebiet. Bei der Publikation handelt es sich um eine Studie, mit der der zweite Tfeil des Äbschlußbenchtes zum Forschungsprojekt „Reanalysen von Jugend- und- Sport-Untersuchungen - Pädagogische Konsequenzen für die Jugendarbeit in Sportvereinen" vorgelegt wird. Täbel- len, Übersichten und Diagramme veranschaulichen die Forschungsergebnisse. Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider ist Inhaber des Lehrstuhls Sportpädagogik am Institut für Sportwissenschaft der Freien Universität Berlin. Prof. Dr. Jürgen Baur leitet den Lehrstuhl für Sportsoziologie/Sport- anthropologie am Institut für Sportwissenschaft der Universität Potsdam. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Sozialisa- tions- und Lebenslaufforschung. Als Mitglied und Flmktionsträger in verschiedenen Verbandsgremien ist er ein Kenner von Sportorganisationen. B.E.
Jürgen Baur, Wolf-Dietrich Brettschneider: Der Sportverein und seine Jugendlichen, Edition Sport & Wissenschaft, Band 19, Aachen 1994, 29,80 DM.
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