reichte und in seiner Breite dem multidisziplinären Ansatz entsprach, der zum Verständnis der komplexen Prozesse, die in Polarregionen ablaufen, notwendig ist. Besonders deutlich wurde dieser multidisziplinäre Ansatz in Beiträgen, die über die wissenschaftlichen Arbeiten in der Laptev-See und der sie umgebenden sibirischen Landregion handelten. In dieser Region werden in deutsch-russischer Zusammenarbeit seit einigen Jahren Forschungsprojekte durchgeführt, durch die die Umweltveränderung während der jüngsten Erdgeschichte sowie die Bedeutung dieser Region für die Büima- entwicklung unserer Erde, auch unter dem Gesichtspunkt des Treibhauseffektes, untersucht werden.
Die Rolle der Laptev-See als Eisfabrik des arktischen Ozeans wird von Arbeitsgruppen verschiedener Institute und Universitäten unter Nutzung von russischen Forschungsschiffen und des Eisbrechers „Polarstern” in jährlichen Expeditionen untersucht. Dabei arbeiten Meeresgeologen und -biologen eng mit Ozeanographen, Physikern, Chemikern und Atmosphärenforschern zusammen. Bei der Tägung wurden unter anderem neue Ergebnisse vorgestellt, die sich mit dem Süßwasser und Matenal- emtrag in die Laptev-See durch die einmündenden Flüsse Lena und Yana und die damit verbundene spezielle hydrographische
Situation in den flachen Schelfbereichen befassen. Die Aufnahme von Sediment- material in das Meereis der Laptev-See war ein weiteres Thema. Da dieses Meereis mit der transpolaren Drift bis in den Nordatlantik transportiert wird und dort beim Schmelzen die Sedimentfracht zum Meeresboden absinkt, ist das Verständnis dieser Prozesse von besonderer Bedeutung für die Rekonstruktion der Änderung von Meeresströmungen und Erischwasserzufuhr während vergangener Warm- und Kaltzeiten. Ebenfalls von verschiedenen deutschen und russischen Arbeitsgruppen wird seit 1993 versucht, die natürlichen Umweltveränderungen, die während der Klimaschwankungen der jüngsten Erdgeschichte abliefen, auf die westlich an die Laptev-See angrenzende Täimyr-Halbinsel zu verstehen. Dabei wird mit Datenarchiven wie Profilen in Permafrostböden oder Bohrkernen aus den Ablagerungen von Seen die Umweitsituation unter Klimabedingungen der Vergangenheit rekonstruiert. Aus einem See in der Umgebung der Bergwerkstadt Norilsk wurde ein Pollendiagramm der letzten rund 15.000 Jahre vorgestellt, in dem die Verschiebung der Vegetationszonen dokumentiert ist. Nach dem Ende der letzten Eiszeit hat sich von Süden her eine Waidvegetation in diese Region bewegt, die auch heute noch als typische Täiga vorherrscht. Offensichtlich hat
sich das Klima in den letzten 2500 Jahren jedoch wieder verschlechtert und seither zu einer langsamen Abnahme der Baumvegetation geführt.
Die vorgestellten Ergebnisse haben gezeigt, daß nicht nur der multidisziplinäre Ansatz dieser Projekte, sondern auch die Verknüpfung der Untersuchungen an Land, auf dem Schelf und im tiefen Ozean zum Verständnis der Reaktion einer Region auf Klimaänderungen notwendig sind. Nur damit kann es gelingen, mögliche Umweltveränderungen in der Zukunft, die durch den Eingriff des Menschen in das System Erde entstehen, abzuschätzen oder zu prognostizieren.
Am 20. März wurde die Tägung durch eine Halbtagsexkursion unterbrochen, die in die Umgebung von Potsdam führte. Prof. Dr. Roland Weiße gab den Tteilnehmern dabei einen Überblick über die Zeugen der Vergangenheit, die aus einer Zeit stammen, in der das Bild dieser Region durch von Norden her vorstoßende Gletscher geprägt wurde. Zum Abschluß der Tägung fanden dann noch zwei weitere ganztägige Exkursionen statt, bei der die Landschaftsentwicklung der Havelniederung und der Gegend um Neuruppin und Rheinsberg gezeigt wurden. Auf besonderes Interesse stieß dabei der Besuch der Alfred-Wegener- Gedenkstätte in Zechlmer Hütte.
Hans-Wolfgang Hubberten
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PUTZ 4/96
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