Heft 
(1.1.2019) 05
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Campus

Vom Rapier in die Köpfe:

1. Europatag an der Uni.2

Wechselnde Farben für die PUTZ?.3

PUTZ goes online.3

Haushaltsdiskussion.4

Ehrenkolloquium für Prof. Klingberg.4

EinThink tank für die Zukunft:

Australientag an der Uni.5

Euler-Vorlesung 1996 .6

Sollte es nur bey seinem Leben dauern?

Antrittsvorlesung Giersberg.7

Von süßen und grausigen Geheimnissen

Antrittsvorlesung Prof. Stölting.7

Jedem sein eigenes Kunstwerk.8

Die Fusion im Visier.9

Ftauenfreundlicheres Klima schaffen.9

Belastbarkeit der Wirbelsäule.10

Kein Interesse an Austausch.11

Ohne Schauklappen in neue Sphären.... 11

Strukturgleichungsmodelle.12

Welchen Wert hat heute Bildung?.13

Ost und West im Wandel.13

Politikoptionen für die Währungsunion .... 14

Aus dem Senat berichtet.14

Titel:

Kurze Studienzeiten sollen auch künftig Markenzeichen sein. 15/16

Wissenschaft aktuell Erforschung von Fünktionsabläufen

in Pflanzen.16

Internationale Sommerschule:

Ökonomie und Komplexität.18

Studiosi

TUtorien als Starthilfe.19

Unter einem Dach..20

Neuer Fachschaftsrat.20

Zukunftsstandort Potsdam in Gefahr.20

Sprachstudien in den USA.20

Total begeistert" von Brighton.21

Promotionsstipendium ausgeschneben ..21

Soziologiestudium mit Diplomabschluß .. 22

Soldatenstuben zu Studentenbuden.22

Preis der Hanns Seidel Stiftung.22

In 5 Jahren fast verzehntfacht.22

Studienpreis der Körber-Stiftung.23

Neues Berufsbild in Deutschland?.23

Geld für Hilfskräfte.23

Personalia

Rufe.24

Leiterin des Fontane-Archivs.24

Der Weg zur Einheit.24

Wissenschaftspreis für Prof. Kleger.24

Promotionen.25

Japan.-amerikan. Autorin zu Gast.25

Gast aus Holland.25

Buchtips.26

Kultur.27-30

Sport.31/32

Infothek.31

Impressum.31

VOM PAPIER IN DIE KÖPFE

Zum ersten Europatag an der Uni

Im Mai 1950 verkündete der damalige französische Außenminister Robert Schumann die Bereitschaft seiner Regierung zur gemeinsamen Politik mit der deutschen Seite im Mon­tanbereich. Nur fünf Jahre nach Kriegsende führte dieser sicherheits- und friedens­stiftende Plan 1951 in Paris zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Damit schlug die Geburtsstunde der europäischen Einigung auf wirtschaft­lichem Gebiet. Die zunächst sechs Staaten riefen 1957 in Rom die Europäische Wirt­schaftsgemeinschaft (EWG) ins Leben. Mit Inkrafttreten des Vertrages von Maastricht 1993 steht die europäische Integration durch die Errichtung der Europäischen Union (EU) mit ihren derzeit 15 eingebundenen Staaten nun vor neuen Herausforderungen.

Die Vorstellungen allerdings, wie diese Union aussehen und auf welcher Grundlage sie sich vollziehen soll, sind höchst un­terschiedlich. Wirtschafts- und Währungs­union, der Beitritt Schwedens, Finnlands und Österreichs zur EU, die Staaten des östlichen Mitteleuropas, die. südlichen Mit­telmeeranrainer, die Vereinigten Staaten von Europa - das sind Schlagworte, die sich mit dem schnell verändernden Konti­nent verbinden. Akzeptanz-, Erklärungs­und auch Demokratiedefizite sind bei der Umsetzung des Maastrichter Vertrages nicht selten erlebbar.

Das Land Brandenburg kann bei der Ost­erweiterung der EU aufgrund seiner geo­graphischen Lage und seiner historischen Traditionen eine wichtige Brückenfunktion übernehmen. Dabei steht nicht zuletzt die Universität Potsdam in der Verantwortung. Die Hochschule entwickelte ein Netz von Beziehungen zu Ländern der EU. Absolvie­ren doch allein 100 in Potsdam Studieren­de im akademischen Jahr 1995/96 einen Tteil ihrer Ausbildung im europäischen Ausland oder nehmen dort an Programmen teil. An­dererseits studieren 100 Ausländer für kür­zere oder längere Zeit in Potsdam. Der pol­nische TMzeitstudent Robert Sochacki z.B. belegt gegenwärtig die Fä­cher Germanistik und Geschichte an der Universität Potsdam. Er bedauert, daß sich nach seiner Erfahrung nur relativ wenige Jugendliche, insbesondere in den an Polen grenzenden Ländern, für seine Heimat und deren Geschichte interessieren. Die ge­

samte europäische Historie müsse stärker in das Bewußtsein gerückt werden, damit die Menschen mehr Verständnis füreinan­der aufbringen könnten.

Um einen Beitrag zur öffentlichen Diskussi­on über die europäische Integration zu lei­sten, veranstaltete die Universität Potsdam Anfang Mai 1996 ihren 1. Europatag, Die Alma mater beteiligte sich mit der wissen­schaftlichen Konferenz an der diesjährigen bundesweiten Europawoche. Der Initiator der Tägung, Prof. Dr. Eckart Klein, Inhaber des Lehrstuhls für Staats-, Völker- und Euro­parecht an der Uni, übernahm deren wis­senschaftliche Leitung, der Potsdamer In- novations- und Technologietransfer (PITT) die Organisation. Die Konferenz verstand sich ausdrücklich nicht in erster Linie als Fachtagung, sondern als offenes Forum für Historiker, Juristen, Wirtschafts- und Sozial­wissenschaftler, Studierende sowie Vertre­ter aus Politik und Wirtschaft. Rund 140 Tfeil- nehmer fanden den Weg nach Potsdam, um in einen Gedankenaustausch unter dem MottoEuropa auf dem Rapier - Europa in den Köpfen zu treten.

Für viele im Osten wie im Westen war die deutsche Tbilung fest zementiert, Das be­deutete gleichzeitig eine europäische Tren­nung. Zahlreiche kleine Schritte trügen da­zu bei, so Klein, diesen Zustand im Denken zu überwinden. Die Tätsache, daß beispiels­weise kein Rechtsgebiet vom Europarecht unbeeinflußt bleibe, müsse in den Lehrver­anstaltungen der Juristen-Ausbildung stärke­re Berücksichtigung finden. Auch wenn noch nicht alle Träume erfüllt seien, würde unser Leben viel stärker von Europa geprägt, als wir es uns vielfach vergegenwärtigten.

Wenn von Europa die Rede sei, würden nach Erfahrungen der ehemaligen Ministerpräsiden­tin Polens, Dr. Hanna Sucho- cka, dabei oftmals die östlichen Länder vernachlässigt. Sie be­obachte voneinander abwei­chende Sichtweisen diesbe­züglich in Ost- bzw. West­deutschland.Wir müssen uns kennenlernen, so ihre Schluß­folgerung. Die Staatssekretärin

Mußten in den fünfziger Jahren Touristen und Dienstreisende Einreise- und Transitvisa beim Überqueren europäischer Gren­zen vorlegen, so ist dafür heute oftmals nicht einmal mehr der Europa-Paß erforderlich. Foto: zg

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PUTZ 5/96