CAMPUS
WIE HALTEN SIE ES MIT DEM THEATER?
Empirische Projekte zum Kulturmarketing an der Uni
Unterschieden zwischen den einzelnen Fächern. Die Perspektive für den weiteren Ausbau aber verschiebe sich fast täglich: Aktuell wäre der Wissenschaftsminister im Jahre 2005 angelangt, wenn er von einer 90prozen- tigen Ausbaustufe der Universität Potsdam sprechen würde. Die Entwicklung sei durch die desolate finanzielle Lage des Landes zum Stillstand gekommen und biete derzeit keine Perspektive - was sich vor allem in einigen Studiengängen schlimm auswirkte, in denen die Studierenden jetzt ins Hauptstudium kämen und die dafür vorgesehenen und erforderlichen Professoren fehlten. Erfreuliches gab es bezüglich der Bearbeitung der Anträge für die Mitarbeiter der Universität bei der Gauck-Behörde zu berichten: Von den insgesamt 1.310 eingereichten Anfragen waren zum 1. Juli 1996 nur noch 40 offen, wobei zu berücksichtigen ist, daß es ständig neue Anträge für neu eingestellte Mitarbeiter gibt.
Als Arbeitsschwerpunkte des Rektorates zählte der Rektor die angestrebte Konsolidierung der Hochschule sowie das Ziel, die Universität fit zu machen für eine verstärkte Konkurrenz zwischen den Hochschulen speziell der Region Berlin-Brandenburg, auf. Dazu gehöre eine Überprüfung der strukturellen Ausrichtung der Interdisziplinären Zentren, der einzelnen Fächer und der zentralen Betriebseinheiten, ein Schärfen der Profile und eine Verbesserung der Qualität in der Lehre. Die aktuellen Prioritäten dieses Jahres - z.B. die Umbildung des Zentrums für Lehr- und Lernforschung zu einem Zentrum für Lehrerbildung, die Umbildung des Sprachenzentrums sowie eine Reorganisation des Bereiches für Sport und Kultur - seien jedoch zunehmend überlagert durch finanzielle Probleme. Loschelders Fazit: Der Spielraum wird immer enger, die Luft sehr, sehr dünn. Dem Land warf der Rektor vor, daß es keine Prioritäten hinsichtlich seiner Zukunftsressourcen, der Wirtschaft im Verbund mit der Wissenschaft und der Ausbildung der nächsten Generation, setzen würde. Dem Wissenschaftsministerium lastete er Konzeptionslosigkeit an, wobei er als aktuelles Beispiel auf die vom MWFK gewünschte und nicht mit der Universität abgestimmte Einstellung des Diplomstudienganges Geographie verwies: Diese sei in der vom MWFK eingeschlagenen Form nicht nur rechtswidrig, sondern würde aufgrund des weiter bestehenden Magisterstudienganges Geographie auch keine Einsparpotentiale bieten, Zudem wären die Unterlagen an interessierte Studierende bereits versandt. Vor diesem Hintergrund regte ein studentisches Konzilsmitglied an, daß die Professoren im kommenden Wintersemester in ihren Veranstaltungen auf die geplanten Kürzungen und ihre Auswirkungen aufmerksam machen und die Studierenden auf diese Weise informieren sollten. Hg.
PUTZ 7/96
Seit kurzem gibt es die Theaterzeitung „Spielzeit“. Sie liegt monatlich einer Potsdamer Tageszeitung bei. Dieser neue Service ist nicht zuletzt einer von Theater und Potsdamer Universität durchgeführten Umfrage zu verdanken.
Empirische Studien zum Kulturmarketing gehören zu den Aktivitäten Ingo Balderjahns, seiner Mitarbeiter und Studierenden. Der Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing widmet sich dem Gegenstand, weil „der Marketinggedanke m den Kulturbereich insgesamt nur zögerlich Einzug hält". Publikumsbefragungen, die eine Analyse von Ansprüchen, Motiven und Gründen für Akzeptanz oder Nichtakzeptanz erlauben, seien bisher relativ selten. Auch deshalb untersuchten 14 Studierende des Faches Marketing im Rahmen des Marktforschungspraktikums „Kulturmanagement und Kulturmarketing" im Sommersemester 1995 Image und Akzeptanz ausgewählter Potsdamer Kulturveranstaltungen. Sie konnten Erfahrungen bei Befragungen vom Erstellen des Fragebogens bis zur Ergebnisdokumentation sammeln.
Nach Analyse der Reihe „Potsdamer Arkadien“ entstand die Idee, eine Besucherbefragung im Hans Otto Theater Potsdam in Angriff zu nehmen. Im Februar 1996 beteiligten sich daran 222 Personen. Sie füllten vor Ort im Theater standardisierte Bögen aus mit Fragen zum Besucherverhalten, zur Öffentlichkeitsarbeit sowie zum Kartenkaufverhalten. An der Uni erfolgte dann die Datenauswertung, und zwar nicht zum Selbstzweck. Die Marketingverantwortliche des Theaters, Silvia Pickert, betrachtet die Umfrageergebnisse als äußerst wertvoll für ihre Arbeit. „Mein Marketingkonzept fußt auch auf diesen Studien der Uni." Die zahlreichen
Hinweise und Anregungen „haben Auswirkungen darauf, wie wir den Spielplan gestalten, gezielt Besuchergruppen ansprechen, informieren und ihre Interessen berücksichtigen", so Pickert.
Zu wichtigen Anhaltspunkten aus der Erhebung gehören: Über die Hälfte der Befragten sind jünger als 35 Jahre. Als Wohnort gaben 59 Prozent Potsdam, 20 Prozent Berlin an. Nur fünf Prozent der Angesprochenen besitzen ein Abonnement. Die Forderung nach einem Theaterneubau unterstützten damals 73 Prozent,
Der Besucherbefragung schloß sich im Juni des gleichen Jahres eine Bürgerbefragung von 250 Potsdamern an. „Nachdem wir jene um Auskunft baten, die das Kulturleben der Stadt aktiv nutzen, wollten wir auch Meinungsäußerungen von denen, die diesbezüglich eher zurückhaltender sind", begründet die mit der Projektdurchführung beauftragte Simone Will von der Alma mater das Anliegen. Diesmal fungierten die Studierenden als Interviewer. Aufschlußreich auch hier die Ergebnisse. 50 Prozent gaben an, noch nie eine Aufführung des Hans Otto Theaters und 60 Prozent noch nie eine Berliner Bühne besucht zu haben. Deutlich wird auch das Problem des Theaterhauses in der Landeshauptstadt. Denn 86 Prozent fühlen sich von der „Blechbüchse“ nicht angesprochen. Die Existenz eines Stadttheaters halten über 80 Prozent für sehr wichtig.
Die wissenschaftlichen Potentiale der Um stärker zu nutzen, wünscht sich der Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport in der Stadtverwaltung, Claus Dobberke, Das äußerte er kürzlich gegenüber PUTZ. Die Kooperation zwischen Theater und Uni in Fragen Marketing beweist die Nützlichkeit derartiger Unternehmungen für die beteiligten Seiten. B.E.
KL«
Wie oft besuchen Sie das Hans Otto Theater im Jahr? Von 222 befragten Personen gaben 12 % an, sich ein- bis zweimal, 18 % drei- bis fünfmal und 27 % öfter Vorstellungen anzuschauen. Das ergab eine Umfrage vom Bereich Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing. Foto: zg.
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