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(1.1.2019) 07
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CAMPUS

WIE HALTEN SIE ES MIT DEM THEATER?

Empirische Projekte zum Kulturmarketing an der Uni

Unterschieden zwischen den einzelnen Fä­chern. Die Perspektive für den weiteren Aus­bau aber verschiebe sich fast täglich: Aktu­ell wäre der Wissenschaftsminister im Jahre 2005 angelangt, wenn er von einer 90prozen- tigen Ausbaustufe der Universität Potsdam sprechen würde. Die Entwicklung sei durch die desolate finanzielle Lage des Landes zum Stillstand gekommen und biete derzeit keine Perspektive - was sich vor allem in einigen Studiengängen schlimm auswirkte, in denen die Studierenden jetzt ins Haupt­studium kämen und die dafür vorgesehenen und erforderlichen Professoren fehlten. Erfreuliches gab es bezüglich der Bearbei­tung der Anträge für die Mitarbeiter der Universität bei der Gauck-Behörde zu be­richten: Von den insgesamt 1.310 einge­reichten Anfragen waren zum 1. Juli 1996 nur noch 40 offen, wobei zu berücksichti­gen ist, daß es ständig neue Anträge für neu eingestellte Mitarbeiter gibt.

Als Arbeitsschwerpunkte des Rektorates zählte der Rektor die angestrebte Konsolidie­rung der Hochschule sowie das Ziel, die Universität fit zu machen für eine verstärkte Konkurrenz zwischen den Hochschulen spe­ziell der Region Berlin-Brandenburg, auf. Dazu gehöre eine Überprüfung der struktu­rellen Ausrichtung der Interdisziplinären Zentren, der einzelnen Fächer und der zen­tralen Betriebseinheiten, ein Schärfen der Profile und eine Verbesserung der Qualität in der Lehre. Die aktuellen Prioritäten dieses Jahres - z.B. die Umbildung des Zentrums für Lehr- und Lernforschung zu einem Zen­trum für Lehrerbildung, die Umbildung des Sprachenzentrums sowie eine Reorganisa­tion des Bereiches für Sport und Kultur - sei­en jedoch zunehmend überlagert durch fi­nanzielle Probleme. Loschelders Fazit: Der Spielraum wird immer enger, die Luft sehr, sehr dünn. Dem Land warf der Rektor vor, daß es keine Prioritäten hinsichtlich seiner Zukunftsressourcen, der Wirtschaft im Ver­bund mit der Wissenschaft und der Ausbil­dung der nächsten Generation, setzen wür­de. Dem Wissenschaftsministerium lastete er Konzeptionslosigkeit an, wobei er als ak­tuelles Beispiel auf die vom MWFK ge­wünschte und nicht mit der Universität abge­stimmte Einstellung des Diplomstudiengan­ges Geographie verwies: Diese sei in der vom MWFK eingeschlagenen Form nicht nur rechtswidrig, sondern würde aufgrund des weiter bestehenden Magisterstudienganges Geographie auch keine Einsparpotentiale bieten, Zudem wären die Unterlagen an in­teressierte Studierende bereits versandt. Vor diesem Hintergrund regte ein studenti­sches Konzilsmitglied an, daß die Professo­ren im kommenden Wintersemester in ih­ren Veranstaltungen auf die geplanten Kür­zungen und ihre Auswirkungen aufmerk­sam machen und die Studierenden auf die­se Weise informieren sollten. Hg.

PUTZ 7/96

Seit kurzem gibt es die Theaterzeitung Spielzeit. Sie liegt monatlich einer Pots­damer Tageszeitung bei. Dieser neue Service ist nicht zuletzt einer von Theater und Potsdamer Universität durchgeführ­ten Umfrage zu verdanken.

Empirische Studien zum Kulturmarketing gehören zu den Aktivitäten Ingo Balderjahns, seiner Mitarbeiter und Studierenden. Der Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing widmet sich dem Gegenstand, weilder Marketing­gedanke m den Kulturbereich insgesamt nur zögerlich Einzug hält". Publikumsbefragun­gen, die eine Analyse von Ansprüchen, Mo­tiven und Gründen für Akzeptanz oder Nicht­akzeptanz erlauben, seien bisher relativ sel­ten. Auch deshalb untersuchten 14 Studie­rende des Faches Marketing im Rahmen des MarktforschungspraktikumsKulturmanage­ment und Kulturmarketing" im Sommerse­mester 1995 Image und Akzeptanz ausge­wählter Potsdamer Kulturveranstaltungen. Sie konnten Erfahrungen bei Befragungen vom Erstellen des Fragebogens bis zur Ergebnisdokumentation sammeln.

Nach Analyse der ReihePotsdamer Arkadi­en entstand die Idee, eine Besucher­befragung im Hans Otto Theater Potsdam in Angriff zu nehmen. Im Februar 1996 beteilig­ten sich daran 222 Personen. Sie füllten vor Ort im Theater standardisierte Bögen aus mit Fragen zum Besucherverhalten, zur Öf­fentlichkeitsarbeit sowie zum Kartenkauf­verhalten. An der Uni erfolgte dann die Da­tenauswertung, und zwar nicht zum Selbst­zweck. Die Marketingverantwortliche des Theaters, Silvia Pickert, betrachtet die Um­frageergebnisse als äußerst wertvoll für ihre Arbeit.Mein Marketingkonzept fußt auch auf diesen Studien der Uni." Die zahlreichen

Hinweise und Anregungenhaben Auswir­kungen darauf, wie wir den Spielplan gestal­ten, gezielt Besuchergruppen ansprechen, informieren und ihre Interessen berücksich­tigen", so Pickert.

Zu wichtigen Anhaltspunkten aus der Erhe­bung gehören: Über die Hälfte der Befrag­ten sind jünger als 35 Jahre. Als Wohnort gaben 59 Prozent Potsdam, 20 Prozent Ber­lin an. Nur fünf Prozent der Angesproche­nen besitzen ein Abonnement. Die Forde­rung nach einem Theaterneubau unter­stützten damals 73 Prozent,

Der Besucherbefragung schloß sich im Juni des gleichen Jahres eine Bürgerbefragung von 250 Potsdamern an.Nachdem wir jene um Auskunft baten, die das Kulturleben der Stadt aktiv nutzen, wollten wir auch Mei­nungsäußerungen von denen, die diesbe­züglich eher zurückhaltender sind", begrün­det die mit der Projektdurchführung beauf­tragte Simone Will von der Alma mater das Anliegen. Diesmal fungierten die Studieren­den als Interviewer. Aufschlußreich auch hier die Ergebnisse. 50 Prozent gaben an, noch nie eine Aufführung des Hans Otto Theaters und 60 Prozent noch nie eine Berliner Büh­ne besucht zu haben. Deutlich wird auch das Problem des Theaterhauses in der Landes­hauptstadt. Denn 86 Prozent fühlen sich von derBlechbüchse nicht angesprochen. Die Existenz eines Stadttheaters halten über 80 Prozent für sehr wichtig.

Die wissenschaftlichen Potentiale der Um stärker zu nutzen, wünscht sich der Beige­ordnete für Bildung, Kultur und Sport in der Stadtverwaltung, Claus Dobberke, Das äu­ßerte er kürzlich gegenüber PUTZ. Die Kooperation zwischen Theater und Uni in Fragen Marketing beweist die Nützlichkeit derartiger Unternehmungen für die betei­ligten Seiten. B.E.

KL«

Wie oft besuchen Sie das Hans Otto Theater im Jahr? Von 222 befragten Personen gaben 12 % an, sich ein- bis zweimal, 18 % drei- bis fünfmal und 27 % öfter Vorstellungen anzuschauen. Das ergab eine Umfrage vom Bereich Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing. Foto: zg.

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