Heft 
(1.1.2019) 07
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LERNGEHINDERT, NICHT LERNBEHINDERT

Hilfe für Kinder mit Rechenschwäche

Katja ist eine gute Schülerin, nur in der Mathematik klappt es trotz vielen Übens nicht wie gewollt. Zum Addieren und Subtrahieren benötigt sie die Finger. Zeh­ner-, Hunderter-, Thusender-Überschreitungen, Stellenwerte und den Zahlen­aufbau versteht das Mädchen nicht oder nur schwer. Ziffern schreibt sie seitenverkehrt. So wie sie haben 14 000 Kinder in Brandenburg eine Re­chenschwäche. In ganz Deutschland sind sechs Prozent aller Schul­pflichtigen mit dieser Störung konfrontiert.

Rechenschwäche kann viele Ursachen ha­ben. Bei Dyskalkulie, so der Fachausdruck, handelt es sich um eine Tfeilleistungs- schwäche im mathematischen Bereich. In den anderen Fächern erbringen die Schüle­rinnen und Schüler teilweise sogar gute bis sehr gute Leistungen. Starke Beeinträchti­gungen des rechnerischen Denkens und Handelns sind erkennbar. Es fehlt das Ver­ständnis für Zahlen, ihren Aufbau und Ope­rationen mit ihnen. Die Lernschwierigkeiten entstehen und verfestigen sich, wenn durch ungenügende Beachtung der Voraussetzun­gen der Kinder die Anforderungen über ei­nen langen Zeitraum zu hoch sind.

Nicht selten fühlen sich die Betroffenen mit ihren Problemen allein gelassen. Denn oft müssen Eltern die Erfahrung sammeln, daß Schulträger und Schulbehörden die Rechen­schwäche ihrer Kinder nicht als Lernstörung anerkennen. Damit fehlt dann die Bedingung für die sonderpädagogische Förderung. Staatliche Unterstützung für Therapien gibt es nur in Einzelfällen. Aber je eher diese Schwäche erkannt wird, umso besser kann in vielerlei Hinsicht geholfen werden.

Um mit Sachkunde zu unterstützen, gründe­ten Gudrun Klewitz, Leiterin der Potsdamer Grundschule 34, und Dr. Angelika Köhnke, Institut für Grundschulpädagogik der Pots­damer Uni, 1993 die Beratungsstelle zur Förderung rechenschwacher KinderAba- küs(s)chen. (Abakus ist die Bezeichnung für ein antikes Rechenbrett.) Als Hauptan­liegen charakterisierte Angelika Köhnke das Aufstellen eines individuellen Förder­planes für jedes Kind in Zusammenarbeit mit Eltern und Lehrern". Daß dieser Weg der richtige ist, zeigen die positiven Ergeb­nisse. "[teilweise werden Kinder in gutem Glauben noch mit unnötigem und für sie wirkungslosem Förderunterrichtgequält. Mathematik mit allen Sinnen zu begreifen, ist der Ausweg.

Kürzlich tauschten 40 Praktiker, Wissen­schaftler und Eltern in einem Rundtischge­spräch an der Universität Potsdam Erfah­rungen aus. Unter ihnen waren auch Ärzte, Lehrer, Psychologen und Schulräte. Zu die­ser Veranstaltung luden dieInitiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Berlin- Brandenburg (IFRK) e.V, die Beratungs­stelle für Dyskalkulie Potsdam und das In­stitut für Grundschulpädagogik der Potsda­

mer Hochschule.Zukunft für rechenschwache Kinder - Was tun? lautete das The­ma. Dr. Barbara Rüdiger von der IFRK bedauerte es, daß Vertreter von Jugendämtern und der Krankenkassen ihrer Einladung nicht folgten.

Immer wieder betonten die Tteilnehmer, daß dasPrinzip Hoffnung im Falle der Rechen­schwäche nicht greift, vielmehr eine fundier­te Diagnose in jedem einzelnen Fall unab­dingbar sei. Eine fachspezifische und indi­viduelle Förderung müsse sich dann an­schließen. Auch Angelika Köhnke ist davon überzeugt,daß das Problem Rechen­schwäche in den Schulen anzusiedeln ist. Das heißt, die Lehrer müssen in Zusammen­arbeit mit allen Beteiligten Helfer sein. In der Beratungsstelle finden deshalb Eltern­beratungen statt, werden die Kinder vor Ort beobachtet. Dr. Andrea Schulz, Leiterin des PAETEC Institut für Therapie (PIT) von Rechenschwäche und Lese-Rechtschreib- Schwäche Berlin, verwies auf einen wesent­lichen Aspekt im Zusammenhang mit der Diagnose: Wenn ein Kind nicht lesen oder schreiben kann, sieht man es. Beim Rechnen ist das nicht unbedingt so."

Auch Wissenschaftler der Potsdamer Alma mater lassen das Thema Rechenschwäche nicht unberücksichtigt. Den aktuellen For­schungsstand beachtend und den prakti­schen Erfordernissen Rechnung tragend, bietet das Institut für Grundschulpädagogik seinen Studierenden der Primarstufe sowie der Sekundarstufen I und II einen Spezial­kurs Dyskalkulie an. B.E.

mfummziü!

Mit den Fingern..

...oder mit Geldstücken versuchen Kinder mit einer Rechenschwäche, Aufgaben zu lösen.

Foto: zg.

Zeichnung: Holtfreter-Glienke

AUS DEM KONZIL

In der neunten Sitzung des Konzils der Universität beschäftigten sich dessen Mit­glieder mit zwei Rektorberichten: Zum ei­nen nahmen sie den Rechenschaftsbericht des vormaligen Rektors, Prof. Dr. Rolf Mitzner, für den Zeitraum vom 26. Januar 1994 bis zum 30. September 1995 bei einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen zu­stimmend zur Kenntnis. Die Konzils­mitglieder würdigten ausdrücklich die Ar­beit des damaligen Rektorates unter Lei­tung von Rolf Mitzner beim Auf- und Aus­bau der Universität. Zum anderen erhiel­ten sie einen Zwischenbericht des jetzigen Rektors, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, zu Entwicklungsproblemen der Hochschule und Arbeitsschwerpunkten des Rektora­tes. Darüber hinaus erfuhren die Kon- züsmitglieder, daß am 27. Juni 1996 das be­reits seit längerem angekündigte Schrei­ben des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) zur Geneh­migung der Grundordnung eingegangen sei. Darin hat das MWFK 34 Anmerkungen eingefügt, die vor der Genehmigung erst abgeglichen werden müssen.

In seinem Zwischenbericht bat Rektor Lo­schelder das Konzil um konstruktive Kritik bei der Diskussion über die Sparmaßnah­men, die aufgrund derverheerenden Fi­nanzlage des Landes notwendig würden, Er bat das Gremium um ein gemeinsames Vorgehen und einen Schulterschluß in Fra­gen der Positionierung der Universität hin­sichtlich der aktuellen Finanzdebatte.

Im einzelnen lieferte er zunächst einen zah­lenmäßigen Überblick über den Entwick­lungsstand der Universität: So sei der Aus­bau mittlerweile bei circa 70 % angelangt mit

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PUTZ 7/96