LERNGEHINDERT, NICHT LERNBEHINDERT
Hilfe für Kinder mit Rechenschwäche
Katja ist eine gute Schülerin, nur in der Mathematik klappt es trotz vielen Übens nicht wie gewollt. Zum Addieren und Subtrahieren benötigt sie die Finger. Zehner-, Hunderter-, Thusender-Überschreitungen, Stellenwerte und den Zahlenaufbau versteht das Mädchen nicht oder nur schwer. Ziffern schreibt sie seitenverkehrt. So wie sie haben 14 000 Kinder in Brandenburg eine Rechenschwäche. In ganz Deutschland sind sechs Prozent aller Schulpflichtigen mit dieser Störung konfrontiert.
Rechenschwäche kann viele Ursachen haben. Bei Dyskalkulie, so der Fachausdruck, handelt es sich um eine Tfeilleistungs- schwäche im mathematischen Bereich. In den anderen Fächern erbringen die Schülerinnen und Schüler teilweise sogar gute bis sehr gute Leistungen. Starke Beeinträchtigungen des rechnerischen Denkens und Handelns sind erkennbar. Es fehlt das Verständnis für Zahlen, ihren Aufbau und Operationen mit ihnen. Die Lernschwierigkeiten entstehen und verfestigen sich, wenn durch ungenügende Beachtung der Voraussetzungen der Kinder die Anforderungen über einen langen Zeitraum zu hoch sind.
Nicht selten fühlen sich die Betroffenen mit ihren Problemen allein gelassen. Denn oft müssen Eltern die Erfahrung sammeln, daß Schulträger und Schulbehörden die Rechenschwäche ihrer Kinder nicht als Lernstörung anerkennen. Damit fehlt dann die Bedingung für die sonderpädagogische Förderung. Staatliche Unterstützung für Therapien gibt es nur in Einzelfällen. Aber je eher diese Schwäche erkannt wird, umso besser kann in vielerlei Hinsicht geholfen werden.
Um mit Sachkunde zu unterstützen, gründeten Gudrun Klewitz, Leiterin der Potsdamer Grundschule 34, und Dr. Angelika Köhnke, Institut für Grundschulpädagogik der Potsdamer Uni, 1993 die Beratungsstelle zur Förderung rechenschwacher Kinder „Aba- küs(s)chen“. (Abakus ist die Bezeichnung für ein antikes Rechenbrett.) Als Hauptanliegen charakterisierte Angelika Köhnke „das Aufstellen eines individuellen Förderplanes für jedes Kind in Zusammenarbeit mit Eltern und Lehrern". Daß dieser Weg der richtige ist, zeigen die positiven Ergebnisse. "[teilweise werden Kinder in gutem Glauben noch mit unnötigem und für sie wirkungslosem Förderunterricht „gequält“. Mathematik mit allen Sinnen zu begreifen, ist der Ausweg.
Kürzlich tauschten 40 Praktiker, Wissenschaftler und Eltern in einem Rundtischgespräch an der Universität Potsdam Erfahrungen aus. Unter ihnen waren auch Ärzte, Lehrer, Psychologen und Schulräte. Zu dieser Veranstaltung luden die „Initiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Berlin- Brandenburg“ (IFRK) e.V, die Beratungsstelle für Dyskalkulie Potsdam und das Institut für Grundschulpädagogik der Potsda
mer Hochschule. „Zukunft für rechenschwache Kinder - Was tun?“ lautete das Thema. Dr. Barbara Rüdiger von der IFRK bedauerte es, daß Vertreter von Jugendämtern und der Krankenkassen ihrer Einladung nicht folgten.
Immer wieder betonten die Tteilnehmer, daß das „Prinzip Hoffnung“ im Falle der Rechenschwäche nicht greift, vielmehr eine fundierte Diagnose in jedem einzelnen Fall unabdingbar sei. Eine fachspezifische und individuelle Förderung müsse sich dann anschließen. Auch Angelika Köhnke ist davon überzeugt, „daß das Problem Rechenschwäche in den Schulen anzusiedeln ist. Das heißt, die Lehrer müssen in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten Helfer sein“. In der Beratungsstelle finden deshalb Elternberatungen statt, werden die Kinder vor Ort beobachtet. Dr. Andrea Schulz, Leiterin des PAETEC Institut für Therapie (PIT) von Rechenschwäche und Lese-Rechtschreib- Schwäche Berlin, verwies auf einen wesentlichen Aspekt im Zusammenhang mit der Diagnose: Wenn ein Kind nicht lesen oder schreiben kann, sieht man es. Beim Rechnen ist das nicht unbedingt so."
Auch Wissenschaftler der Potsdamer Alma mater lassen das Thema Rechenschwäche nicht unberücksichtigt. Den aktuellen Forschungsstand beachtend und den praktischen Erfordernissen Rechnung tragend, bietet das Institut für Grundschulpädagogik seinen Studierenden der Primarstufe sowie der Sekundarstufen I und II einen Spezialkurs Dyskalkulie an. B.E.
mfummziü!
Mit den Fingern..
...oder mit Geldstücken versuchen Kinder mit einer Rechenschwäche, Aufgaben zu lösen.
Foto: zg.
Zeichnung: Holtfreter-Glienke
AUS DEM KONZIL
In der neunten Sitzung des Konzils der Universität beschäftigten sich dessen Mitglieder mit zwei Rektorberichten: Zum einen nahmen sie den Rechenschaftsbericht des vormaligen Rektors, Prof. Dr. Rolf Mitzner, für den Zeitraum vom 26. Januar 1994 bis zum 30. September 1995 bei einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen zustimmend zur Kenntnis. Die Konzilsmitglieder würdigten ausdrücklich die Arbeit des damaligen Rektorates unter Leitung von Rolf Mitzner beim Auf- und Ausbau der Universität. Zum anderen erhielten sie einen Zwischenbericht des jetzigen Rektors, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, zu Entwicklungsproblemen der Hochschule und Arbeitsschwerpunkten des Rektorates. Darüber hinaus erfuhren die Kon- züsmitglieder, daß am 27. Juni 1996 das bereits seit längerem angekündigte Schreiben des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) zur Genehmigung der Grundordnung eingegangen sei. Darin hat das MWFK 34 Anmerkungen eingefügt, die vor der Genehmigung erst abgeglichen werden müssen.
In seinem Zwischenbericht bat Rektor Loschelder das Konzil um konstruktive Kritik bei der Diskussion über die Sparmaßnahmen, die aufgrund der „verheerenden Finanzlage des Landes“ notwendig würden, Er bat das Gremium um ein gemeinsames Vorgehen und einen Schulterschluß in Fragen der Positionierung der Universität hinsichtlich der aktuellen Finanzdebatte.
Im einzelnen lieferte er zunächst einen zahlenmäßigen Überblick über den Entwicklungsstand der Universität: So sei der Ausbau mittlerweile bei circa 70 % angelangt mit
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PUTZ 7/96