CAMPUS
„DENKFABRIK" IM AUFBAU
Präsident der Max-Planck-Gesellschaft besuchte Golm
Beim Betrachten der Baugrube für den Wissenschaftspark in Golm beruhigte Mitte September 1996 der Wissenschaftsminister Steffen Reiche bei seinem Besuch vor Ort alle eventuellen Skeptiker. Das ausgebaggerte Loch sei so groß, „daß für alle Zeiten sicher ist, daß etwas passiert“. Was an ihm liege, werde er für diese „schönste, wichtigste und entscheidendste Aufgabe auf dem Gebiet der Wissenschaft in Brandenburg“ auch unter Sparzwängen leisten.
Aus Anlaß des Baubeginns des ersten Abschnitts der Max-Planck-Institute (MPI) besichtigte mit dem Brandenburger Wis- senschaftsminister auch der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft und Biologe an der Universität Konstanz, Prof. Dr. Hubert Markl, die Golmer Baustelle. Hier ensteht in den nächsten Jahren eine der „Denkfabriken“ Brandenburgs. Erhalten doch an der Straße zwischen Golm und Potsdam/Bornim Gebäude für drei Institute der Max- Planck-Gesellschaft, für ein Institut der Fraunhofer Gesellschaft und für die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam ihren Standort. In der Umgebung hofft man dann auch auf die Ansiedlung von Unternehmen mit Zukunftstechnologien, die die Forschungsergebnisse der Institute in neue Produkte umsetzen. Hubert Markl bekräftigte die Zukunfts- orientiertheit des Konzeptes der gegensei
tig sich vernetzenden Fächer. Die „Magnet- wirkung“ der außeruniversitären Einrichtungen für die Potsdamer Universität und umgekehrt betonte der Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Alma mater, Prof. Dr. Ralf Menzel.
Für die drei MPI-Neubauten wurde 1993/94 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Der siegreiche Entwurf des Büros für Architektur und Stadtplanung, AS-Plan Kaiserslautern, sieht drei um einen Zentralbau, versehen mit Verwaltung, Kantine, Bibliothek und anderen Serviceleistungen, angeordnete Gebäudekomplexe vor. Die Hauptnutzfläche des Komplexes, dessen Fertigstellung für 1999 vorgesehen ist, beträgt 15 000 m 2 .
Diese modernste Einrichtung Brandenburgs soll nicht zuletzt der Verzahnung von Lehre und Forschung, der Spitzenforschung und der Sicherung von Arbeitsplätzen neue Impulse verleihen. Allein 500 Arbeitsplätze werden in den für 142 Millionen DM zu errichtenden drei Max-Planck- Instituten - für molekulare Pflanzenphysiologie, für Gravitationsphysik sowie für Kolloid- und Grenzflächenforschung - geschaffen. Für die neuen Gebäude sind insgesamt über 300 Millionen DM, für das bis zum Jahre 2001 bezugsfertige Verfügungsgebäude der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät im ersten Bauabschnitt 84 Millionen DM geplant. B.E.
Anhand von Lageplänen informierten sich vor imposanter Baukulisse der Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Universität Potsdam, Prof. Dr. Ralf Menzel, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Hubert Markl, der Wissenschaftsminister des Landes Brandenburg, Steffen Reiche, und die Prorektorin für Entwicklungsplanung und Finanzen an der Universität Potsdam, Prof. Dr. Helene Harth (v.r.n.l.) über die zukünftige Anlage des Wissenschaftsparkes Golm. Foto: Fritze
AUS DER HEIMAT DER KÄNGURUHS UND KOALAS
Sitz des Australienzentrums der Uni offiziell eingeweiht
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Australien haben eine lange Tradition. Sie gehen auf die ersten Anfänge der europäischen Besiedelung Australiens zurück. Als nämlich Kapitän Cook 1770 auf Entdeckungsfahrt ging, waren auch Deutsche bei ihm an Bord. Seither haben sie als Forscher, Missionare, Bergleute, Künstler, Winzer und Ingenieure einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Landes geleistet. Daran erinnerte kürzlich die Präsidentin des Australischen Senats, Senatorin Margaret Reid.
Sie fungiert gemeinsam mit der Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süßmuth als Schirmherrin des Australienzentrums der Universität Potsdam. Die offizielle Einweihung seines Sitzes im Holländischen Viertel Anfang Oktober 1996 war für die Senatorin Anlaß, Potsdam einen Besuch abzustatten. Die eigentliche Eröffnung der inter
disziplinären Einrichtung erfolgte bereits im März 1995, damals noch in Räumen des Uni-Komplexes Babelsberger Park. Die Einrichtung des Zentrums unterstreiche „das Engagement Australiens für die neuen Länder, nicht nur im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch als politische Geste zur Würdigung der Wiedervereinigung Deutschlands“, so Reid. Sie dankte jenen Mitarbeitern der Uni/die diesen mutigen Schritt gewagt und dazu beigetragen hätten, gemeinsame Interessen in einem Land zu fördern, das von Deutschland kaum weiter entfernt sein könne. Die Senatorin verlieh ihrer Hoffnung Ausdruck, daß das erste Australienzentrum seiner Art auf dem europäischen Kontinent, „dieses einzigartige Kooperationsprojekt ein breites Spektrum gemeinsamer akademischer, kultureller und wirtschaftlicher Inter- y
essen zusammenbringen wird“. Potsdam erweist sich nicht zuletzt aus historischen Gründen als geeigneter Standort. Als in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhun- derts die erste Gruppe deutscher Emigranten nach Australien kam, waren einige hundert Lutheraner aus Brandenburg dabei, die als Bauern in Südaustralien siedelten. Rita Süßmuth setzt auch angesichts der wachsenden Bedeutung des asiatischpazifischen Raumes auf die Potsdamer Einrichtung. Ministerpräsident Manfred Stolpe betrachtet, wie die australische Seite, das Zentrum als wichtige Schaltstelle für die Verbreitung von Informationen über den fünften Kontinent und die Förderung von gemeinsamen Vorhaben in Wissenschaft und Bildung. Die mit dieser Institution realisierbare Anleitung zum globalen Denken und Handeln sei eine Zukunftsinvestition. Uni-Rek- tor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder
PUTZ 8-9/96
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